Das Projekt:
Das von der Robert-Bosch-Stiftung geförderte Denkwerkprojekt unter der Leitung des Instituts für niederrheinische Kulturgeschichte und Regionalentwicklung (InKuR) ist auf eine einjährige Projektlaufzeit angelegt und beginnt am 15.07.2011. Beteiligt sind das Erzbischöfliche Suitbertus Gymnasium (Düsseldorf), das Lise-Meitner-Gymnasium (Geldern), das Sophie-Scholl-Gymnasium (Oberhausen) und das Andreas-Vesalius-Gymnasium (Wesel) sowie die Niederrhein-Akademie/Academie Nederrijn e.V. (NAAN), der Historische Verein für Geldern und Umgegend e.V., zahlreiche Archive am Niederrhein und die E-Competence Agentur sowie das Zentrum für Informations- und Mediendienste der Universität Duisburg-Essen.
Die Schülerinnen und Schüler der vier Schulen erarbeiten in Kleingruppen verschiedene Themen zum Wiederaufbau in ihrem jeweiligen Schulort. Hierbei werden sie von Wissenschaftlern des InKuR und der NAAN, den Archivaren sowie ihren Lehrerinnen und Lehrern unterstützt. Ziel des Projektes ist, dass die Schülerinnen und Schüler eine Ausstellung konzipieren, die in den Schulorten gezeigt wird. Das Projekt wird an den einzelnen Schulen als Projektkurs in der 9. Klasse und als AG angeboten und durchgeführt. Die Projektpartner und Schülerinnen und Schüler sind über die Kommunikationsplattform "Moodle" vernetzt und tauschen sich regelmäßig über Fragen und Inhalte aus.
Die Idee:
Das Projekt ermöglicht Schülerinnen und Schülern von vier Schulen, unterstützt von Wissenschaftlern, schulübergreifend an einem gemeinsamen Thema zu forschen, das für die Erschließung der eigenen Lebenswirklichkeit relevant ist. Noch heute werden unsere Städte in wirtschaftlicher, struktureller und sozialer Hinsicht in erheblichem Maße geprägt durch Entscheidungen, die in der Phase des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg getroffen wurden. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Region werden anhand von vier Beispielen herausgearbeitet. Durch die Arbeit mit Wissenschaftlern und den Austausch mit anderen Schülerinnen und Schülern wird es ermöglicht, die methodische Bandbreite historischen Arbeitens zu erlernen und praktisch anzuwenden. Hierbei werden die durch das vorhandene Quellenmaterial vorgegebenen Grenzen der Forschung erfahrbar gemacht. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln ein grundlegendes Verständnis für den Zusammenhang zwischen Frage, Methode und Erkenntnis. Sie lernen auszuhalten, dass Fragen nicht eindeutig beantwortet werden können.
Das Ziel:
Das Projekt verfolgt zwei Ziele: erstens das Einüben historischer Forschungsmethoden und zweitens die inhaltliche Erarbeitung der Geschichte des eigenen Schulortes nach 1945. Durch angeleitetes aber letztlich eigenverantwortliches Anwenden wissenschaftlicher Arbeitsweisen erkennen die Schülerinnen und Schüler, welche historischen Entscheidungen Auswirkungen auf ihre eigene Lebenswirklichkeit haben und noch haben werden. Die Schülerinnen und Schüler, die an dem Projekt teilnehmen werden, entstammen im Allgemeinen auch den Orten bzw. Städten, die untersucht werden sollen. Dieser lokale Bezug kann die Schüler intrinsisch motivieren, sich mit einem Ort, der für sie eine emotionale Qualität hat, auseinanderzusetzen. Den Schülerinnen und Schülern wird im Rahmen des Projektes deutlich werden, dass Geschichte kein abgeschlossenes Phänomen ist, sondern konkrete Auswirkungen auf die Gegenwart hat, die wir erleben. Geschichte wird somit für die Schüler "be-greifbar" (Lebensweltbezug). Die Orientierung an Personen und Personengruppen durch einen biographischen Zugriff bietet den Schülerinnen und Schülern zudem die Möglichkeit der Identifikation.
