NEWSLETTER des Lehrstuhls für Naturheilkunde
   
Ausgabe November 2010  

Die Bedeutung der naturheilkundlichen Forschung hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Das zeigen auch die noch in diesem Jahr stattfindenden großen internationalen Kongresse, so z.B. der 3. Europäische Kongress für Integrative Medizin, veranstaltet von der Universität Charité in Berlin. Aus diesem Grunde überrascht es, dass in letzter Zeit gerade renommierte Medien wie die Süddeutsche Zeitung und die ZEIT kritische Berichte mit diskussionswürdigen Beiträgen über die Wissenschaftlichkeit der Naturheilkunde veröffentlichten. In diesmaligen Newsletter nehmen ich und mein Team Stellung dazu.

Außerdem möchte ich anlässlich der Berufung meiner langjährigen Forschungsleiterin Frau Prof. Dr. Frauke Musial die Gelegenheit nutzen, ihre hervorragende Arbeit der vergangenen Jahre zu würdigen.

Frauke Musial hat in den vergangenen Jahren neue Akzente bei der wissenschaftlichen Bewertung naturheilkundlicher Verfahren gelegt. Als ausgewiesene Psychophysiologin hat sie die Grundlagen der naturheilkundlichen Reiz-Reaktionstherapie systematisch untersucht und neu bewertet (In dem Beitrag „Von der Schmerztherapie zur Schmerzphysiologie“ wird das Forschungsprojekt ausführlich vorgestellt). Sie hat eine sehr qualifizierte Arbeitsgruppe aufgebaut, die sich sowohl auf Grundlagen wie auch auf klinischer Ebene mit der Fragestellung der Wirkungsweise naturheilkundlicher Therapien auseinander setzt.

Des Weiteren hat sie auf berufspolitischer Ebene zu neuen Visionen bei der Integration der Deutschen Gesellschaft für Naturheilkunde in die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) beigetragen. Ihre aktuelle Berufung auf eine Professur für Komplementärmedizin an der Universität in Tromsø, Norwegen, eine der renommiertesten staatlich geförderten Forschungseinrichtungen im Bereich der Komplementärmedizin europaweit, unterstreicht ihre besondere Qualifikation.

Mein Team und ich wünschen ihr viel Erfolg für die künftige Herausforderung und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.

 

Prof. Dr. med. Gustav J. Dobos
Universität Duisburg-Essen
Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftungsprofessur für Naturheilkunde
Direktor der Klinik Naturheilkunde und Integrative Medizin

 

Termine

26. & 27.11.2010
Meditation und Wissenschaft 2010

Interdisziplinärer Kongress zur Meditations- und Bewusstseinsforschung

Atrium der Deutschen Bank, Berlin
meditation-wissenschaft.org

03. & 04.12.2010
3. Europäische Kongress für Integrative Medizin (ECIM)

Schwerpunktthemen
des diesjährigen Kongresses:

- Krebs
- Schmerz
- Psychiatrische
  Erkrankungen
- Atopische
  Erkrankungen
- Arzt-/ Patienten-
  beziehung und Placebo
- Primary Care

andel’s Hotel, Berlin
ecim-congress.org

ab 18.02. – 20.02.2011
Vertiefungsseminar der Mind/ Body Medicine

Teilnehmende erleben selbst das MBM-
Programm nach dem Essener Modell, erhalten theoretische Grundlagen zu den einzelnen Modulen und lernen, wie sie diese Module weiter vermitteln.

mindbodymedicine.de

31.05 – 05.06. 2011
TCM Kongress Rothenburg

Schwerpunkte 2011 – Ganzheitliche Schmerztherapie, Dermatologie, Depression

Kongresszentrum Wildbad,
Rothenburg o.d.T

Vorläufiges Programm unter tcm-kongress.de


Inhalte dieser Ausgabe:


Stellungsnahme zu dem Artikel "West-östlicher Scharlatan"
Süddeutsche Zeitung am 14./ 15. August 2010

Die Süddeutsche vom 14./ 15. August veröffentlichte unter dem Titel „West-östlicher Scharlatan“ einen Text von Hanjo Lehmann mit kritischen Anmerkungen über die von diesem selbst geschönte Biographie von George Soulié de Morant. Die durchaus interessanten Details dieser Darstellung werden von der Tatsache getrübt,  dass sie dazu benutzt werden, die gesamte Akupunktur zu diskreditieren. Das aber ist falsch!

