Universität Duisburg-Essen
 Kopf Soziologie Gw

Prof. Dr. Gerhard Bäcker

Ringvorlesung: "Zukunft des Sozialstaates – Sozialstaat der Zukunft" (SoSe 2008)


Der Wohlfahrtsstaat und seine Sozialpolitik sind wie kaum ein anderes Politikfeld in Deutschland seit Jahren Gegenstand heftiger Kontroversen. In den politischen wie wissenschaftlichen Auseinandersetzungen spiegelt sich dies auf zweierlei Weise wider: Zum einen wird durch die Fundamentalkritik, die bis zur Forderung eines weitgehenden Rückbaus staatlicher Sozialpolitik reicht, eine Grundsatzdebatte angestoßen, die eine Rekonstruktion und Reformulierung der grundlegenden Legitimation des Sozialstaates im Allgemeinen provoziert. Zum anderen werden - ausgehend von der grundsätzlichen Einsicht in die Notwendigkeit staatlicher Sozialpolitik - einzelne Leistungen hinsichtlich ihrer Begründung, Funktionalität und Wirkungsweise kritisch in den Blick genommen und Reformkonzepte wie auch Innovationsmöglichkeiten formuliert.

Die Ringvorlesung setzt insbesondere am zweiten Aspekt an. Ziel der Veranstaltung ist es, losgelöst vom universitären Vorlesungsalltag mit ExpertInnen aus Politik, Wissenschaft und Verbänden in den Dialog zu treten. Eine Reihe interessanter GastrednerInnen hat sich bereit erklärt, im Rahmen der Ringvorlesung über ausgewählte sozialpolitische Themen zu referieren.

Veranstaltungstermine

Strengmann-Kuhn
17.07.2008
Das Grundeinkommen - ein finanzierbarer Weg zu einer gerechteren Gesellschaft? MdB Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Fraktion Bündnis90/Die Grünen, Universität Frankfurt a.M.


Kinderarmut, Armut trotz Arbeit, Armut wegen Arbeitslosigkeit: Deutschland ist ein reiches Land, dennoch scheint das Problem der sozialen Benachteiligung von Teilen der Bevölkerung nicht lösbar. „Grundeinkommen“ lautet das Rezept, dass Politiker verschiedener Parteien und Ökonomen unterschiedlicher Schulen immer wieder als Lösungsansatz diskutieren und anpreisen. Der Teufel der verschiedenen Konzepte, die sich unter dieser Überschrift sammeln, liegt im Detail: Was verbirgt sich hinter Grundeinkommen, Bürgergeld und negativer Einkommenssteuer? Monat für Monat genug Geld zum Leben für Jede und Jeden, ohne jede Bedingung? Und wenn ja, wie viel braucht man eigentlich zum Leben? 600 Euro für das Allernötigste oder 1500 Euro für Auto, Restaurant und Theater? Und wie soll das bezahlt und organisiert werden?

Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn befasst sich in zweifacher Hinsicht mit diesen Fragen. Als Wissenschaftler mit den Fachgebieten Armutsforschung, Sozialpolitik und Arbeitsmarktpolitik hat sich der habilitierte Volkswirt im Rahmen seiner Forschung und Lehre an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/Main einen Namen als Sachverständiger gemacht. Als kürzlich in den Bundestag nachgerückter Abgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen versucht er auch in der praktischen Politik die gewonnenen Erkenntnisse für seine Vorstellungen von einer gerechten Gesellschaft einzubringen.

In seinem Beitrag zur Ringvorlesung „Zukunft des Sozialstaates – Sozialstaat der Zukunft“ des Instituts für Soziologie wird Strengmann-Kuhn versuchen, ein wenig Ordnung in das Dickicht der verschiedenen Grundeinkommenskonzepte zu bringen und darlegen, wie sein Vorschlag für mehr soziale Gerechtigkeit aussieht.

Laumann3
10. Juli 2008
NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann spricht zum Thema Altersarmut


Absenkung des Rentenniveaus und Rentenabschläge auf der einen Seite - Ausbreitung von diskontinuierlichen Erwerbsbiografien und Niedriglohnjobs auf der anderen Seite: Wird unter diesen Bedingungen die Rente für viele noch nicht einmal das Grundsicherungsniveau erreichen? Wird Altersarmut zum Zukunftsproblem? Welche politischen Optionen bestehen? Brauchen wir eine grundsätzliche Reform oder kann das bestehende Rentensystem zukunftssicher gemacht werden?

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat sich zu diesen Fragen in den letzten Monaten lautstark zu Wort gemeldet. Für Sozialminister Karl-Josef Laumann, der sich durch zahlreiche Statements und einen Bericht zur Vermeidung von Altersarmut in die Debatte eingemischt hat, steht vor allem die Frage der Gerechtigkeit des bestehenden Systems im Vordergrund. Am 10.07.2008 wird Laumann im Rahmen der Ringvorlesung "Zukunft des Sozialstaates – Sozialstaat der Zukunft" des Instituts für Soziologie erläutern, welche Probleme und politischen Handlungsmöglichkeiten er sieht um Altersarmut zu vermeiden und wie auch zukünftig ein angemessenes Einkommen im Ruhestand gewährleistet werden kann.

Beginn der Veranstaltung ist um 14 Uhr in Hörsaal LB 107 auf dem Duisburger Campus. Die Teilnahme steht allen Interessierten offen.

Bsirske 2
03.07.2008
Verdi-Chef Frank Bsirske über die Aufgaben der Gewerkschaften in der neuen Arbeitsgesellschaft


Sinkende Tarifbindung, stagnierende Löhne, Ausbreitung von Niedriglohnjobs, Einschnitte ins soziale Netz – die Veränderungen der letzten Jahre stellen große Herausforderungen für die Gewerkschaften dar. Dem stehen sinkende Mitgliederzahlen gegenüber, die die Hand-lungsspielräume einschränken. Gleichzeitig wird die öffentliche Wahrnehmung zunehmend durch die Tarifauseinandersetzungen kleiner Berufsgewerkschaften wie der Lokführerge-werkschaft GdL geprägt. Welche Rolle können die großen Gewerkschaften vor diesem Hintergrund noch spielen? Haben sie sich als Relikte der Industriegesellschaft selbst überlebt? Oder signalisieren die zuletzt erzielten guten Tarifabschlüsse eine wieder zunehmende Bedeutung der Gewerk-schaften? Sind sie nur Neinsager, die sich gegen Reformen stemmen oder können sie helfen, eine gerechte Gesellschaft mitzugestalten?

Mit Frank Bsirske ist am 03.07.2008 der Vorsitzende der zweitgrößten deutschen Gewerk-schaft Ver.di zu Gast an der Universität Duisburg-Essen. Im Rahmen der Ringvorlesung „Zu-kunft des Sozialstaates – Sozialstaat der Zukunft“ des Instituts für Soziologie wird Bsirske über seine Sicht zur Rolle der Gewerkschaften heute und in Zukunft sprechen. Sein Vor-tragsthema: „Niedriglöhne, Mindestlöhne und Arbeitslosigkeit – welche Aufgaben haben Ge-werkschaften in der neuen Arbeitsgesellschaft?“.
Beginn ist um 14 Uhr in Hörsaal LB 107 auf dem Duisburger Campus. Die Veranstaltung steht allen Interessierten offen.

Pfeiffer4
26.06.2008
Dr. Doris Pfeiffer zur Finanzierung des Gesundheitssystems


Nachdem in der vorangegangenen Veranstaltung mit Daniel Bahr (FDP) ein Politiker seine Vorstellungen eines gerechten Gesundheitssystems präsentierte, kommt am 26.06.2008 eine Verbandsvertreterin zu Wort, deren Arbeit von politischen Entscheidungen entscheidend abhängt.

