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Lange errang ers im Anschaun. Sterne brachen ins Knie unter dem ringenden Aufblick. Oder er anschaute knieend, und seines Instands Duft |
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machte ein Göttliches müd, daß es ihm lächelte, schlafend. Türme schaute er so, daß sie erschraken: wieder sie bauend hinan, plötzlich, in Einem. |
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Aber wie oft die vom Tag überladene Landschaft ruhete hin in sein stilles Gewahren, abends. Tiere traten getrost in den offenen Blick, weidende, |
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und die gefangenen Löwen starrten hinein wie in unbegreifliche Freiheit; Vögel durchflogen ihn grad, den gemütigen. Blumen [461] widerschauten in ihn |
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groß wie in Kinder. Und das Gerücht, daß ein Schauender sei, rührte die minder fraglicher Sichtbaren, rührte die Frauen. |
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Schauend wie lang? Seit wie lange schon innig entbehrend, flehend im Grunde des Blicks? Wenn er, ein Wartender, saß in der Fremde; des Gasthofs zerstreutes abgewendetes Zimmer |
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mürrisch um sich, und im vermiedenen Spiegel wieder das Zimmer und später vom quälenden Bett aus wieder: da beriets in der Luft, |
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unfaßbar beriet es über sein fühlbares Herz, über sein durch den schmerzhaft verschütteten Körper dennoch fühlbares Herz beriet es und richtete: |
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daß er der Liebe nicht habe. (Und verwehrte ihm weitere Weihen.) [462] Denn des Anschauns, siehe, ist eine Grenze, und die geschautere Welt will in der Liebe gedeihn. |
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Werk des Gesichts ist getan, tue nun Herzwerk an den Bildern in dir, jenen gefangenen. Denn du überwältigtest sie; aber nun kennst du sie nicht. Siehe, innerer Mann, dein inneres Mädchen, |
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dieses errungene aus tausend Naturen, dieses erst nur errungene, nie noch geliebte Geschöpf. |
Erstdruck und Druckvorlage
Rainer Maria Rilke: Gesammelte Werke.
Bd. 3: Gedichte. Dritter Teil.
Leipzig: Insel-Verlag 1927, S. 460-462.
[PDF]
Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck
(Editionsrichtlinien).
Entstehung: 20.6.1914.
Kommentierte Ausgabe
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Edition
Lyriktheorie » R. Brandmeyer