Lehramt / Schule

 

Der Teilarbeitsmarkt Schule in Deutschland

Für Abiturienten und Studienberechtigte, die sich gegenwärtig für den Lehrerberuf im Rahmen ihrer Überlegungen zur Studienwahl interessieren, ist die Situation höchst unüberschaubar. Folgt man den aktuellen Werbeaktionen und Verlautbarungen einiger Kultusministerien, so bieten sich teilweise die besten Einstellungsbedingungen. Die Austrittswellen der letzten Jahren waren enorm und allenthalben wird über einen zukünftigen Mangel an Lehrern geklagt. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Einführung von Bachelor und Master für die Lehrerausbildung sind Prognosen zum Lehrerbedarf allerdings mit ganz erheblichen Unsicherheiten belastet.
Im Folgenden soll anhand der einschlägigen Parameter und Stellungnahmen eine Bestandsaufnahme zur besseren Orientierung vorgenommen werden. Wer sich heute für ein Lehramtsstudium entscheidet, hat viel zu sehr die aktuelle Arbeitsmarktsituation - und die der jüngsten Vergangenheit -  verinnerlicht. Diejenigen, die aber 2012 oder später ein Lehramtsstudium aufnehmen, werden sich in der Regel erst ab 2018  auf eine Lehrerstelle im öffentlichen Schuldienst bewerben. Bis dahin werden sich die Rahmenbedingungen und die Einstellungssituation jedoch erheblich geändert haben. Sicherlich wird fast jeder zweite Lehrer, der heute im Schuldienst tätig ist, bis dahin aus Altersgründen ausscheiden. Allerdings wäre es ein Fehlschluss anzunehmen, jede freigewordene Lehrerstelle würde "neubesetzt" werden. Zwei wichtige Faktoren spielen dabei eine wesentliche Rolle:

Auf der einen Seite wird sich die Schülerzahl - laut KMK - Prognose Vorausberechnung der Schüler- und Absolventenzahlen 2010 bis 2025 - von derzeit 11,7 Millionen auf ca. 9,6 Millionen (2025) reduzieren und danach weiter abnehmen. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler an allgemein bildenden Schulen in Deutschland insgesamt dürfte im Jahr 2025 bereits bis zu 20% (1,8 Millionen) niedriger liegen als im Jahr 2006. Nach Schulstufen ergeben sich dabei – bedingt durch demografische Verschiebungen – unterschiedliche Effekte. In der Primarstufe ist bis 2025 mit einem Rückgang um 11,6% zu rechnen, in der Sekundarstufe I mit minus 19,1% und in der Sekundarstufe II mit minus 21,3%. Auch die Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes der Schülerzahlen aus dem Jahr 2011  - siehe ebenfalls Demografischer Wandel  - stützen sich auf die 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung  und basieren auf der Annahme, dass das Übergangsverhalten von einer in die nächste Stufe dem - in der Regel  - der Schuljahre 2010/11 entspricht. Neuere länderspezifische Hochrechnungen (z.B. NRW 2010) zeigen keine durchschlagenden Trendänderungen.
Beschlossene und geplante Reformen (Einführung G8, Vorverlegung des Einschulungsstichtages) sind bei den Berechnungen einbezogen worden. Aufgrund dieser demographischen Veränderung muss etwa ein Drittel der ausgeschiedenen Lehrkräfte nicht durch neue Lehrer ersetzt werden. Inwieweit der Ausbau von Ganztagsschulplätzen zu einer Mehreinstellung von ausgebildeten Lehrern führen wird, hängt stark vom zweiten Faktor ab - den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln.

