Einleitung und Eckdaten
Fünf Jahre nach Gründung der E-Competence Agentur und der Einführung von Moodle als strategischer E-Learning-Plattform an der UDE entschlossen sich die zentralen Einrichtungen ZIM und UB ihre Kunden zu ihrer Nutzung der digitalen Tools in der Lehre zu befragen. Gefragt wurden Studierende und Lehrende in parallelen Fragebögen, um die Art der Nutzung, die Zufriedenheit der Nutzer/-innen und ggf. weitere Bedarfe und Optimierungswünsche zu erfahren.
Das Prorektorat Studium und Lehre bewilligte im Januar 2011 die Befragung. Diese fand Anfang 2011 durch das ZfH statt. Aufgrund von Überlastung kommen wir erst jetzt dazu, die wichtigsten Ergebnisse zu präsentieren.
Eckdaten der Befragung:
| Feldzeit | 26.01.11 – 23.02.2011 |
| Ausschöpfung MA | 6.167 MA wurden angeschrieben (wiss. MA, Lehrbeauftragte, SHKs und WHKs) 502 MA haben teilgenommen (8,1%) |
| Ausschöpfung Stud | 11.481 Studierende wurden angeschrieben (33% über alle Fakultäten verteilt) 797 Studierende haben teilgenommen (6,9%) |
Kenntnis digitaler Angebote an der UDE
Abgefragt wurde die „Toolbox“, die dem Beratungsportfolio der E-Competence Agentur entspricht:
- Lernplattform Moodle
- DuEPublico (Multimedia-Server, ePublishing)
- Online-Semesterapparate
- WIKI
- Universitätsbibliographie
- Forum
- Basic Support for Collaborative Work (Dokumentenmanagement-System)
- Mobiles Arbeiten mit mobilen Endgeräten
- Videoconferencing
- Studienportal
- Videoaufzeichnung
- Screencasting / Podcasting
Die Lernplattform Moodle (Webseite der Lernplattform Moodle an der UDE: http://moodle.uni-due.de, im WS10/11 waren knapp 25.000 Nutzer/innen in 700 Kursräumen aktiv) ist das bekannteste der digitalen Werkzeuge, die im Fragebogen genannt wurden (siehe Abbildung 1 zur Nutzungshäufigkeit von Lehrenden und Abbildung 2 zur Nutzungshäufigkeit von Studierenden). Auch die Nutzung des Dokumenten- und Publikationsservers DuEPublico (Dokumenten- und Publikationsserver DuEPublico an der UDE: http://duepublico.uni-due.de) und den auf DuEPublico aufgesetzten Online-Semesterapparaten spielt bei beiden Zielgruppen eine große Rolle.
Abbildung 1: Nutzungshäufigkeit von Lehrenden
Abbildung 2: Nutzungshäufigkeit von Studierenden
Weiterhin ergab sich:
Auswertung Lehrende (Abb.1): Wiki (38%), Universitätsbibliographie (35%), Forum (29%), Groupware BSCW (28%). Rückmeldungen zu digitalen Werkzeugen mit exakt oder weniger als 20%: Mobiles Arbeiten (20%), Videokonferenzen (17%), Studienportal (14%), Aufzeichnung/Streaming (14%), Screencastingtools/Podcasts (11%). Mobiles Arbeiten ist ein relativ neues Thema auf dem Bildungssektor und wird daher noch nicht so oft genannt, da möglicherweise entsprechende Einsatzszenarien noch nicht bekannt sind.
Auswertung Studierende (Abb.2): Im Ganzen entsprechen die Ergebnisse der Befragung der Studierenden an dieser Stelle weitgehend denen der Lehrenden.
Die Abbildungen 3 und 4 zeigen die Nutzungshäufigkeit im vergangenen Jahr. Es ist auffällig, dass alle Werkzeuge relativ häufig zum Einsatz kamen. Die Rubrik Sonstiges lässt vermuten, dass über das Angebot der zentralen Einrichtungen hinaus eine Vielzahl frei zur Verfügung stehender digitaler Werkzeuge selbstverständlich genutzt wird und sich Lehrende dadurch auch informell Medienkompetenz aneignen. Zudem wurden die Lehrenden gefragt, in welchem Kontext sie digitale Werkzeuge im vergangenen Jahr am häufigsten eingesetzt haben. Lehrende nutzen (siehe Abb. 4) am häufigsten digitale Werkzeuge zum Einsatz in Seminaren, dicht gefolgt mit jeweils 40% in Vorlesungen mit weniger als 100 Teilnehmenden sowie in Übungen. Mit immerhin 30% kommen auch in Vorlesungen mit mehr als 100 Teilnehmenden digitale Werkzeuge zum Einsatz.
