Depression, Angst und Lebensqualität bei Schilddrüsenkarzinom-Patienten
Dr. S. Tagay, Prof. Dr. A. Bokisch, Prof. Dr. W. Senf, PD Dr. R. Görges
Kooperation
PD Dr. R. Görges, Klinik für Nuklearmedizin, Universität Duisburg-Essen
Zusammenfassung
Das Standard-Vorgehen zur Erzielung einer max. TSH-Stimulation vor Radiojodgabe besteht derzeit in einem mehrwöchigen Hormonentzug, der mit z.T. deutlichen Befindlichkeitsstörungen einhergeht. Es wurden bislang allerdings keine größeren Studien publiziert, in denen die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) und die Veränderung der Befindlichkeit untersucht wurden. Ziel ist es, das Ausmaß der Verminderung der HRQoL und der Befindlichkeitsstörungen im Vergleich zu einer Patientengruppe unter laufender Suppressionstherapie zu bestimmen. Darüber hinaus sollen biologische und psychosoziale Einflußfaktoren als Risikofaktoren für die Outcomevariable HRQoL bestimmt werden.
Erhebung: standardisierte Selbstbefragungsbögen an 245 konsekutiven Schilddrüsen-Ca-Patn. (m : w = 1 : 3, 17 – 82 Jahre). Bestandteile: etablierte Skalen zu LQ, körperl. und psych. Befindlichkeit (SF-36, POMS, BDI, HADS-D, klin. Hypothyreose-Score nach Zulewski 1997). Experimentalgruppe: 136 stat. Patn. in Hypothyreose zum Zeitpunkt der 131-I-Gabe (TSH > 30 mU/l), Kontrollgruppe (KG): 109 amb. Patn. unter laufender Suppressionstherapie.
Bei den hypothyreoten Patienten fanden sich im Vergleich zur KG hochsignifikante Verminderungen der HRQoL und vermehrte körperliche Beschwerden. Hinsichtlich Depressivität und Ängstlichkeit fand sich kein Gruppenunterschied. Dagegen erwiesen sich die Depressivität und das Alter als aussagekräftigste Prädiktoren der HRQoL, nicht jedoch die konkrete Höhe der TSH (> 30 mU/l).
Die vierwöchige Induktion einer Hypothyreose führt zu einer hochsignifikanten Einschränkung der körperlichen und psychischen HRQoL. Insbesondere das Ausmaß der Depressivität und höheres Alter stellen Risikofaktoren für die Verminderung der HRQoL dar. Um die Hypothese zu prüfen, durch Verminderung der Depressivität die Outcomevariable HRQoL verbessern zu können, wurden bereits weiterführende Studien initiiert.
Literatur
- Tagay S., Herpertz S., Langkafel M., Erim Y., Freudenberg L., Schöpper N., Bockisch A., Senf W. and Görges R. Health-Related Quality of Life, Anxiety and Depression in Thyroid Cancer Patients Under Short-Term Hypothyroidism and TSH-suppressive Levothyroxine Treatment. European Journal of Endocrinology 2005, 153:755-763
- Tagay S, Senf W, Schopper N, Mewes R, Bockisch A, Gorges R. Protektive Faktoren für Ängstlichkeit und Depression bei Schilddrüsenkarzinompatienten. Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie 2007; 53(1): 62-74
Förderung
Eigenmittel