Dr. Doris Pfeiffer, Vorsitzende des neu gegründeten Spitzenverbandes Bund der Gesetzlichen Krankenkassen, wird daher die politische Kontroverse der vergangenen Wochen um Gesundheitsfonds, Strukturausgleich und Beitragssätze genau verfolgt haben. Viele Befürchtungen sind in diesem Kontext laut geworden: Wird die Finanzierung gerechter oder nur bürokratischer? Steigen die Beiträge weiter? Steuern wir auf eine Zwei-Klassen-Medizin zu? Verschlechtert oder verbessert sich die Qualität des Leistungsangebots?

In Ihrem Vortrag „Lässt sich ein leistungsfähiges Gesundheitssystem gerecht finanzieren?“ wird Frau Dr. Pfeiffer auf diese und andere Fragen eingehen. Als Spitzenfunktionärin des Gesundheitssystems wird sie mit ihrer Einschätzung wertvolle Hinweise zur Bewertung der aktuellen Debatte und den Zukunftsaussichten der Gesetzlichen Krankenkasse und des Gesundheitssystems liefern.

Danielbahr3
12.06.2008
Daniel Bahr (FDP): „Eine bedarfsgerechte und finanzierbare Gesundheitsversorgung für alle – eine Utopie?“


Auch die Gesundheitsversorgung ist ständiger Gegenstand des politischen Streits. Praxisgebühr, Gesundheitsfonds, Kopfpauschale, Risikostrukturausgleich: Eine Vielzahl von gesundheitspolitischen Problemen in Fragen der Organisation, Finanzierung und Durchführung stehen auf der Agenda – und eine vielfache Anzahl von Lösungsvorschlägen. Mit MdB Daniel Bahr ist am 12.06.2008 der gesundheitspolitische Sprecher der Freien Demokraten zu Gast an der Universität Duisburg-Essen. Im Rahmen der Ringvorlesung wird Herr Bahr erläutern, welche Vorstellungen er und seine Partei von einem effizienten Gesundheitssystem haben und welches Verhältnis solidarischer und marktlicher Steuerungsinstrumente hierfür nötig ist.

Rische
05.06.2008
Dr. Herbert Rische, Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gast der Ringvorlesung


Die Rente und der demographische Wandel sind ein Dauerthema in Politik, Me-
dien und Wissenschaft. Wie lange werden wir zukünftig arbeiten müssen? Reicht das, was man am Ende herausbekommt, zum Leben? Wie groß ist die „Lücke“, wie viel muss privat gespart werden? Nehmen die „Alten“ die „Jungen“ aus?

Mit Dr. Herbert Rische, Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund, ist am 05.06.2008 ein Insider Gast der Ringvorlesung, der lange genug im Geschäft ist, um abseits der aufgeregten Schlagzeilen eine fundierte Einschätzung zu den Herausforderungen der älter werdenden Gesellschaft und zur Zukunft der Alters-
sicherung in Deutschland geben zu können. Das Vortragsthema von Dr. Rische lautet: „Die Gesetzliche Rentenversicherung – Auslaufmodell oder Zukunftsmodell?“

Bispinck Baecker
29.05.2008
Dr. Reinhard Bispinck: „Working poor in Deutschland – Perspektiven sozialstaatlicher Re-Regulierung“


„Der Aufschwung kommt nicht bei den Menschen an!“ So oder ähnlich ist es häufig in den Medien zu lesen oder zu hören. Ein Grund hierfür ist die Ausweitung des Niedriglohnsektors, eine Folge der Deregulierungsprozesse in der Arbeitsmarktpolitik der vergangenen Jahre: Arbeit schützt nicht mehr vor Armut. Die vorgeschlagenen Lösungsmöglichkeiten für die damit verbun-
denen Probleme sind vielfältig: Steuern und Lohnnebenkosten senken, Steuern erhöhen, gesetzliche Mindestlöhne einführen, Kombilohnmodelle entwickeln, bedingungsloses Grundeinkom-
men für alle…

