Neuronale und neurokognitive Dysfunktionen bei deviantem Sexualverhalten
Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Boris Schiffer, Dipl.-Psych. Corinne Vonlaufen, Dipl.-Psych. Andreas Johnen
Kooperation:
apl. Prof. Dr. Tillmann Krüger, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, MH Hannover
Prof. Dr. Elke Gizewski, Abteilung für Neuroradiologie, Universitätsklinikum Giessen
Zusammenfassung:
Die neurobiologischen und neuropsychologischen Grundlagen pädophiler Erlebens- und Verhaltenstendenzen sind derzeit noch wenig verstanden, was in Anbetracht ihrer enormen gesellschaftspolitischen Bedeutung als äußerst defizitär zu bezeichnen ist.
Die bisherigen eigenen Forschungsarbeiten dokumentieren hirnmorphologische und funktionelle Veränderungen in frontokortikal-subkortikalen Netzwerken bei der Regulation sexueller Erregungsprozesse fixiert-pädophiler Straftäter. Allerdings zeigen die wenigen zu dieser Thematik vorliegenden Arbeiten aufgrund mangelnder Berücksichtigung konfundierender Variablen, der Vermischung verschiedener Missbrauchertypen und der Verwendung unterschiedlicher Kontrollgruppen z.T. uneinheitliche Befunde. Insofern erscheint deren Spezifität derzeit fraglich.
Ziel der geplanten Untersuchung ist zum einen, die Spezifität der bisherigen bildgebenden Befunde durch die systematische Kontrolle intervenierender Variablen in einem Vier-Gruppen-Design dahingehend zu validieren, dass klar zwischen Delinquenz- und Präferenz-assoziierten Veränderungen unterschieden werden kann. Zum anderen soll durch die Verknüpfung von multimodaler Bildgebung mit anderen Faktoren differenzieller Bedeutung (Exekutive Kontrollfunktionen und Persönlichkeitsakzentuierungen) das Wissen über die pädophilen Präferenzen bzw. sexuellen Kindesmissbrauch zugrunde liegenden Mechanismen vertieft werden, was wiederum Interventions- bzw. Rehabilitationskonzepte und legalprognostische Aspekte maßgeblich beeinflussen könnte.
Förderung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG): SCHI 1034/3-1
