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| Ausgabe Juli 2011 |
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Integrative Onkologie Seit über zehn Jahren werden Brustkrebspatientinnen an den Kliniken Essen-Mitte in einer Tagesklinik integrativ onkologisch betreut. Mit der Gründung der Klinik für Senologie unter der Leitung von PD Dr. Sherko Kümmel wurde diese Betreuung intensiviert. Es wurde direkt in der Klinik für Senologie ein integratives Therapieangebot geschaffen, das den Patientinnen zusätzlich zur modernsten Schulmedizin angeboten wird. Seit Anfang 2010 werden Brustkrebs-Patientinnen von Beginn an begleitend mit Naturheilverfahren und Mind-Body-Medizin unterstützt. Herr PD Dr. Kümmel ist Mitglied der Organkommission Mamma der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. (AGO). Die AGO „verfolgt die Förderung der Wissenschaft und Forschung sowie der Aus- und Weiterbildung von Medizinern in dem Themen- und Aufgabenbereichen der gynäkologischen Onkologie […] , befasst sich mit allen klinischen, wissenschaftlichen und organisatorischen Anliegen auf diesem Gebiet […] und entwickelt Standards für die onkologische Diagnostik und Therapie in der Gynäkologie.“ (Satzung) Anfang 2011 setzten sich Prof. Dr. med. Blohmer, PD Dr. Kümmel, Prof. Dobos und seine Mitarbeiter zusammen und berieten gemeinsam über die Aktualisierung wissenschaftlich begründeter naturheilkundlicher Empfehlungen (Komplementäre Therapie & Hormonersatztherapie & „Survivorship“). Ärzte für Naturheilverfahren, Mind-Body Medizin-Therapeuten, Oecotrophologen und Sportwissenschaftler sichteten aktuelle Veröffentlichungen. Für Akupunktur, Sport, Yoga, Mindfulness Based Stress Reduction und eine fleischarme, gemüse- und obstreiche Ernährung können evidenzbasierte Empfehlungen ausgesprochen werden. Als eine von wenigen Kommissionen, auch im internationalen Vergleich, erarbeitet die AGO schon seit 2002 Empfehlungen zu komplementärer Therapie bei Mamma Carcinom. Diese werden jährlich erweitert. Die AGO trägt hiermit der zunehmenden Bedeutung der komplementären Therapie in der Krebsbehandlung und –forschung Rechnung. Die kurzen und prägnanten Empfehlungen werden den (niedergelassenen) Gynäkologen, Onkologen, Hausärzten in ausführlichen Anmerkungen dargelegt, erläutert und wissenschaftlich durch Literaturverweise untermauert. Außerdem erscheint jährlich ein verständlich abgefasster Patientenratgeber. Auch bei diesen Veröffentlichungen hat der Lehrstuhl für Naturheilkunde mitgewirkt und für die entsprechenden Angaben gesorgt. Ziel des Lehrstuhls für Naturheilkunde ist es vor allem, Ärzte und Patienten über wissenschaftlich fundierte und gesicherte Behandlungen aus dem Gebiet der Naturheilkunde zu informieren, die bei einer Brustkrebserkrankung empfehlenswert sind. Lesen Sie nach: Effects of Yoga on Psychological Health, Quality of Life, and Physical Health of Patients with Cancer: A Meta-Analysis Yoga beinhaltet Atemtechniken, Körperhaltungen und Meditation und stellt einen wichtigen Bestandteil des Mindfulness-Based Stress Reduction Program (MBSR) dar. In den USA ist Yoga die am dritt häufigsten angewandte komplementäre Therapie von Überlebenden einer Krebserkrankung. Diese Meta-Analyse zielte darauf ab, die Effekte von Yoga auf die psychische Gesundheit, die Lebensqualität und die körperliche Gesundheit von an Krebs erkrankten Patienten zu untersuchen. In sieben elektronischen Datenbanken wurde eine systematische Suche durchgeführt. Randomisierte kontrollierte Studien, die die Wirkung von Yoga auf an Krebs erkrankte Patienten untersuchten, wurden ausgewählt. Die Qualität jeder Studie wurde anhand der PEDro Scale von 2 der Autoren bewertet. Zehn Studien wurden in die Meta-Analyse eingeschlossen. Der PEDro Score lag zwischen 4 bis 7. Entweder wurden die Yoga Gruppen mit einer Warteliste oder mit einer unterstützenden Therapiegruppe verglichen. Eine signifikante Verbesserung für die Yoga-Gruppen zeigte sich in Bezug auf die psychische Gesundheit: Angst (P = .009), Depression (P = .002), Distress (P = .003) und Stress (P = .006). Auf Grund der niedrigen bis mittelgradigen Qualität der Studien und der geringen Patientenzahlen sind die Ergebnisse vorläufig und limitiert und sollten durch randomisierte kontrollierte Studien höherer Qualität bestätigt werden. Wir bieten seit November 2010 Yoga für unsere Patientinnen in der Integrativen Onkologie ambulant an. Yoga stößt auf ein großes Interesse bei an Brustkrebs erkrankten Frauen. Literatur: Neuerscheinung „Mind-Body-Medizin. Die Moderne Ordnungstherapie in Theorie und Praxis“ Gustav Dobos, Anna Paul (Hrsg.) Die Chancen der Mind-Body Medizin
