August von Platen

 

 

                    Aus Tristan und Isolde.

 

5   Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
   Ist dem Tode schon anheim gegeben,
Wird für keinen Dienst auf Erden taugen,
   Und doch wird er vor dem Tode beben,
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen.
10    
Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe,
   Denn ein Thor nur kann auf Erden hoffen,
Zu genügen einem solchen Triebe.
   Wen der Pfeil des Schönen je getroffen,
Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe!
15    
Was er wünscht, das ist ihm nie geworden,
   Und die Stunden, die das Leben spinnen,
Sind nur Mörder, die gemach ihn morden:
   Was er will, das wird er nie gewinnen,
Was er wünscht, das ist ihm nie geworden.
20    
Ach, er möchte wie ein Quell versiechen,
   Jedem Hauch der Luft ein Gift entsaugen,
Und den Tod aus jeder Blume riechen:
   Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ach, er möchte wie ein Quell versiechen!

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Morgenblatt für gebildete Stände.
1825, Nr. 218, 12. September, S. 869. [PDF]

Über dem Titel:
Lyrische Stücke, aus ungedruckten Dramen. Von August Grafen von Platen.

Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck (Editionsrichtlinien).

Entstanden: Januar 1825.

 

 

Zeitschriften-Repertorien

 

Mit Änderungen aufgenommen in

 

Kommentierte und kritische Ausgaben

 

 

Literatur

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