Psychotherapie und Psychopathologie


Dr.med. Tarik Ugur

Zusammenfassung:

Olfaktorische Untersuchung an schizophrenen Patienten mit langfristigem,  prämorbiden THC-Gebrauch im Vergleich zu gesunden Kontrollen und Schizophrenen ohne Cannabiskonsum

Etiologisch unterschiedliche psychiatrische und neurodegenerative Erkrankungen wurden seit den 1990er Jahren mit Störungen des Geruchssinns in Zusammenhang gebracht. Ähnlich wie bei der Parkinson´schen Erkrankung gehen diese  bei der Schizophrenie der eigentlichen Krankheitsmanifestation voraus. Histologische und bildgebende Verfahren konnten übereinstimmend zeigen, dass die peripheren chemosensitiven Strukturen bei schizophrenen Patienten keine morphologischen Veränderungen aufweisen. Vielmehr haben funktionelle und metabolische Untersuchungen Alterationen der olfaktolimbischen Reizverarbeitung als zentralnervösen Ursache beschrieben. Diese korreliert mit den Negativsymptomen der Schizophrenie.
Zu den zentralnervösen Wirkungen von Tetrahydrocannabinol (THC) zählen psychotische Zustandsbilder, die eine Überlappung mit der Phänomenologie schizophrener Psychosen aufweisen. Unabhängig davon verdoppelt sich das Risiko an einer schizophrenen Psychose zu erkranken bei vorangehenden, langjährigem THC-Konsumenten im Vergleich zur Normalbevölkerung. Bisher liegen keine Untersuchungsergebnisse darüber vor, ob Schizophrenien, die sich nach langjährigem THC-Gebrauch manifestieren, dasselbe olfaktorische Störungsmuster aufweisen wie Schizophrenien ohne THC-Anamnese. Eine Charakterisierung  der olfaktorischen Funktion bei Patienten mit Schizophrenien nach prämorbidem Cannabiskonsum ist bisher nicht erfolgt. Sie könnte, im Falle eines positivien Befundes, erstmals die Möglichkeit eröffnen, mit einem klinisch Test schizophrene Psychosen mit und ohne THC-Anamnese zu unterscheiden.
Ein methodisches Problem besteht in diesem Zusammenhang in der hohen Koinzidenz von Cannabisabhängigkeit und Nikotinabhängigkeit. Untersuchungen an Zigarettenrauchern konnten zeigen, dass regelmäßiger Zigarettenkonsum zu olfaktorischen Störungen führt, wobei im Gegensatz zu den olfaktorischen Störungen bei Schizophrenen ein dosisabhängiger peripherer Pathomechanismus diskutiert wird. Um den Einfluss von Zigarettenrauch auf die peripher nervöse Reizverarbeitung zu quantifizieren wird die Riechschwelle mit N-Butanol in 16 Verdünnungsstufen festgestellt. In einem zweiten Schritt werden dem Studienteilnehmer überschwellige olfaktorische Reize geboten, die identifizieren oder unterscheiden werden müssen. Mit der Geruchsidentifikation wird das Langzeitgedächtnis für olfaktorische Reize getestet, während die sequentielle Geruchsdiskrimination eine Art olfaktorisches Arbeitsgedächtnis impliziert.  Beide Teilleistungen gelten als höhere kognitive Leistungen und wurden bei schizophrenen Psychosen als gestört beschrieben. Als dritte erkennende Leistung identifizieren die Teilnehmer der Studie Komponenten olfaktorischer Stimuli aktiv. Für alle genannten olfaktorischen Tests wird der kommerzielle olfaktorische Test „Sniffin´Sticks“ eingesetzt. Ferner werden die Studienteilnehmer anhand von Fremdbeurteilungsskalen psychiatrisch untersucht und ihr Konsumverhalten quantifiziert.