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Biologie

Hochschule | Arbeitsmarkt

Das bedeutendste Tätigkeitsfeld für Biologen ist bisher die Grundlagenforschung gewesen, und zwar so wie sie an Universitäten und anderen staatlichen Forschungseinrichtungen betrieben wird. Eine Karriere ohne Promotion ist auf diesem Gebiet kaum denkbar. Im Bereich der Industrie sind es vor allem die chemische und die pharmazeutische Industrie, die Biologen Einsatzmöglichkeiten sowohl in Forschung und Entwicklung als auch im Vertrieb bieten. An Bedeutung gewonnen haben in den letzten Jahren die Medizintechnik und die Biomedizin. Im industriellen Bereich konkurrieren Biologen stark mit Chemikern, Pharmazeuten, Agraringenieuren und Medizinern. Einen recht informativen Gesamtüberblick über Tätigkeitsfelder von Biologen bieten der Leitfaden Biologie (S. 21 ff.) der Universität Tübingen und die Infos des Verbandes Deutscher Biologen und biologische Fachgesellschaften e.v. (vdbiol.de). Die Arbeitsmarktinformationen für Biologinnen und Biologen der BA geben darüber hinaus Informationen zu Arbeitsmarkt, Berufseinstieg und Arbeiten im Ausland. Die  Biowissenschaften haben aber auch in anderen Bereichen an Bedeutung gewonnen, da ihnen durch ihre anwendungsbezogenen Problemstellungen eine Mitwirkung an der Gestaltung zukünftiger Lebensbedingungen zukommt. Der Biotechnologie fällt hier die Aufgabe zu, technische Maßnahmen zur Nutzung lebender Zellen zu erforschen und großtechnisch umzusetzen.

Die insgesamt außerordentlich expansive Entwicklung der Biologie als Wissenschaft ist auch an den Arbeitsmarktdaten ablesbar. So ist die Zahl der Erwerbstätigen laut IAB in den frühen neunziger Jahren spürbar gestiegen (allein in den alten Ländern von 22.000 im Jahr 1991 auf 31.100 Mitte der neunziger Jahre, also um fast 50 %). Allerdings gingen - gesamtdeutsch ausgewertet - die Erwerbstätigenzahlen 1996 leicht zurück und lagen für die gesamte Bundesrepublik Deutschland bei ca. 33.000. Danach ist die Zahl der erwerbstätigen Biologen bis zum Jahr 2000 wieder auf über 37.000 angestiegen und dürfte im Jahr 2008 bei näherungsweise ca. 60.000 Personen liegen. Aufgrund von systematischen Änderungen und entsprechenden Zuordnungen (z.B. Biochemie) ist eine kontinuierliche Abbildung der Erwerbstätigenentwicklung nicht möglich. Rund 90% der sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen sind dem Dienstleiungssektor zuzuordnen. Wie hoch der genaue Anteil der Erwerbstätigen - ohne Lehramt - ist, die hauptberuflich in wissenschaftlichen Einrichtungen wie Hochschulen und Instituten beschäftigt sind, lässt sich gegenwärtig nicht genau bestimmen. Als Vergleichsgrösse sei aber hier die Zahl des hauptberuflichen wissenschaftlichen Personals an Hochschulen angeführt: Im Jahr 2009 waren dort 7.941  Personen tätig, von denen 1.086 Professoren gewesen sind.

Biologie Erwerbstätige nach Alter

Das Arbeitsplatzangebot des klassischen Biologie-Arbeitsmarktes ist in der Vergangenheit bei weitem nicht ausreichend gewesen, um das  hohe jährliche Aufkommen von Absolventen entsprechend schnell zu absorbieren. Vor dem Hintergrund, dass sich die Absolventenzahlen weiter erhöhen werden, wird die Situation über das Jahr 2016 hinaus  angespannt bleiben. Und zwar aus folgenden Gründen: 

