Universität Duisburg-Essen
 Schmitz

DFG-Projekt "Audiovisuelle Fernkommunikation"
Forschung

Die Videokonferenz als eigenständige Kommunikationsform

Mit neuen Kommunikationstechnologien sind stets veränderte Verwirklichungsbedingungen von Mitteilungsprozessen verbunden. Die Videokonferenz, eine Form audiovisueller Fernkommunikation, wird in der hier durchgeführten Forschung als ein spezifischer Fall interpersoneller Kommunikation begriffen und auf ihre Bedingungen, Realisierungsformen und potentiellen Anwendungsfelder hin untersucht. Sie läßt sich verstehen als eigenständige Kommunikationsform, die durch

a) die technischen Realisierungsbedingungen,
b) die Leistungen und Kompetenzen der Kommunikationspartner und schließlich
c) die jeweils verfolgten Kommunikationszwecke

bestimmt werden kann. Der Kommu­ni­­kati­ons­­prozess als solcher ist allerdings nicht nur die Resultante aus vorgegebenen technischen Parametern, individuellen Kompetenzen der Beteiligten und ihren subjektiven Zwecksetzungen, sondern darüber hinaus auch bestimmt durch die Effekte des genuin kommunikativen Koordi­nations­pro­blems. Insofern lassen sich verschiedene Dimensionen unterscheiden, etwa jene, die im Einflussbereich der kommunizierenden Individuen liegen, weitere, die der fundierenden Basis zu­ge­hören, und solche, die die daraus emergierende Ebene, in diesem Fall den Kommu­ni­ka­tions­prozess selbst, betreffen. Umgangsformen, Schwierigkeiten und Spezifika der Videokonferenz richten sich denn auch wesentlich nach den Erfordernissen kommuni­kativer Pro­zesse. Diese wiederum orientieren sich an den übergeordneten Zwecken, die durch die Video­konferenz verfolgt werden sollen. Insofern hängt die Effizienz einer aktuellen Videokonferenz hängt nicht nur wesentlich von den kog­ni­ti­ven und sensomotorischen Leistungen der Kommunikationspartner sowie den durch die tech­nischen Parameter bedingten Wahrnehmungsbedingungen ab, sondern in eleme­n­ta­rer Weise von diesen Kommunikations­­zwecken. Eine entsprechende Kon­struk­tion des Begriffs der Kommunikationsform, die sowohl die kommu­­ni­kativen Zwecke als auch die Wahrnehmungsbedingungen als fundierende Bedingungen mit einrechnet, ermög­licht es, die Bezugnahme auf sensomotorische, kognitive, linguistische und technische Ver­wirk­lichungs­bedingungen des Kommunikationsprozesses nicht von der Sinnstruktur des kom­mu­nikativen Prozessgeschehens abzutrennen (bzw. in die Umwelt des Kommunikations­systems abzudrängen), sondern der Einheitlichkeit des Ver­stän­di­­gungs­prozesses in Form seiner aus der Perspektive der Beteiligten phänomenal erfahrenen Sinnhaftigkeit konzep­tionell Rech­nung zu tragen. Erst der Blick auf die empirischen (!) Ver­wirk­lichungsbedingungen technisch vermittelter Kommunikation ermöglicht schließlich auch die Beurteilung ihrer spezifischen Leistungsfähigkeit und die realistische Einschätzung des an die Beteiligten gestellten Anforderungsprofils.


Die individuellen Leistungen der Beteiligten, die sich den Bedingungen einer technischen Vermittlung, einer nur potentiellen Gleichzeitigkeit und den resultierenden Veränderungen anpassen und diese vor dem Hintergrund ihrer individuellen Fähigkeiten mehr oder weniger mediengerecht nutzen, spielen hier eine wesentliche Rolle. Denn eine alleinige Bestimmung der Wahrnehmungsbedingungen, -möglichkeiten bzw. -perspektiven sagt noch nichts darüber aus, in welcher Weise die Beteiligten diese Aktions­möglichkeiten auch in Anspruch nehmen bzw. deren mögliche Defizite gegebenenfalls überhaupt zu einem Problem werden.


Literatur

Friebel, Martin / Loenhoff, Jens / Schmitz, H. Walter / Schulte, Olaf A.: „Siehst Du mich?“ – „Hörst Du mich?“ Videokonferenzen als Gegenstand kommunikationswissenschaftlicher Forschung. in: kommunikation@gesellschaft, Jg. 4, 2003


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Letzte Änderung: Dienstag, 25.3.2008
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