Industriedenkmäler
Zeche
Zollverein -
Schacht XII
|
Die
Geschichte
Geschichtliche
Entwicklung der Zeche Zollverein
Der
Industrielle Franz Haniel (1779-1868), Gründer der Zeche Zollverein,
war zunächst
Teilhaber der Eisenhütten in Oberhausen, Betreiber einer Werft für
Schiffe aus eisernen Rümpfen, Kohlehändler und Mitglied einer
Bohrgesellschaft, deren Mitglieder ihre 14 Felder zu einem großen
zusammenhängenden Grubenfeld koordinierten. Der Name Zollverein lehnt
sich an die von den deutschen Kleinstaaten auf zwischenstaatlicher Ebene
gebildeten Zollvereinigungen an, deren Ziel es war, durch allgemeingültige
Maße und Gewichte den Handel zwischen den Staaten zu erleichtern.
Im Jahre 1847 kaufte
Haniel alle Anteile von den übrigen Mitgliedern der Bohrgesellschaft
auf. Der direkte Anschluss
an die Köln-Mindener Bahnlinie gab den Ausschlag für Haniel,
hier mit dem Bau eines Bergwerkes
Zeche Zollverein zu beginnen; Zollverein war damals die nördlichste
aller Zechen im Ruhrgebiet.
Die Abteufung
der Schächte 1/2 erfolgte 1848, der Verkauf der Kohle begann 1851.
Da man sich mit dem Abbau der Kohle immer weiter von der Schachtanlage
1/2 entfernte, entschied man sich für die Abteufung weiterer Schächte.
1882 begann man mit der Kohleförderung auf der Schachtanlage 3/7/10
- die Nummerierung der Schächte erfolgte in der zeitlichen Abfolge
ihrer Errichtung auf dem Grubenfeld - , im südöstlichen Gebiet
des Grubenfeldes. Im Jahre 1891 begannen die Bauarbeiten zur Schachtanlage
4/11 am nordöstlichen Rand des Grubenfeldes. Im südwestlichen
Teil wurde 1897 die Schachtanlage 6/9 in Betrieb genommen.
Zu Beginn
des Ersten Weltkrieges arbeitete jede der vier Schachtanlagen selbstständig.
Bei Kriegsende waren diese Anlagen jedoch völlig veraltet und es
standen umfangreiche Investitionen an. Daher gingen die Erben Haniel 1920
eine Interessengemeinschaft mit dem Stahlkonzern "Phönix AG
für Bergbau und Hüttenbetrieb" ein, ab 1926 wurde die Zeche
Zollverein in die "Vereinigten Stahlwerke AG" eingegliedert.
Im Rahmen der Dezentralisierung erhielt die Bergbauabteilung der "Vereinigten
Stahlwerke AG" 1933 den Namen "Gelsenkirchener Bergwerks AG"
(GBAG). Neben Zollverein gehörten die Zechen Graf Moltke, Nordstern
Pluto, Pluto, Bonifaccius, Holland und Vereinigte Rheinelbe einer der
vier regionalen Gruppen an. Die Neuordnung nach dem Krieg fasste diese
dann 1953 zur "Rheinelbe Bergbau AG" zusammen. 1968 wurde Zollverein
von der neugegründeten Ruhrkohle AG (heute RAG AG) übernommen.
1929
wurde die Förderung auf Schacht 6/9 eingestellt, die Kohle wurde
über Schacht 1/2 zutage gefördert. Ab 1932 wurde dann die Kohle
aller Schachtanlagen auf Zollverein über die neue Schachtanlage 12
zutage gefördert. 
Chronik
des Schachts XII
Bereits
Anfang der 1920er Jahre entstand die Idee für eine zentrale Förderanlage,
die auch die Aufbereitung, Kraftwirtschaft und Werkstätten vereinigen
sollte. Die erforderlichen Baukosten überstiegen jedoch die Möglichkeiten
der Phoenix AG. Man beschränkte sich auf die Modernisierung von Schacht
11. Erst die Übernahme der Gesamtanlage Zollverein durch die Vereinigte
Stahlwerke AG ermöglichte die Realisierung eines Zentralförderschachts
mit Doppelförderung. Mit der Planung wurden die Architektengemeinschaft
Schupp/Kremmer beauftragt.
Die angestrebte
Fördermenge von 12000 Tonnen pro Tag stellte damals eine aufsehenerregende
Leistung dar. Die durchschnittliche Tagesleistung der Ruhrgebietszechen
lag zu dieser Zeit bei nur 2500 Tonnen . Mit Schacht 12 nahm 1932 die
erste Verbundanlage im Revier ihren Betrieb auf und war damit zur damals
größten Zeche des Ruhrgebiets gewachsen. Die Kohle aller Schachtanlagen
wurde seitdem auf Zollverein ausschließlich über die neue Schachtanlage
12 zutage gefördert. Die Zusammenfassung der Förderung auf der
12. Sohle (610 m) bedeutete eine enorme Rationalisierung des Untertagebetriebes.
Von einer autonomen Stromerzeugung wurde bei Zollverein abgesehen.