Abbildung 3 (Antwort Lehrende)
Abbildung 4 (Antwort Studierende)
In den Abbildungen 5 und 6 werden die jeweils im Fragebogen erwähnten digitalen Werkzeuge zunächst von Lehrenden (Abb. 5) und anschließend von Studierenden (Abb. 6) den jeweiligen Unterrichtstypen zugeordnet.
Abbildung 5 (Antwort Lehrende)
Abbildung 6 (Antwort Studierende)
Abb. 5 zeigt, dass Lehrende die Lernplattform Moodle in allen vier Veranstaltungstypen (Seminaren, Übungen, in Veranstaltungen mit jeweils mehr und weniger als 100 Teilnehmern) rege nutzen. Die Online Semesterapparate werden mehrheitlich in drei von vier Veranstaltungstypen genutzt: Seminar, Veranstaltung < und > 100 Teilnehmer.
Betrachtet man hingegen die Aussagen der Studierenden (Abb. 6) so zeigt sich, dass die Wahrnehmung der Studierenden von den Antworten der Lehrenden abweicht. Mehrheitlich wird die Lernplattform Moodle als Instrument gesehen, welches in Veranstaltungen < 100 TN angeboten wird, seltener in Veranstaltungen >100 TN und in Seminaren. Diese Wahrnehmung spiegelt sich auch bei dem Angebot von Online-Semesterapparaten wieder.
Digitale Werkzeuge – seit wann im Einsatz und wie bewertet
Um die Akzeptanz von digitalen Werkzeugen an der Universität Duisburg-Essen zu ermitteln, wurden Studierende nach ihren Wünschen und Bedürfnissen gefragt. Auf die Frage „Begrüßen Sie den Einsatz von digitalen Werkzeugen in ihren Lehrveranstaltungen“ befürworteten dies 98% der Studierenden (Abb. 7). Auch die Frage, inwieweit sich Studierende mehr Blended-Learning Anteile in ihrem Studium wünschen, wurde mit 65% positiv beantwortet (Abb. 8). Auf die Frage, ob Studierende den Einsatz von digitalen Medien selbstverständlich erwarten, antworten nur 48% positiv, 56% verneinen dies. Daraus lässt sich ableiten, dass der Wunsch vorhanden ist, die Erwartungshaltung dies jedoch nicht transportiert.
Abbildung 7 (Anwort Studierende)
Abbildung 8 (Antwort Studierende)
Schwerpunkt Lernplattform Moodle
Die Befragung bestätigt unsere Auswertung der Nutzungsstatistik im vorletzten Jahr, dass
Dozierende die Lernplattform Moodle am Häufigsten zur Ablage von Dokumenten verwenden (95%), auf einem guten zweiten Platz rangieren die Funktionen zum kommunikativen Austausch, z.B. Foren (67%), die Kooperation spielt dagegen eine deutlich nachgeordnete Rolle (36%). In der Befragung der Studierenden wurde zudem gefragt, inwieweit Dozierende die Lernplattform als studentische Austauschplattform, zum Einreichen von Hausarbeiten, zur Gruppenarbeit und zur Kooperation anbieten. Studierende nutzen die Lernplattform Moodle demnach zum studentischen Austausch (36%), zum Einreichen von Hausarbeiten (27%) und zur Gruppenarbeit (24%). Die Kooperation (18%) lässt sich womöglich nicht eindeutig von der Gruppenarbeit trennen, addiert man die beiden Posten, so zeigt sich, dass das Angebot an kooperativen Lehr- und Lernszenarien doch einen signifikanten Stellenwert hat.
