„Wenn man einem einfachen Bürger sagt, er sei politisch inkompetent, beschuldigt man ihn, unrechtmäßig Politik zu machen."
(Pierre Bourdieu: Das politische Feld. Konstanz 2001, S.44)
„Wenn man einem einfachen Bürger sagt, er sei politisch inkompetent, beschuldigt man ihn, unrechtmäßig Politik zu machen."
(Pierre Bourdieu: Das politische Feld. Konstanz 2001, S.44)
Erwachsenenbildung war immer eng verknüpft mit dem Gedanken der Aufklärung und Emanzipation und ging mehr oder weniger auf in „politischer Bildung“. Das hat sich verändert. Durch den gesellschaftlichen Strukturwandel, etwa dem Wandel der sozialen Milieus oder der wachsenden Bedeutung beruflicher Qualifizierung, der Krise der politischen Repräsen-tation und dem auf den Bildungsinstitutionen lastenden Druck zunehmender Marktorientierung, haben sich die Voraussetzungen und Ziele politischer Bildung beträchtlich verschoben.
Die Arbeit des Fachgebietes nimmt die gesellschaftlichen Wandlungs-prozesse auf und orientiert sich hierbei an einem Konzept, das man als „partizipatorische Demokratie“ bezeichnen kann: Es geht darum, mehr gesellschaftliche Teilhabe für viele zu ermöglichen. Welchen Beitrag kann politische Erwachsenenbildung heute dazu leisten? Wir knüpfen dabei an frühere Arbeiten zu Partizipation, Bildung und sozialem Wandel an, etwa im Kontext der gewerkschaftlichen Bildung, der Kirchen und nicht-verfasster Beteiligungsformen wie in Vereinen und Initiativen.
Zugrunde liegt ein Verständnis, wonach die Emanzipation von Zwängen und Herrschaftsstrukturen in erster Linie „von unten“, von den Akteuren selbst ausgeht. Politische Bildung und politisches Lernen beginnt, vereinfacht gesagt, mit der Reflexion der Erfahrungen, die Menschen machen, wenn sie Einfluss nehmen wollen auf die Regelung der allgemeinen Angelegenheiten (was die wohl allgemeinste Umschreibung dessen ist, was mit Politik gemeint ist). Dabei müssen jedoch die sozialen Voraussetzungen für politische Sozialisations-, Lern- und Bildungs-prozesse sowie für politische Artikulationsformen berücksichtigt werden, also die milieuspezifischen Kontexte.
Gegenwärtige Schwerpunkte des Fachgebiets in Forschung und Lehre sind Adressaten- und Teilnehmerforschung, Bildungsungleichheit, politische Bildung, Sozialisation und Partizipation, sowie pädagogisches Handeln und Formen symbolischer Gewalt im Kontext empirischer Habitus- und Milieuforschung. Zu diesen Themen bieten die Mitarbeitenden des Fachgebietes Lehrveranstaltungen in den Studiengängen „BA Erziehungswissenschaft“, „MA „Erwachsenenbildung/
European Adult Education" (Variante „Erwachsenenbildung/Weiterbildung)“ sowie im auslaufenden Studiengang „Diplom Erziehungswissenschaft“ an.
Die Forschungsschwerpunkte des Fachgebiets finden darüber hinaus Eingang in ein eigenes Wahlpflichtmodul „Politische Bildung“, das alternativ zum Modul Berufliche Weiterbildung im Masterstudiengang „Erwachsenenbildung/European Adult Education“ (Variante „Erwachsenenbildung/Weiterbildung“) gewählt werden kann. Damit bietet dieser Studiengang der Universität Duisburg-Essen die Möglichkeit einer besonderen, deutschlandweit einzigartigen Profilbildung. Nähere Informationen können dem Modulhandbuch des Master-studiengangs entnommen werden.
Detaillierte Informationen über unsere Forschungsaktivitäten sind in den Rubriken ‚Aktuelle Aktivitäten‘ und ‚Projekte‘ zu finden.
Für weitergehende Fragen wenden Sie sich bitte an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachgebiets.