Mohn schatten05
Verlauf li unten02 Impressum
Uni Logo03
Verlauf Ende 2

Information für Patienten mit chronischen Schmerzen

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

wir begrüßen Sie herzlich in der Schmerzambulanz am Universitätsklinikum Essen und möchten Sie mit unserer Arbeit und dem Team vertraut machen. Unser interdisziplinäres Team beschäftigt sich klinisch wie wissenschaftlich seit langem mit Diagnose und Therapie chronischer, d.h. lang anhaltender Schmerzen. In diesem Team arbeiten Schmerztherapeuten aus allen Fachgebieten - Anästhesisten, Neurologen, Physiotherapeuten, Psychologen und Psychosomatiker - zusammen und besprechen schwierige Fälle in wöchentlichen Konferenzen. So wird für Sie die optimale Behandlungsstrategie erarbeitet.
An unserer Ambulanz kommen alle bekannten und bewährten Behandlungsverfahren zur Anwendung. Wir befassen uns insbesondere mit folgenden Schmerzbildern:

  • Rückenschmerzen
  • Tumorschmerzen
  • Stumpf- und Phantomschmerzen
  • Schmerzen im Bereich der Eigenweide
  • Nervenschmerzen

Für die Behandlung von Kopfschmerzen am Uniklinikum Essen ist das Westdeutsche Kopfschmerzzentrum zuständig (Kontakt: Frau Koopmann, Tel.: 0201/4369610).


Warum ‚interdisziplinär’?

„Reicht nicht ein Arzt?“ „Geht es mir so schlecht?“ – werden Sie sich fragen. Nein, es ist gerade unsere Stärke, dass wir Ihre Schmerzen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Was ist der Vorteil? Lang andauernder chronischer Schmerz macht keinen biologischen Sinn mehr, der Schmerz hat seine Warnfunktion verloren. Häufig sind die ursprünglichen organischen Ursachen nicht mehr feststellbar bzw. diese nicht ausreichend behandelbar. Der Schmerz selbst wird zur Krankheit und das Erleben des zum Teil langjährigen Schmerzes selbst wird zum andauernden Stress. Die Erfahrung der Patienten, durch eigenes Verhalten das Schmerzgeschehen nicht kontrollieren zu können, führt auf der gedanklichen und emotio-nalen Ebene zu Zuständen der Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Angst, Verzweiflung und Resigna¬tion bis hin zur Depression. Auf der Verhaltensebene kann es zu einem körperlichen Schonverhalten, zu einer Verminderung der Aktivitäten, zu hohem Medikamentenkonsum oder zum ‘doctor-shopping’ kommen. Diese Komponenten führen zu einer massiven Beein-trächtigung der Lebensqualität, der menschlichen Kommunikation und Interaktion und der wirtschaftlichen Situation der Patienten.
Somit bestimmen medizinische und nicht-medizinische Anteile die Beeinträchtigung des Patienten durch die Schmerzen. Deshalb werden in unserer Einrichtung durch den Arzt, der Sie aufnimmt, im Bedarfsfall weitere Schmerztherapeuten hinzugezogen. Unter Fachleuten ist es unbestritten, dass ein interdisziplinärer Behandlungsansatz langfristig das wirksamste Behandlungskonzept darstellt.
Im Folgenden möchten wir Ihnen die einzelnen Facharztdisziplinen vorstellen:

Anästhesiologische Klinik:
Die Anästhesie betreut Patienten mit chronischen Schmerzen des Bewegungsapparates und der Wirbelsäule, der Eingeweide, des Nervensystems (Phantomschmerz, Zoster-Neuralgie) sowie Patienten mit Tumorschmerzen. Nach einem ausführlichem Erstgespräch und ggf. weiterer Diagnostik erarbeiten wir mit jedem Patienten ein individuelles Therapiekonzept. Wir bieten neben der medikamentösen Schmerztherapie auch diagnostische und therapeutische Nervenblockaden an den Extremitäten und der Wirbelsäule, Blockaden des sympathischen Nervensystems sowie Gegenirritationsverfahren wie die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) an.

Neurologische Klinik:
Neben den typischen Kopfschmerzsyndromen wie Spannungskopfschmerz, Migräne oder Clusterkopfschmerz gibt es eine große Gruppe von Krankheiten, die von sogenannten neuropathischen Schmerzen begleitet sind. Neuropathischen Schmerzen können z. B. bei Bandscheibenvorfällen, bei Diabetes mellitus, bei Tumorerkrankungen oder nach Nervenverletzungen auftreten.
Medikamentös werden bei neuropathischen Schmerzen neben herkömmlichen Schmerzmitteln auch verzögert wirkende Opioide, Medikamente gegen Epilepsie (Antikonvulsiva) und auch Antidepressiva mit gutem Erfolg eingesetzt. Bei Schmerzen von brennendem Charakter sind Antidepressiva in niedrigen Dosierungen sehr effektiv. Einschießende Schmerzen sprechen dagegen gut auf Antikonvulsiva an. Bei Vorhandensein verschiedener Schmerzkomponenten ist eine Kombination mehrerer Medikamente oft unerlässlich.

