Förderung:

DFG–geförderte Studie

Kooperationspartner:

PD Dr. med. S. Herpertz, Dr. med. B. Johann, Dr. med. R. Krämer-Paust, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (Prof. Dr. med. W. Senf), Diabetes Schulungszentrum, Elisabeth-Krankenhaus Essen (Dipl.-päd. R. Paust), Gesunde Städte Büro Essen (H. Heinemann)

Zusammenfassung:

Im Rahmen einer multizentrischen Studie wurde an fünf diabetologischen Zentren die psychosoziale Belastung von Diabetikern und deren Inanspruchnahmeverhalten gegenüber psychosozialen Angeboten untersucht.

Mittels des Fragebogens zu Alltagsbelastungen bei Diabetes (FBD-R) und selbstkonstruierter Items zum Inanspruchnahmeverhalten gegenüber psychosozialen Angeboten wurden 410 Diabetiker (Typ 1: n = 157, Typ 2: n = 253) untersucht. Diabetiker mit einem Gesamtbelastungswert des FBD-R jenseits einer Standardabweichung über dem Mittelwert wurden als extrem belastet definiert (Extremgruppe) und der Vergleichsstichprobe (Gesamtstichprobe - Extremgruppe) gegenübergestellt.

Bei 68 Diabetikern (16,6 %) war von einer extremen psychosozialen Belastung auszugehen, wobei nicht der Typ des Diabetes, sondern das Therapiemanagement beim Typ-2-Diabetes (Insulin-Therapie) einen Zusammenhang mit der psychosozialen Belastung ergab. Gegenüber weniger psychosozial belasteten Diabetikern stellte sich die Stoffwechselkontrolle (HbA1) von extrem belasteten Diabetikern signifikant schlechter dar. Sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetiker zeigten einen Belastungsgipfel hinsichtlich ihrer Depressivität, gefolgt von Hypoglykämieängsten bei den Typ-1- und körperlichen Beschwerden bei den Typ-2-Diabetikern. Angehörige, primär versorgende Ärzte und Diabetologen stellten die wichtigsten Ressourcen psychosozialer Unterstützung dar.

Eine nicht unerhebliche Zahl von Diabetikern weist eine außergewöhnliche psychosoziale Belastung auf mit Auswirkungen u. a. auf die Stoffwechselkontrolle. Für diese Patienten besteht die Notwendigkeit einer psychosozialen Betreuung, die vornehmlich in den primär versorgenden diabetologischen Einrichtungen und möglichst unter Einbeziehung des familiären Umfeldes dieser Patienten erfolgen sollte.

Publikationen:

  • S HERPERTZ, B JOHANN, K LICHTBLAU, M STADTBÄUMER, M KOCNAR, R KRÄMER-PAUST, R PAUST, H HEINEMANN, W SENF (2000) Psychosoziale Belastung von Patienten mit Diabetes mellitus und deren Inanspruchnahmeverhalten gegenüber psychosozialen Angeboten. Medizinische Klinik 95, 369-377
  • S HERPERTZ, B JOHANN, M KOCNAR, R KRÄMER-PAUST, R PAUST, V SCHMIDTKE, M STADTBÄUMER, W SENF (1999) Psychische Belastung und Inanspruchnahmeverhalten psychosozialer Angebote von Patienten mit Diabetes mellitus - eine multizentrische Studie. Verhaltenstherapie 9, 28