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ISS-Studienschwerpunkt Empirische Sozialforschung

 

Zielsetzungen

Der Schwerpunkt "Empirische Sozialforschung" ermöglicht eine vertiefte Ausbildung in ausgewählten Forschungs- und Analysemethoden, die in der empirisch orientierten Soziologie, in der Politischen Wissenschaft und im Bereich der Sozialen Arbeit und Erziehung sowohl in der Berufspraxis als auch in der Forschung angewandt werden. Sein Studienangebot kann daher mit jedem dieser Fächer kombiniert werden. Die Teilnahme an den angebotenen Veranstaltungen soll in angemessener Weise die Voraussetzungen für vielfältige spätere Tätigkeiten in privaten oder öffentlichen Dienstleistungs- und Forschungseinrichtungen schaffen.

Berufsfeldbezug

Empirisch/methodisch gut ausgebildete Sozialwissenschaftler findet man heute in vielen Anwendungsfeldern und vielen Einrichtungen der privaten und öffentlichen Hand wie in der Umfrageforschung, im Bereich des Marketing, in der Markt- und Meinungsforschung, in der Werbung, in der betrieblichen Absatz- und Personalforschung, in Parteien und Gewerkschaften, in den Medien, in kirchlichen und sozialen Einrichtungen, in der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, in der Wirtschafts- und Sozialforschung, in Versicherungseinrichtungen, in der Gesundheitswissenschaft, in statistischen Ämtern und anderen Forschungs- und Planungseinrichtungen von Bund, Ländern und Kommunen, in Verbänden und Stiftungen etc., wobei die europäische und internationale Dimension zunehmend an Bedeutung gewinnt. Auf Grund der wachsenden Komplexität der Forschungsmethoden sind gute Methodenkenntnisse auch für die Rezeption neuer Forschungsergebnisse relevant. Hinzukommt, daß methodisch gut ausgebildete Sozialwissenschaftler auch in empirisch orientierten Tätigkeitsfeldern einsetzbar sind, die nicht originär einer der oben genannten Fachrichtungen zuzuordnen sind; d.h. sie sind besser in der Lage, auf Veränderungen des Arbeitsmarktes flexibel zu reagieren.

Besondere Lehr- und Forschungseinrichtungen

Telefonlabor
Dem Lehrstuhl für Sozialwissenschaftliche Methoden/Empirische Sozialforschung ist das Sozialwissenschaftliche Umfragezentrum angeschlossen, dessen Einrichtungen auch für Lehre und Forschung zur Verfügung stehen. Das Umfragezentrum umfaßt gegenwärtig folgende Einrichtungen:

  • Ein Telefonlabor (40 Arbeitsplätze) zur Durchführung computerunterstützter Telefonumfragen
  • Ein EDV-Labor für Veranstaltungen mit EDV-Bezug

Aufbau und Studienverlaufsplan

Die Vorlesung Multivariate Analyseverfahren führt in die allgemeinen Grundlagen der multivariaten Analyse metrischer und diskreter Daten ein und behandelt die Grundprinzipien der multivariaten statistischen Modellierung und Modellprüfung. Es wird empfohlen, diese Veranstaltung zu Beginn des Hauptstudiums zu besuchen, da eine Reihe weiterer Veranstaltungen entsprechende Kenntnisse voraussetzen.

Im Rahmen von Lehrforschungsprojekten (Praxisprojekten) sollen den Studierenden Kenntnisse der empirischen Forschungspraxis vermittelt werden. Die Teilnahme soll im fünften und sechsten Semester erfolgen.

