Geschichte des Universitätsklinikums
Am 15.7.1905 beschloß die Essener Stadtverordnetenversammlung die Bauausführung der Städtischen Krankenanstalten Essen, welche nach vierjähriger Bauzeit am 29.7.1909 feierlich eröffnet wurden. Die Anstalt umfaßte initial u.a. eine medizinische Klinik, eine Hautklinik und ein Wöchnerinnenasyl. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Krankenhaus durch Angliederung einer Augenklinik, einer Frauenklinik und einer Kinderklinik kontinuierlich ausgebaut.
Ab 1939 erfolgte der Neubau der Medizinischen Klinik, so daß die städtischen Krankenanstalten Essen zu dieser Zeit über eine Kapazität von 1400 Betten verfügten. Im zweiten Weltkrieg wurden große Teile der medizinischen Einrichtungen zerstört. Ende 1944 betrug die Bettenkapazität 45 Plätze, die sich alle in Luftschutzstollen und -kellern befanden.
Nach dem Krieg finanzierte die Stadt Essen den großzügigen Wiederaufbau. Die Praxis bei der Besetzung der Chefarztstellen ließ den Willen zur Gründung einer medizinischen Akademie erkennen. Zu Beginn der sechziger Jahre wurde die Gründung der Ruhr-Universität angegangen; hierfür wurde im Juli 1961 Bochum als Standort ausgewählt. Nachfolgend kam es zur Zuordnung der Städtischen Kliniken Essen an die Westfälische-Wilhelms-Universität Münster als zweites Universitätsklinikum, wodurch die Städtischen Krankenanstalten Essen 1963 Universitätsstatus erlangten. Man begann mit 50 Studenten im 1. klinischen Semester. Nachdem die Ruhr-Universität in Bochum 1965 ihren Betrieb aufgenommen hatte, kam es 1966 zu einer Vereinbarung über die Eingliederung des Universitäts-Klinikum Essen in den Hochschulbetrieb. Der Übergang der Angliederung von Münster nach Bochum wurde 1967 vollzogen.
Im gleichen Jahr wurden die großen Neubauprojekte HNO- und Augenklinik sowie die Strahlen- und Tumorklinik fertiggestellt.
1972 wurde die Essener Gesamthochschule gegründet, die u.a. die Eingliederung des Essener Klinikum vorsah. Zum 1.1.1973 wurden die Städtischen Krankenanstalten vom Land NRW als Träger übernommen und erlangten in den folgenden Jahren die Bezeichnung "Medizinische Einrichtungen".
Man erkannte schnell, daß für die chirurgischen Disziplinen ein Neubau notwendig sein würde, um den gewachsenen Anforderungen an Patientenversorgung, Forschung und Lehre gerecht zu werden. 1974 verabschiedete man eine "große Lösung", die die Errichtung eines Operativen Zentrums vorsah, in das alle operativen Fächer (mit Ausnahme der HNO- und Augenklinik) und die Anästhesiologische Abteilung aufgenommen werden sollten.
Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten kam es erst 1979 zum Baubeginn. Erneute Revisionen der Baupläne 1982 erbrachten dann die "kleine Lösung", wie wir sie heute sehen. 1989 erfolgte dann die Eröffnung des Operativen Zentrums II (Abbildung), das mit 16000 qm Nutzfläche Platz für die Allgemein- und Transplantations-, Unfall- und Neurochirurgie, Radiologie, das Labor und zum Teil für die Anästhesiologische Klinik bot. 1999 kam mit der Eröffnung der neuen Frauenklinik eine weitere Neubaumaßnahme zum Abschluß. 2003 wurde das Westdeutsche Herzzentrum mit dem neuen Operativen Zentrum I (Herz-Thoraxchirurgische Klinik und Kardiologie) offiziell eingeweiht. Es ist mit den neuesten Geräten ausgestattet und in der Struktur einzigartig. Schließlich wurde 2004 das neue Zentrallabor eröffnet. Weitere Projekte sind der Neubau der Inneren Medizin, eines neuen Forschungsgebäudes sowie der Neubau der Augen- und HNO-Klnink.
Geschichte der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Die Geschichte der Anästhesiologie als eigenständiges Fachgebiet ist in Deutschland noch recht jung. In den USA wurden bereits 1925 erste anästhesiologische Abteilungen eingerichtet. In Deutschland erfolgte dies erst in den 60er Jahren. In Essen entstammte der erste Fachanästhesist, Prof. Dr. med. em. Ludwig Stöcker, der chirurgischen Klinik. Prof. Stöcker wurde am 1.7.1962 an den damals noch städtischen Krankenanstalten Essen als Assistent eingestellt. Seine Ausbildung zum Anästhesiologen erhielt er in Wuppertal und Düsseldorf, dort im Institut für Klinische Anästhesiologie unter Prof. Dr. med. Martin Zindler.
Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich dann aus dem vormaligen Teilgebiet der Chirurgie ein eigenständiges Fachgebiet. So wurden im Laufe der sechziger Jahre bald Patienten aller operativ tätigen Disziplinen durch Ärzte der Klinik für Anästhesiologie betreut. 1963 wurde dem leitenden Arzt der Abteilung durch die Ärztekammer Nordrhein die volle Weiterbildungsermächtigung für das Fach Anästhesiologie erteilt.
In dieser Zeit fanden auch die ersten Operationen in der Kardiochirurgie statt. Auch dies machte eine intensive postoperative Nachsorge notwendig, so daß es zu ersten Schritten auf dem Gebiet der Intensivmedizin kam.
Die Angliederungen an die Universitäten in Münster und später Bochum eröffneten zudem neue Betätigungsfelder in der studentischen Lehre und der Forschung, insbesondere in Zusammenarbeit mit den Instituten für Pharmakologie und pathologische Physiologie.
1969 wurde Herrn Dr. med. Stöcker die Lehrbefugnis für das Fach Anästhesiologie durch den Rektor der Universität Bochum erteilt. Nach der Eingliederung des Universitäts-Klinikums in die Universität-Gesamthochschule Essen erfolgte 1972 die Ernennung zum Professor und 1974 seine Berufung zum Ordentlichen Professor am Universitätsklinikum der Uni-GH Essen.
1972 fand die erste Nierentransplantation in Essen statt. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Universitätsklinikum zum Transplantationsschwerpunkt ausgebaut, 1987 wurde das Transplantationsprogramm auf die Lebertransplantationen ausgeweitet, welche 1998 nochmals eine gravierende Verstärkung durch die Berufung des Transplantationschirurgen Prof. Dr. med. Dr. hc. mult. Broelsch erfuhr.
1996 erhielt Prof. Dr. med. Jürgen Peters als Nachfolger von Professor Stöcker den Ruf an die Universität Essen, wo er als Direktor die Leitung der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin übernahm. Prof. Dr. med. Jürgen Peters erhielt seine Ausbildung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie am Department of Anesthesiology and Critical Care Medicine an der Johns Hopkins University in Baltimore, USA.
Unter seiner Leitung wurden insbesondere die Intensivmedizin, die Schmerztherapie und der Notarzt-/Rettungsdienst weiter ausgebaut. In der studentischen Lehre wurden neue Kurse angeboten und neue Forschungsschwerpunkte insbesondere bei der Pathophysiologie des Herz-Kreislauf-Systems gesetzt. Durch die Teil-Besetzung des am Klinikums stationierten Notarztwagens (in Zusammenarbeit mit den Unfallchirurgischen Abteilung) ergaben sich auch neue Ausbildungsmöglichkeiten für die ärztlichen Mitarbeiter. Inzwischen sind in der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin über 70 ärztliche und wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigt.
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