Bildung und Wissensvermittlung auf allen Ebenen und für alle Lebensaltersstufen ist ein zentrales Problem einer wissensbasierten Gesellschaft. Um die Entwicklung eines konkurrenzfähigen Bildungssystems leisten zu können, bedarf es der interdisziplinären Zusammenarbeit. Die Universität Duisburg-Essen hat als einen ihrer vier Forschungsschwerpunkten das Thema "Lehr-Lern-Forschung und Bildung im 21. Jahrhundert" formuliert. Das Institut für Berufs- und Weiterbildung im Fachbereich Bildungswissenschaften leistet hierbei vor allem Beiträge in den folgenden zwei Themenkomplexen:
In den letzten 15 Jahren konnte am Institut für Berufs- und Weiterbildung ein umfangreiches empirisches Forschungsprofil mit interdisziplinärer Ausrichtung (z.B. zu den Wirtschaftswissenschaften, der Soziologie, der Psychologie und Informatik) etabliert werden, das sich speziell auf den Aspekt der beruflich-betrieblichen Weiterbildung im Rahmen unternehmensbezogener Reorganisationsprozesse konzentriert.
Die vielfältig publizierten und auf Tagungen präsentierten Projektergebnisse haben zu einer beachtenswerte Anerkennung der Forschungsleistung des Instituts für Berufs- und Weiterbildung geführt, was sich auch in einer Spitzenstellung in der Drittmitteleinwerbung des Instituts in Deutschland niederschlägt. Durch den vollzogenen Ausbau der Schwerpunkte Mediendidaktik/Wissensmanagement und Bildungsberatung wie auch durch die Anbindung des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung mit seinem komplementären Forschungshintergrund zur allgemeinen Weiterbildung wird das Forschungsprofil zukünftig auch im Zusammenhang mit der bisher erfolgreichen Arbeit der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung weiter ausgebaut.
Lernen im Lebenszyklus
In Anlehnung an internationale Forschungsstandards in der empirischen Bildungsforschung ist mit dem Begriff des "Lernens im Lebenszyklus" die Differenz spezifischer Bildungsherausforderungen und Lernkonzepte in Abhängigkeit von der gesellschaftlich präformierten Lebensphase angesprochen. Während im Mittelpunkt der "unterrichtsbezogenen Lehr- Lern-Forschung" das "Kerngeschäft" der schulischen Bildung steht, konzentriert sich die Weiterbildungsforschung auf dem Essener Campus auf das Lernen Erwachsener. Die Schwerpunkte innerhalb dieses Bereichs der Bildungsforschung akzentuieren ein breites Themenspektrum von Modernisierungsansätzen, die in der bisherigen empirischen Weiterbildungsforschung nur punktuell bearbeitet wurden. Dabei geht es u.a. um Fragestellungen wie die der Pluralisierung und der Ausdifferenzierung der Lernorte, der Verbindung von Aus- und Weiterbildungsprozessen, dem Verhältnis von Weiterbildung und Biographie, der Dokumentation und Messung von erworbenen Kompetenzen, dem Verhältnis von formalen zu non-formalen und informellen Lernprozessen, der Kooperation und Vernetzung von Bildungsinstitutionen, des Bedeutungsgewinns von Weiterbildung im Rahmen regionaler
Politikgestaltung und nicht zuletzt um die Frage der Entstehung neuer Ungleichheiten im Zugang zu Weiterbildungsprozessen.
Lernen mit neuen Medien
In diesem Kontext wird der Frage nach den Potenzialen digitaler Medien in verschiedenen Bildungskontexten (Schule, Weiterbildung, Hochschule) nachgegangen. In der Erziehungswissenschaft geht es besonders um die Frage, worin der Mehrwert mediengestützter Lernarrangements besteht, wie die Qualität von mediengestützten Bildungsangeboten "erzeugt", sichtbar gemacht und geprüft werden kann. Diese Forschung versteht sich in doppeltem Sinne als bildungs-technologisch: Einerseits geht es ihr um die Untersuchung von Wirkungen und Effekten neuer Medientechniken in der Bildung, andererseits geht es ihr um die Ableitung und Prüfung technologischer Verfahrens- und Gestaltungsmodelle für mediengestützte Bildungsangebote ("Didaktisches Design"). Zentrale Themen sind u.a.
- Funktion und Anforderungen an Betreuung beim E-Learning
- technologiegestütztes kooperatives Lernen (CSCL)
- Planungselemente für hybride Lernarrangements,
- mobile Lösungen für Lern- und Arbeitsprozesse,
- didaktische Szenarien der Notebook-Nutzung in der Hochschule
- E-Competence und faculty development für E-Learning in der
Hochschule
- Ontologie für Lernobjekte: Metadaten und Standardisierung (Web-Didaktik),
- Standards zur Interoperabilität von Lehr- und Lern-Systemen
- informelles Lernen und Wissensmanagement als Thema der Bildungsarbeit
Die Erziehungswissenschaft verfügt mit dem Duisburg Learning Lab über eine anspruchsvolle Laborumgebung, in dem an verschiedenen Software- und Medienprojekten geforscht wird. Das Online-Studienprogramm "Master of Arts in Educational Media" bietet darüber hinaus eine idealen Ansatz, um den genannten Forschungsfragen nachzugehen.