Für Abiturienten
und Studienberechtigte, die sich
gegenwärtig für den Lehrerberuf im Rahmen ihrer
Überlegungen zur Studienwahl interessieren, ist die Situation
höchst unüberschaubar. Folgt man den aktuellen
Werbeaktionen
und Verlautbarungen einiger Kultusministerien, so bieten sich teilweise
die besten Einstellungsbedingungen. Die Austrittswellen der letzten
Jahren waren enorm und allenthalben wird über einen
zukünftigen Mangel an
Lehrern geklagt. Nicht zuletzt vor
dem Hintergrund der Einführung von Bachelor und Master
für
die Lehrerausbildung sind Prognosen zum Lehrerbedarf allerdings mit
ganz
erheblichen
Unsicherheiten belastet.
Im Folgenden soll anhand der
einschlägigen Parameter und Stellungnahmen eine
Bestandsaufnahme
zur besseren Orientierung vorgenommen werden. Wer sich heute
für
ein Lehramtsstudium entscheidet, hat viel zu sehr die aktuelle
Arbeitsmarktsituation - und die der jüngsten Vergangenheit
- verinnerlicht. Diejenigen, die aber 2012 oder
später ein Lehramtsstudium aufnehmen, werden sich in der
Regel erst ab 2018 auf eine Lehrerstelle im
öffentlichen Schuldienst bewerben. Bis dahin werden sich die
Rahmenbedingungen und die Einstellungssituation jedoch erheblich
geändert haben. Sicherlich wird fast jeder zweite Lehrer, der
heute im Schuldienst tätig ist, bis dahin aus
Altersgründen
ausscheiden. Allerdings wäre es ein Fehlschluss anzunehmen,
jede
freigewordene Lehrerstelle würde "neubesetzt" werden. Zwei
wichtige Faktoren spielen dabei eine wesentliche Rolle:
Die fiskalischen Rahmenbedingungen
für eine Lehrerversorgung, wie wir sie heute noch haben, wird
es mit
großer Wahrscheinlichkeit zukünftig nicht
mehr geben. Vor dem
Hintergrund
der langfristigen Auswirkungen der Finanzkrise und der damit
einhergehenden weiteren
Neubelastungen der öffentlichen
Haushalte
wäre alles andere unwahrscheinlich. Bereits im Jahr 2003
summierten sich die Versorgungsausgaben für pensionierte
Beamte -
von denen Lehrer die größte Gruppe bilden - auf ca.
25
Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2020 wird sich dieser feststehende
Haushaltsposten - preisbereinigt - kalkulatorisch mindestens verdoppelt
haben.
Eine ältere von der Stiftung Marktwirtschaft veranlasste
Studie "Pensionslasten der Länder" -
Prof. Dr. Raffelhüschen (Uni Freiburg)
zeigt auf , dass durch die Beamtenpensionen in den
nächsten
Jahrzehnten gerade auf die alten Bundesländer eine immense
Belastung zukommt. Nachfolgende Untersuchungen des gleichen Autors
verstärken diese Argumentation (Raffelhüschen u.a. 2010)
So müssen beispielsweise in den
Landeshaushalten von Hamburg und Bremen ein Viertel der Steuereinnahmen
für die Beamtenpensionen bereitgestellt werden. In NRW und
Hessen
wäre es jeder fünfte Euro, der per Vorwegabzug im
Haushalt
für die Pensionen bezahlt werden muss. Dies alles mit
steigender
Tendenz folgt man den Rahmendaten in den Länderhaushalten von
2011. Das Land Berlin beispielsweise hat mit Blick auf die
Pensionslasten insgesamt folgende Hypothek - laut Berichterstattung der
Berliner Morgenpost 2012 -
zu schultern: Sämtliche
sogenannte schwebende Versorgungsverpflichtungen belaufen sich bis 2050
auf einen gegenwärtigen Wert heruntergerechnet eine Summe von
unvorstellbaren 1,36 Billionen Euro. Die vom Bund der Steuerzahler in Auftrag gegebene
Studie einen Barwert von zukünftigen
Zahlungsverpflichtungen errechnet, der für Berlin zwischen 66 und 69 Milliarden Euro
liegt –
je nachdem, wie sich bis 2050 die Kosten entwickeln. Die Pensionslasten
übersteigen damit sogar die Landesschulden, die zurzeit rund
61 Milliarden Euro betragen.
Tendenziell
erwartet die neuen
Bundesländer das gleiche Problem, allerdings wegen
der jüngeren
Personalstruktur erst ca. 15 Jahre später.