Die fiskalischen Rahmenbedingungen für eine Lehrerversorgung, wie wir sie heute noch haben, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit zukünftig nicht mehr geben. Vor dem Hintergrund der langfristigen Auswirkungen der Finanzkrise und der damit einhergehenden weiteren Neubelastungen der öffentlichen Haushalte wäre alles andere unwahrscheinlich. Bereits im Jahr 2003 summierten sich die Versorgungsausgaben für pensionierte Beamte - von denen Lehrer die größte Gruppe bilden - auf ca. 25 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2020 wird sich dieser feststehende Haushaltsposten - preisbereinigt - kalkulatorisch mindestens verdoppelt haben. Eine ältere von der Stiftung Marktwirtschaft veranlasste Studie "Pensionslasten der Länder" - Prof. Dr. Raffelhüschen (Uni Freiburg)  zeigt auf , dass durch die Beamtenpensionen in den nächsten Jahrzehnten gerade auf die alten Bundesländer eine immense Belastung zukommt. Nachfolgende Untersuchungen des gleichen Autors verstärken diese Argumentation (Raffelhüschen u.a. 2010) So müssen beispielsweise in den Landeshaushalten von Hamburg und Bremen ein Viertel der Steuereinnahmen für die Beamtenpensionen bereitgestellt werden. In NRW und Hessen wäre es jeder fünfte Euro, der per Vorwegabzug im Haushalt für die Pensionen bezahlt werden muss. Dies alles mit steigender Tendenz folgt man den Rahmendaten in den Länderhaushalten von 2011. Das Land Berlin beispielsweise hat mit Blick auf die Pensionslasten insgesamt folgende Hypothek - laut Berichterstattung der Berliner Morgenpost 2012  - zu schultern: Sämtliche sogenannte schwebende Versorgungsverpflichtungen belaufen sich bis 2050 auf einen gegenwärtigen Wert heruntergerechnet eine Summe von unvorstellbaren 1,36 Billionen Euro. Die vom Bund der Steuerzahler in Auftrag gegebene Studie einen Barwert von zukünftigen Zahlungsverpflichtungen errechnet, der für Berlin zwischen 66 und 69 Milliarden Euro liegt – je nachdem, wie sich bis 2050 die Kosten entwickeln. Die Pensionslasten übersteigen damit sogar die Landesschulden, die zurzeit rund 61 Milliarden Euro betragen. 
Tendenziell erwartet die neuen Bundesländer  das gleiche Problem, allerdings wegen der jüngeren Personalstruktur erst ca. 15 Jahre später.

 

Politischer Anspruch und Einstellungsrealität im Schuljahr 2011/12

Niemand hat bisher vor dem Hintergrund der immer schwieriger werdenden Haushaltslage in Bund, Ländern und Gemeinden die Frage beantwortet, wie eine Sicherung der Schulhaushalte - und diese liegen auf Länderebene - im bisherigen Umfang gewährleistet werden kann. Bei Beurteilung der langfristigen Einstellungsperspektiven darf dieses fiskalische Problem nicht ausgeblendet werden. Schulzeitverkürzung, Erhöhung der Wochenarbeitszeit und des Austrittsalters der Lehrer könnten den Einstellungsbedarf in Zukunft erheblich vermindern. Bereits die Anhebung des Unterrichtsdeputates um eine Wochenstunde hätte mit Bezug auf die ca. 800.000 hauptamtlich beschäftigten Lehrkräfte zur Folge, dass sich der Einstellungsbedarf in der Summe dann um mindestens 32.000 Lehrkräfte vermindern würde. Insbesondere sollte die Wahl der Schulform/-stufe und die der Fächer mit Blick auf einen sich verengenden Bedarf wohlüberlegt sein. Die Einstellungsrealität in den Ländern zeigt in der Tat ein widersprüchliches Bild, das zwischen politischem Anspruch und schulischer Wirklichkeit immer weiter auseinander fällt.  So sind die Einstellungszahlen von Lehrerinnen und Lehrern in den Jahren von 2003 bis 2008 insgesamt nicht so hoch gewesen, wie von der KMK im Berichtsjahr 2003 prognostiziert worden ist.  Die  Daten der KMK / Einstellung von Lehrkräften 2011  in den öffentlichen Schuldienst zeigen hingegen ein wieder ein Überschreiten der 30.000er - Marke (30.601 Personen). Es gibt aber keine Garantie auf eine Fortsetzung der positiven Entwicklung der letzten Jahre. Noch im Jahre 2008 lagen die Einstellungen bundesweit bei 25.754. 

