Kooperationspartner:
PD Dr. med. S. Herpertz, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (Prof. Dr. med. W. Senf); Institut für Pharmakologie der Universitätsklinik Bonn (PD Dr. med. H. Berthold); Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik der Universitätsklinik Bonn (Prof. Dr. med. R. Liedtke)
Zusammenfassung:
Die Anorexia nervosa stellt eine komplexe psychische Erkrankung mit Auswirkungen auf zahlreiche Organsysteme, den Stoffwechsel und die Körperzusammensetzung dar. Häufig beobachtete Symptome sind Amenorrhoe, Hypothermie, Obstipation, Hypotonie und Bradykardie. Der ausgeprägte Gewichtsverlust geht mit einer Reduktion der Grundumsatzrate einher, die wiederum mit zahlreichen endokrinologischen Parametern korreliert, so sind beispielsweise häufig die Konzentrationen der Schilddrüsenhormone im Serum (T3 und T4) erniedrigt. In vielen Fällen findet man bei Patientinnen mit Anorexie erhöhte Cholesterinkonzentrationen im Serum, die als Einflüsse der veränderten Nahrungszufuhr auf den Lipidstoffwechsel oder auf die Gallensäurensynthese gedeutet werden.
Erhöhte Cholesterinkonzentrationen sind mit einem erhöhten Risiko für vorzeitiges Auftreten arteriosklerotischer Erkrankungen assoziiert. Untersuchungen, die ein erhöhtes Risiko für arteriosklerotische Erkrankungen bei Patientinnen mit Anorexia nervosa belegen würden, liegen nicht vor. Es ist jedoch von grundlegendem Interesse, welche Mechanismen für die Veränderungen im Lipoproteinstoffwechsel bei Patientinnen mit Anorexia nervosa verantwortlich sind. In der Studie werden mit einfachen Techniken (Blutentnahme, Anthropometrie, bioelektrische Impedanz) zunächst in einer Querschnittsuntersuchung die Lipoproteinprofile und andere Stoffwechselparameter bei Patientinnen mit Anorexie untersucht. Die Parameter werden mit einer gesunden Kontrollgruppe (matched pairs) verglichen.
Das Ziel des gesamten wissenschaftlichen Vorhabens ist es, unter Anwendung von lipidologischen Untersuchungstechniken (Bestimmung der Konzentrationen von Lipoproteinen und Apolipoproteinen, Cholesterin- und Gallensäurenpräkursoren, pflanzlichen Sterolen sowie Tracerstudien und Balance-Studien) als auch Techniken zur Bestimmung der Körperzusammensetzung (Anthropometrie, Körperimpedanz etc.), des Energie- und Substratumsatzes (indirekte Kalorimetrie) und weiterer Untersuchungstechniken (z. B. Bestimmung endokrinologischer Parameter) einen Beitrag zum Verständnis der Pathophysiologie dieser Erkrankung zu leisten.