Erstens sind viele Biologen in der öffentlich getragenen Forschung nur befristet - oftmals im Rahmen intensiv geförderter Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) -  angestellt gewesen. Von daher wird eine beachtliche Zahl an Biologen auf dem Arbeitsmarkt erneut einen Arbeitsplatz suchen bzw. aufgrund von ALG II - Bedingungen keine neue ABM-Förderung bekommen. Hinzu kommt eine für Naturwissenschaftler schon jetzt hohe Teilzeitquote: 2009 war jeder dritte erwerbstätige - angestellte - Biologe teilzeitbeschäftigt. Zweitens sind auch andere wichtige Tätigkeitsfelder von Biologen (etwa im Natur- und Umweltschutz) bei öffentlichen Arbeitgebern angesiedelt. Hier könnte sich der fiskalisch bedingte Sparzwang der öffentlichen Hand für Biologen negativ auswirken. Drittens ist wegen der erst in jüngerer Zeit erfolgten Zuwächse bei den Erwerbstätigen die Altersstruktur sehr ungünstig: Im Jahr 2008 waren nur 14 % der erwerbstätigen Biologen über 50 Jahre, so dass der Ersatzbedarf im Vergleich zum Absolventenaufkommen gering bleiben wird. Bei einem durchschnittlichen Austrittsalter von circa 63 Jahren würden im Schnitt der nächsten Jahre bis 2016 nur jeweils ca. 1.000 Biologinnen und Biologen aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Allerdings: Bei dieser kalkulatorischen Betrachtung muss gleichfalls die Fluktuation auf dem Arbeitsmarkt im Auge behalten werden. Weiter ist in den Jahren bis 2016 mit Absolventenzahlen von mindestens 7.500 grundständigen Absolventen zu rechnen, von denen allerdings ein erheblicher Teil ein entsprechendes Masterstudium anstreben wird. Die Verschleifungseffekte mit Blick auf einen späteren Arbeitsmarkteintritt werden vom Angebot der Masterstudienplätze und von der Arbeitsmarktnachfrage wiederum erheblich beinflusst werden. Nur die beiden konsekutiv absolvierten Studienprogramme zusammen stehen eigentlich dem bisherigen Diplom Biologen (DII) als gleichwertig gegenüber.Summa summarum: Eine Dauerstelle in einem Zoo, Museum oder Naturschutzverband zu bekommen, bleibt die seltene Ausnahme. Besonders im Umwelt- und Naturschutz zählt heute die befristete Stelle quasi zum Regelfall. Anders und durchaus vielversprechend sieht der Arbeitsmarkt für Biotechnologie in Deutschland und im europäischen Ausland aus. Aber man muss hier berücksichtigen, dass in dieser Branche sich das wissenschaftliche Personal gleichfalls aus Absolventen der Studiengänge Chemie, Physik, Informatik, aus den Ingenieurwissenschaften und der Biologie rekrutiert. Es handelt sich somit um ein interdisziplinäres Arbeitsfeld, das speziell qualifizierte (BioTech)-Allrounder benötigt, die verschiedene Fachkompetenzen mitbringen und unter anderem auch aus der Biologie stammen können. Dies ist aber auf keinen Fall zwingend. Von daher sind mit Blick auf das hohe Absloventenaufkommen der nächsten Jahre insbesondere die interdisziplinären Angebote mit einzubeziehen.

Stärker bemerkbar wird sich in den nächsten Jahren eine Spaltung des Arbeitsmarktes machen: Während Biologinnen und Biologen mit Spezialisierungen in Molekularbiologie und/oder Genetik oder Absolventen von Querschnittfächern wie Bioinformatik oder Biotechnologie in der bisher rasch gewachsenen Beschäftigungsperspektiven finden werden, werden die klassischen Stellen für Biologinnen und Biologen mit traditionellen Fächern wie Botanik, Zoologie, Ökologie und Anthropologie wegen ihrer Abhängigkeit von der öffentlichen Hand zunehmend knapper werden. Von daher ist für jetzige Studierende und Studienanfänger die Schwerpunktsetzung von ganz großer Bedeutung.  Mehr Informationen zu Biotechnologie und Arbeitsmarkt finden sich bei der DECHEMA.

Biologie Zielberuf

Ausgehend von einer Erhebung, die die Entwicklung der Arbeitslosen nach realisierbarem Zielberuf darstellt, zeigt sich für die aktuelle Situation bei den Biologen eine Veränderung, die folgende Aussage zuläßt: Im Jahr 2010 hat sich die Situation nicht mehr weiter gegenüber dem Tiefstand von 2007 verändert. Auch bewegen sich die aktuellen Arbeitlosenzahlen nach Zielberuf nicht erheblich unter den Werten von 2001/02 hohen Niveau - legt man hier die Zahlen aus dem Jahr 2001 und die Enwicklung anderer akademischer Berufe zugrunde.

Biologie Arbeitslosenstatistik

Bei den jüngeren Biologen (unter 35 Jahre) zeichnete sich kein Rückgang gegenüber dem Jahr 2006 ab. Im Gegenteil: Mit 57% im Jahr 2010 fällt der Anteil bei den Jüngeren ausgesprochen hoch aus.  

Insgesamt deutet also alles darauf hin, dass der Arbeitsmarkt für Biologen auch in den nächsten Jahren angespannt bleiben wird. 

Die Jobampel  finden Sie bei www.stern.de

 


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