Niemand hat bisher vor dem Hintergrund der immer schwieriger werdenden Haushaltslage in Bund, Ländern und Gemeinden die Frage beantwortet, wie eine Sicherung der Schulhaushalte - und diese liegen auf Länderebene - im bisherigen Umfang gewährleistet werden kann. Bei Beurteilung der langfristigen Einstellungsperspektiven darf dieses fiskalische Problem nicht ausgeblendet werden. Schulzeitverkürzung, Erhöhung der Wochenarbeitszeit und des Austrittsalters der Lehrer könnten den Einstellungsbedarf in Zukunft erheblich vermindern. Bereits die Anhebung des Unterrichtsdeputates um eine Wochenstunde hätte mit Bezug auf die ca. 800.000 hauptamtlich beschäftigten Lehrkräfte zur Folge, dass sich der Einstellungsbedarf in der Summe dann um mindestens 32.000 Lehrkräfte vermindern würde. Insbesondere sollte die Wahl der Schulform/-stufe und die der Fächer mit Blick auf einen sich verengenden Bedarf wohlüberlegt sein. Die Einstellungsrealität in den Ländern zeigt in der Tat ein widersprüchliches Bild, das zwischen politischem Anspruch und schulischer Wirklichkeit immer weiter auseinander fällt. So sind die Einstellungszahlen von Lehrerinnen und Lehrern in den Jahren von 2003 bis 2008 insgesamt nicht so hoch gewesen, wie von der KMK im Berichtsjahr 2003 prognostiziert worden ist. Die Daten der KMK / Einstellung von Lehrkräften 2011 in den öffentlichen Schuldienst zeigen hingegen ein wieder ein Überschreiten der 30.000er - Marke (30.601 Personen). Es gibt aber keine Garantie auf eine Fortsetzung der positiven Entwicklung der letzten Jahre. Noch im Jahre 2008 lagen die Einstellungen bundesweit bei 25.754.
In diesem Kontext lohnt es sich immer, einen Blick in die jeweils aktuellen
- offiziellen - Lehrbedarfsprognosen der Bundesländer zu werfen - soweit diese vorhanden sind. Die Bayerische Prognose zum Lehrerbedarf
gelangt im Kern zu der Aussage, dass bis 2020 die Bedarfslage nur an
Grund-
und Hauptschulen (einschl. sonderpäd. Förderung) und
Beruflichen Schulen hoch bleibt.
Hingegen
wächst das Lehrerangebot für Realschulen und
Gymnasien
überproportional an und zeigt klare Merkmale eines
Überangebotes. Die
Lehrerprognose
Baden - Württembergs kommt zu
einer ähnlichen
Gesamteinschätzung. Letztendlich bleibt abzuwarten, ob nicht
genau
aus
dieser Diskrepanz schulstrukturelle Konsequenzen gezogen werden. Auch
die NRW-Studie "Chancen im Lehrerberuf bis 2030"
belegt eine vergleichbare Entwicklung. Im Grundschulbereich bleiben
die Einstellungsaussichten gut.
Für die Schulformen der Sekundarstufe I zeichnen sich noch
bessere Einstellungschancen ab, die allerdings durch den erheblichen
Überhang
aus der Sekundarstufe II teilweise kompensiert werden
können. Für den Sekundarbereich II geht mit
Verkürzung der Schuldauer aber der Trend 2013/14 weg vom
Bedarf
und es entwickelt sich ein Überhang, der in zweiten
Hälfte
der zwanziger -allein in NRW - die 15.000 Grenze überschreiten
könnte (vgl. S.17). Sehr
übersichtlich fallen in dieser Prognose die
Spezifikationen nach
Fächern aus.
