Der amerikanische Psychologe J. B. Watson gilt als der Begründer des
Behaviorismus. Er vertrat die Meinung, dass eine psychologische Untersuchung
sich ausschließlich auf das sichtbare Verhalten von Mensch oder Tier
konzentrieren sollte.
"Psychologie, wie der Behaviorist sie sieht, ist ein rein objektiver,
experimenteller Zweig der Naturwissenschaft. Ihr theoretisches Ziel ist die
Voraussage und Kontrolle von Verhalten. Weder stellt die Introspektion einen
wesentlichen Bestandteil ihrer Methoden dar, noch ist der wissenschaftliche Wert
ihrer Daten davon abhängig, ob diese ohne weiteres einer Interpretation in
Begriffen des Bewußtseins zugänglich sind." Watson zitiert nach Davison
& Neale (1998, 46)
"Bewußtseinszustände wie die sog. geistigen Phänomene sind nicht objektiv verifizierbar, und aus diesem Grunde können daraus nie wissenschaftliche Daten werden" (Watson 1919, S.1, eig. Übers.). Folglich definierte Watson als Hauptziel der Psychologie "die Vorhersage und Kontrolle des Verhaltens" (Watson 1913, S. 158). Zimbardo & Gerrig (1999, 207)
"Da wir nicht in der Lage sind, die Vorgänge innerhalb eines Organismus intersubjektiv zu beobachten, wollte Watson alle Erklärungsweisen, die sich auf innere Vorgänge im Organismus beziehen, ausschließen. Er beschränkte sich auf das intersubjektiv beobachtbare, also auf das, was als Reiz auf einen Organismus einwirkt und auf die darauffolgende Reaktion (Verhaltensweise, "Behavior")." Langfeldt (1996, 103)
Watson stützte sich auf die Beobachtungen von Pawlow und versuchte diese auf
den Menschen zu übertragen. In Pawlows Untersuchungen waren alle Versuche
ausschließlich an Tieren vorgenommen worden. Watson überprüfte die Pawlow'sche Erkenntnis am Menschen. Er vertrat die Meinung, dass
jegliches Verhalten konditionierbar sei.
„Von vielen Lerntheoretikern wird Watson
– der übrigens eine ausführliche Korrespondenz mit Pawlow führte – als
der eigentliche Vater und Begründer des Behaviorismus angesehen. Dies trifft
insofern zu, als er viele der Gedanken Thorndikes und Pawlows artikulierte und
systematisierte [...]“Angermeier
(1978, S. 14)
Watson wurde durch seinen Versuch mit dem kleinen Albert bekannt
(Watson & Rayner, 1920).
Albert, ein neun Monate alter Junge, befand sich durch einen
Krankenhausaufenthalt in Watsons Wirkungskreis. Watson versuchte die klassische
Konditionierung auf den Menschen zu übertragen:
| Der kleine Albert ('little Albert') | |||||||||||||
|
Albert wurde aus dem Krankenhaus entlassen, bevor Watson die Gegenkonditionierung (die Extinktion der Angst vor dem Tier) vornehmen konnte.
"Unglücklicherweise wurde Albert entlassen, bevor Watson mit der
Gegenkonditionierung beginnen konnte.
Vier Jahre später wurde von Mary Cover Jones bewiesen, daß Watsons Versuch
aller Wahrscheinlichkeit nach geglückt wäre. Sie stieß auf einen kleinen
Jungen namens Peter, der sich sehr vor Hasen fürchtete. Es gelang ihr durch
klassische Konditionierung, ihn von seiner Furcht zu heilen (Jones, 1974)."
Lefrancois
(1994, 21)
Jones (1924) führte bei dem dreijährigen Peter die Gegenkonditionierung
durch. Fast wie eine Fortsetzung zu dem Versuch von Watson hatte Peter Angst vor
Kaninchen (statt Ratten bei Watson). Jones unternahm eine schrittweise
Annäherung des gefürchteten Objekts, während Peter dabei jedes mal seine
Lieblingsspeise erhielt. So konnte Peter das Tier immer näher an sich
heranlassen, ohne die Angstreaktion gegenüber dem Kaninchen zu zeigen. Zum
Schluss der Behandlung konnte Peter das Kaninchen auf den Arm nehmen und es
streicheln.
Untersuchungen haben gezeigt, dass es bei Menschen nicht immer einer
Wiederholung der Reizsituation bedarf: Ist die Paarung von zwei Reizen so
beeindruckend, genügt z.T. eine Paarung, um dem Menschen eine konditionierte
Reaktion beizubringen.
Bei Menschen ist es (vgl. Hobmair, 1996, 140) die subjektive Interpretation eines Reizes, die zu einer bestimmten
Reaktion führen: "... es kommt wesentlich darauf an, wie ein Individuum
diese Reize wahrnimmt, gedanklich weiterverarbeitet und bewertet".
Beispiel für die Einmal-Paarungs-Konditionierung:
Ein Kind spielt mit einem unbekannten Hund und ist somit unerfahren im Umgang mit dem Tier. Der Hund nagt an einem Knochen, den das Kind
ihm spielerisch wegnehmen möchte. Anfangs versucht der Hund gutmütig das Kind durch Knurren zu verscheuchen. Da das Kind jedoch nicht
aufgibt, knurrt der Hund böse und beißt das Kind leicht in die Hand.
In der Regel ist bedarf es jedoch mehrerer Koppelungen, um eine stabile Reiz-Reaktions-Koppelung zu erreichen. Edelmann (1996, 69) geht von mindestens fünf, manchmal jedoch auch über hundert Koppelungen aus.
Viele menschliche Furchtreaktionen sind wahrscheinlich als Ergebnis von NS
UCS
UCR -Abfolgen zustande gekommen, vor allem während der frühen Kindheit (Jacobs
& Nadel, 1985). Im Unterschied zu Pawlows Hunden reicht beim Menschen unter
Umständen ein einziges besonders schreckenerregendes Ereignis aus, um eine
konditionierte Furcht entstehen zu lassen [...] ." Mietzel
(1998, 129 f)
Da der Biss des Hundes für das Kind eine schlimme Reaktion des Tieres
darstellt, ist es nicht notwendig, diese Paarung zu wiederholen, um eine
Reizkonditionierung zu erfahren:
Das Kind assoziiert jetzt das Hundeknurren mit einem folgenden Schmerz.
Zukünftig mag diese Assoziation dazu führen, dass das Kind in einer Folgesituation diesen Schmerz zu umgehen
versucht (z.B. durch Weglaufen, Vermeidung von jeglichem Kontakt zu Hunden, ...).
Knurren des Hundes (neutraler Stimulus, NS)
keine spezifische Reaktion
Biss (unkonditionierter Stimulus, UCS)
Erschrecken und das Empfinden von Schmerzen (unkonditionierte Reaktion, UCR)
einmalige Paarung von NS + UCS
UCR genügt, da die Verknüpfung besonders impulsant für das Kind ist
Knurren des Hundes (der ehemals neutrale Stimulus ist jetzt ein konditionierter Stimulus,
CR)
Erschrecken und Vermeidungsverhalten, da Angst vor einem erneuten Biss (konditionierte Reaktion, CR)
| Watsons berühmtester Satz | |
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Informations- und Arbeitsblatt
zur klassischen Konditionierung nach Watson (PDF)