In diesem Kontext lohnt es sich immer, einen Blick in die jeweils  aktuellen - offiziellen - Lehrbedarfsprognosen der Bundesländer  zu werfen - soweit diese vorhanden sind. Die Bayerische Prognose zum Lehrerbedarf gelangt im Kern zu der Aussage, dass bis 2020 die Bedarfslage nur an Grund- und Hauptschulen (einschl. sonderpäd. Förderung) und Beruflichen Schulen hoch bleibt. Hingegen wächst das Lehrerangebot für Realschulen und Gymnasien überproportional an und zeigt klare Merkmale eines Überangebotes. Die Lehrerprognose Baden - Württembergs kommt zu einer ähnlichen Gesamteinschätzung. Letztendlich bleibt abzuwarten, ob nicht genau aus dieser Diskrepanz schulstrukturelle Konsequenzen gezogen werden. Auch die NRW-Studie "Chancen im Lehrerberuf bis 2030" belegt eine vergleichbare Entwicklung. Im Grundschulbereich bleiben die Einstellungsaussichten gut.  Für die Schulformen der Sekundarstufe I zeichnen sich noch bessere Einstellungschancen ab, die allerdings durch den erheblichen Überhang aus der Sekundarstufe II teilweise kompensiert werden können.  Für den Sekundarbereich II geht mit Verkürzung der Schuldauer aber der Trend 2013/14 weg vom Bedarf und es entwickelt sich ein Überhang, der in zweiten Hälfte der zwanziger -allein in NRW - die 15.000 Grenze überschreiten könnte (vgl. S.17). Sehr übersichtlich  fallen in dieser Prognose die Spezifikationen nach Fächern aus.

Die Kultusministerkonferenz hat  im Juni 2011 eine Modellrechnung zum Lehrereinstellungsbedarf und zum Angebot an Lehrerkräften in der Bundesrepublik Deutschland für den Zeitraum 2010 – 2020 vorgelegt. Fazit dieser Rechnung ist, dass es sich weiterhin lohnt, ein Lehramtsstudium aufzunehmen. Studierende sollten jedoch vor Aufnahme eines Studiums beachten, dass es Chancenunterschiede in den westlichen und östlichen Ländern, zwischen Schularten und Fächern gibt. Die Modellrechnung stützt sich auf Angaben der Länder vom November 2010. Sie gehen jeweils aus vom Gesamtbedarf an Lehrkräften, die für die vorhandenen und prognostizierten Schülerzahlen bis 2020 als erforderlich angesehen werden. Der Prognosekorridor der hier in Rede stehenden KMK - Studie verjüngt sich allerdings mit Blick auf das Jahr 2020 erheblich - nämlich auf dann nur noch 22.600. Im Jahresdurchschnitt werden über zehn Jahre (2010 - 2020)  ca. 28.000 Personen laut KMK - Prognose eingestellt werden. Diese Größenordnung wird gleichfalls durch die Aussagen der Länder zum zukünftigen Lehrerbedarf weitgehend bestätigt, legt man hier beispielhaft die neuen Prognosen der beiden größten Bundesländer NRW und Bayern zugrunde.  Ein Beispiel für die sich anspannende Situation auf dem Lehrerarbeitsmarkt  - mit Blick die Situation der Gymnasiallehrer  - zeigt sich in Bayern deutlich: Rund 800 Bewerbern stehen  im Jahr 2012 lediglich 200 Stellen gegenüber. 

