Stanze
von ital. stanza: Zimmer, Aufenthaltsort, Strophe
Die Stanze ist die herrschende Strophenform der klassischen italienischen Epik (Ariost, Tasso), die sich gerade in den romanischen Ländern jedoch früh auch in Dramatik und Lyrik durchsetzte. Eine Stanze besteht aus acht Elfsilblern, die sich nach dem Schema ab / ab / ab / cc reimen. Das durch die Reimabfolge herausgehobene letzte Verspaar ist meist auch inhaltlich von besonderer Bedeutung, indem das Gesagte zusammengefaßt, gesteigert oder pointiert wird.
In Deutschland ist die Stanze seit dem 18. Jahrhundert als lyrische Strophenform gängig, um die Jahrhundertwende gab es eine regelrechte Stanzenmode. Als Beispiel die erste Strophe des im Jahre 1800 entstandenen Gedichts Wiedergeburt von Johann Wilhelm Süvern:
"Ins Dunkel will des Jahres Licht sich neigen; (a) Des Lebens heiße Glut, sie kehret wieder (b) In ewgen Feuers Schooß zurück; es schweigen, (a) Die sie entzündet, schon im Hain die Lieder; (b) Die Liebe flieht, und kalt entlöst den Zweigen (a) Sich mattes Laub, der Blumen Schmuck sinkt nieder. (b) Das Herz erstirbt, die Adern sind verschlossen, (c) Worin Gedeihn und Kraft sich frisch ergossen." (c) (S. 1802) ©TvH
Johann Wilhelm Süvern: Wiedergeburt, in: Das deutsche Gedicht. Epochen der deutschen Lyrik, 1800-1830, hg. v. Jost Schillemeit, München 1970.