Weder ist Soulié der „Begründer“ der Akupunktur  in Europa – Teile der Nadelungspraxis der Chinesen wurden bereits von jesuitischen Missionaren lange vor seiner Zeit nach Europa überliefert. Es stimmt allerdings, dass er als Erster das Konzept der Chinesischen Medizin in den Westen gebracht hat. Unabhängig davon sagen die Ungereimtheiten in Souliés Biografie nichts über den Wert der Akupunktur aus. In mehreren umfangreichen und streng kontrollierten, von den Krankenkassen finanzierten Modellvorhaben (ART, GERAC) wurde die Akupunktur als wirksame und sichere Behandlungsmethode bei Rückenschmerzen und chronischen Kniegelenksschmerzen nachgewiesen, und Akupunktur wird deshalb bei diesen Indikationen auch seit 2007 vergütet. Im renommierten New England Journal of Medicine wurde eine Kasuistik zum Thema „Acupuncture for Chronic Low Back Pain“ veröffentlicht (Berman et al., NEJM 363;5;  454-461). Außerdem berichtete auch die Zeitschrift Nature darüber (Goldman et al. NatNeurosci. 2010 Jul; 13(7): 883-8). 

In der Praxis erweist sich die Akupunktur jedoch bei einer weit größeren Anzahl von Indikationen als hilfreich, wie ein von der Deutschen Gesellschaft für Naturheilkunde veranstaltet und der Robert Bosch Stiftung finanziertes und von mir geleitetes TCM-Symposion im Herbst vergangenen Jahres, an dem alle universitären Vertreter der im Bereich Akupunktur forschenden Vertreter und Professoren Deutschlands (Universitäten: Duisburg-Essen, Berlin Charité, Jena, Greifswald, München) vertreten waren,  zeigte. Praktisch belegt sind nicht nur Erfolge im Bereich der Schmerztherapie, sondern auch bei einer Vielzahl von neurologischen Symptomen sowie solchen des psychosomatischen Formenkreises. Akupunktur eignet sich auch nicht nur zur Langzeit-Behandlung chronischer Krankheiten sondern helfe auch im Akutfall. Alle Experten mit therapeutischem Hintergrund, aber auch die anwesenden Vertreter der Krankenkassen, des Gesundheitsministeriums schrieben ihr ein großes Potential zu. 

Als empirisch und zum Teil auch wissenschaftlich ausreichend belegte Indikationen für Akupunktur nannten die Teilnehmer des Workshops:

  • Bewegungsschmerz
  • Lumbalsyndrom
  • Gon- und Cox-Arthrose
  • Metatarsalgien (Mittelfußschmerzen)
  • Reizdarm und Magenprobleme
  • Reizblase und Gallenprobleme
  • Spannungskopfschmerz
  • Migräne

Als im Alltag bewährte Indikationen ohne speziellen Nachweis (Evidenzgrad 4) nannten die Praktiker vor allem:

  • psychische bzw. psychosomatische Leiden
  • bronchopulmonale Symptome
  • Hals-Nasen-Ohren- und Augenprobleme
  • gynäkologische Beschwerden

Und als spezielle Erfolgsgeschichte die Ohrakupunktur zur Nachbehandlung des

  • Schlaganfalls.

