Eine Veranstaltung unter Federführung des Interdisziplinären Zentrums
Seit Einführung der Mercator-Professur im Jahre 1997 konnte in jedem Jahr eine herausragende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens zu dieser viel beachteten Vortragsreihe gewonnen werden. Die bisherigen Inhaber der Mercator-Professur waren Bundesminister a.D. Hans-Dietrich Genscher, Siegfried Lenz, Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma, Prof. Dr. Jutta Limbach, Volker Schlöndorff, Ulrich Wickert sowie Daniel Goeudevert.
Die Mercator-Professur 2004
Die Mercator-Professur hat 2004 der renommierte deutsche Erzähler und Chronist Walter Kempowski übernommen. Sein reiches literarisches Werk wird bis heute von seiner bewegten Biografie bestimmt. Mit seinen Chroniken, Romanen und Tagebüchern hält er der deutschen Nachkriegsgesellschaft bis in die jüngste Zeit einen facettenreichen Spiegel vor.
In der Deutschen Chronik hat Kempowski ein großes Tableau deutscher Zeit- und Sozialgeschichte von 1885 bis 1960 als Geschichte der eigenen Familie exemplarisch inszeniert ein beispielloses Unternehmen in der deutschen Literatur. Im Wintersemester ist der renommierte Erzähler und Chronist Mercator-Professor auf dem Campus Duisburg. Seine Montagetechnik perfektionierte Kempowski im Echolot, einem kollektiven Kriegstagebuch, das inzwischen auf elf Bände angewachsen ist und die Jahre 1941, 1942 und 1945 behandelt in Collagen aus Briefen von Soldaten, Aufzeichnungen von Zivilisten und Beobachtungen von Künstlern. Walter Kempowski arbeitet unermüdlich weiter, seine Sammlung deutscher Zeitdokumente ist auf über 6 300 unveröffentlichte Tagebücher und 300 000 Privatfotos angewachsen.
Der 1929 in Rostock geborene und noch im Februar 1945 als Luftwaffenkurier einberufene Kempowski war 1948 von einem sowjetischen Militärtribunal wegen Spionage zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Nach seiner vorzeitigen Entlassung acht Jahre später konnte er 1957 mit 28 Jahren das Abitur ablegen und an der Pädagogischen Hochschule in Göttingen studieren. 1960 wurde Kempowski Lehrer an einer Dorfschule bei Zeven.
1977 gewann ihn die Universität Essen als Gastdozenten. Weitere Stationen seiner Hochschultätigkeit sind ein Lehrauftrag an der Universität Oldenburg (1980), wo er das Archiv für unpublizierte Autobiographien gründete, eine Gastdozentur an der Universität Hamburg (1983) und eine Honorarprofessur an der Universität Rostock (seit 2003). Seit 1981 veranstaltet der Autor Literaturseminare in Haus Kreienhoop; 1994 gründete er ein Werk-Archiv in Rostock und erweiterte es 1997 zu einer Sammlung Rostocker Schriftsteller.