In einem Zeit-Interview bewertet der  Bildungsforscher Klaus Klemm die bildungspolitische Tragweite der hier in Rede stehenden KMK-Prognose. Fazit:: Die demografische Rendite würde den Schulen nur minimal zu Gute kommen. Schulpolitische Herausforderungen wie die Umsetzung der Inklusion oder ein verbessertes Ganztagsschulangebot gehen mit der Verbesserung der Lehrerausstattung einher. Kostenneutral werden diese Ansprüche nicht umzusetzen sein.   Klemm hat  gleichfalls eine ältere aussagefähige Modellrechnung vorgelegt : Zur Entwicklung des Lehrerinnen- und Lehrerbedarfs in Deutschland.  Die Bilanzierung von Lehrerbedarf und Lehrerangebot zeigt nach seiner Studie, dass es in den kommenden Jahren Probleme geben könnte, den derzeitigen Stand der Lehrerversorgung zu halten. Gleichfalls weist er auf die Schieflage hin, dass für bestimmte  Schulformen und  Unterrichtsfächer, die nachgefragt werden, nicht die entsprechenden Lehrkräfte zur Verfügung stehen würden.  Und er hat zusammen mit dem Erziehungswissenschaftler Ulf Preuss - Lausitz schulpolitische Herausforderungen wie die Umsetzung der Inklusion mit Blick auf die erforderlichen Mehrbedarfe konkretisiert ( vgl. Klemm/ Preuss-Lausitz 2011).   

Der Finanzwissenschaftler Dieter  Vesper kommt in seinem Gutachten Finanzpolitische Entwicklungstendenzen und Perspektiven des Öffentlichen Dienstes in Deutschland   zu dem Ergebnis, dass in Deutschland rund 55.000 Lehrkräfte fehlen. Grundlage der Berechnung sind vergleichende Relationen  aus der OECD - Statistik. Die hier konstatierte Unterversorgung  resultiert nicht zuletzt aus der nicht kostenadäquaten Einbeziehung von erforderlichen Maßnahmen im Rahmen von Ganztagsschulausweitung, Inklusionsnotwendigkeiten u.a.. Derartige Mehrbedarfe spielen aber bislang in den recht konkreten Prognosen der großen Bundesländer keine erkennbare  Rolle. Im Gegenteil: Die mögliche Bildungsrendite - aufgrund des demografisch bedingten Schülerrückgangs - dürfte hiernach den anstehenden Haushaltskonsolidierungen  zum Opfer fallen (siehe z.B.  NRW-Studie "Chancen im Lehrerberuf bis 2030 ,  Bayerische Prognose zum Lehrerbedarf    und auch   Lehrerprognose Baden - Württemberg).

Laut Mitteilung des  Statistischen Bundesamtes (PA  vom 06.12.2011) ging der Anteil der Dienstunfähigkeit als Grund für die Pensionierung von Lehrkräften weiter zurück und lag im Jahr 2010 bei 21% (2007: 23%). Dies ist der tiefste Stand seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1993. Im Durchschnitt waren die Lehrkräfte, die im Jahr 2010 in den Ruhestand versetzt wurden 62,7 Jahre alt. Rund 19 600 verbeamtete Lehrerinnen und Lehrer wurden im Jahr 2010 in den Ruhestand versetzt. Zu Beginn des Jahres 2011 erhielten insgesamt rund 295 000 ehemalige Lehrerinnen und Lehrer Ruhestandsbezüge. Gegenüber dem Vorjahr erhöhte sich die Gesamtzahl der Ruhegehaltsempfänger um 4,9 %.
Laut  oben zitierter Meldung des  Statistischen Bundesamtes  hat sich das durchschnittliche Pensionsalter von 59,0 (im Jahr 2000) auf 62,7 Jahre (im Jahr 2010) erhöht. Der Gesamtanteil der Lehrerinnen und Lehrer, die mit Erreichen der Regelaltersgrenze (65. Lebens­jahr) in den Ruhestand gingen, ist von 6% im Jahr 2000 auf 79% im Jahr 2010 gestiegen ( 41%  im Jahr 2009). Derartige Veränderungen wirken sich - vor dem Hintergrund der aus dem Jahre 2001 zugrunde gelegten Bedingungen - eindeutig bedarfsmindernd aus. Weitere Maßnahmen zur Optimierung einer kostenneutralen Bedarfsdeckung sind absehbar: Nach- und Weiterqualifizierung für Lehrkräfte zum Einsatz in Mangelfächern, erweiterte Einstellungstermine zum Vorbereitungsdienst für Hochschulabsolventen, z.T.auch Anerkennung bereits erbrachter Studienleistungen bei einem Studiengangwechsel, Maßnahmen zur Erleichterung bzw. Stärkung der räumlichen Mobilität von Lehrkräften, Maßnahmen für Seiteneinsteiger - vor allem im berufsbildenden Bereich, Optimierung der Einstellungsverfahren, Erhöhung der Kapazitäten bei den Pädagogischen Fachseminaren und Öffnung des Vorbereitungsdienstes für andere Hochschulabschlüsse. Andere mögliche Maßnahmen könnten sich auf die bereits im Dienst befindlichen Lehrkräfte beziehen. 
Am meisten verunsichern -  und das gilt nicht nur für diejenigen, die ihre Studienwahl treffen müssen - die Bedingungen und Konsequenzen, die mit der Einführung der gestuften Studiengänge "Bachelor und Master" einhergehen.