Die Kultusministerkonferenz
hat im Juni 2011 eine Modellrechnung
zum Lehrereinstellungsbedarf und zum Angebot an Lehrerkräften
in
der Bundesrepublik Deutschland für den Zeitraum 2010
– 2020 vorgelegt. Fazit dieser
Rechnung ist, dass es sich weiterhin lohnt, ein
Lehramtsstudium aufzunehmen. Studierende sollten jedoch vor Aufnahme
eines Studiums beachten, dass es Chancenunterschiede in den westlichen
und östlichen Ländern, zwischen Schularten und
Fächern gibt. Die Modellrechnung stützt sich auf
Angaben der Länder vom November 2010. Sie gehen jeweils aus
vom Gesamtbedarf an Lehrkräften, die für die
vorhandenen und prognostizierten Schülerzahlen bis 2020 als
erforderlich angesehen werden. Der Prognosekorridor der hier in Rede stehenden KMK - Studie verjüngt
sich allerdings mit Blick auf das Jahr 2020 erheblich - nämlich auf
dann nur noch 22.600. Im Jahresdurchschnitt werden über zehn Jahre
(2010 - 2020) ca. 28.000 Personen laut KMK - Prognose eingestellt
werden. Diese Größenordnung wird gleichfalls durch die Aussagen der
Länder zum zukünftigen Lehrerbedarf weitgehend bestätigt, legt man hier
beispielhaft die neuen Prognosen der beiden größten Bundesländer NRW
und Bayern zugrunde. Ein Beispiel
für
die sich anspannende Situation auf dem Lehrerarbeitsmarkt - mit Blick
die
Situation der Gymnasiallehrer - zeigt sich in
Bayern deutlich: Rund 800 Bewerbern stehen
im Jahr 2012 lediglich 200 Stellen
gegenüber.
In einem Zeit-Interview bewertet der Bildungsforscher Klaus Klemm die bildungspolitische Tragweite der hier in Rede stehenden KMK-Prognose. Fazit:: Die demografische Rendite würde den Schulen nur minimal zu Gute kommen. Schulpolitische Herausforderungen wie die Umsetzung der Inklusion oder ein verbessertes Ganztagsschulangebot gehen mit der Verbesserung der Lehrerausstattung einher. Kostenneutral werden diese Ansprüche nicht umzusetzen sein. Klemm hat gleichfalls eine ältere aussagefähige Modellrechnung vorgelegt : Zur Entwicklung des Lehrerinnen- und Lehrerbedarfs in Deutschland. Die Bilanzierung von Lehrerbedarf und Lehrerangebot zeigt nach seiner Studie, dass es in den kommenden Jahren Probleme geben könnte, den derzeitigen Stand der Lehrerversorgung zu halten. Gleichfalls weist er auf die Schieflage hin, dass für bestimmte Schulformen und Unterrichtsfächer, die nachgefragt werden, nicht die entsprechenden Lehrkräfte zur Verfügung stehen würden. Und er hat zusammen mit dem Erziehungswissenschaftler Ulf Preuss - Lausitz schulpolitische Herausforderungen wie die Umsetzung der Inklusion mit Blick auf die erforderlichen Mehrbedarfe konkretisiert ( vgl. Klemm/ Preuss-Lausitz 2011).
Der Finanzwissenschaftler Dieter Vesper kommt in seinem Gutachten Finanzpolitische Entwicklungstendenzen und Perspektiven des Öffentlichen Dienstes in Deutschland zu dem Ergebnis, dass in Deutschland rund 55.000 Lehrkräfte fehlen. Grundlage der Berechnung sind vergleichende Relationen aus der OECD - Statistik. Die hier konstatierte Unterversorgung resultiert nicht zuletzt aus der nicht kostenadäquaten Einbeziehung von erforderlichen Maßnahmen im Rahmen von Ganztagsschulausweitung, Inklusionsnotwendigkeiten u.a.. Derartige Mehrbedarfe spielen aber bislang in den recht konkreten Prognosen der großen Bundesländer keine erkennbare Rolle. Im Gegenteil: Die mögliche Bildungsrendite - aufgrund des demografisch bedingten Schülerrückgangs - dürfte hiernach den anstehenden Haushaltskonsolidierungen zum Opfer fallen (siehe z.B. NRW-Studie "Chancen im Lehrerberuf bis 2030 , Bayerische Prognose zum Lehrerbedarf und auch Lehrerprognose Baden - Württemberg).
