Eissfeldt, Otto: (1964) Einleitung


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In dem "Lobpreis der Väter" (S. 810) erwähnt Jesus Sirach 49,10 nach der Nennung von Jesaja, Jeremia, Hesekiel und Hiob die Zwölf Propheten (s] nym (s8 r hnby)ym) und wünscht ihnen, daß ihre Gebeine wieder aufsprießen möchten aus ihrem Grab. Hier ist offenbar die Zusammenfassung unserer Büchlein Hosea bis Maleachi zu einem Buche vorausgesetzt, wie diese Büchlein im jüdischen Kanon denn auch als ein Buch gezählt werden (S. 770f.). Neben dem mit der Sirach-Stelle gegebenen Namen "Dodekapropheton" oder "Zwölfprophetenbuch" ist für unser Buch die Bezeichnung "Kleine Propheten" oder "Buch der Kleinen Propheten" gebräuchlich, die wohl zuerst bei Augustin, De civitate dei XVIII 29 (Prophetae Minores) vorkommt und hier so erläutert wird, daß sie den hinter dem der Bücher Jesaja, Jeremia und Hesekiel zurücktretenden Umfang dieser Bücher im Auge habe, nicht etwa eine geringere Bedeutung der Propheten zum Ausdruck bringen wolle, deren Namen diese Bücher tragen. Die Reihenfolge der 12 Bücher ist in LXX eine andere als in MT. In MT ist offenbar der chronologische Gesichtspunkt maßgebend gewesen: Zuerst die tatsächlich oder - das gilt von Joel (S. 532f.), von Obadja (S. 543f.) und, soweit die Abfassung des Büchleins in Betracht kommt, auch von Jona (S. 547) - vermeintlich aus der Periode des Höhepunktes der Assyrermacht, der zweiten Hälfte des 8. Jh. herrührenden Bücher Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona und Micha, dann die der Zeit des Niedergangs der assyrischen Weltherrschaft, dem letzten Drittel des 7. Jh. angehörigen Bücher Nahum, Habakuk und Zephanja, schließlich

 

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die dem Beginn der Perserzeit, dem Ausgang des 6. und der ersten Hälfte des 5. Jh. entstammenden Bücher Haggai, Sacharja und Maleachi. LXX bringt die letzten sechs Bücher in derselben Folge wie MT, die ersten sechs aber in einer anderen Ordnung, die, wie es scheint, für die ersten fünf - Hosea, Amos, Micha. Joel und Obadja - ihren Umfang maßgebend sein läßt und bei dem trotz des jedenfalls den des Obadja-Buches überragenden Umfangs seines Buches an den Schluß der Sechserreihe gestellten Jona wohl dem Gesichtspunkt Rechnung tragen will, daß dieses Buch nicht wie die anderen Gottes- und Prophetenworte bringt, sondern nur die Erzählung über einen Propheten.

Was das Alter der Zusammenstellung unserer zwölf Büchlein angeht, so kann sie nicht älter sein als das jüngste ihrer Glieder, also, da einige von diesen wie Joel (S. 532f.) und "Deutero-Sacharja" (S. 590-594) schwerlich vor dem 4., vielleicht erst im 3. Jh. entstanden sind, nicht vor etwa 300 vChr. Als untere Grenze ist durch die vorhin genannte Stelle aus Jesus Sirach der Anfang des 2. Jh. gegeben, so daß man sich die Sammlung als ganze als im Verlauf des 3. Jh. zustande gekommen wird denken dürfen. Wahrscheinlich hat ihr Redaktor die zwölf Büchlein nicht mehr als selbständige Größen vorgefunden. Vielmehr werden einige von ihnen schon vorher zu kleineren Sammlungen zusammengefaßt worden sein, wie ja auch den Büchern Jes, Jer und Hes kleinere Sammlungen zugrunde liegen. Genaueres läßt sich aber darüber nicht sagen, da die hier in Betracht kommenden Kriterien mehrdeutig sind.


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last revision of this page: 12.07.2000