An der Uniklinik Greifswald zum Beispiel ist Akupunktur ein Standardverfahren, um Übelkeit und Erbrechen nach einer Operation vorzubeugen oder sie gemeinsam mit Schmerzen zu lindern (Taras Usichenko, Professor an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Universität Greifswald). Bei postoperativen Schmerzen lässt sich der Opioidverbrauch dort um durchschnittlich 30 Prozent senken. Die Akupunktur gegen Übelkeit und Erbrechen (am Akupunkturpunkt Pe 6) ist lt. Usichenko genauso wirksam wie eine medikamentöse Therapie, weise aber deutlich weniger Nebenwirkungen oder Komplikationen auf. Erwähnenswert ist auch, dass an der Charité ein DFG-gefördertes Forschungsprojekt zur Wirksamkeit von Akupunktur bei allergischer Rhinitis (ACUSAR) läuft (Benno Brinkhaus, Kneipp Stiftungsprofessur für Naturheilkunde an der Charité).

Außerdem wurde auf dem Consensus-Workshop eine Reihe von Forschungsansätzen vorgestellt, die die neurophysiologischen Wirkmechanismen der Akupunktur untersuchen, zum Beispiel elektrophysiologische Phänomene, Veränderungen, die im Brain Imaging sichtbar werden oder segmentale Interpretationen, sowie Theorien zur Langzeitwirkung der Nadelung aufgrund von Adaptationen des autonomen Nervensystems. Das alles hat mit der Lebensgeschichte von Soulié nicht das Geringste mehr zu tun.

Das Konzept der Punktgenauigkeit, das haben nämlich die großen Akupunkturstudien gezeigt, scheint in den seltensten Fällen zu stimmen. Deshalb ist auch die Schein-Akupunktur, so die Teilnehmer des TCM-Symposions, nicht geeignet, die Wirksamkeit der Nadelung nachzuweisen. Claudia Witt, Professorin für Komplementärmedizin an der Charité Berlin, fordert deshalb eine Verlagerung der Forschungsstrategie – weg von der alleinigen Suche nach dem Nachweis einer spezifischen Punktwirksamkeit hin zu einem Vergleich realistischer Therapiealternativen in randomisierten Studien. In den USA, wo 2009 eine Milliarde Dollar aus öffentlichen Mitteln für Studien zur vergleichenden Effektivität freigegeben wurden, ist das ein probates Mittel zur gesundheitspolitischen Entscheidungsfindung. Solche Studien haben den Vorteil, dass sie weniger selektierte Patienten einschließen und die Behandlung deshalb eher dem entspricht, was in der Normalversorgung stattfindet.

Die Akupunktur ist eine nebenwirkungsarme und kostengünstige Alternative vor allem zu Schmerzmitteln, welche die Krankenkassen weit höhere Summe kosten, vor allem, wenn man die beträchtlichen Folgeschäden betrachtet. Im Übrigen stimmt auch nicht, dass das Ansehen der TCM allein aus dem Interesse des Westens besteht. Gerade im Bereich der Integrativen Onkologie, der Verbindung von Naturheilkunde und Onkologie, kommen aus China, wo sie millionenfach praktiziert wird, viele Anregungen, die zum Beispiel auch das Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg dazu bewegt haben, sich näher mit diesem Thema auseinander zu setzen (hier der Kräutermedizin).
Daraus „Zweifel“ an der Akupunktur zu konstruieren, was das Herr Bartens in seinem SZ-Kommentar tun, ist nicht haltbar.

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Von der Schmerztherapie zur Schmerzphysiologie – Naturheilkundliche Reflextherapien als therapeutische Physiologie
Fünf Jahre Förderung der Karl- und Veronica Carstens-Stiftung und die Zusammenarbeit mit Professor Dr. Frauke Musial