Laut
Mitteilung des Statistischen Bundesamtes
(PA vom 06.12.2011)
ging der Anteil der Dienstunfähigkeit als Grund für
die Pensionierung von Lehrkräften weiter zurück und
lag im Jahr 2010 bei 21% (2007: 23%). Dies ist der tiefste Stand seit
Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1993. Im Durchschnitt waren die Lehrkräfte, die im Jahr 2010 in den
Ruhestand versetzt wurden 62,7 Jahre alt. Rund
19 600 verbeamtete Lehrerinnen und Lehrer wurden im Jahr 2010 in den
Ruhestand versetzt. Zu Beginn des Jahres 2011
erhielten insgesamt rund 295 000 ehemalige Lehrerinnen und Lehrer
Ruhestandsbezüge. Gegenüber dem Vorjahr
erhöhte sich die Gesamtzahl der Ruhegehaltsempfänger
um 4,9 %.
Laut oben zitierter Meldung
des Statistischen Bundesamtes hat sich das
durchschnittliche
Pensionsalter von 59,0 (im Jahr 2000)
auf 62,7 Jahre (im Jahr 2010) erhöht. Der Gesamtanteil der
Lehrerinnen und Lehrer, die mit Erreichen der Regelaltersgrenze (65.
Lebensjahr) in den Ruhestand gingen, ist von 6% im Jahr 2000
auf 79% im Jahr 2010 gestiegen ( 41% im Jahr 2009).
Derartige Veränderungen wirken
sich -
vor dem Hintergrund der aus dem Jahre 2001 zugrunde gelegten
Bedingungen
- eindeutig bedarfsmindernd aus. Weitere Maßnahmen zur
Optimierung einer kostenneutralen Bedarfsdeckung sind absehbar: Nach-
und Weiterqualifizierung für Lehrkräfte zum Einsatz
in
Mangelfächern, erweiterte Einstellungstermine zum
Vorbereitungsdienst für Hochschulabsolventen, z.T.auch
Anerkennung
bereits erbrachter Studienleistungen bei einem Studiengangwechsel,
Maßnahmen zur Erleichterung bzw. Stärkung der
räumlichen Mobilität von Lehrkräften,
Maßnahmen
für Seiteneinsteiger - vor allem im berufsbildenden Bereich,
Optimierung der Einstellungsverfahren, Erhöhung der
Kapazitäten bei den Pädagogischen Fachseminaren und
Öffnung des Vorbereitungsdienstes für andere
Hochschulabschlüsse. Andere mögliche
Maßnahmen
könnten sich auf die bereits im Dienst befindlichen
Lehrkräfte beziehen.
Am meisten verunsichern - und das gilt nicht nur für
diejenigen,
die ihre Studienwahl treffen müssen - die Bedingungen und
Konsequenzen, die mit der Einführung der gestuften
Studiengänge "Bachelor und Master" einhergehen.
Die Umstellung der grundständigen Lehrerbildung auf Bachelor- und Master (BA/MA)-Studiengänge sind von Anfang in den Bundesländern unterschiedlich stark vorangetrieben worden. Das konsekutive oder auch gestufte Studienmodell Bachelor/Master besteht in der Regel aus Bachelor (6 Semester) und Master (4 Semester), das heißt, schon nach sechs Semestern wird - formal - ein erster, berufsqualifizierender Abschluss' erworben. Wer Lehrer werden möchte, muss nach dem Bachelorabschluss aber den Lehrermaster machen. Das Studium ist modular aufgebaut und offen für unterschiedliche Berufsfelder. Die fundierte Ausbildung in Kern- und Nebenfach sichert Übergangsmöglichkeiten zu anderen akademischen Ausbildungsgängen und Abschlüssen. Informationen zur Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse gibt es auch unter Lehrerausbildung in einzelnen Bundesländern (vgl. Bildungsserver). Einen aktuellen Einblick über den tatsächlichen Umsetzungsprozess der neuen Studiengänge für die Lehrerausbildung an den deutschen Hochschulen erhält man über die Informationsplattform der Zentren für Lehrerbildung.
