Traumatische Ereignisse und PTSD bei Migranten in der Primärversorgung

 

Dr. S. Tagay, R. Zararzis, Dipl. Psych. S. Düllmann, Prof. W. Senf

Kooperation

 

Zusammenfassung

In einer konsekutiven Querschnittstudie wurden 195 türkisch/kurdische Patienten (Alter: 40,5 +13,3 Jahre, 63,6% weiblich) von sieben allgemeinärztlichen Praxen im Hinblick auf die psychische Traumatisierung und Befindlichkeit mit Selbsteinschätzungsfrageböne (SCL-90-R, HADS, ETI, PTSS-10). Im Durchschnitt hielten sich die Patienten seit 25,3 Jahren (SD=8,9) in Deutschland auf. 53,3% der Patienten gaben an, mindestens ein traumatisches Erlebnis in ihrem Leben gehabt zu haben. Bei 19,6% der Patienten war testpsychometrisch von einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) auszugehen. Im Vergleich zu nicht traumatisierten Patienten berichteten PTSD-Patienten signifikant häufiger über mehr Arztbesuche (p<0.03), mehr Psychotherapie (p<0.01) und mehr Psychopharmaka (p<0.01) im Vergelch zu Nicht-Traumatisierten. Ferner war bei PTSD Patienten die Depressivität (p<0.01) und Ängstlichkeit (p<0.01) stärker ausgeprägt als Nicht-Traumatisierte. Die Studie demonstriert, dass PTSD bei türkisch/kurdischen Migranten in der Primärversorgung häufig vorkommt. Daher sollte der Aspekt der Traumatisierung bei Migranten im diagnostischen Prozess stärker berücksichtigt werden.
An diesem Projekt  ist aktuell eine Doktorarbeit angeknüpft (Herr R. Zarazis, Arzt).

Literatur

Tagay, Sefik; Zararsiz, Rasit; Erim, Yesim; Düllmann, Sonja; Schlegl, Sandra; Brähler, Elmar; Senf, Wolfgang. Traumatische Ereignisse und Posttraumatische Belastungsstörung bei türkischsprachigen Patienten in der Primärversorgung, PPmP - Psychotherapie • Psychosomatik • Medizinische Psychologie; 03/04,  2008 Mar-Apr;58(3-4):155-61  (Migration und Gesundheit)

Förderung

Eigenmittel