Dr. Reinhard Bispinck, Leiter des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung und Experte für Arbeitsmarkt- und Tarifpolitik, wird versuchen, Ordnung in die oftmals verwirrende Debatte zu bringen und seine Einschätzung zu notwendigen Maßnahmen darlegen.
Der Vortrag von Dr. Bispinck findet am 29.05.2008 in der Zeit von 14 – 16 Uhr im Raum LB 107 auf dem Duisburger Campus statt. Die Teilnahme steht allen Interessierten offen.

Nahles Baecker
15.05.2008:
Andrea Nahles referiert ihre Vorstellungen zur Weiterentwicklung der Arbeitslosenversicherung


Die Arbeitsmarktreformen der vergangenen Jahre und mögliche Reformoptionen sind ein Dauerthema in der SPD. Sind die Hartz-Gesetze eine Erfolgsgeschichte, die tatsächlich zu einem Abbau der Arbeitslosigkeit geführt haben? Welche sozialen Ver-
werfungen sind durch die Zusammenführung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe entstanden, sind Armut und Niedriglöhne eine direkte Folge? Gibt es Alternativen, bedarf es einer "Reform der Reform"? MdB Andrea Nahles ist als stellvertretende Bundesvor-
sitzende der SPD mitten im Geschehen. Im Rahmen der Ring-
vorlesung spricht sie am 15.05. über ein von ihr mitentwickeltes Reformkonzept: „Die Arbeitsversiche-
rung – ein Schritt über das SGB II und SGB III hinaus“. Im Vortrag und der anschließenden Diskussion wird Nahles, Sprecherin der Arbeitsgruppe "Arbeit und Soziales" der SPD-Bundestagsfraktion, auch per-
sönlich Stellung beziehen zu den Diskussionen in ihrer Partei und zu ihren Vorstellungen der zukünftigen Gestaltungsmöglichkeiten der sozialen Sicherung am Arbeitsmarkt.

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08.05.2008:
Christiane Schönefeld (Bundesagentur für Arbeit) zur Entwicklung des Arbeitsmarktes


Die Arbeitsmarktsituation in NRW hat sich analog zum gesamt-
deutschen Trend in den vergangenen zwei Jahren entspannt. Christiane Schönefeld, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, wird im Rahmen der Ringvorlesung „Zukunft des Sozialstaates – Sozial-
staat der Zukunft“ der Frage nachgehen, welchen Einfluss die Arbeitsmarktreformen der letzten Jahre auf diese Entwicklung haben.

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24.04.2008:
Präses Nikolaus Schneider zweiter Gastreferent der Ringvorlesung


In seinem Vortrag beschäftigt sich Präses Schneider (Evangeli-
sche Kirche im Rheinland mit dem Thema "Armut trotz Reich-
tum – was geht das die Kirche an?" In der Debatte um Armut im wohlhabenden Deutschland, um Spitzengehälter auf der einen und nicht existenzsichernde Niedriglöhne auf der anderen Seite, melden sich auch die Kirchen zu Wort. Dass die Aufgabe der Kirchen nicht ausschließlich in der Theologie und dem Seelenheil ihrer Mitglieder liegt, will Präses Schneider deutlich machen und erklären, wie sich eine gerechte Gesellschaft aus seiner Sicht gestalten ließe.

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17.04.2008:
Erster Vorlesungstermin mit Prof. Dr. Richard Hauser


Zum Auftakt der Ringvorlesung referiert am 17.04. Vertei-
lungsexperte Prof. Dr. Richard Hauser, emeritierter Hochschul-
lehrer der Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, zum Thema "Ziele des Sozialstaats: Das magische Viereck der sozialen Gerechtigkeit".




Letzte Änderung: Dienstag, 2.12.2008