Unter „Reflextherapien“ werden Therapieformen verstanden, die durch die gezielte Manipulation und Deformation somatischer Strukturen des Körpers wie z.B. der Haut und des subkutanen Gewebes, der Skelettmuskulatur, der Faszien etc. positive Einflüsse auf diese Strukturen ausüben (vgl. Jänig, 2005). Obwohl den Reflextherapien eine große Wirksamkeit bei chronischen Schmerzen zugeschrieben wird, ist die neurobiologische Grundlage dieser Therapieformen kaum untersucht, so dass das Verständnis ihrer Wirkungsweise unzureichend und unbefriedigend ist (Musial, Michalsen & Dobos, 2008). Aus diesem Grund hat sich die Arbeitsgruppe in den letzten Jahren vermehrt nicht nur der Erforschung von Effektivität und Effizienz naturheilkundlicher Reflextherapien gewidmet, sondern auch der Entwicklung und Anpassung von Methoden zur Erforschung der biologischen Mechanismen dieser Therapieverfahren. Bei den, in den letzten Jahre am Lehrstuhl für Naturheilkunde durchgeführten Untersuchungen zur Wirksamkeit naturheilkundlicher Reflextherapien bei chronischen Schmerzen wird nicht nur das subjektive Schmerzempfinden gemessen, sondern es werden auch psychophysische Maße, wie z. B. mechanische Perzeptions- und Schmerzschwellen erfasst.

Die heute gängigen Hypothesen zur Entwicklung chronischer Schmerzen weisen dem Rückenmark als erstes großes Integrationszentrum für zum Zentralnervensystem (afferent) ziehende Informationen eine große Bedeutung zu (für eine Übersicht siehe Jänig 2006; Musial, Michalsen, Dobos, 2008). Die bisher üblichen Forschungsansätze beschränken sich häufig auf die Erhebung subjektiver Parameter wie das Schmerzempfinden oder die Lebensqualität. Damit messen sie lediglich auf der letzten der Ebenen, die zur Chronifizierung von Schmerz bzw. zur Entstehung von funktionellen Schmerzsyndromen beitragen können, nämlich der Ebene des Vorderhirns (Jänig, 2005). Diese Parameter sind ohne Zweifel wichtige Indikatoren von Krankheit und Gesundung. Dennoch muss nach allem, was über chronische Schmerzen bisher bekannt ist, davon ausgegangen werden, dass Prozesse der Schmerzchronifizierung bereits auf Rückenmarksebene stattfinden. Darüber hinaus induzieren viele Reflextherapien relativ drastische Veränderungen der Haut, so z.B. das Schröpfen. Aus diesem Grund ist anzunehmen, dass viele Reflextherapien auch Prozesse auf Rückenmarksebene induzieren, bzw. beeinflussen.

Falls Reflextherapien zur Behandlung chronischer Schmerzen bereits auf der Ebene des Rückenmarks wirken, ist es wichtig, Messverfahren für diese Effekte zu entwickeln. Nur so kann dem Argument begegnet werden, die körperorientierten Therapien induzierten ihre Wirkungen lediglich durch sog. „unspezifische Effekte“. Im Grunde lassen die bisherigen Befunde den Schluss zu, dass Reflextherapien ihre Wirkung tatsächlich bereits auf der Ebene des Rückenmarks entfalten. Dies würde bedeuten, dass sich in der Folge dieser Anwendungen der Einstrom nozizeptiver und damit auf der Ebene des Cortex letztlich schmerzhafter Signale bereits vor Erreichen des Vorderhirns verringert. Dieser Befund ist relevant für die Interpretation der Wirkungsweise dieser Therapieverfahren: Er legt nahe, dass es bereits auf Rückenmarksebene mindestens ebenso viele Effekte auf die afferenten nozizeptiven Signale gibt, wie auf der Ebene des Vorderhirns. Dies wiederum lässt den Schluss zu, dass es neben den durchaus auch erwünschten unspezifischen Effekten wie tiefer Entspannung, auch spezifische Effekte der naturheilkundlichen Reflextherapien geben muss. Ein Ergebnis, welches für die Diskussion um mögliche „Placebo“-Wirkungen von Reflextherapien von Bedeutung ist.

Jänig W: Grundlagen von Reflextherapien 01.06.; in Bühring M, Kremer FH (eds): Naturheilverfahren und unkonventionelle Medizinische Richtungen. Berlin, Springer, 2005, pp 1-104.

Jänig W: The integrative action of the autonomic nervous system. Neurobiology of homeostasis. Cambridge University Press, 2006.