Prognoseunsicherheiten werden durch Bachelor und Master viel größer

Die Umstellung der grundständigen Lehrerbildung auf Bachelor- und Master (BA/MA)-Studiengänge sind von Anfang in den Bundesländern unterschiedlich stark vorangetrieben worden. Das konsekutive oder auch gestufte Studienmodell Bachelor/Master besteht in der Regel aus Bachelor (6 Semester) und Master (4 Semester), das heißt, schon nach sechs Semestern wird - formal - ein erster, berufsqualifizierender Abschluss' erworben. Wer Lehrer werden möchte, muss nach dem Bachelorabschluss  aber den Lehrermaster machen. Das Studium ist modular aufgebaut und offen für unterschiedliche Berufsfelder. Die fundierte Ausbildung in Kern- und Nebenfach sichert Übergangsmöglichkeiten zu anderen akademischen Ausbildungsgängen und Abschlüssen. Informationen zur Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse gibt es auch unter Lehrerausbildung in einzelnen Bundesländern (vgl. Bildungsserver). Einen aktuellen Einblick über den tatsächlichen Umsetzungsprozess der neuen Studiengänge für die Lehrerausbildung an den deutschen Hochschulen erhält man über die Informationsplattform der Zentren für Lehrerbildung.

Wie schon gesagt sind von der neuen Vielfalt der Möglichkeiten, die gestuften Studiengänge auf die Lehrerausbildung an Universitäten anzuwenden, nicht nur die Berater verunsichert sondern in zunehmenden Maße auch potentielle Kandidaten für den Lehrerberuf. Mit dem Bachelorabschluss allein kann keine lehrerspezifische Befähigung für den zukünftigen Schuldienst erworben werden. Um Lehrer zu werden, ist ein  Masterabschluß an einer Universität oder gleichgestellten Hochschulen von mindestens zwei Fachwissenschaften und von Bildungswissenschaften in der Bachelorphase sowie in der Masterphase - oftmals   erforderlich. Die Übergangsregelungen in die Masterphase sind aber weder auf Bundesebene noch auf Länderebene eindeutig bzw. einheitlich geregelt (vgl.auch Witte/Stuckrad). Inwieweit hier alleine der Bachelornotendurchschnitt einen Masterplatz garantieren kann, bleibt aufgrund der kapazitären Verflechtungen zwischen den Studiengängen nach wie vor unklar. Auf die weitgehend ungelöste Übergangsproblematik hat bereits Michael Weegen vor einigen Jahren in seinem Aufsatz Bachelor- und Master: Übergänge zwischen strukturellen Verwerfungen und kapazitären Fallstricken hingewiesen. Die Situation ist in einigen Bundesländern dadurch gekennzeichnet, dass  bereits auf BA/MA umgestellte Lehrerstudiengänge wieder auf das traditionelle Modelle/Lehramtstudium  umgestellt worden sind (Mecklenburg / Vorpommern / Thüringen).