Bis Mitte
der 50er Jahre blieb der Zustand der Zentralanlage nahezu unverändert.
1955 wurden umfangreiche Anpassungen bei der Kohlenwäsche erforderlich,
da der Bergeanteil sich durch den maschinellen Abbau erhöht hatte.
Ende
der 50er Jahre wurde zeitgleich mit der Umstellung der Förderung
auf die 13. Sohle (750 m) zunächst die südliche Gestellförderung
auf Skipförderung umgestellt. Das Fördergerüst musste mit
200 Tonnen Stahl verstärkt werden, um die erhöhte Betriebslast
aufzunehmen. Auch diese Maßnahme wurde durch den Architekten Schupp
begleitet, so dass die zusätzliche Verstärkung die ästhetische
Wirkung des Gerüsts nicht stört.
1966 wurde
die nördliche Förderung im Schacht 12 zum Umbau auf Skips vorübergehend
eingestellt. 1967 wurde der Schacht auf die 14. Sohle (1040 m) tiefergeteuft
und die nördliche Förderung wieder in Betrieb genommen. 1974
erfolgte der Verbund mit der Zeche Holland in Bochum-Wattenscheid. Der
Verbund mit der Zeche Nordstern in Gelsenkirchen folgte 1983. Der Abbau
in den Feldern Zollverein 1/2, 4/11 und 6/9 war zuvor eingestellt worden.
Am 23.12.1986
wurde die Förderung auf Zeche Zollverein eingestellt. Damit ging
die Ära des Bergbaus für die Stadt Essen, die einstmals größte
Kohlenstadt Europas war, zu Ende. Die Felder der ehemaligen Zeche Nordstern
wurden später an die Zeche Consolidation angeschlossen. Der Schacht
12 dient weiterhin der Wasserhaltung. 
Die Entwicklung
des Umfeldes
Der Bau der
Köln-Mindener Eisenbahnstrecke und der Beginn der Kohleförderung
hatte weitreichende Auswirkungen auf das Leben am südlichen Rand
der Emscher. Auf dem ungefähr 13 km2 großen Grubenfeld wohnten
damals um die 500 Menschen, rechnet man die Dörfer Katernberg, Stoppenberg
und Schonnebeck hinzu, waren es knapp 1200. Sie lebten als Bauern, hielten
Kühe und Schweine und bestellten die Felder. 1929 wurden die drei
Dörfer in die Großstadt Essen eingemeindet.
Mit Gründung
der Zeche Zollverein begann die Wandlung dieses Raumes. Die wirtschaftliche
Nutzung der Zeche machte den Bau mehrerer Schächte, Schachtanlagen
und Schachtgebäude notwendig. Hinzu kam die Werkseisenbahn, die Kokereien
und Halden. Für die dort angesiedelten Arbeiter und ihre Familien
wurden Siedlungen, Kindergärten, Schulen, ein Krankenhaus, Kirchen,
Friedhöfe und eine Reihe von Konsumanstalten vom Bergwerk gebaut
oder finanziert.
Ab 1859 begann
der Bau von Bergarbeiterwohnungen um den vorwiegend aus Ostpreußen,
Pommern, Mecklenburg und Schlesien stammenden Arbeitern und ihren Familien
den Wechsel in diese Region zu vereinfachen. Die Häuser prägen
bis heute noch etliche Straßenbilder. Sie waren eingeschossig mit
ausgebauten Dachstuhl und unterkellert, hatten vier Wohnungen von 50 bis
60 m¾ mit jeweils separatem Eingang von außen. Hinter den Häusern
befanden sich Schuppen, in denen die Toiletten und Tiere untergebracht
waren. Zusätzlich gehörte zu jeder Wohnung ein 500 bis 600 m2
großer Garten, dies ermöglichte den Mietern eine fast vollständige
Selbstversorgung.
Das Mietrecht
war gekoppelt an den Arbeitsvertrag, so dass ein Wechsel der Zeche automatisch
den Verlust der Wohnung nach sich zog. Dadurch versuchte die Zeche der
damals hohen Fluktuation entgegenzuwirken und eine bodenständige
und qualifizierte Belegschaft zu bekommen. Mit der Neuordnung der Vereinigten
Stahlwerke 1933 gingen die meisten Wohnungen in Besitz von Wohnungsgesellschaften
über; von nun an übernahmen diese den Wohnungsbau für die
Zechen, das Belegungsrecht blieb aber weiterhin der Zeche vorbehalten.
So obliegt die Vermietung der Bergarbeiterwohnungen auch heute noch den
Wohnungsbaugesellschaften, in diesem Gebiet vor allem der Veba Immobilien
Wohnpartner GmbH.
Als einziger
Arbeitgeber prägte die Zeche Zollverein das Leben der Menschen in
dieser Gegend. So wurde aus dem ehemals ländlichen Raum ein dicht
besiedeltes städtisches Gebiet mit heute nahezu 50 000 Einwohnern.