Musial, F., Michalsen, A., Dobos, G. Functional chronic pain syndromes and naturophathic treatments: Neurobiological foundation. Forsch Komplementmed. 2008 Apr;15(2):97-103. Epub 2008 Apr 7. Review.

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Mind/Body Medicine Summer School 2010
Rückblick und Ausblicke

Wir vermitteln dem Patienten das Handwerkzeug, damit er selbst in stark belastenden Situationen entspannen und seine eigene geistige Kapazität nutzen kann, um die Selbstheilungskräfte zu mobilisieren. Immer vor dem Hintergrund der neuesten Forschungsergebnisse“, so Professor Dr. Gustav Dobos, Direktor der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin am Essener Knappschafts-Krankenhaus und Veranstalter der fünften Summer School für Mind/Body Medicine im Erich-Rothenfußer Haus der Kliniken Essen-Mitte.

Ausgerichtet wurde die medizinische Fortbildung vom Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftungs-Lehrstuhl für Naturheilkunde der Universität Duisburg-Essen und unterstützt von der Erich-Rothenfußer-Stiftung.

Die etwa 60 teilnehmenden Ärzte und Therapeuten erfuhren in Vorträgen, Übungen und Workshops, worum es in der Mind/Body Medicine geht – Körper und Geist in Achtsamkeit zu schulen und die eigenen Ressourcen zu nutzen, um Stress abzubauen und gesund zu leben. Als Referenten folgten der diesjährigen Einladung zur Summer School international anerkannte Wissenschaftler und Ärzte des eigenen Lehrstuhls sowie als Externe Dr. Ulrich Deuse, niedergelassener Internist und Facharzt für Innere Medizin und Naturheilkunde aus Essen, Kyung-Eun Anna Choi, Diplom Psychologin am Institut und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf - inzwischen wieder Mitarbeiterin am Lehrstuhl in Essen -und Dr. Ulrich Ott, Diplom Psychologe und Leiter der Arbeitsgruppe „Veränderte Bewusstseinszustände“ am Bender Institute of Neuroimaging an der Universität Giessen.

Aus Amerika reiste die renommierte Ärztin Dr. Eva Selhub an, bis vor kurzem medizinische Leiterin des Health and Wellness Centers am Benson-Henry Institute for Mind/Body Medicine der Harvard Medical School. Dr. Selhub begeisterte ihre Zuhörer mit eindrucksvollen Vorträgen, wie beispielsweise zum Thema „The Physiology of Love“. „Liebe ist der Schlüssel, um ein gesundes Leben zu führen. Es gibt Methoden, die jeder Mensch erlernen kann, um mit sich und der Umwelt Schritt für Schritt ins Reine zu kommen“, so Selhub, die bereits zum vierten Mal in Essen referierte. Sie stellte auch ihr im Knaur Verlag erschienenes neues Buch vor: „Wie Liebe heilt. Selbstheilung durch positive Emotionen“.

Auf ein weiteres neues Buch sei hingewiesen: Von Ulrich Ott ist Anfang Oktober „Meditation für Skeptiker“ im O.W. Barth Verlag erschienen. Darin verbindet er praktische Anleitungen zur Meditation mit wissenschaftlichen Erklärungen und Befunden zur Wirkung der Übungen. Nähere Informationen und eine Leseprobe sind über http://sites.google.com/site/meditationfuerskeptiker/ zu erhalten. Dort können auch die Abbildungen aus dem Buch angesehen werden, die belegen, wie rasant sich die Forschung in den letzten zehn Jahren weiterentwickelt hat, insbesondere hinsichtlich der Effekte von Achtsamkeit auf Gesundheit und Gehirn. Über den aktuellsten Forschungsstand zu diesem Thema informiert eine Konferenz am 26. und 27. November 2010 in Berlin: www.meditation-wissenschaft.org.
 
Auf der Basis der aktuellen Forschungslage und Versorgungspraxis vermittelt das im Februar 2011 in Essen beginnende „Vertiefungsseminar in Mind/ Body Medizin“ in fünf Wochenendblocks mind/body medizinische Interventionen und qualifiziert interessierte KollegInnen für deren Anwendung in der eigenen therapeutischen Arbeit. Informationen dazu unter: www.mindbodymedicine.de/Vertiefungsseminar/Vertiefungsseminar.htm.