Die sehr unterschiedlichen Entwicklungen zur strukturellen Umgestaltung der Lehrerausbildung in Deutschland sind  anschaulich in dem Artikel 'Vom Uni-Seminar ins Klassenzimmer' der Wochenzeitung DieZeit dargestellt worden. Weiter werden die sehr unterschiedlichen Ausbildungsprofile  im Überblick auf dem Deutschen Bildungsserver ständig aktualisiert. Während einige Bundesländer bereits die Umstellung auf die gestuften Studiengänge Bachelor und Master weitgehend vollzogen haben, sind andere beim Staatsexamen geblieben. In Sachsen  ist die Lehrerausbildung dahingehend reformiert worden, dass 
per Kabinettsbeschluss vom 19.10.2010 die Ausbildung in schulartspezifischen, reformierten Staatsexamensstudiengängen voraussichtlich ab WS 2011/12  eingeführt wird. Bei Beibehaltung der Modularisierung und der studienbegleitenden Modulprüfungen wird die universitäre Staatsexamensprüfung  wieder verbindlich..Weitere Infos zum Verfahren finden sich beispielsweise übersichtlich bei der TU Dresden.


Entwicklung von Studienanfänger, Studierende, Absolventen und Einstellungen - Lehramt Deutschland

Eine nicht vollständige statistische Berücksichtigung von Bachelorstudierenden  bzw. die Umstellung traditioneller Studiengänge auf gestufte Formen führt auf Dauer zu erheblichen  Problemen mit Blick  auf eine langfristige Einschätzung des Lehrerteilarbeitsmarktes. Seit einigen Jahren bestehen bereits statistische Zuordnungsprobleme von Bachelorstudierenden, die eine Lehrerausbildung anstreben oder diese erst nach Beendigung ihres ersten Studienabschnittes wählen. Aufgrund verschiedener Studiengangsoptionen beim Bachelor ist eine Eindeutigkeit für ein späteres Masterstudium (Lehramt) nicht vollständig ablesbar. Ungeklärt bleibt weiter, ob beim Masterübergang langfristig mit  Quotierungen für Lehramtsmaster  an den Hochschulen zu rechnen ist.

Aufgrund der derzeitigen uneinheitlichen und  unklaren Regelungen für ein Lehrermasterstudium wird damit eine langfristige Prognose zur Höhe der zukünftigen Lehramtsabsolventen immer schwieriger, weil man nicht genau weiß, wie viele dieser Studenten letztlich ein Lehramt anstreben bzw. anstreben können. Auf die Schwierigkeit solcher Implikationen für Lehramtsprognosen ist bereits in einem Zeit-Artikel hingewiesen worden 
( vgl. Klemm  2009). 

Vom Trend her zeichnen sich aber -  wie oben bereits ausgeführt - nach Schulformen eher Versorgungsdefizite für Grund-, Haupt- und Realschulen ab. Weitere Mängel resultieren  für das Gymnnasium bzw. die Oberstufe aus einer sehr ungleichen Verteilung mit Blick auf die Fächerwahl: Insbesondere Mathematik und Naturwissenschaften bleiben defizitär. Folgender Vergleich von einer Fachbelegung nach erstem Studienfach macht die Schieflage exemplarisch deutlich:
Während im Wintersemester 2010/11 im Fach Germanistik/Deutsch 45.777 Lehramtsstudierende eingeschrieben waren, sind es für Mathematik nur 26.239 gewesen; für das Fach Geschichte waren es  11.659  Lehramtsstudierende, demgegenüber betrug die entsprechende Zahl der  Physikstudierenden nur 2203.

