Förderung:
DFG–geförderte Studie
Kooperationspartner:
PD Dr. med. S. Herpertz, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (Prof. Dr. med. W. Senf), PD Dr. med. R. Wagner, Abteilung für Endokrinologie der Universitätsklinik Essen (Prof. Dr. med. K. Mann), Universitätskinderklinik Giessen und Lilly Deutschland (Prof. Dr. med. W. F. Blum), Universitätskinderklinik Bonn (PD Dr. med. N. Albers), Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität Marburg (Prof. Dr. med. J. Hebebrand)
Zusammenfassung:
Die Wechselwirkung von Leptin, Cortisol und Insulin über 24 Stunden wurde in unterschiedlichen Gewichtsgruppen erforscht, wobei uns insbesondere Patienten mit Anorexia nervosa (BMI 17,5 kg/m²) interessierten, um Einflüsse der (Semi-)Starvation auf die Hormonsekretion zu illustrieren. Zu diesem Zweck wurde auch ein Vergleich von anorektischen Patienten im Stadium der (Semi)-Starvation und anorektischen Patienten, die seit stationärer Aufnahme eine Gewichtszunahme zu verzeichnen hatten, angestellt.
Der normale Tagesrhythmus des Leptins ist bei anorektischen Patienten im Stadium der (Semi)-Starvation aufgehoben, wobei sich die zirkadiane Rhythmik des Leptins durch eine geringe Gewichtszunahme schnell wieder normalisiert.
Die mittlerweile als gesichert geltende positive Korrelation von Insulin und Leptin (Boden et al. 1996) konnten wir in unserer Studie auch bei extrem niedrigen Plasmaleptinspiegeln (0,01 µg/L) bestätigen, allerdings erwies sich das ermittelte Zeitintervall von 6 Stunden zwischen Anstieg des Insulins und konsekutivem Leptinanstieg deutlich kürzer als in der Literatur beschrieben (Kolaczynski et al. 1996). Auch das Sekretionsmuster des Cortisols erwies sich als mit dem Leptinsekretionsmuster synchronisiert. Während sowohl in der Kontrollgruppe als auch in der Gruppe der anorektischen Patienten mit deutlicher Gewichtszunahme der Anstieg des Leptins dem des Cortisols vorausging - wahrscheinlich als Ausdruck einer direkten Stimulation des Cortisols durch Leptin -, stellte sich bei den anorektischen Patienten im Stadium der (Semi-)Starvation die Abfolge umgekehrt dar. Ein Anstieg des Cortisols ging dem des Leptins voraus. Diese Befunde deuten darauf hin, daß hormonelle Veränderungen des Leptins und Cortisols und deren Wechselwirkungen starvationsbedingt sind und sich nach beginnender Gewichtsrestitution rasch normalisieren. Im Sinne einer longitudinal angelegten Studie wurden die Plasmaleptinkonzentrationen von insgesamt acht männlichen und weiblichen Patienten mit Anorexia nervosa über einen Zeitraum von durchschnittlich 5 Monaten zu drei Meßzeitpunkten untersucht. T1 bei Aufnahme (BMIT1), T2 (BMIT2 = 17,5 kg/m² + BMIT1 x 0,5), T3 (BMI = 17,5 kg/m²). Ziel der Studie war die Überprüfung der im interindividuellen Vergleich gefundenen Ergebnisse zur zirkadianen Rhythmik und Wechselwirkung des Leptins mit Insulin und Cortisol (s. o.) mittels longitudinaler (intraindividueller) Untersuchung.
Publikationen:
- R Wagner, S Herpertz, C Oberste-Berghaus, WF Blum, B Pelz, J Hebebrand, W Senf, K Mann. N Albers. Influence of food intake on leptin serum levels in healthy individuals. Hormone Research (resubmitted after revision)
- C Exner, J Hebebrand, H Remschmidt, C Wewetzer, A Ziegler, S Herpertz, U Schweiger, WF Blum, G Preibisch, G Heldmaier, M Klingenspor (2000) Leptin suppresses semi-starvation induced hyperactivity in rats: implications for anorexia nervosa. Molecular Psychiatry (in press)
- S Herpertz, N Albers, R Wagner, B Pelz, W Köpp, K Mann, WF Blum, W Senf, J Hebebrand (2000) Longitudinal changes of circadian leptin, insulin and cortisol plasma levels and their correlation during refeeding in patients with Anorexia nervosa. European Journal of Endocri-nology 142, 373-379S
- Herpertz, R Wagner, WF Blum, B Pelz, M Langkafel, W Köpp, A Henning, C Oberste-Berghaus, W Senf, J Hebebrand (1998) Circadian plasma leptin levels in anorectic patients, Hormone Research 50, 197-204W
- Köpp, WF Blum, H Lübbert, A Ziegler, S Herpertz, H-C Deter, J Hebebrand (1998) Serum leptin levels and body weight in females with anorexia and bulimia nervosa. Hormone and Metabolic Research 30: 271-275W
- Köpp, WF Blum, S von Prittwitz, A Ziegler, H Lübbert, G Emons, W Herzog, S Herpertz, H-C Deter, H Remschmidt, J Hebebrand (1997) Low leptin levels predict amenorrhea in underweight and eating disordered females. Molecular Psychiatry 2: 335-340
- J Hebebrand, J van der Heyden, R Devos, W Köpp, S Herpertz, H Remschmidt, W Herzog (1995) Plasma concentrations of obese protein in anorexia nervosa. The Lancet 346, 1624-1625
- S Herpertz, R Wagner, B Pelz, C Oberste-Berghaus, WF Blum, J Hebebrand, K Mann, W Senf (1997) Aufgehobene Leptintagesrythmik und sehr niedrige Leptinserumspiegel bei Patientinnen mit Anorexia nervosa. Medizinische Klinik, 103, P-234, S 144
- C Oberste-Berghaus, R Wagner, S Herpertz, WF Blum, W Senf, K Mann (1997) Aufgehobene Leptintagesrythmik durch Fasten. Medizinische Klinik, P 235
S Herpertz, R Wagner, B Pelz, WF Blum, J Hebebrand, K Mann, W Senf (1997) Dispropor-tionally low serum leptin levels and abolition of nocturnal rise in patients with anorexia nervosa. DIABETES, S 253 A - C Oberste-Berghaus, S Herpertz, WF Blum, W Senf, K Mann, R Wagner (1997) Food intake and fasting status influence serum leptin levels in healthy individuals. DIABETES, 1417A
- R Wagner, S Herpertz, C Oberste-Berghaus, B Pelz, J Hebebrand, WF Blum, W Senf, K Mann (1997) Influence of glucose load and fasting status on serum leptin levels in healthy individuals. Endocrinology and Diabetes, 105 (Suppl. 1), P 111.