Wie schon gesagt sind von der neuen Vielfalt der Möglichkeiten, die gestuften Studiengänge auf die Lehrerausbildung an Universitäten anzuwenden, nicht nur die Berater verunsichert sondern in zunehmenden Maße auch potentielle Kandidaten für den Lehrerberuf. Mit dem Bachelorabschluss allein kann keine lehrerspezifische Befähigung für den zukünftigen Schuldienst erworben werden. Um Lehrer zu werden, ist ein Masterabschluß an einer Universität oder gleichgestellten Hochschulen von mindestens zwei Fachwissenschaften und von Bildungswissenschaften in der Bachelorphase sowie in der Masterphase - oftmals erforderlich. Die Übergangsregelungen in die Masterphase sind aber weder auf Bundesebene noch auf Länderebene eindeutig bzw. einheitlich geregelt (vgl.auch Witte/Stuckrad). Inwieweit hier alleine der Bachelornotendurchschnitt einen Masterplatz garantieren kann, bleibt aufgrund der kapazitären Verflechtungen zwischen den Studiengängen nach wie vor unklar. Auf die weitgehend ungelöste Übergangsproblematik hat bereits Michael Weegen vor einigen Jahren in seinem Aufsatz Bachelor- und Master: Übergänge zwischen strukturellen Verwerfungen und kapazitären Fallstricken hingewiesen. Die Situation ist in einigen Bundesländern dadurch gekennzeichnet, dass bereits auf BA/MA umgestellte Lehrerstudiengänge wieder auf das traditionelle Modelle/Lehramtstudium umgestellt worden sind (Mecklenburg / Vorpommern / Thüringen).
Die
sehr unterschiedlichen Entwicklungen zur strukturellen Umgestaltung der
Lehrerausbildung in Deutschland sind anschaulich in dem
Artikel 'Vom Uni-Seminar ins Klassenzimmer'
der Wochenzeitung DieZeit dargestellt worden. Weiter werden die sehr
unterschiedlichen Ausbildungsprofile im Überblick
auf dem Deutschen Bildungsserver ständig
aktualisiert. Während einige Bundesländer bereits die
Umstellung auf die gestuften Studiengänge Bachelor und Master
weitgehend vollzogen haben, sind andere beim Staatsexamen geblieben. In
Sachsen ist die Lehrerausbildung dahingehend reformiert
worden,
dass
per
Kabinettsbeschluss vom 19.10.2010 die Ausbildung in
schulartspezifischen, reformierten
Staatsexamensstudiengängen voraussichtlich ab WS
2011/12 eingeführt wird. Bei Beibehaltung der
Modularisierung und der studienbegleitenden Modulprüfungen
wird
die universitäre Staatsexamensprüfung
wieder
verbindlich..Weitere Infos zum Verfahren finden sich beispielsweise
übersichtlich bei der TU Dresden.
Eine nicht vollständige statistische Berücksichtigung von Bachelorstudierenden bzw. die Umstellung traditioneller Studiengänge auf gestufte Formen führt auf Dauer zu erheblichen Problemen mit Blick auf eine langfristige Einschätzung des Lehrerteilarbeitsmarktes. Seit einigen Jahren bestehen bereits statistische Zuordnungsprobleme von Bachelorstudierenden, die eine Lehrerausbildung anstreben oder diese erst nach Beendigung ihres ersten Studienabschnittes wählen. Aufgrund verschiedener Studiengangsoptionen beim Bachelor ist eine Eindeutigkeit für ein späteres Masterstudium (Lehramt) nicht vollständig ablesbar. Ungeklärt bleibt weiter, ob beim Masterübergang langfristig mit Quotierungen für Lehramtsmaster an den Hochschulen zu rechnen ist.
Aufgrund der derzeitigen uneinheitlichen und
unklaren
Regelungen für ein Lehrermasterstudium wird damit eine
langfristige Prognose zur
Höhe der zukünftigen Lehramtsabsolventen immer
schwieriger,
weil man nicht genau weiß, wie viele dieser Studenten
letztlich
ein Lehramt anstreben bzw. anstreben können. Auf die
Schwierigkeit
solcher Implikationen für Lehramtsprognosen
ist bereits in einem Zeit-Artikel hingewiesen
worden
( vgl.
