Stellungnahme des geschäftsführenden Direktors der Kommunikationswissenschaft zum Rektoratsbeschluss: Schließung des Fachs „Kommunikationswissenschaft“
Das Rektorat hat mit Schreiben vom 04.08.2011 am vergangenen Freitag den Dekan der Fakultät für Geisteswissenschaften über seinen Beschluss informiert, den Masterstudiengang Kommunikationswissenschaft einzustellen und das Fach aufzulösen. Die letzten Einschreibungen sollen zum WS 2011/12 erfolgen. Zeitgleich ist diese Entscheidung auf der Startseite der Universität veröffentlicht worden. Den Lehrstuhlinhabern wurde keine Zeit eingeräumt, weder ihre Mitarbeiter noch die Studierenden über diese weitreichende Entscheidung zu informieren. Ein derartiges Vorgehen hat es in der Geschichte der Universität noch nicht gegeben, über die Gründe für dieses Vorgehen darf man spekulieren.
Während das Rektorat nicht müde wird zu verlautbaren, dass mit der gerade neu eingekauften Kommunikationsstrategie (der Claim lautet: „Offen im Denken“) vor allem das Ziel verbunden sei, „die Wertschätzung intern wie extern zu transportieren und zu steigern“ (http://www.uni-due.de/de/presse/meldung.php?id=2782; 08.08.2011), erleben die Fakultät für Geisteswissenschaften, das Institut für Kommunikationswissenschaft, dessen Studierende und Absolventen seit nunmehr über zwei Jahren das Gegenteil von offener Kommunikation, Glaubwürdigkeit und Vertrauen in Bezug auf ihre Einrichtung (vgl. http://www.uni-due.de/imperia/md/content/intranet/ markenportal/ude_markenhandbuch.pdf; 08.08.2011)
Kurz zu Chronologie der Ereignisse: In der Pressemitteilung des Rektorats wird suggeriert, dass es sich bei dem Angebot der Kommunikationswissenschaft um einen schlecht nachgefragten Studiengang handele. So werden den 43 Masterstudierenden der Kommunikationswissenschaft 700 Studierende in der Kognitions- und Medienwissenschaft gegenübergestellt. In der Tat sind jedoch in der Kommunikationswissenschaft insgesamt 312 Studierende eingeschrieben. 43 studieren im Masterprogramm (Der Masterstudiengang ist nebenbei bemerkt nur auf eine Auslastung von 56 Studierende ausgerichtet.), 22 sind im Promotionsstudiengang eingeschrieben. Was die Mitteilung ebenfalls verschweigt, ist, dass die Kognitions- und Medienwissenschaft bereits seit 2000/01 einen Bachelorstudiengang und seit 2003 einen Masterstudiengang anbietet. Das bloße Nennen nackter Zahlen ohne entsprechende Kontextualisierung ist in diesem Zusammenhang in höchstem Maße tendenziös und unredlich. Auch die Formulierung, der Beschluss des Rektorats würde den Bereich Kommunikation und Medien neu aufstellen bzw. stärken, entspricht nicht den Tatsachen. So existieren an der UDE außerhalb des Instituts für Kommunikationswissenschaft keine Lehrenden mit einer venia legendi für Kommunikationswissenschaft. Hier wird entgegen der Meldung des Rektorats nicht ausgebaut, sondern abgeschafft und akademische Ausbildung vernichtet. Neben den zukünftigen negativen Folgen für die anderen Fächer der Fakultät (zu befürchten sind weitere Streichungen akademischer Masterprogramme, die nicht in der Lehrerbildung verortet sind) sind mit der Entscheidung der Schließung des Fachs auch diejenigen internationalen Kooperationen gefährdet, an denen die Kommunikationswissenschaft maßgeblich beteiligt ist, nämlich der erst vor zwei Jahren neu eingerichtete gemeinsame Studiengang mit der Universität Danzig, die bereits seit 1998 bestehende, erst kürzlich mit der Unterschrift des Rektors erneuerte Zusammenarbeit mit der Beijing International Studies University sowie die kurz vor Vertragsabschluss stehende trilaterale Kooperation mit der renommierten Tongji-Universität in Shanghai und der Universität Warschau. Bis heute hat sich das Rektorat allen Anfragen des Fachs mit der Bitte um Transparenz und sachliche Auseinandersetzung verweigert. Alle Hinweise auf die Nicht-Vergleichbarkeit der Selbstberichte der zu evaluierenden Lehreinheiten sowie auf die Verfahrensfehler und die offensichtlichen Falschaussagen im Gutachten sind von den prozessverantwortlichen Stellen ignoriert worden. Ein transparentes Verfahren bzw. eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Fach hat zu keinem Zeitpunkt stattgefunden – auch wenn dies von der maßgeblichen Entscheidungsträgerin im Rektorat mehrmals angekündigt wurde. Es besteht der begründete Verdacht, dass es sich bei der hier vom Rektorat initiierten Evaluation der Lehreinheiten zu keinem Zeitpunkt um einen entscheidungsoffenen Prozess gehandelt hat. Weder das Institut für Kommunikationswissenschaft noch die Fakultät für Geisteswissenschaften werden den Beschluss des Rektorats daher widerstandslos hinnehmen.
Schon bei der Einführung des Masterprogramms im Jahr 2007 war der Fakultät sehr daran gelegen, dass sich die Kommunikationswissenschaft mittelfristig an den Zwei-Fach-Bachelorprogrammen beteiligen werde. Da im Wintersemester 2006/07 die Auslastungsquote der Lehreinheit jedoch noch bei über 140 Prozent lag, musste für die erste Stufe der Modularisierung des Studienangebots ein Weg gefunden werden, der sicher stellte, dass trotz der Modularisierung die zahlenmäßig noch sehr starke Gruppe der Magisterstudierenden adäquat betreut und zum Abschluss geführt werden kann. Die Mehrheit der Magisterstudierenden stand im Wintersemester 2006/07 kurz vor dem Wechsel ins Hauptstudium. Um eine ineffiziente Polyvalenz von Bachelor- / Master- und Magisterveranstaltungen ausschließen zu können, stellte eine vorläufige Konzentration auf ein Masterprogramm die adäquateste Lösung dar. Insgesamt haben die vier Professoren der Kommunikationswissenschaft seit dem Sommersemester 1996 bis heute über 1400 Studierende zum Abschluss geführt (vgl. Hochschuldatenbank Super X, https://campus.uni-due.de/superx/superx.html; 08.08.11).
gez.
Geschäftsführender Direktor des
Instituts für Kommunikationswissenschaft
Stellungnahme der Fakultät zur Schließung des Fachs „Kommunikationswissenschaft“