Physiotherapeutische Abteilung:
Patienten mit chronischen Schmerzen befinden sich häufig in einem Teufelskreis aus Schmerzen – Angst vor Schmerzen - Schonung – Abbau von Muskulatur – verminderter Belastbarkeit – Schmerzen.
Ziel der Physiotherapie ist es, dieses sog. Angst-Vermeidungsverhalten der Patienten zu reduzieren und diese wieder an „normale“ Bewegungen heranzuführen. Dazu wird zunächst eine ausführliche physiotherapeutische Untersuchung durchgeführt, durch die funktionelle Defizite wie z.B. muskuläre Dysbalancen, Bewegungseinschränkungen und Fehlbelastungen erfasst werden. Anschließend wird mit dem Patienten und in Absprache mit den Ärzten ein individueller Behandlungsplan erstellt. Die Physiotherapeuten führen die Patienten dann so gut wie möglich stufenweise wieder an die schmerzhaften und angstbesetzten Bewegungen heran. Der Patient gewinnt die Kontrolle über seine Schmerzen und dadurch eine Verbesserung seiner Lebensqualität. Mögliche Maßnahmen sind ein angepasstes Dehnprogramm, Konditionstraining, Muskelaufbautraining und Training alltäglicher Bewegungsmuster, die durch ein Eigenübungsprogramm für zu Hause ergänzt werden.


Die psychische Seite des Schmerzes

Patientinnen und Patienten berichten, dass z.B. Entspannung oder Ablenkung positiv und Stress, Ärger Niedergeschlagenheit negativ auf die Schmerzen wirken. Schmerzen können aber auch bei einer Reihe von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen, wie z.B. Depressionen, Psychosen, Ängsten, Suchterkrankungen als Begleiterscheinungen auftreten. Und: Schmerzen können das Leben und den Alltag sehr belasten und die Lebensqualität sehr einschränken. Das heißt, dass Schmerzen einerseits und die Psyche sowie das soziale Leben andererseits häufig in einem engen Zusammenhang zu sehen sind.
Eine ergänzende psychosomatische, psychiatrische oder psychologische Abklärung kann neben der organmedizinischen Behandlung sinnvoll sein. Einerseits um schmerzfördernde psychosoziale, psychosomatische und psychische Bedingungen bewältigen zu helfen. Andererseits um trotz eventuell weiter bestehender Schmerzen das Leben stärker als bisher aktiv zu gestalten, emotionale Befriedigung im Alltag zu finden und somit die Lebensqualität zu steigern.
Zwei Facheinrichtungen der Schmerzkonferenz stehen für diese Bereiche zur Verfügung.

Psychologische Abteilung
Hier liegt der Arbeitsschwerpunkt darin, Gedanken und entmutigende Selbstgespräche in Schmerzsituationen erkennen und kontrollieren zu lernen und somit zu einer Selbstkontrolle der den Schmerz verstärkenden Bedingungen zu befähigen. Darüber hinaus werden Patientinnen und Patienten ermutigt, trotz eventuell weiterhin vorhandener Schmerzen das Leben stärker als bisher aktiv zu gestalten, emotionale Befriedigung im Alltag zu finden und somit die Lebensqualität zu steigern.

Psychosomatische Klinik
Das Angebot umfasst: diagnostische Gespräche, Krisenintervention, Schmerzbewältigungsgruppe, Vermittlung ambulanter Psychotherapie, teilstationäre oder stationäre Behandlung in unserer Klink. Ein auf Schmerztherapie ausgerichtetes Therapiekonzept bietet auf der Station PP1 die Gelegenheit, die individuellen Wechselwirkungen zwischen dem körperlichen und dem psychischen Befinden besser zu verstehen und in der 6-12 wöchigen Behandlung eigene Stärken wieder besser wahrnehmen und aktivieren zu können.


Anmeldung/Organisatorisches:
Nach Terminvereinbarung erhalten Sie einen ausführlichen Schmerzfragebogen zugeschickt, diesen bringen Sie bitte vollständig ausgefüllt bei Erstvorstellung mit. Ferner benötigen wir eine Überweisung Ihres Hausarztes neben möglichst ausführlichen Befunden über Vorerkrankungen, bisherige Diagnostik und Behandlungen (bitte in Kopie zum Verbleib) sowie aktuelle Laborwerte und EKG. Die Erstvorstellung mit Sichtung der Unterlagen, Untersuchung und Behandlungsplan kann bis zu 2h dauern.

Für organisatorische Fragen, Ihre Anmeldung und Rezeptwünsche steht Ihnen unsere Arzthelferin Frau Ohm zur Verfügung:
Täglich 8h bis 15h30h (Tel.: 0201 723 2010)

Bitte bringen sie bei jedem Besuch Ihre Versichertenkarte mit. Bei Patienten die einen Dolmetscher benötigen, muss dies bei der Terminvergabe wegen des erhöhten Zeitbedarfs angegeben werden.
 

Kopfschmerz03