Klemm 2009).
Vom Trend
her zeichnen sich aber - wie oben bereits
ausgeführt - nach Schulformen eher Versorgungsdefizite
für Grund-, Haupt-
und
Realschulen ab. Weitere Mängel resultieren
für das Gymnnasium bzw. die Oberstufe aus einer sehr
ungleichen Verteilung mit Blick auf die Fächerwahl:
Insbesondere
Mathematik und Naturwissenschaften bleiben defizitär.
Folgender
Vergleich von einer Fachbelegung nach erstem Studienfach
macht die
Schieflage exemplarisch deutlich:
Während im Wintersemester 2010/11 im Fach Germanistik/Deutsch 45.777
Lehramtsstudierende eingeschrieben waren, sind es für
Mathematik
nur 26.239 gewesen; für das Fach Geschichte waren es
11.659
Lehramtsstudierende, demgegenüber betrug die
entsprechende
Zahl der Physikstudierenden nur 2203.
Bei den weiter unten dargestellten Studierendenzahlen ist ein hochgerechneter bzw. geschätzter Anteil von Bachelorstudierenden abgebildet worden. Dieser Anteil, der aber nicht zwingend lehramtsspezifisch ausgewiesen sein muss, wird vor dem Hintergrund einer späteren Entscheidung zum Master mit Lehramtsprofil potentiell als Lehramtsstudierendenanteil gewertet. Da der anschließende Übergang bzw. die entsprechende Quote zum Master ungeklärt ist, bewegen sich die Studienanfängerzahlen für spätere Lehramtsabschlüsse in einer Bandbreite, die nur schwer zu erfassen ist. Für das Jahr 2010/11 könnte sich das gesamte Potential der lehramtsrelevanten Studienanfänger bei mindestens ca. 35.000 Erstfachsemester bewegen. Die Größen bleiben zu ungenau, um auf der Basis von Studienanfängerzahlen einen langfristigen Prognosehorizont zu entwickeln. Auch die 'Marktlage' bzw. die Einstellungssituation in den Schuldienst dürfte einen erheblichen Einfluss auf die zukünftigen Zugänge in den Lehramtsmaster haben.
Die nachfolgenden Studierendenzahlen zeigen einschl. des geschätzten Bachelorpotentials den gegenwärtigen Gesamtbestand von Lehramtstudierenden in Deutschland. grundständig explizit für Lehramtstudiengänge sind 2010/11 216.192 Studierende ausgewiesen. Bei den Absolventen hingegen fällt die Zuordnung mit Blick auf den erforderlichen Masterabschluss eindeutig aus und erreicht - ohne Bachelorabschlüsse - mit 33822 ein neues Hoch im Betrachungszeitraum. Die Einstellungen in den Vorbereitungsdienst bewegen sich seit 2009 auf diesem Niveau. Die Zahl der Einstellungen unterschreitet hingegen im Jahr 2010 die 30.000er -Marke.
Auch die 'Marktlage' bzw. die Einstellungssituation in den Schuldienst dürfte einen erheblichen Einfluss auf die zukünftigen Zugänge in den Lehramtsmaster haben. Und es wird kaum wahrgenommen , dass bereits seit mehreren Jahren einige Bundesländer einen harten Numerus Clausus für den Zugang ins Referendariat eingeführt haben. Inwieweit derartige Maßnahmen nur eine verzögernde Wirkung haben oder zur finalen Abschreckung vom Lehramtsstudium insgesamt führen , bleibt offen.
Der Anteil der gemeldeten Arbeitslosen unter 35 Jahre hat sich in den letzten Jahren bei den Gymnasilalehrern und bei den Realschullehrern eindeutig erhöht: Hat dieser Anteil 2006 bei den Gymnasilalehrern noch 30% betragen, so ist er bis zum Jahr 2011 auf 45% gestiegen; bei den Realschullehrern hat er bei 25% (2006) bzw. 40% (2011) gelegen.