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Integrative Onkologie
Einblick in die Ernährungs- und Bewegungsberatung bei Brustkrebspatientinnen

In dem letzten Newsletter wurde das Konzept der Integrativen Onkologie der Klinik für Senologie und der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin an den Kliniken Essen-Mitte vorgestellt. Neben unterschiedlichen naturheilkundlichen Therapien liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Unterstützung der Patientinnen bei der Umstellung und Optimierung ihres Lebensstils.

Viele der Brustkrebs-Patientinnen wollen gerne nach der Operation etwas für sich und die eigene Gesundheit tun, sind aber häufig mit der großen Menge an Informationen überfordert.“, empfindet Frau Dr. Petra Voiß, Ärztin für Naturheilverfahren der Kliniken Essen-Mitte.

So sehen die Klinik für Senologie und die Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin es als ihre Aufgabe, den Patientinnen diesbezüglich Hilfestellungen zu geben und seriöse evidenzbasierte Patientenberatung zu leisten. In diesem Newsletter möchten wir Ihnen exemplarisch Einblicke in unsere Empfehlungen bezüglich Ernährung und Bewegung geben (wobei zu beachten ist, dass es sich hier um allgemeine Empfehlungen handelt, die in der Beratung auf die jeweilige individuelle Situation der Patientinnen abgestimmt und spezifiziert werden).  Beide Faktoren und insbesondere die Kombination beider, haben sich als signifikant wirksam bei der Unterstützung der onkologischen Therapie und der Rezidivprophylaxe erwiesen.

Zwei Beispiele der Empfehlungen:

Bewegung
Entgegen früherer Empfehlungen spricht die allgemeine Studienlage nun klar dafür, dass körperliche Aktivität in allen Phasen der Erkrankung möglich und sinnvoll ist (ab der Zeit zwischen Diagnosestellung und Behandlungsbeginn, während der stationären Phase, sowie der Chemotherapie und Bestrahlung, in Rehabilitation und Nachsorge). Als grundsätzliche Richtlinie gilt, dass das Training eine Kombination aus gezielter Kräftigungsgymnastik und Dehnungen sein sollte, sowie Ausdauertraining zur Förderung der Leistungsfähigkeit. Die Intensität ist abhängig von der Krankheitsphase, der Tagesform  und den Möglichkeiten des Patienten- grundsätzlich sollte langsam begonnen werden, um Überforderung zu vermeiden. Beim Ausdauertraining wird eine moderate Belastung angestrebt, d.h. ein aerobes Training mit 50 bis 70 Prozent des maximalen Trainingspulses. Der maximale Trainingspuls kann mit der Formel: „180- Lebensalter (+/- 10)“ berechnet werden – grundsätzlich sollte er 150 nicht überschreiten). Das Training sollte drei- bis fünf Mal pro Woche und vor allem regelmäßig stattfinden. Ziel ist eine  Dauer von 30 bis 60 Minuten pro Einheit (mindestens zehn Minuten am Stück trainieren). Ein Trainingseffekt entsteht im Übrigen nur, wenn auf eine Belastung eine Entlastung folgt, deshalb ist Regeneration unbedingt notwendig. Onkologische Patienten regenerieren langsamer und Überanstrengung schwächt die Immunabwehr.
Es stehen verschiedene Bewegungsformen zur Auswahl, gerade im Bereich des Ausdauersports. Wir empfehlen den Patienten etwas zu wählen, was Ihnen Spaß macht und bei dem Ihre persönlichen Barrieren relativ gering sind. Gute Erfahrungen haben wir auch mit Qi Gong und Yoga gemacht. Diese Bewegungsformen integrieren verschiedene Aspekte wie Kräftigung, Flexibilität und Entspannung. Vor allem frisch operierte Patienten und/ oder Patienten, die in ihren körperlichen Möglichkeiten eingeschränkt sind, können hiervon gut profitieren. Die Verbindung von Bewegung und Atmung und der Fokus auf die Wahrnehmung des eigenen Körpers, ist in allen Therapiephasen äußerst sinnvoll und wohltuend.