Während die Forschungsliteratur und viele archivalische Quellen einen möglichst objektiven Eindruck des Wiederaufbaus des eigenen Schulortes vermitteln, gewinnen die Schülerinnen und Schüler durch die Arbeit mit "Ego-Dokumenten" einen sehr persönlichen Eindruck der Lebenswirklichkeit der am Wiederaufbau direkt oder indirekt beteiligten Personen sowie ihrer Handlungsspielräume, ihrer Selbstwahrnehmung und des sozialen Geflechts, in dem die historische Person sich bewegt. Hier finden die Jugendlichen einerseits Parallelen und andererseits Divergenzen zu ihrem eigenen gesellschaftlichen Kontext. Durch die Kontextualisierung und den Vergleich dieses persönlichen Zugriffs können Muster für Personengruppen destilliert werden. Die Jugendlichen gelangen durch die Anwendung wissenschaftlicher Methoden der Quellenkritik zu einem distanzierten und vergleichenden Geschichtsbewusstsein, das ihnen letztlich einen multiperspektivischen und mehrdimensionalen Zugang zu geschichtswissenschaftlichen Themen ermöglicht. Auch gewinnen sie durch die methodische und differenzierte Bearbeitung verschiedener Quellengattungen einen kompetenten und reflektierten Zugang zu häufig sehr subjektiven Darstellungen historischer Sachverhalte in den Medien. So sind die Schülerinnen und Schüler in der Lage, Informationen zu anderen, auch aktuellen Themen kritisch zu hinterfragen und zu werten.
Der Vergleich der vier Städte im Hinblick auf die Entscheidungsträger des Wiederaufbaus, deren Auswahl und Qualifikation, ihre Interaktion mit der Bevölkerung, des strukturellen Rahmens, in dem sie sich bewegten, den formalen Anforderungen, die zu bewältigen waren, sowie die Betrachtung verschiedener Bevölkerungsgruppen und ihrer Rolle beim Wiederaufbau führt zu einem grundsätzlichen Verständnis der Interdependenzen zwischen Anforderungen und Handlungen an Hand der Parallelen und Unterschiede zwischen den Städten. Die Schülerinnen und Schüler haben zudem durch den multidimensionalen Zugriff in Arbeitsgruppen nach ihren thematischen Neigungen die Möglichkeit, an dem Thema Wiederaufbau zu arbeiten, was zu einer höheren Motivation führt.
Durch die Konzeption einer Ausstellung und das Erstellen eines eigenen Films im Rahmen der Ausstellung wollen die Antragssteller und Kooperationspartner das Ziel erreichen, möglichst viele Schülerinnen und Schüler, deren Familien und Freunde sowie die historisch interessierte Öffentlichkeit für die Geschichte der Städte Düsseldorf-Kaiserswerth, Geldern, Gaesdonck/Goch und Wesel zu interessieren.
Das kontinuierliche Arbeiten an einem Projekt mit dem Ziel der publikumswirksamen Präsentation stärkt zudem die Selbstkompetenz sowie die Sozialkompetenz der Schüler, da ein hohes Maß an Disziplin, Selbstorganisation sowie Organisation innerhalb der Arbeitsgruppe und der Kommunikation mit den parallel arbeitenden Gruppen der anderen Partnerschulen notwendig ist.
Indem die Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Quellengattungen arbeiten, wenden sie zwei Methoden aktiv an: erstens Hermeneutik und zweitens Oral History. Sie gelangen so, unterstützt von Wissenschaftlern und Lehrern, zu einem eigenständigen, reflektierten und sicheren Umgang mit verschiedenen Quellen sowie lokaler Geschichte.
Die Struktur:
Zu Beginn des Projektes absolvieren die Schülerinnen und Schüler einführende Workshops zur Quellenarbeit sowie zu Moodle an der Universität Duisburg-Essen und einen Archivtag in dem jeweils für sie zuständigen Archiv. Zusätzlich haben die parallel arbeitenden Schülergruppen an den vier geplanten Studientagen an der Universität Duisburg-Essen Gelegenheit, sich über ihre Forschungsfragen und Arbeitsergebnisse auszutauschen. Bereichert werden die Studientage durch inhaltliche und konzeptionelle Fachvorträge/Workshops.
Die vier Projektphasen im Überblick:
- Schaffung einer gemeinsamen Basis im Umgang mit Quellen und Methoden, inhaltlicher Überblick, Themenfindung
- Arbeit in den Kleingruppen zu verschiedenen, selbst gewählten Teilthemen
- Vertiefte Erarbeitung der Spezialthemen an den Quellen
- Erarbeitung der Präsentation, Zusammenführung der Teilthemen
Individuell finden an den Schulen zusätzlich Vorträge, Unterrichts-/Expertengespräche, Zeitzeugeninterviews, Archiv- und Museumsbesuche sowie Unterrichtsgänge statt.
Ansprechpartner an der UDE:
- Projektleitung: Prof. Dr. Jörg Engelbrecht, Simone Frank M.A.
- Sekretariat: Erika Büttgenbach
- Studentischer Mitarbeiter: Matthias Gomoll
Ansprechpartner an den Schulen:
- Markus Veh, Erzbischöfliches Suitbertus Gymnasium Kaiserswerth
- Gerd Hallmanns, Lise-Meitner Gymnasium Geldern
- Dr. Holger Schmenk, Sophie-Scholl-Gymnasium Oberhausen
- Jennifer Pauly und Andre Steffans, Andreas-Vesalius-Gymnasium Wesel
