Stichworte: Bragg-Reflexion, Debye-Scherrer-Verfahren,
Netzebenen, Graphitstruktur, Materiewellen, de Broglie Beziehung
Kurzbeschreibung:
Schnelle Elektronen werden an einer polykristallinen
Graphitschicht gebeugt. Auf einem Leuchtschirm entstehen Interferenzringe. Aus
dem Durchmesser der Ringe und der Beschleunigungsspannung werden die
Netzebenenabstände des Graphits bestimmt.
Details:
Die Elektronenbeugungsröhre ermöglicht es, Interferenzen
von Elektronenstrahlen sichtbar zu machen und so die Wellen-Natur von
Elektronen zu demonstrieren. Eine quantitative Auswertung der Beugungsbilder
liefert eine experimentelle Bestätigung der de Broglie-Gleichung:
![]()

Damit kann unter Berücksichtigung der korpuskularen
Eigenschaften von Elektronen, wie er in anderen Experimenten gefunden wird, der
Welle-Teilchen Dualismus dargestellt werden.
Beschreibung:
Die Funktionsteile der Röhre (Kathode, Anode und
Graphitfolie als Beugungsgitter) befinden sich in einem evakuierten Glaskolben.
Eine indirekt beheizte Glühkathode als Elektronenquelle besitzt eine
6-V-Heizwendel. Die Beschleunigungsspannung (max. 5 kV) wird der Anode über
einen Steckerstift zugeführt. An der Anode ist auf einem feinen Trägernetz eine
dünne polykristalline Graphitfolie als Beugungsgitter so angebracht, dass der
fokussierte Elektronenstrahl senkrecht auftrifft. Der ungebeugt die
Graphitfolie passierende Elektronenstrahl sowie die an den Graphitkristallen
(siehe Figur 1) gebeugten Strahlen fallen auf eine auf die innere Röhrenwandung
aufgebrachte fluoreszierende Schicht und bewirken dort grüne
Leuchterscheinungen.
Prinzip der Elektronenbeugung nach dem Debye-Scherrer
Verfahren:
Für Interferenzreflexion von Elektronenstrahlen an
Gitteratomen gilt in gleicher Weise wie für andere Wellenstrahlung (z.B.
Röntgenstrahlen) die Braggsche Bedingung:
![]()
mit d = Netzebenenabstand des Raumgitters
=
Reflexionswinkel
l = Wellenlänge
der Elektronenstrahlen
Intereferenzreflexion findet also dann statt, wenn der
Gangunterschied 2d sin
gleich einem ganzzahligen Vielfachen der Wellenlänge ist.
Fallen nun im Debye-Scherrer Verfahren, das in der Elektronenbeugungsröhre
realisiert ist, Elektronenstrahlen auf die Graphitfolie, so werden infolge der
willkürlichen Anordnung der Mikrokristalle stets solche zu finden sein, die mit
der einfallenden Strahlung Winkel bilden, die der Braggschen Bedingung genügen.
Alle von solchen Kristalliten ausgehenden Reflexe liegen auf Kegelmänteln mit
gemeinsamer Achse. Einen Schnitt durch diese Kegel stellt der Leuchtschirm der
Röhre dar, so dass die gebeugten Elektronenstrahlen als konzentrische Kreise um
den ungebeugten Elektronenstrahl erscheinen.

Aus der schematischen Darstellung eines Reflektierten
Strahls (Figur 1) ergibt sich:

mit R= Radius des
Beugungsringes
L= Abstand der
Graphitfolie zum Leuchtschirm
Aus der de Broglie-Gleichung ergibt sich, wenn man die
Elektronengeschwindigkeit v aus der Energiegleichung:

mit m=Elektronenmasse
e
=Elementarladung
U
=Beschleunigungsspannung
einsetzt, für die Wellenlänge der Elektronenstrahlung:

Aus diesen Gleichungen kann der in der Aufgabe angegebene Zusammenhang des Beugungsradius R mit der Beschleunigungsspannung U hergeleitet werden. In dem Versuch soll über die beiden Radien R1 und R2 der Interferenzringe bei einer festen Beschleunigungsspannung U die beiden Netzebenenabstände d1 und d2 (siehe Figur 2) bestimmt werden.

Versuchsdurchführung:
Schalten Sie das Hochspannungsnetzgerät, das Multimeter und das Netzgerät für den Heizstrom ein.
Durch klicken auf das Hochspannungsmessgerät, das Multimeter-Display und den Leuchtschirm können diese vergrößert werden.
Beobachten Sie das Beugungsbild als Funktion der angelegten Hochspannung (Drehknopf).
Bestimmen Sie bei fester Beschleunigungsspannung die Radien der Beugungsringe R1 und R2 und daraus die Netzebenenabstände d1 und d2.