Abbildung 9 (Antwort Lehrende)
Abbildung 10 (Antwort Studierende)
In einem weiteren Schritt wurde nach dem wahrgenommenen Mehrwert der Lernplattform Moodle gefragt. Studierende wie Lehrende sehen den größten Mehrwert in der organisatorischen Entlastung, dicht gefolgt von der zeitlichen Entlastung. Studierende benennen zudem eine effizientere Prüfungsvorbereitung (38%), kommunikative Komponenten (37%), mit jeweils unter 20% einen effizienteren Präsenzunterricht und bessere Lernergebnisse.
Abbildung 11 (Antwort Lehrende)
Abbildung 12 (Antwort Studierende)
Um neben dem Mehrwert und den kommunikativen und kooperativen Lehr-Lernszenarien auch fundierte Informationen zur Art und Weise des inhaltlichen Austauschs zu erfahren, wurde nach der Nutzungshäufigkeit der Moodle-Lernaktivitäten gefragt. Der Einsatz von Lernaktivitäten ermöglicht Lehrenden ein didaktisches Vorgehen bei der Konzeption ihrer Lehrveranstaltung, z.B. durch die Organisation von Austausch und Zusammenarbeit, durch Überprüfung des Wissens und evtl. die Analyse der Lernprozesse.
Wie in Abb. 13 ersichtlich, nutzen Lehrende die Lernaktivität Aufgabe und die Lernaktivität Forum (53%) gleichermaßen häufig. Die Aufgabe dient der Erleichterung des Austauschs zwischen Lehrenden und Lernenden und der Bündelung von Dokumenten – zumeist Hausaufgaben – an einem Ort. Das Forum hingegen dient der Kommunikation und dem Austausch in der Lernergruppe. Das Angebot des 24/7-Kontakts unterstützt den regelmäßigen Austausch zwischen Präsenzveranstaltungen.
Die drittplazierte Lernaktivität ist die Abstimmung. Sie ermöglicht Meinungsbilder, Abstimmungen, kurze Feedbacks, aber auch die online-Eintragung in Übungsgruppen, Terminfindung o.ä.
Alle weiteren Lernaktivitäten fallen demgegenüber weniger stark ins Gewicht. Damit werden komplexere Funktionen zur Lernerfolgskontrolle (Tests, Lektionen) und zum Aufbau und Austausch gemeinsamer Wissensressourcen deutlich weniger genutzt und mithin die Potenziale der Lernplattform sehr ungleich realisiert.
Die Studierenden wurden dagegen gefragt, welche Lernaktivitäten sie sich gerne häufiger wünschen. Das System ermöglicht ihnen nicht die Mitgestaltung der ihnen zur Verfügung gestellten Kursräume, daher ist bei der Befragung zu berücksichtigen, dass viele Studierende sicherlich nicht den Funktionsumfang der grundsätzlich zur Verfügung stehenden Lernaktivitäten kennen. Dennoch ist bemerkenswert, dass sich Studierende mehrheitlich einen intensiveren kommunikativen Austausch wünschen (39%), und indirekt bemängelt wird, dass der Upload eigener Dateien nicht möglich ist (dies wird sich glücklicherweise in der nächsten Version von Moodle ändern).
Abbildung 13 (Antwort Lehrende)
Abbildung 14 (Antwort Studierende)
Bei den Präferenzen der Lehrenden, Grundfunktionen wie Dokumentenablage und einfachere Aktivitäten wie Forum und Aufgabe sowie Abstimmung zu nutzen, spielt sicher eine Rolle, dass diese Aktivitäten eine geringe Lernkurve haben und relativ schnell umgesetzt werden können. Demgegenüber nutzt nur eine Minderheit der Lehrenden Lernaktivitäten, die für sie selbst aufwändig in der Umsetzung sind und weiterführendes Wissen sowie das Interesse an Web 2.0 Technologien voraussetzt.