Zentralen Ergebnisse einer empirischen Längsschnittstudie der Universität Frankfurt wiegen mit Blick auf eine falsche Studienwahl und eine nicht ausreichende Beratung schwer: Bereits nach den ersten vier Berufsjahren fühlten sich zehn Prozent der befragten Lehrer stark überfordert. Eine nicht unbeträchtliche Gruppe von 25 Prozent aller Studienanfänger wollte eigentlich nie Lehrer werden und empfand die Studienwahl nur als Notlösung (vgl. Rauin 2007, zusammenfassende Infos) . Fast die Hälfte dieser Gruppe stieg wieder aus, sobald sich ihr eine Alternative bot. Und obwohl sich bereits nach sechs Semestern viele Studierende in Bereichen wie berufsbezogene Persönlichkeitsmerkmale, Engagement im Studium, berufliche Motivation und fachliches Wissen selbst schlechte Noten gaben, hielten sie am Berufsziel Lehrer fest (vgl. Rauin). Dieser Entschluss gilt dann in der Regel für ein ganzes Berufsleben. Bei der in der Untersuchung vorgenommenen Selbstbewertung der Lehramtsstudierenden kristallisierten sich drei Idealtypen heraus: "Riskant Studierende": Berufsbezogenen Persönlichkeitsmerkmale werden von Ihnen selbst skeptisch beurteilt. Eigentlich haben sie das Lehramtsstudium gewählt, weil sie keine bessere Alternative fanden. "Die Engagierten": Sie investieren viel ins Studium, lehnen hedonistische Gründe für die Lehrerwahl klar und arbeiten bereits in Seminaren intensiv mit. "Die Pragmatiker": Sie integrieren sich ins Studium über soziale Beziehungen zu Kommilitonen und weniger über themenbezogene Mitarbeit in Seminaren. Das Studium war aber keine Notlösung - sondern man investiert einfach weniger (vgl. Rauin 2007). Als Quintessenz empfehlen die Forscher, dass mehr in die Beratung der Studienanfänger investiert werden sollte, damit diese ihre Wahl noch einmal kritisch ins Auge fassen können. In diesem Kontext wird auf das einzig empfehlenswerte internetbasierte Instrument verwiesen, dass zur ersten Selbstüberprüfung - mit Blick auf die Wahl des Lehrerberufes - herangezogen werden kann: Neben vielen Informationen bietet insbesondere das Projekt CCT - internetgestützte Laufbahnberatung für (angehende) LehrerInnen Selbsterkundungs-Verfahren an, mit denen man testen kann, ob man die persönlichen Voraussetzungen für den Lehrerberuf mitbringt. Jedem, der den Lehrberuf ins Auge gefasst hat, sei dieses Projekt zur ersten Selbsterkunkung empfohlen: Viele Fähigkeiten und Erfahrungen erwirbt man sicherlich erst durch die Ausbildung zum Lehrer. Auch kann man auf sehr unterschiedliche und individuelle Weise ein 'guter Lehrer' oder eine ,gute Lehrerin'sein. CCT möchte den Ratsuchenden zu einer befriedigenden und erfolgreichen Lehrer-Berufslaufbahn begleiten und unterstützen und betont deshalb ausdrücklich: "Es gibt bestimmte grundlegende Persönlichkeitsdimensionen und Interessen, die für das Lehramt förderlich sind" - genau diese lassen sich mit den aufschlussreichen Tests von CCT einfach feststellen. Auch bei einer späteren individuellen persönlichen Beratung, die für unverzichtbar gehalten wird, hat man dann bereits erste konkrete Orientierungsergebnisse. Baden-Württemberg stellt als erstes Bundesland einen landesweit verbindlichen CCT - Selbsttest für künftige Lehramtsstudierende bereit.
Mit Blick auf einzelne Bundesländer bietet das Portal des Deutschen Bildungsservers Lehrer werden den besten Überblick. Dieses Portal möchte angehende Lehrerinnen und Lehrer auf ihrem Weg von der Studienentscheidung bis zu den ersten Berufsjahren begleiten. Es bietet für die Vielzahl von Fragen erste Informationen über Länder- und Universitätsgrenzen hinweg.Ebenfalls sehr informativ mit Blick auf NRW sind die Seiten des Internetberaters Paul Tresselt für Lehrer, Schulleiter und Lehramtsanwärter. Hier findet man vielfältige Informationen über alle Aspekte des Berufseintritts und des Berufslebens. zusammengestellt.