Ernährung
Neben der körperlichen Aktivität beeinflusst die Ernährung Wohlbefinden und das individuelle (Wieder-)Erkrankungsrisiko. Wir unterstützen unsere Patientinnen und Patienten darin, einfache und gute Lebensmittel von nahrungsähnlichen Produkten unterscheiden zu können und daraus schmackhafte Mahlzeiten zuzubereiten. Gutes Essen bietet die Chance, eine bessere Verfassung zu erreichen, sich wohler zu fühlen. Und es ist auch eine Möglichkeit, Fürsorge zu zeigen, für uns selbst, für andere. Insofern kann die Küche ein Ort der Heilung sein.

Was gehört zu einer gesundheitsfördernden Ernährung?
Zum Beispiel die Vielfalt von Gemüse zu nutzen

  1. Kohlgemüse (Blütengemüse)
  2. Zwiebelgemüse
  3. Knollen- und Wurzelgemüse
  4. Stängelgemüse
  5. Blattgemüse
  6. Fruchtgemüse (Sy. Gemüsefrüchte)
  7. Hülsenfrüchte
  8. Meeresgemüse

Dazu kommen Pilze, Kräuter und Gewürze (dafür weniger Salz)

  1. Seitlinge, Champignons, evtl. asiatische Pilze wie Shitake
  2. Frucht- und Samengewürze
  3. Blütengewürze
  4. Rindengewürze
  5. Wurzelstock- und Zwiebelgewürze (Kurkuma, Ingwer)
  6. Blatt- und Krautgewürze („Küchenkräuter“, „Salatkräuter“)

Als leckere Desserts oder Zwischenmahlzeiten dienen

  1. Zitrusfrüchte
  2. Beerenfrüchte (Beerenobst)
  3. Tropische Früchte (Exoten), z. B. Papaya
  4. Steinobst, Kernobst, Wildfrüchte
  5. Trockenobst
  6. Nüsse, Mandeln, Saaten

Hochwertige Vollkornprodukte, Natur- oder Basmatireis und Kartoffeln bieten eine hohe Nährstoffdichte bei relativ geringer Energiedichte. Das hilft, aktiv zu werden und ein gesundes Gewicht zu erreichen/zu halten. Auf die Ballaststoffe aus Ackerfrüchten sollte nicht verzichtet werden, da sie wichtig für die Darmflora sind.

Bezüglich Fettaufnahme scheint es am günstigsten zu sein, die Qualität der Fette zu optimieren. Das heißt, mehr Fette/Lebensmittel mit Omega-3-Anteil (Leinöl, Rapsöl, Walnüsse, fetter Seefisch) essen, weniger Omega-6-reiche (Distelöl, Sonnenblumenöl, Maiskeimöl usw.) und weniger hoch raffinierte und gehärtete Fette konsumieren. Diese sind vorhanden in stark verarbeiteten Produkten wie z. B. Fertiggerichte, Fertigbackwaren usw.

Milchprodukte in Bioqualität runden den Speiseplan ab. Sie bringen Mineralien, Vitamine, Eiweiß und die gesäuerten auch die wertvollen Milchsäurebakterien, die Ordnungshüter im Darm.

Ausreichend Wasser trinken.

Beispiel für ein Mittagessen in der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin:  
- eine Portion Salat bzw. Frischkost
- Möhrenpuffer, Linsengemüse, eine Pellkartoffel mit Kräuter-Joghurt-Dip
- als Nachtisch ein Beeren-Smoothie.

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Kliniken Essen-Mitte
Knappschafts-Krankenhaus
Am Deimelsberg 34 a
45276 Essen

Tel.: +49 (0) 201/ 174 25008
Fax: +49 (0) 201/ 174 25000

www.uni-essen.de/naturheilkunde
www.kliniken-essen-mitte.de


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