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Bultmann, Rudolf, (1884-1976): Die Geschichte der synoptischen Tradition. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 8.Aufl. 1970 (= 2. Aufl. 1931). Grobgliederung des Buches mit Zitaten von Bultmann und Bemerkungen von A. Schart
I. Die Überlieferung der Worte Jesu
A. Apophthegmata
<8:> "Ich rechne aber unter die Wortüberlieferung eine Gattung von Traditionsstücken, die man versucht sein könnte, zu den Geschichten zu zählen, nämlich solche Stücke, deren Pointe ein in einen kurzen Rahmen gefaßtes Jesuswort bildet. Ich nenne sie mit einem in der griechischen Literaturgeschichte gebräuchlichen und möglichst neutralen Terminus 'Apophthegmata'/2/. "
<73:> Objekt der Untersuchung sind nicht sämtliche Worte Jesu bei den Synoptikern, sondern nur solche, die selbständige Traditionsstücke gewesen sind oder doch hätten sein können; also nicht Worte, die nur als direkte Rede Bestandteil der Erzählung sind wie Lk 22,48 ...
A. Wundergeschichten
Es "<261:>scheint mir eine Trennung von Geschichtserzählung und Legende nicht möglich zu sein, da zwar manche Stücke rein legendarischen Charakters sind, aber die Geschcihtserzählung so sehr unter der Herrschaft der legende steht, daß sie nur mit dieser zugleich behandelt werden kann."
A. Die Redaktion des Redenstoffes und die Redekompositionen
B. Die Redaktion des Erzählungsstoffes und die Komposition der Evangelien
C. Schluß<393:>Wie ist nun das Ergebnis der dargestellten Entwicklung, das Evangelium, das
uns zuerst in den drei Formen der Synoptiker vorliegt, literargeschichtlich zu beurteilen?
Die Motive, die zu seiner Entstehung geführt haben, sind deutlich. Die Sammlung des
Traditionsstoffes begann in der palästinensischen Urgemeinde. Apologetik und Polemik
führten zur Sammlung und Produktion apophthegmatischer Stücke.
<394:>Der Typus des Evangeliums tritt uns erst in Mk entgegen; und man wird sagen dürfen, daß er ihn geschaffen hat. Auf keinen Fall ist eine seiner Quellen als ein Evangelium zu bezeichnen.
<395:>Man wird sagen dürfen, daß es einmal zu einer zusammenhängenden Darstellung des Lebens Jesu auf Grund der vorhandenen Tradition von Einzelstücken und kleinen Sammlungen kommen mußte. Möglichst vollständige und abschließende Sammlungen mußten Bedürfnis werden, je mehr der Reichtum der mündlichen Tradition versiegte. Und daß man die Tradition, in deren Mittelpunkt eine geschichtliche Person stand, in die Form einer zusammenhängenden, geschichtlichen, biographischen Erzählung faßte, erscheint nur natürlich. Diese Erwägung reicht aber doch nicht aus, um die Eigenart der syn-<396:>optischen Evangelien zu erklären. Zwar ihr Mangel an eigentlich Biographischem, ihre Lücken in der Lebensgeschichte Jesu erklären sich schon dadurch, daß sie ihre Darstellung auf Grund der vorhandenen Tradition schaffen mußten. Ihr bestimmter, durch Mk geschaffener Charakter aber läßt sich nur verstehen aus dem Charakter des christlichen Kerygmas, zu dessen Ergänzung und Veranschaulichung das Evangelium dienen mußte. Der Christus, der verkündigt wird, ist nicht der historische Jesus, sondern der Christus des Glaubens und des Kultes. Im Vordergrund der Christusverkündigung stehen deshalb der Tod und die Auferstehung Jesu Christi als die Heilstatsachen, die im Glauben bekannt und in Taufe und Herrenmahl für den Glauben wirksam werden. Das Christuskerygma ist also Kultuslegende, und die Evangelien sind erweiterte Kultuslegenden /2/. Das alles bedeutet: die Tradition mußte als Einheit dargestellt werden unter dem Gesichtspunkt, daß in ihr der redet, daß in ihr von dem erzählt wird, der als Gottessohn auf Erden gelebt hat, gelitten hat, gestorben, auferstanden und zur himmlischen Herrlichkeit erhöht ist. Und zwar mußte der Schwerpunkt auf den Schluß der Darstellung fallen, auf Passion und Auferstehung.