Die Zahl der erwerbstätigen ausgebildeten Erziehungswissenschaftler/(Diplom-) Pädagogen hatte sich laut IAB (in dieser Auswertung wird der Bereich Sonderpädagogik einbezogen) von 1985 bis 1991 in den alten Bundesländern deutlich erhöht (von 29.300 auf 47.600). In den neuen Ländern war ein spürbarer Rückgang bei den erwerbstätigen Pädagogen zu verzeichnen. Allerdings sind die früheren Ausbildungsprofile nur bedingt mit denen in Westdeutschland vergleichbar gewesen. Nach einem stärkeren Rückgang bis 1993 stieg die Gesamtzahl in den Folgejahren insgesamt an. Mit 66.300 erwerbstätigen Pädagogen (Universitätsabschluss) war 1996 im gesamten Bundesgebiet fast wieder das Niveau von 1991 erreicht worden. In den Jahren bis 2000 erhöhte sich die Zahl der erwerbstätigen Pädagogen leicht und lag bei ca. 72.000. Nach der Auswertung des Mikrozensus aus dem Jahr 2008 hat die Zahl der Erwerbstätigen mit einem Abschluss der Hauptfachrichtung Erziehungswissenschaft/Pädagogik bei ca. 87.000 gelegen. Weniger als 20% der Erwerbstätigen mit dem Abschluss Pädagogik sind originär als Erziehungswissenschaftler in wissenschaftlichen Einrichtungen (Hochschulen, Institute) hauptberuflich tätig. Wie hoch der genaue Anteil der Erwerbstätigen - ohne Lehramt - ist, die hauptberuflich in wissenschaftlichen Einrichtungen wie Hochschulen und Instituten beschäftigt sind, lässt sich gegenwärtig nicht genau bestimmen. Als Vergleichsgröße sei aber hier die Zahl des hauptberuflichen wissenschaftlichen Personals - Studienbereich Erziehungswissenschaft - an Hochschulen angeführt: Im Jahr 2009 waren dort 3.290 Personen tätig, von denen 725 Professoren gewesen sind.


Mit Blick auf die Altersstruktur zeigt sich, dass jeder dritte erwerbstätige Erziehungswissenschaftler im Jahr 2008 über 50 Jahre alt gewesen sind. Unter der Perspektive eines altersbedingten Ersatzbedarfs ist - bezogen auf ein durchschnittliches Austrittsalter von ungefähr 62 Jahren - damit zu rechnen, dass in den folgenden Jahren im Schnitt pro Jahr bis zu 2.200 erwerbstätige Erziehungswissenschaftler aus dem Berufsleben ausscheiden werden. Dem stehen zu erwartende Absolventenzahlen in Höhe von ca. 5.500 bis 6.500 jährlich gegenüber, von denen ein erheblicher Teil ein entsprechendes Masterstudium anstreben wird. Die Verschleifungseffekte mit Blick auf einen späteren Arbeitsmarkteintritt werden vom Angebot der Masterstudienplätze und von der Arbeitsmarktnachfrage selbst gesteuert werden.
Da Erziehungswissenschaftler oftmals direkt mit Absolventen benachbarter Disziplinen – Psychologen, Sozialwissenschaftler, Sozialpädagogen etc. – konkurrieren, sollte als verlässlichere Bezugsgröße der entsprechende Anteil aus der Altersstruktur der gesamten Fächergruppe Gesundheit/Soziales gesehen werden. Die Zahl der über 50-Jährigen hat hier 2006 bei über 100.000 Erwerbstätigen gelegen – ein Ersatzbedarf, der sich allerdings auf die Fächergruppe ‚Gesundheit/Soziales‘ (Sozialwesen [Sozialarbeit und Sozialpädagogik], Pädagogik, Psychologie, Sozialwissenschaften / Soziologie) bezieht. Die Bandbreite der Tätigkeitsfelder der Pädagogen/ Erziehungswissenschaftler ist sehr groß (Behörden, Hochschulen, Verbände, Betriebe, Reha-Zentren, Einrichtungen der außerschulischen Jugendbildung, Familienbildungsstätten, Verwaltung etc.). Die vorhandene Konkurrenzsituation zu den Nachbardisziplinen erhöht den Stellenwert des zu erwerbenden Ausbildungsprofils, das auch von den erworbenen Zusatzqualifikationen (DV-Anwendungen, BWL-Kenntnisse, Personalmanagement, Sprachen) abhängig ist. Einen sehr übersichtlichen Überblick dazu hat die Universität Graz dazu veröffentlicht . Berufsverbleib, Berufskarrieren und professionelles Selbstverständnis von Absolventinnen und Absolventen erziehungswissenschaftlicher Hauptstudiengänge hatte ein gleichnamiges DFG-Projekt der Universität Halle untersucht, das sich auf eine breit angelegte Befragung stützt. Vom Ergebnis her werden für die berufstätigen Erziehungswissenschaftler immer stärker zwei Grundmuster pädagogischen Handelns offenkundig: Beratung und Organisationsentwicklung.


Die Zahl der unter 35-Jährigen bleibt mit 39% auf hohem Niveau. Laut Mitteilung der ZAV (Der Arbeitsmarkt für besonders qualifizierte Fachkräfte) ist ein nicht unbeträchtlicher Teil der Arbeitsverhältnisse im öffentlichen und gemeinnützigen Bereich über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen finanziert worden, die in den letzten Jahren immer weiter zurückgefahren wurden. Bei Einstellung von derartigen Förderinstrumenten würde sich die Arbeitslosenzahl weiter erhöhen und die Chancen auf Eingliederung in den "Ersten Arbeitsmarkt" verschlechtern. Die immer enger werdenden finanziellen Spielräume der öffentlichen Hand und gemeinnütziger Einrichtungen führen dazu, dass neue zusätzliche Planstellen die Ausnahme in diesem Bereich bleiben werden. Von daher fällt der Blick immer stärker auf Beschäftigungspositionen in der Wirtschaft und bei privaten Unternehmen. Gerade hier spielen die einschlägigen Zusatzqualifikationen oftmals die entscheidende Rolle, um im Wettbewerb mit Wirtschaftswissenschaftlern oder Psychologen bestehen zu können. Vor dem Hintergrund von Absolventenzahlen von jährlich ca. 5.000 in den nächsten Jahren und einer stärkeren Verlagerung der Beschäftigungsfelder sind die Hochschulen umso stärker gefordert, in ihren Ausbildungsprofilen diesen Umstrukturierungen Rechnung zu tragen.
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