Sichtweise auf Diversity aus der ökonomischen Perspektive

Neben den sozialpolitischen und gesellschaftsbezogenen Aspekten werden Diversity und Diversity Management (DiM) aus der ökonomischen Perspektive betrachtet und aufgrund von folgenden Argumenten (teilweise in Anlehnung an Cox/Blake 1991) zunehmend auch an Hochschulen implementiert: Kostensenkung / Erhöhung der Produktivität, Rekrutierungsargument; Personal- und Studierendenrekrutierung, Kreativitätsargument, Problemlösungsargument, Systemflexibilisierungsargument.

Kostensenkung / Erhöhung der Produktivität

Studier- und Arbeitsunzufriedenheit, Demotivation, Produktivitätsmangel, Fluktuation und erhöhter Krankenstand werden durch DiM-Maßnahmen reduziert. Leistungsfähigkeit, Arbeits- und Lernbereitschaft steigen. Produktivität und Motivation verringern nicht nur den Krankheitsstand, sondern wirken sich positiv auf die Effektivität/Effizienz und gleichzeitig auf die Senkung der Kosten der Hochschulen und der Studienabbruch- und Schwundquoten bei den Studierenden aus.

Rekrutierungsargument; Personal- und Studierendenrekrutierung

Nutzung von nicht-traditionellen und vielfältigen Arbeitsmarktgruppen und -potenziale (Studierende und MitarbeiterInnen) und die bewusste Anwerbung durch Diversity-Marketing (DM) erweitert den möglichen und zukünftigen Bewerberpool.

In etwa acht bis zehn Jahren, nachdem die große "Welle" traditioneller Studierender aufgrund des Zusammentreffens von Jahrgängen, die ein neunjähriges Gymnasium absolvieren, und Jahrgängen, für die eine Schulzeitverkürzung auf acht Gymnasialjahre gilt, die akademische Ausbildung beendet hat, wird dieses Argument an Hochschulen im Hinblick auf Studierende das zentrale Argument sein.

Hochschulen mit dem besten Image und Hochschulen, die DiM implementiert haben und DM nutzen (werden), können zukünftig auch die nicht-traditionellen Studierenden und MitarbeiterInnen nicht nur in Deutschland sondern auf der internationalen Ebene anwerben. Der Rekrutierungs-Pool wird so um ein Vielfaches größer.

Kreativitätsargument

In heterogenen und vielfältigen Hochschulen aber auch in deren Teams/Abteilungen, Vorlesungen und Seminaren, steigt die Kreativität und somit die Innovationsfähigkeit aufgrund der Vielfalt der Perspektiven, Erfahrungen und der Herkünfte. Perspektivenvielfalt fördert und stimuliert weitere Denkprozesse in Gruppen und Projekten.

Vielfältige Studierendengruppen, Forschungsteams und Abteilungen an Hochschulen besitzen kreativere und tragfähigere Lösungsansätze und -strategien und gleichzeitig mehr mögliche Herangehensweisen.

Problemlösungsargument

Vielfältige Gruppen Studierender und MitarbeiterInnen besitzen eine Vielzahl an Problemlösungsstrategien, verfügen über mehr Ideen und Vorgehensweisen, wie Herausforderungen begegnet und Schwierigkeiten überwunden werden können. Das Groupthink-Phänomen wird durch die Vielfalt an Hochschulmitgliedern und deren Sichtweisen ebenfalls reduziert.

Mehr über Groupthink-Phänomen

 

Systemflexibilisierungsargument

Die Vielfalt der Ideen führt zu flexiblerem Denken und Handeln, höherer Elastizität und einer flexibleren Einstellung im Hinblick auf die Erwartungen und Umweltansprüche aus der Gesellschaft aber auch im Umgang mit den Erwartungen einzelner Stakeholder und Akteure im Hochschulkontext. Veränderungen können somit effizienter, flexibler und kostengünstiger erzielt werden.

Versprechen von DiM-Initiativen an Hochschulen

Implementierte DiM-Initiativen und -Konzepte an Hochschulen versprechen außerdem:

  • Verbessertes internes und externes Marketing (Diversity Marketing)
  • Verbesserte Ansprache, Erreichbarkeit und Bindung neuer, nicht-traditioneller und unterrepräsentierter StudentInnengruppen und MitarbeiterInnen
  • Entwicklung neuer und internationaler Studiengänge, Betätigungs- und Forschungsfelder
  • Erhalt positiver Publicity; Vermeidung negativer Publicity
  • Imageverbesserung und -vorteile: z.B. Exzellenzwettbewerb
  • Positionierung in der gesamten European Higher Education Area (EHEA) / EHEA
  • Bildung von Profilmerkmalen/Alleinstellungsmerkmalen; Positionierung im internationalen Bildungsmarkt und zukünftigem Wettbewerb
  • Zuwachs an ausländischen Kooperationspartnern und -hochschulen
  • Zusatzeinnahmen: z. B. durch Fundraising, zusätzliche Kurse/Zertifikate (u.a. auch im Rahmen des Lebenslangen Lernens) oder auch bewusste Anwerbung ausländischer Studierender
  • Zusätzliche Finanzierung von Projekten oder Stellen im Diversity-Kontext, u.a. durch den Europäischen Sozialfond (ESF) und weitere Stiftungen, Vereine, Stipendienwerke, aber auch Unternehmen und sonstige Kostenträger

            Siehe u.a   Förderdatenbank

                              Stipendiendatenbank des BMBF