Dabei konzentriert sich der Blick der MBM auf das Zusammenspiel von Geist, Psyche, Körper, Verhalten und darauf, wie emotionale, mentale, soziale, spirituelle und Verhaltens-Faktoren positiven Einfluss auf die Gesundheit nehmen. Praktisch zielen mind-body-medizinische Interventionen auf die Stärkung eines gesundheitsfördernden Lebensstils im Alltag. Faktoren wie Ernährung, Entspannung, Bewegung, soziale Kontakte, Spiritualität und vor allem der Umgang mit Stress spielen dabei eine zentrale Rolle. Zielgruppe Das vorliegende Buch richtet sich an Angehörige aller Gesundheitsberufe, insbesondere an Mediziner, MBM-Therapeuten, Psychologen, Pflegekräfte, Sport- und Physiotherapeuten, Sozialpädagogen, Oecotrophologen und ggf. Seelsorger. Die möglichen Anwendungsbereiche erstrecken sich von der Prävention über die ambulante und stationäre Therapie bis zu Reha-Angeboten und zur palliativen Versorgung. Der Einsatz der MBM hat sich vor allem bei der Behandlung chronischer Erkrankungen als sehr sinnvoll erwiesen. Erfolge hat die MBM – vor allem in Kombination mit Behandlungsformen der konventionell bewährten Medizin – bei folgenden Beschwerden und chronischen Erkrankungen:
Das Essener Modell Das Buch widmet sich einerseits den theoretischen Grundlagen der MBM, anderseits ihrer Umsetzung in der klinischen Praxis, der niedergelassenen Praxis und in der Prävention. Dabei stellen wir schwerpunktmäßig das Essener Behandlungskonzept vor. Die Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin wurde 1999 als Modellvorhaben des Landes Nordrhein-Westfalen an den Kliniken Essen-Mitte geöffnet. Nach 5-jähriger Evaluation durch einen unabhängigen Wissenschaftsbeirat der Universität Duisburg-Essen wurde die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftungsprofessur für Naturheilkunde im Oktober 2004 etabliert. Das Essener Modell kombiniert wissenschaftlich geprüfte Verfahren und Programme aus dem Bereich der MBM mit Ansätzen der konventionell bewährten Inneren Medizin sowie mit traditionellen Verfahren aus der europäischen Naturheilkunde und der chinesischen Medizin - je nach Indikation, individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen der jeweiligen Patienten. Das „Mind-Body-Medizin“ Buch dokumentiert die Ergebnisse und Hintergründe und stellt handhabbare Praxiskonzepte zur Verfügung. Vom 14. – 17. Juli 2011 findet die 6. Mind/Body Medicine Summer School statt. Dort werden die wichtigsten Aspekte der Mind/Body Medicine sowie der aktuelle Stand der Forschung zu diesem Thema vermittelt. Weitere Schwerpunkte sind die Physiologie von Stress, Entspannung, Spannungsregulation und Psychoneuroimmunologie sowie praxisorientierte mind-body-medizinische Interventionen. Weitere Information zu der Veranstaltung und zum anschließenden Mind/Body Medicine Fachseminar in der Onkologie erfahren Sie unter www.mindbodymedicine.de Literatur: Patienten-Ratgeber „Gemeinsam gegen Krebs“ 70 Prozent der Krebspatienten nehmen aus Angst vor den massiven Nebenwirkungen einer onkologischen Therapie zusätzlich Naturheilmittel ein – allerdings meist, ohne den Arzt zu informieren. Doch gerade bei der Krebstherapie ist es wichtig, dass die Patienten offen mit ihrem Arzt über ihr Interesse an naturheilkundlichen Therapien sprechen. Denn einerseits hat die Naturheilkunde ein großes Potential in der begleitenden Krebsbehandlung: Sie wirkt gegen Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie, sie lindert Schmerzen und nimmt Angst und Unruhe. Vor allem aber befähigt sie die Patienten, selbst etwas für sich und ihre Gesundheit zu tun – zum Beispiel mit Methoden des Stressabbaus, aber auch mit Ernährung und Bewegung. Anderseits kann falscher Einsatz von Heilkräutern oder Vitaminen zu Störungen oder einer Verringerung der Wirksamkeit der Krebstherapie führen. Schon ein Glas Grapefruitsaft, die tägliche Dosis Johanniskraut oder auch Vitamine in hohen Dosen können Chemo- oder Strahlentherapie beeinträchtigen und ihre Wirkung stören. Eine neue Ära der Krebsmedizin Eine Reihe von renommierten Kliniken in den USA, etwa das Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York oder das MD Anderson Cancer Center, haben bereits Abteilungen für Integrative Onkologie aufgebaut. Dieses zeigt, wie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Onkologen und Naturheilkunde-Experten eine neue Ära der Krebsmedizin zugunsten der Patienten einleitet. Im Rahmen der zunehmend individualisierten Tumortherapie hat die Naturheilkunde vieles zu bieten, was die gefürchteten Nebenwirkungen einer onkologischen Behandlung mildern kann. Beispielsweise lindert Akupunktur Schmerzen, Übelkeit und auch Angst. Kältehandschuhe wirken Nagelschäden und Polyneuropathie entgegen. Bewegung in Verbindung mit gesunder Ernährung beugt nicht nur langfristig einem Rückfall vor, sondern hilft auch kurzfristig gegen Depressionen und chronische Müdigkeit. Sehr wichtig sind Meditation und Entspannung. Lebensstiländerungen, so zeigen amerikanische Studien, verändern nachweisbar die Aktivität der Gene.
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![]() © Prof. Dr. med. Gustav Dobos Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin Universität Duisburg-Essen, Kliniken Essen-Mitte, Knappschafts-Krankenhaus |
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