Anliegen
Die Arbeitsstelle für Internationale Herbartianismusforschung untersucht die in sich höchst differenzierte, in der pädagogischen Wissenschaftswelt z.T. umstrittene pädagogische Strömung, die sich in der Nachfolge des bedeutenden Pädagogen und Philosophen Johann Friedrich Herbart (1776-1841) herausbildete und in pädagogischer Theorie und Praxis weltweit an Einfluss gewann. Von hoher Forschungsrelevanz ist dabei, dass der Herbartianismus in seinem letztlich erfolgreichen Kampf um die Anerkennung der Pädagogik als eigenständige akademische Disziplin alle Merkmale einer wissenschaftlichen Schule entwickelte und den Boden für die fachliche Ausdifferenzierung der heutigen Erziehungswissenschaft bereitete. Den Herbartianern gelang zudem auf erziehungswissenschaftlicher Ebene, aber auch hinsichtlich ihrer praktisch-pädagogischen Innovationen – z.B. Schulgründungen, universitäre Lehrerbildungskonzeptionen, Engagement auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung oder in den Feldern der Sozialpädagogik – eine internationale Vernetzung, die in ihren Ausmaßen noch unzureichend untersucht ist.
In diesem Fokus stellt sich die Arbeitsstelle insbesondere zwei Aufgaben: Sie betreibt bezogen auf ihren Forschungsgegenstand erstens Grundlagenforschung, die vor allem durch Qualifizierungsarbeiten und Drittmittelprojekte geleistet werden wird. Zweitens pflegt sie den internationalen Austausch, bahnt Kooperationen an, koordiniert diese bei Bedarf und macht sie für die Wissenschaftsöffentlichkeit transparent. D.h. die Forschungsstelle unterstützt Netzwerke der internationalen Herbartianismusforschung.
Als ein Ergebnis des 2005 abgeschlossenen DFG-Projekts „Bio-doxographisches Korpus Pädagogischer Herbartinismus“, stehen am Lehrstuhl für Allgemeine Didaktik der Universität Duisburg-Essen, an dem die Arbeitsstelle für Internationale Herbartianismusforschung angesiedelt ist, zwei bibliographische Datenbanken zu Verfügung:
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In der personenbezogenen Datenbank sind ca. 7000 Veröffentlichungen (davon ca. 5630 pädagogische) Publikationen von etwa 650 Herbartianern bezogen auf den Zeitraum von 1810 bis 1930 erfasst.
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Die zeitschriftbezogene Datenbank dokumentiert ca. 9500 eingetragene Hauptartikel, die in 20 von Herbartianern redigierten Zeitschriften publiziert wurden, für den Zeitraum 1838-1936, wobei in den erfassten Zeitschriften auch „Nicht-Herbartianer“ veröffentlichten.
Jeder Eintrag ist mit möglichst allen bibliographischen Daten versehen. Außerdem wurden beide Datenbanken systematisch über Titelanalyse ausgewertet, so dass beispielsweise den ca. 5630 erfassten pädagogischen Publikationen 109 systematische Schlagworte zugeordnet sind, die in ihrer Gesamtheit eine herbartianische pädagogische Fachsystematik ergeben. Beide Datenbanken ermöglichen Recherchen unterschiedlichster Art – z.B. nach Titelstichwörtern oder/und Erscheinungsjahren oder/und Autoren oder/und vergebenen Schlagwörtern.