Bei den weiter unten dargestellten Studierendenzahlen ist ein hochgerechneter bzw. geschätzter Anteil von Bachelorstudierenden abgebildet worden. Dieser Anteil, der aber nicht zwingend lehramtsspezifisch ausgewiesen sein muss, wird vor dem Hintergrund einer späteren Entscheidung zum Master mit Lehramtsprofil potentiell als Lehramtsstudierendenanteil gewertet. Da  der anschließende Übergang bzw. die entsprechende Quote zum Master  ungeklärt ist, bewegen sich die Studienanfängerzahlen für spätere Lehramtsabschlüsse in einer Bandbreite, die nur schwer zu erfassen ist. Für das Jahr 2010/11  könnte  sich das gesamte Potential der lehramtsrelevanten Studienanfänger  bei mindestens ca. 35.000 Erstfachsemester bewegen. Die Größen bleiben zu ungenau, um auf der Basis von Studienanfängerzahlen einen langfristigen Prognosehorizont  zu entwickeln. Auch die 'Marktlage'  bzw. die Einstellungssituation in den Schuldienst dürfte einen erheblichen Einfluss auf die zukünftigen Zugänge in den Lehramtsmaster haben. 

Die nachfolgenden Studierendenzahlen zeigen einschl. des geschätzten Bachelorpotentials den gegenwärtigen Gesamtbestand von Lehramtstudierenden in Deutschland. grundständig explizit für Lehramtstudiengänge sind 2010/11  216.192 Studierende ausgewiesen. Bei den Absolventen hingegen fällt die Zuordnung mit Blick auf den erforderlichen Masterabschluss eindeutig aus und erreicht - ohne Bachelorabschlüsse  -  mit  33822 ein neues Hoch im Betrachungszeitraum. Die Einstellungen in den Vorbereitungsdienst bewegen sich  seit 2009 auf diesem Niveau. Die  Zahl der Einstellungen unterschreitet hingegen  im Jahr 2010 die 30.000er -Marke.

Auch die 'Marktlage'  bzw. die Einstellungssituation in den Schuldienst dürfte einen erheblichen Einfluss auf die zukünftigen Zugänge in den Lehramtsmaster haben. Und es wird kaum wahrgenommen , dass bereits seit mehreren Jahren einige Bundesländer einen harten Numerus Clausus für den Zugang ins Referendariat eingeführt haben. Inwieweit derartige Maßnahmen nur eine verzögernde Wirkung haben oder zur finalen Abschreckung vom Lehramtsstudium insgesamt führen , bleibt offen. 

Der Anteil der gemeldeten Arbeitslosen unter 35 Jahre hat sich in den letzten Jahren bei den Gymnasilalehrern und bei den Realschullehrern eindeutig erhöht: Hat dieser Anteil 2006 bei den Gymnasilalehrern noch 30% betragen, so ist er bis zum Jahr 2011 auf 45% gestiegen; bei den Realschullehrern hat er bei 25% (2006) bzw. 40%  (2011) gelegen. 

Lehramt Studierendenstatistik

Lehramt Absolventenstatistik

Lehramt Einstellung in den Schuldienst alte Länder

Arbeitslose Lehrer (2. Staatsexamen)

Lehramt Arbeitslosenstatistik Zielberuf


Vor dem Hintergrund der Arbeitsmarktperspektiven für Lehrer darf aber nicht eine noch viel wichtigere Frage zum Lehrerberuf ausgeblendet werden - nämlich die Berufseignung und Berufsneigung.
Selbsterkundungs-Verfahren zum Lehrerberuf: Lehrer werden?

