Anleitung zum Wissenschaftlichen Zeichnen

Vorwort

Zum Schreiben dieses kurzen Leitfadens habe ich mich entschlossen, weil mir Grosspraktikumsprotokolle vorgelegt wurden, die sowohl im Inhalt als auch in der Form voellig unzureichend waren.
Als nachahmenswerte Beispiele habe ich Zeichnungen beigefügt, die ich selbst vor fast 40 Jahren Jahren im Botanischen Grundkurs, Kryptogamenkurs und Zoologischen Großpraktikum während meines Studiums in Koeln angefertigt habe. Die Zeichnungen repraesentieren unterschiedliche Moeglichkeiten des wissenschaftlichen Zeichnens. Die Strichzeichnungen (Objekte des Kryptogamenkurses) erfordern lediglich eine gewisse Ausdauer und Sorgfalt und vergleichbare Dokumentationen sind deshalb
von allen Studierenden realisierbar und deshalb auch vom jedem Dozenten zu fordern.
Die Abbildungen koennen mit Hilfe von Acrobat Reader (Freeware) auf Window- und MAC-Rechnern geladen und gedruckt werden..

Dazu gehören Beispiele aus der Botanik und Zoologie:

Helix, Daphnia, Seestern (total), Seestern (Armquerschnitt), Seeigelgreifzange, Ascaris, Rhodophyceae, Phacus, Foraminifera, Cucumis, Amoeba, Ascomycetes

Material und Methode

Papier: weißes Papier (oder geringfügig chamois), leicht matte Oberflaeche (DIN A4, 80g-Papier; [Schreibmaschinenpapier ­ 40 bis 60g ist zu dünn]); Zeichenkarton aus einem Zeichenblock ist sehr gut geeignet

Bleistift: 2B ( dieser relativ weiche Bleistifttyp ergibt besonders hohen Kontrast; wichtig ist jedoch, daß er ständig extrem fein angespitzt wird.
Da mit geringem Andruck gezeichnet wird, können leichte Fehler durch vorsichtiges Radieren korrigiert werden. Vorzeichnen der Konturen (gerade sichtbar), gefolgt von den eigentlichen Strichen macht in den meisten Fällen das (intensive) Radieren überflüssig.

Unterlage beim Zeichnen: glatte, saubere Unterlage.
Die Zeichenblaetter sollten nach Beendigung der Arbeiten faltenfrei sein und bleiben. Deshalb sollten sie in einer stabilen Mappe aufbewahrt werden. Bereits gezeichnete Bereiche sollten mit einem Blatt abgedeckt werden, wenn die Gefahr besteht, dass mit der Hand diese Zonen bei der Vervollstaendigung der Zeichnung verwischt werden koennten.

Verschiedene Zeichentechniken

a)Strichzeichnungen: besonders geeignet für histologische Schnitte (Wichtig!!Auswahl mit Thumbnails im Acrobat Reader Dokument Ascaris Helix); aber auch für die Darstellung von Bewegungsablaeufen (z.B. Bewegung von Amoeben oder disaggregierten Amphibienzellen). Die saubere Darstellung der Umrisse vieler Objekte reicht in den meisten Fällen aus. In der Botanik wird meist verlangt, daß die nicht sichtbare Mittellamelle ebenfalls eingezeichnet wird Cucumis). Daphnia

b)Dreidimensionale Darstellung botanischer oder zoologischer Objekte: Mit Hilfe von vielen einzelnen Punkten wird ein Raster erzeugt, das einen 3-dimensionalen Eindruck (Halbton-Graustufentechnik) vermittelt. Bevor die Fotografie in die Wissenschaft Einzug gehalten hatte, wandte man diese Technik haeufig an, weil sie als Druckvorlage besonders geeignet war (Ascomycetes).

c) Schattierungstechnik: Diese Technik sollte nur angewandt werden, wenn sie einwandfrei beherrscht wird. Sie ist für die Darstellung dreidimensionaler Objekte geeignet ( Seestern (total), Seestern (Armquerschnitt,) Foraminifera). Schattierungen sollten jedoch nicht als eine Methode zum Ausfüllen von Flächen verwandt werden. Diese "Schmiertechnik" ­ manchmal mit dem Finger nachgeholfen ­ ergibt sehr unbefriedigende Ergebnisse.

Haeufig ist es sehr nuetzlich oder sogar notwendig, eine Gesamtansicht des Objektes zu zeichnen (Rhodophyceae). Dabei muß nicht jedes Detail abgebildet werden. Wichtige Bereiche koennen mit einem Kreis oder Rechteck umrandet werden und dann in hoeherer Vergroeßerung detailgenau dargestellt werden. Damit entfaellt die scheinbare Notwendigkeit groeßere Flaechen mit der Schmiertechnik auszufuellen. Selbst in der Detailzeichnung müssen nicht alle Bereiche vollstaendig gezeichnet werden, wenn es sich dabei nur um Wiederholungen der schon sichtbaren Zonen handeln und sich folglich keine zusaetzlichen Informationen ergeben wuerden.

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