Vertiefende Veranstaltungen (Vorlesungen, Übungen und Seminare) dienen der Vermittlung vertieften Wissens in speziellen Methoden der Datenerhebung und Datenanalyse. Themen, die im Veranstaltungsangebot besonders berücksichtigt werden, sind:

  • Datentheorie und Datenerhebung
    • Untersuchungsdesigns, Verfahren der Stichprobenkonstruktion, Auswahlprobleme
    • Konstruktion sozialwissenschaftlicher Erhebungsinstrumente
    • Messen und Skalieren in den Sozialwissenschaften
    • Praxis der Umfrageforschung, Umfrageorganisation
    • Befragung und Befragtenverhalten
    • Qualitative Forschungsansätze und qualitative Erhebungsverfahren
    • Probleme und Techniken der Inhaltsanalyse
    • Vergleichende Sozialforschung
    • Datenbasen für die empirische Sozialforschung
    • Einstellungsforschung
    • Methoden der empirischen Wahlforschung
    • Arbeitsmethoden der amtlichen Statistik
  • Datenanalyse und Modellierung
    • Kausale Modellierung, Strukturgleichungsmodelle
    • Analyse diskreter Daten
    • Analyse zeitabhängiger Daten (Ereignisanalyse, Panelanalyse, Zeitreihenanalyse)
    • Explorative Datenanalyse
    • Modellierung sozialer Strukturen und Prozesse
    • Simulation

EDV-Veranstaltungen

Die Anwendung von Methoden der empirischen Sozialforschung ist ohne den Einsatz von Softwareprogrammen heute nicht mehr denkbar. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Datenanalyse, aber immer stärker auch für die Datenerhebung, in der zunehmend computerunterstützte Erhebungsverfahren wie z.B. Internetumfragen eine Rolle spielen.

SPSS-Balkendiagramm
In der Datenanalyse kommen in erster Linie die großen Statistik-Programmpakete zum Einsatz. Dazu gehören SPSS, SAS, STATISTICA, SYSTAT, etc. In jedem Semester werden SPSS-Kurse angeboten, deren frühzeitiger Besuch bereits nach dem erfolgreichen Abschluß der Veranstaltungen Sozialwissenschaftliche Methoden und Statistik I dringend empfohlen wird. Entsprechende Grundkenntnisse werden in den Veranstaltungen des Grundstudiums vorausgesetzt.

Neben den Statistik-Programmpaketen spielen bei spezifischen sozialwissenschaftlichen Methoden auch Spezialprogramme eine Rolle. Im Bereich der Kausalanalyse sind es z.B. die Programme LISREL, EQS, AMOS, SePATH, etc., in der computerunterstützten qualitiativen Inhaltsanalyse die Programme Winmax, AQUAD, ETHNO, HyperRESEARCH, NUDIST, etc. Kenntnisse in diesen Spezialprogrammen werden in den entsprechenden methodenbezogenen Veranstaltungen vermittelt.

Leistungsnachweise und Prüfungen

Für den Studienschwerpunkt "Empirische Sozialforschung" sind zwei Leistungsnachweise vorgesehen: Ein Leistungsnachweis als Abschluß des Lehrforschungsprojekts am Ende des 6. Semesters und ein weiterer Leistungsnachweis in einer der Veranstaltungen in den Gebieten Datentheorie und Datenerhebung oder Datenanalyse und Modellierung.
Nach dem 7. und 8. Semester sind jeweils eine mündliche Prüfung vorgesehen. Eine der Prüfungen bezieht sich auf Datentheorie und Datenerhebung, die andere auf Datenanalyse und Modellierung. Die Entscheidung über die Reihenfolge der Prüfungen obliegt dem Kandidaten.

Datentheorie und Datenerhebung

Sechs Wochen vor der mündlichen Prüfung werden vom Kandidaten/von der Kandidatin zwei Themengebiete eingereicht und mit dem Prüfer abgesprochen. Letzterer kann dem Kandidaten/der Kandidatin ggf. das Studium von Zusatzliteratur zur Auflage machen, die auch englischsprachige Titel enthalten kann. Die Prüfungsfragen beziehen sich auf eines dieser Gebiete. Die Auswahl trifft der Prüfer.

Datenanalyse und Modellierung

Gegenstand der Prüfung ist der Inhalt der Vorlesung über Multivariate Verfahren sowie ein weiteres, vom Kandidaten/von der Kandidatin sechs Wochen vor dem beabsichtigten Prüfungstermin vorgeschlagenes Themengebiet, das in der Regel dem Inhalt einer der besuchten vertiefenden Veranstaltungen zur Datenanalyse und Modellierung entspricht.