Stand der Forschung
Die kommunikationswissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Videokonferenz als Kommunikationsform verlangt eine Zusammenfassung des bisherigen Forschungsstandes: Neben den aktuellen Projekten (s. hier) gilt es, einen Blick auf die Forschungsarbeiten zu werfen, die sich in den vergangenen etwa dreißig Jahren mit der audiovisuellen Kommunikation beschäftigt haben (Schulte 2002).
Erstaunlich früh, nämlich schon zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts begann die technische Entwicklung der Videokonferenz. Der zweite Weltkrieg und der Erfolg des Fernsehens stoppten diese jedoch und erst Ende der sechziger Jahre wurde die Entwicklung von Videokonferenzanlagen wieder vorangetrieben.
Parallel hierzu setzte die wissenschaftliche Auseinandersetzung durch Forschende verschiedener Disziplinen ein. Die siebziger Jahre waren geprägt durch intermediäre Vergleiche verschiedener Kommunikationstechnologien (Audiokonferenz vs. Videokonferenz vs. Vis-à-vis-Kommunikation; vgl. Johansen 1977; Williams 1977) und Überlegungen zu gesellschaftlichen Konsequenzen der verschiedenen Varianten der Telekonferenz . In den achtziger Jahren wurden insbesondere die technischen Bedingungen der Videokonferenz fokussiert und als Variablen in der Erforschung vermittelter Kommunikation betrachtet (z. B. Fischer 1987). Erst die neunziger Jahre jedoch warfen einen detaillierten Blick auf den eigentlichen Kommunikationsprozeß. Auf der einen Seite arbeiteten konversations- bzw. gesprächsanalytische Arbeiten erste Merkmale der Kommunikation per Videokonferenz heraus (Probleme des Rederechtswechsels, Einschränkung der Backchannel-Signale u. ä.; vgl. O’Conaill et al. 1993), auf der anderen Seite waren es nunmehr detaillierte Arbeiten zu den technischen Parametern der Videokonferenz, die Einblicke in die Wahrnehmungsbedingungen der beteiligten Personen ermöglichten (Fussel / Benimoff 1995). Zu Beginn des neuen Jahrhunderts können diese Arbeiten in eine Theorie der eigenständigen Kommunikationsform Videokonferenz münden; erste Ansätze hierfür sind vorhanden (Friebel et al. 2002).
Literatur
Fischer, Kurt: Bildkommunikation. Bedeutung, Technik und Nutzung eines neuen Informationsmediums. Berlin, Heidelberg, New York u. a. (Springer-Verlag) 1987.
Friebel, Martin / Loenhoff, Jens / Schmitz, H. Walter / Schulte, Olaf A.: „Siehst Du mich?“ – „Hörst Du mich?“ Videokonferenzen als Gegenstand kommunikationswissenschaftlicher Forschung. In: kommunikation@gesellschaft, Jg. 4, 2003.
Fussell, Susan R., Benimoff, Nicholas I.: Social and Cognitive Processes in Interpersonal Communication: Implications for Advanced Telecommunications Technologies. In: Human Factors, 37. Jg. (1995), H. 2, S. 228-250.
Johansen, Robert: Social Evaluations of Teleconferencing. In: Telecommunications Policy, 1. Jg. (1977), S. 395-419.
O`Conaill, Brid; Whittaker, Steve; Wilbur, Sylvia: Conversations over Video-Conferences: An Evaluation of Video-Mediated Communication. Bristol (Hewlett Packard Laboratories) 1993. (HP Laboratories technical report; 92-163).
Schulte, Olaf A.: 25 Jahre soziale Präsenz - ein Überblick zur Videokonferenzforschung. In: Medien und Kommunikationswissenschaft (erscheint).
Williams, Ederyn: Experimental Comparisons of Face-to-Face and Mediated Communication: A Review. In: Psychological Bulletin, Vol. 84 (1977), No. 5, S. 963-976.
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