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Gesetze des Wahrnehmens und GestaltensHier soll auf die Literatur hingewiesen werden, die sich allgemein mit Gesetzmäßigkeiten in der visuellen Wahrnehmung und daraus abzuleitenden Gestaltgesetzen beschäftigt. Der Psychologe Wolfgang Metzger formuliert zur Wahrnehmungslehre in seinem Buch “Gesetze des Sehens” eine Reihe von Gesetzen zur Figurbildung, u.a diese Gestaltgesetze: - Gesetz der Geschlossenheit, Nähe, Innenseite: Geschlossenheit siegt über Nähe. Im Wettstreit mit Geschlossenheit und Nähe erweist sich die Innenseite stark. Jede gekrümmte Linie, jeder Winkel hat eine Innenseite und eine Außenseite. Der von der Innenseite eingeschlossene Raum, auch wenn sie ihn nicht ganz einschließt, wird zur Figur. (auch: Gesetz der Konvexität). - Gesetz der Symmetrie: Sind symmetrische und unsymmetrische Elemente vorhanden, werden die symmetrischen zu Figur-Eigenschaften. - Gesetz der Ebenbreite: In einem Feld parallel verlaufender Streifen o.ä. werden die gleichbreiten (ebenbreiten) bevorzugt als Figur erkannt. - Gesetz der guten Gestalt: Es schließt sich das zusammen, was seiner Natur nach zusammen gehört, was zusammen “paßt”, d.h. was gemeinsam ein wohlgeordnetes, einheitlich aufgebautes Gebilde ergibt. Einfachere Figuren dominieren über komplexeren. (Prägnanzgesetz). - Gesetz der Gruppierung, Gliederung, Gleichartigkeit: Gleichartiges strebt - auch über Zwischenräume hinweg - zum Zusammenschluß, Gliederung durch Gleiches und Ungleiches, das Schicksal des herausfallenden Einzelnen, Stehendes wird leichter zur Figur als Hängendes. Damit wir eine Figur “sehen” können, muß sie zu einem Teil des Sehfelds gehören, das in sich zusammenhängt und nach außen, gegen anderes, abgegrenzt ist. Zusammenfassend mißt Metzger dem “Gesetz der Gleichartigkeit”, bezogen auf Qualität oder Beschaffenheit, unter allen Gliederungsgesetzen eine Schlüsselstellung zu, mehr als allen übrigen Gesetzen. “Nähe oder Dichte, gemeinsames Schicksal, Aufgehen ohne Rest, glatter Verlauf, Geschlossenheit, Symmetrie, Ebenbreite, Einfachheit, einheitliches, ungestörtes Aufbauprinzip (Prägnanz) und auch die Gleichartigkeit von Form oder Größe können nur dann wirksam werden, wo zuvor durch die Wirkung von Beschaffenheitssprüngen sich im Sehfeld Teilgebilde (Figuren) ausgesondert haben.” Rudolf Arnheim sieht die gute Gestalt in der Kunst entstehen aus der Wechselwirkung zwischen spannungserhöhenden Zwängen und spannungsvermindernden Vereinfachungen, eine Struktur, in der sich der größtmögliche Reichtum an Formerfindung mit der größtmöglichen Einfachheit der kompositionellen Organisation verbindet. |
Prägnanz der Gestalt, Gestaltdruck, BedürfnisdruckZum Begriff der Prägnanz macht Arnheim auf die entgegengesetzten Besonderheiten der Ausprägung aufmerksam: die spannungsausgleichende Vereinfachungstendenz, die durch Spannungsverminderung die Form vereinfachend verallgemeinert und die Verschärfung von Besonderheiten (Z. Bsp. der Asymmetrie), die spannungsfördernd die Besonderheiten einer Form durch Dynamisierung herausarbeitet. Nach David Katz kommt dem Prägnanzgesetz (Prägnanz der Gestalt) Allgemeingültigkeit zu, da es sich bei jedem Individuum unabhängig von dessen Erfahrungseinflüssen geltend macht. Das Prägnanzgesetz umfaßt Eigenschaften wie Regelmäßigkeit, Symmetrie, Geschlossenheit, Einheitlichkeit, Ausgeglichenheit, maximale Einfachheit, Knappheit. Soweit es sich um Sinneseindrücke handelt, die im Raum lokalisiert werden, kommt das Gesetz der Prägnanz auch darin zum Ausdruck, daß sie zur Orientierung senkrecht-waagerecht tendieren. In diesem Zusammenhang benutzt D. Katz den Begriff des inneren Gestaltdruckes einer Figur und meint damit, daß dieser eine Verstärkung der Tendenz zur Prägnanz bewirkt, wenn eine unregelmäßige Figur a) nur für kurze Zeit, b) unter sehr schwacher Beleuchtung, c) in starker Verkleinerung oder großer Entfernung dargeboten wird. Vergrößert man diese Figur, oder nähert sich ihr, oder verstärkt man die Beleuchtung, oder betrachtet man sie länger, so kann man die sogenannte Aktualgenese der Gestalten erfahren. Diesen Forschungsansatz, “das aktuelle Werden von Gestalten in einem überschaubaren Erlebenszusammenhang”, beschreibt auch C.F. Graumann. Ein für die Produktgestaltung interessanter Begriff findet sich bei D. Katz: “Der neutrale Wahrnehmungsgegenstand wird erst unter Bedürfnisdruck zum Wirkgegenstand... Es sind niemals Reize, die die Handlung auslösen, sondern innere auf Bedürfnissen fußende Spannungen, die ihrerseits bestimmen, was mit den Reizen gemacht wird... Ein Objekt bekommt einen Aufforderungscharakter für diese oder jene Handlung. Ein Briefkasten bekommt nur Aufforderungscharakter, wenn ich ihn benötige...” Die Ergonomie spricht im Umgang mit Geräten vom Mensch-Maschine-System und untersucht dieses System im Hinblick auf eine Optimierung der Interaktion zwischen Mensch und Maschine (Ulrich Burandt). In diesem Interaktionssystem kann ein Wahrnehmungsangebot, wie die spezifische Gestaltung eines Produktes, nur dann einen Bedürfnisdruck ausüben, beispielsweise zur sicheren Handhabung eines Gerätes, wenn die Zeichenmengen beider Teilsysteme, die des Benutzers und die des gestalteten Gegenstandes durch Kodierung eindeutig aufeinander bezogen sind. Sender und Empfänger müssen dazu den gleichen Zeichenvorrat besitzen. |
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