Den Unternehmen kommt in der arbeitsteiligen Wirtschaft die Rolle zu, Güter und Dienstleistungen für den Fremdbedarf zu produzieren. Die Gestaltung dieses Produktionsprozesses ist Gegenstand der Forschung im Fachgebiet Operations Management. Sie widmet sich zum einen der wissenschaftlichen Analyse des Produktionsprozesses selbst und zum anderen der Integration dieses Produktionsprozesses in andere betriebliche und überbetriebliche Prozesse. Zu unterscheiden sind dabei die Gestaltung der Infrastruktur (die strategische Ebene) und die Planung der eigentlichen Produktion (die taktische/operative Ebene).
Fragen der Infrastruktur richten sich unter anderem darauf, welche Fertigungstechnologie, welche Produktionsstruktur, welche Fertigungskapazität, welcher Automatisierungsgrad, welche Organisationsstruktur und welches Fertigungslayout für das Produktionssystem zur Verfügung gestellt werden sollte, während bei der Planung der eigentlichen Produktion vorwiegend zu klären ist, was (i.e. Produkte), wieviel (i.e. Produktionsprogramm), wann (i.e. Bedarfsemanzipation), wo (i.e. Fertigungsverbund, Werk), wie (i.e. Fertigungsverfahren), womit (i.e. Ressource) und in welcher Reihenfolge zu produzieren ist.
Jeder dieser Fragen kommt für sich schon eine derart große Bedeutung zu, dass sie jeweils zum alleinigen Gegenstand intensiver und interdisziplinärer Forschungen avanciert ist. Wesentlich ist aber, dass es nicht ausreicht, jeden dieser Aspekte für sich zu betrachten, sondern dass immer eine Reihe von Fragen gemeinsam gestellt und beantwortet werden müssen. So ist die Frage nach der optimalen Produktionsreihenfolge immer abhängig vom vorhandenen Produktionsprogramm, während aber auch die Menge der maximal produzierbaren Produkte (und damit das optimale Produktionsprogramm) von der Reihenfolge der Bearbeitung der einzelnen Produkte abhängt.
Zur Beantwortung dieser vielfältigen und komplexen Fragen sind in der Produktionswirtschaft verschiedene Ansätze entwickelt worden. Eher konzeptionelle/strategische Ansätze sind dabei z.B. "Just in Time", "Kanban", "Kaizen","Lean Production", "Fortschrittszahlenkonzept", "belastungsorientierte Auftragsfreigabe", "fraktale Fabrik", "Computer Aided Manufacturing" und "virtuelle Unternehmen", während bei quantitativen Ansätzen, meist unter Verwendung von Operation Research-Verfahren, die taktisch/operativen Fragestellungen im Vordergrund stehen, d.h. die Optimierung bestehender Produktionssysteme durch verbesserte Planung. Das Ziel ist dabei, durch eine Abstimmung der einzelnen Produktionsprozesse eine bessere Nutzung der Ressourcen in Form von höheren Auslastungen, höheren Durchsätzen, geringeren Kosten oder höheren Deckungsbeiträgen zu erreichen.
Neben dieser klassischen Sichtweise der Produktion spielt die Integration der Lieferanten und Kunden für den Produktionsprozess eine zunehmende Rolle. So soll durch die explizite Berücksichtigung aller Prozessschritte von den Rohstoffen und der Erzeugung der ersten Vorprodukte bis zur Auslieferung des fertigen Produkts an den Endkunden eine wesentlich effizientere Befriedigung der Verbraucherbedürfnisse erreicht werden.
Das so charakterisierte Supply Chain Management erfordert neben einer expliziten Betrachtung des Produktionsprozesses auch die Modellierung der mit der Produktion, der Beschaffung und dem Absatz verbundenen unternehmensübergreifenden Waren- und Informationsströme. Wesentlich hierfür ist die zielgerichtete Versorgung des Managements mit allen für die Koordination und Gestaltung der (betriebsübergreifenden) Prozesse notwendigen Informationen. Dieses sind neben reinen Mengen-, Stromgrößen auch Wertgrößen. Erst durch die Bereitstellung dieser sach- und zielbezogenen Informationen durch das Rechnungswesen und deren Aufbereitung im Controlling kann es gelingen, verschiedene Handlungsalternativen hinsichtlich ihres Zielbeitrags zu bewerten und damit die beste Lösung zu finden.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Forschungsgebiet Operations Management einen Kernbereich der Betriebswirtschaft darstellt, der zudem wesentliche Schnittstellen mit anderen Bereichen der Betriebswirtschaft aufweist. Gerade diese Schnittstellen zu anderen Bereichen der Betriebswirtschaft, aber auch zu Bereichen der Ingenieurwissenschaften macht die Komplexität und damit die wesentliche Attraktivität der Produktionswirtschaft aus.