Ein weiterer Frageblock bezog sich auf das tatsächliche Angebot an präsenzbegleitenden Moodle-Kursräumen. So wurden die Studierenden zunächst danach gefragt, wie häufig virtuelle Kursräume im aktuellen Semester WS10/11 in Lehrveranstaltungen integriert wurden. Das Ergebnis macht deutlich, dass die Lernplattform Moodle als selbstverständliches Element in der Lehre angesehen werden kann. Lediglich in 10% der Fälle wird die Lernplattform Moodle als Ergänzung des Studiums nicht angeboten, in 24% der Fälle kommt Moodle in einer Lehrveranstaltung zum Einsatz. Allein in 63% der Fälle jedoch wird die Lernplattform Moodle im aktuellen Semester sogar in mehreren Lehrveranstaltungen integriert. Die folgenden Ergebnisse unterstützen diese Aussage. Die Frage, wie viele Kurse mit Moodle-Unterstützung im aktuellen Semester besucht werden, zeigt, dass zumeist in einer LV (27%), in zwei LV (21%) sowie in drei bis vier LV (26%) der in diesem Semester belegten Kurse, die Lernplattform Moodle zum Einsatz kommt. Lediglich 6% antworten, dass ihnen sogar in fünf und mehr LV begleitende Moodle-Kursräume angeboten werden.
Abschließend wurden die Studierenden nach ihrer Zufriedenheit mit dem Online-Lernangebot an der UDE gefragt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen! Zwar sind nur 4% mit dem Angebot sehr zufrieden und vergeben die Note „Sehr Gut“, jedoch sind 55% mit dem Angebot zufrieden und vergeben die Note „Gut“. Lediglich 10% der Befragten sind mit dem Lern-Angebot an der UDE nicht zufrieden. Allerdings wünschen sich insgesamt 26% der Studierenden eine stärkere Betreuung.
Mobile Endgeräte
Da das Thema Mobiles Arbeiten mit digitalen Medien nicht nur im privaten, sondern auch im universitären Kontext eine immer größere Rolle spielt, wurde die Frage zum Umgang mit mobilen Endgeräten im Fragebogen aufgenommen. Die grundlegende Frage bezieht sich dabei auf den Umgang mit diesen Endgeräten, um daraus Rückschlüsse auf mögliche Lehr/Lernszenarien und Supportbedarf ableiten zu können.
Die Ergebnisse zeigen, dass 52% der Lehrenden und 48% der Studierenden, die an der vorliegenden Befragung teilgenommen haben. bislang kein mobiles Endgerät nutzen. Auf die Frage, inwieweit die Anschaffung eines solchen Geräts zukünftig geplant ist, verneinten 68% der Lehrenden und 70% der Studierenden die Anschaffung eines mobilen Endgerätes. Angesichts des allgemeinen Trends in der Gesellschaft und zum M-Learning im Bildungsbereich sind wir überzeugt, dass sich diese Situation rasch verändern wird.
Support
Gefragt wurde weiterhin nach der Einschätzung der Unterstützung durch die Zentralen Einrichtungen. Positiv fiel auf, dass 50% der Lehrenden, die an dieser Befragung teilgenommen haben, die E-Competence Agentur als Beratungsangebot kennen. Bei den bevorzugten Informationswegen optierten die Lehrenden mehrheitlich für zentrale Newsletter bzw. der E-Competence Agentur. Studierende haben keine eindeutige Präferenz, kennen aber die Webseiten der beiden Zentralen Einrichtungen.
Abbildung 15 (Antwort Lehrende)
Abbildung 16 (Antwort Studierende)
Weitere Ergebnisse
Bei den Wünschen, die im Rahmen der Befragung geäußert wurden, rangiert weit der Ausbau von digital aufbereiteten und abrufbaren Selbstlern-Tutorials, da es immer mehr an der Zeit fehlt, Kurse oder Face-to-Face Beratungen in Anspruch zu nehmen.
Gewünscht wird v.a. von den Studierenden eine stärkere Standardisierung der Angebote, d.h. eine stärkere übergreifende Festlegung welche Werkzeuge wofür verbindlich einzusetzen sind und ähnlich strukturierte Kurse überall in einer Fakultät bzw. bei fachdidaktisch ähnlich arbeitenden Fächern und für bestimmte Veranstaltungsarten.
Die Angebote individueller Beratung durch die zentralen Einrichtungen werden als wichtig angesehen, jedoch besteht auch hier der Wunsch, dass die Grundlage der Beratung ein stärker standardisiertes Angebot und z.B. mit den Fakultäten abgestimmte Szenarien sein sollten.