Zentralen Ergebnisse einer  empirischen Längsschnittstudie der Universität Frankfurt wiegen mit Blick auf eine falsche Studienwahl und eine nicht ausreichende Beratung schwer: Bereits nach den ersten vier Berufsjahren fühlten sich zehn Prozent der befragten Lehrer stark überfordert. Eine nicht unbeträchtliche Gruppe von 25 Prozent aller Studienanfänger wollte eigentlich nie Lehrer werden und empfand die Studienwahl nur als Notlösung (vgl. Rauin 2007, zusammenfassende Infos) . Fast die Hälfte dieser Gruppe stieg wieder aus, sobald sich ihr eine Alternative bot. Und obwohl sich bereits nach sechs Semestern viele Studierende in Bereichen wie berufsbezogene Persönlichkeitsmerkmale, Engagement im Studium, berufliche Motivation und fachliches Wissen selbst schlechte Noten gaben, hielten sie am Berufsziel Lehrer fest (vgl. Rauin). Dieser Entschluss gilt dann in der Regel für ein ganzes Berufsleben. Bei der in der Untersuchung vorgenommenen Selbstbewertung der Lehramtsstudierenden kristallisierten sich drei Idealtypen heraus: "Riskant Studierende": Berufsbezogenen Persönlichkeitsmerkmale werden von Ihnen selbst skeptisch beurteilt. Eigentlich haben sie das Lehramtsstudium gewählt, weil sie keine bessere Alternative fanden. "Die Engagierten": Sie investieren viel ins Studium, lehnen hedonistische Gründe für die Lehrerwahl klar und arbeiten bereits in Seminaren intensiv mit. "Die Pragmatiker": Sie integrieren sich ins Studium über soziale Beziehungen zu Kommilitonen und weniger über themenbezogene Mitarbeit in Seminaren. Das Studium war aber keine Notlösung - sondern man investiert einfach weniger (vgl. Rauin 2007). Als Quintessenz empfehlen die Forscher, dass mehr in die Beratung der Studienanfänger investiert werden sollte, damit diese ihre Wahl noch einmal kritisch ins Auge fassen können. In diesem Kontext wird auf das einzig empfehlenswerte internetbasierte Instrument verwiesen, dass zur ersten Selbstüberprüfung - mit Blick auf die Wahl des Lehrerberufes - herangezogen werden kann: Neben vielen Informationen bietet insbesondere das Projekt CCT - internetgestützte Laufbahnberatung für (angehende) LehrerInnen Selbsterkundungs-Verfahren an, mit denen man testen kann, ob man die persönlichen Voraussetzungen für den Lehrerberuf mitbringt. Jedem, der den Lehrberuf ins Auge gefasst hat, sei dieses Projekt zur ersten Selbsterkunkung empfohlen: Viele Fähigkeiten und Erfahrungen erwirbt man sicherlich erst durch die Ausbildung zum Lehrer. Auch kann man auf sehr unterschiedliche und individuelle Weise ein 'guter Lehrer' oder eine ,gute Lehrerin'sein. CCT möchte den Ratsuchenden zu einer befriedigenden und erfolgreichen Lehrer-Berufslaufbahn begleiten und unterstützen und betont deshalb ausdrücklich: "Es gibt bestimmte grundlegende Persönlichkeitsdimensionen und Interessen, die für das Lehramt förderlich sind" - genau diese lassen sich mit den aufschlussreichen Tests von CCT einfach feststellen. Auch bei einer späteren individuellen persönlichen Beratung, die für unverzichtbar gehalten wird, hat man dann bereits erste konkrete Orientierungsergebnisse. Baden-Württemberg stellt als erstes Bundesland einen landesweit verbindlichen CCT - Selbsttest für künftige Lehramtsstudierende bereit.

Mit Blick auf einzelne Bundesländer bietet das Portal des Deutschen Bildungsservers Lehrer werden den besten Überblick. Dieses Portal möchte angehende Lehrerinnen und Lehrer auf ihrem Weg von der Studienentscheidung bis zu den ersten Berufsjahren begleiten. Es bietet für die Vielzahl von Fragen erste Informationen über Länder- und Universitätsgrenzen hinweg.

Ebenfalls sehr informativ mit Blick auf NRW sind die Seiten des Internetberaters Paul Tresselt für Lehrer, Schulleiter und Lehramtsanwärter. Hier findet man vielfältige Informationen über alle Aspekte des Berufseintritts und des Berufslebens. zusammengestellt.