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Die in den folgenden Kapiteln ausgewertete projektbezogene Literatur (siehe Literaturhinweise) stellt eine subjektive Auswahl der Projektbearbeiter dar. Das Interesse an wissenschaftlicher Literatur zur "Blindengerechte Gestaltung" richtet sich auf Erkenntnisse zur Gestalt und ihrer Wahrnehmung und hier im besonderen auf die haptische Wahrnehmung, das taktile Erkennen, die Material-, Temperatur- und Raumwahrnehmung, sowie die haptischen Anmutungsleistungen blinder Personen. Gestalt und WahrnehmungDer Gestaltpsychologe David Katz definiert das Phänomen der Gestalt so: ”Das figurale Gestalterlebnis stellt eine Einheit dar, die vom Erlebenden in der Regel nicht beliebig geändert werden kann...In dem Aufbau einer Gestalt bestimmen das Ganze und seine Glieder sich wechselseitig, wobei die Gesamtqualität phänomenal über die Qualitäten der Glieder dominiert. Und: ...Eine Gestalt erleben ist nicht identisch mit der Erfassung der Relationen ihrer Teile....Alle Gestalten sind Ganzheiten...Eine Gestalt ist dadurch gekennzeichnet, daß sie abgesondert, abgehoben, geschlossen und gegliedert ist”. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile! Der Gestaltpsychologe Wolfgang Metzger unterscheidet drei Arten von Gestalteigenschaften, von denen er die Struktureigenschaften (Raumformen und Figuralstrukturen) und die Materialqualitäten für haptisch erfahrbar hält, während er die dritte Gruppe, die sogenannten Wesenseigenschaften (Anmutungsqualitäten und physiognomische Qualitäten) für haptisch nicht erfahrbar hält. Friedrich Sanders, Ganzheitspsychologe, formuliert zur Gestalt und Wahrnehmung: “Das Wahrnehmungsgeschehen ist in seiner strukturellen Anlage gerichtet auf optimale Gestaltetheit und Sinnhaftigkeit schlechthin. Wo es unter den objektiven Bedingungen diese optimale Gestaltetheit erreicht, haben die erlebten Gestalten einen Charakter der Endgültigkeit, des In-Ordnung-Seins, sie sind so gut, wie sie in der aktualisierten Sinnschicht sein können...” Nach Sanders |
vermittelt optimale Gestaltetheit in Abhängigkeit von der Gestalthöhe dem Wahrnehmenden “ruhige Befriedigung, inneres und äußeres Aufgeräumtsein”. Wo dagegen diese Vorbedingungen nicht existieren, entbehren die Gestalten der Stabilität und Festigkeit ihrer Erscheinung, sie sind labil, wollen sich voller Spannung verändern. Die Labilität ist da am größten, wo eine Gestalt gleichsam auf der Kippe zwischen zwei Dominanten, wie Quadrat und Rechteck, jongliert. Bei Rudolf Arnheim, ebenfalls Gestaltpsychologe, bilden Wahrnehmung und Denken eine Einheit im “Anschaulichen Denken”, werden zur zentralen Bedeutung für den menschlichen Erkenntnisprozess, dem Lernen: “Wahrnehmungsinhalte sind für das Denken nur deshalb verwendbar, weil die Wahrnehmung Typen und nicht bloß Einzelfälle von Gegebenheiten sammelt... Die Außenwelt deponiert ihr Abbild in der Seele, und dieses Abbild dient nur als Rohmaterial, das untersucht, ausgesondert, umgeformt und aufbewahrt werden muß. Man ist versucht zu behaupten, daß im Organismus eine passive Empfängnistätigkeit ergänzt wird von einem unabhängig davon funktionierenden Verarbeitungsmechanismus... Aktives Auswählen ist ein Grundzug des Sehens wie jeder anderen Intelligenzbestätigung.” Hans Daucher argumentiert, daß Denken ein Prozess der Informationsverarbeitung ist und damit die moderne Ästhetik, die Lehre vom Schönen, die Ganzheitpsychologie und Gestaltpsychologie als nachrichtentechnische Vorgänge, als Kybernetik, zu verstehen sind. Er unterscheidet in der Systematik des Sehens einen elementaren, einen strukturalen und einen semantischen Bereich. “Die ästhetische Ordnung ist hierarchisch. In der Wahrnehmung herrscht eine Rangordnung, die immer ein Wichtiges herauszustellen versucht... Wahrnehmungen sind ganzheitlich, wertbestimmt und zielen final auf Bedeutung... Die Wahrnehmung hat die Tendenz, hohe Informationsangebote stark zu verringern. Im kybernetischen Denkmodell nimmt man für das Auge eine Informationskapazität von drei Millionen bit an, von denen dem menschlichen Bewußtsein aber nur 16 bit/sec gegenwärtig sind....Um dieses verhältnismäßig geringe Maß zur Verfügung zu haben, ist die Wahrnehmung von sich aus bestrebt, die Information zu verringern, Superzeichen zu bilden, die gute Gestalt anzustreben, Ganzheiten zu formieren.” |
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