Der
Wandel
Die
Zeche Zollverein ist 1986 in den Kreis der denkmalgeschützten Industrieanlagen
aufgenommen worden. Schon lange zuvor hatte dieses Ensemble die Aufmerksamkeit
der Landeskonservatoren auf sich gezogen. Ihr Eintrag in die Liste der
Weltkulturerben steht unmittelbar bevor. Der Eintrag beschränkt sich
zu recht nicht auf Schacht 12, sondern auf die "Kulturlandschaft
Zollverein".
Die Bedeutung
für die Architekturgeschichte
Verschiedene
Faktoren begünstigten die konsequente Umsetzung der von Schupp/Kremmer
entwickelten funktionalen Formensprache, die später in dieser Reinheit
und Perfektion nicht wieder erreicht wurde. Zollverein blieb die Referenz
für alle folgenden Variationen des hier gefundenen architektonischen
Themas. Nach den Gesamtplanungen der Kokereien Alma und Nordstern war
Schacht 12 die erste Gesamtplanung einer Zechenanlage der Architektengemeinschaft.
Durch die Neuplanung der Zentralschachtanlage und Mitarbeit an der Planung
von Beginn an fanden sie günstige Vorraussetzungen vor.
Von der bei
Erweiterungsbauten erforderlichen Rücksichtnahme auf den Bestand
waren sie bei Zollverein entbunden. Das für Bauprogramm umfasste
ausschließlich technische Anlagen und ermöglichte dadurch das
einheitliche Erscheinungsbild. Da Sozial- und Verwaltungsgebäude
nicht benötigt wurden, trat der teilweise Widerspruch in der Architektur
nicht zu Tage. Anhand von Skizzen zu freien Projekten lässt sich
nachvollziehen, dass Schupp/Kremmer auch für diese Gebäudegattung
eine moderne kubistische Lösung vorsahen. Die konservativ-patriarchalische
Einstellung der Auftraggeber ließ die Umsetzung dieser Vorstellungen
jedoch nicht zu. Bei der später gebauten Zeche Germania war dieser
Zwiespalt deutlich ablesbar. Auf Schacht 12 erübrigte sich durch
die glücklichen Umstände diese zweigleisige Architektur.
Das ästhetisch
durchgestaltete Doppelbockgerüst war das erste dieser Art und Prototyp
einer ganzen Generation. Die vorgehängten Fassaden mit gerastertem
Stahlfachwerk prägten mehrere Jahrzehnte lang das markante Bild der
Bergbauarchitektur. Mittlerweile ist das Stahlfachwerk durch andere Baustoffe
abgelöst worden. Das damals innovative Bauprinzip der vorgehängten
Fassaden behält nach wie vor seine absolute Gültigkeit. Durch
nur geringfügigen Änderungen im Erscheinungsbild dieser Zechenanlage
und insbesondere durch die Vollständigkeit des historischen Gebäudebestandes
ist Zollverein hervorragend geeignet ihren Status als Meilenstein der
Architekturgeschichte auch heute noch zu demonstrieren.
Bedeutung
für die Technikgeschichte
Der Aspekt
Technik umfasst zahlreiche bautechnische und montantechnologische Innovationen
die bei Schacht 12 zur Geltung kamen. Beim
Bau wurden Verfahren entwickelt, die später allgemein üblich
geworden sind. Die strikte Trennung von Primär- und Sekundärkonstruktion
die Schupp/Kremmer war richtungsweisend. Bei ihrer Entstehung galt die
Gesamtanlage Zollverein als größte Schweißkonstruktion
in Europa. Diese Superlative bezog sich auf die 2200 Tonnen von insgesamt
7700 Tonnen Stahl, die hauptsächlich beim Bau der Hallen miteinander
verschweißt worden waren . Die damals bestehenden Bedenken gegenüber
der noch jungen Entwicklung der Schweißtechnik verhinderten die
Anwendung bei der Konstruktion des Fördergerüsts. So wurde das
Gerüst wegen der großen dynamischen Belastung als Nietkonstruktion
ausgeführt.
Für
den Bereich der Montantechnologie war die tägliche Förderleistung
von 12000 Tonnen Kohle, die mehr als die Verdoppelung der damaligen Bestleistung
darstellte. Erst Mitte des letzten Jahrhunderts wurde Fördermengen
in dieser Größenordnung allgemein üblich. Die Doppelförderung
mit jeweils viergeschossigen Fördergestellen und die Einrichtung
zweier übereinanderliegender Beschickungsbühnen über und
unter Tage machte diese enorme Leistung möglich. Auch der kontinuierliche
Wagenumlauf mit den Kopfwippern war ein perfekt ausgeklügeltes System.
Erstmalig
wurden Elektrofilter eingesetzt um Kohlenstaub aus der Luft zu filtern.
Das sorgte in einigen Bereichen für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen
und bewirkte eine Steigerung der Produktivität durch die Rückgewinnung.
Von
dem Anschluss an das Stromnetz erhoffte man sich eine höhere Wirtschaftlichkeit,
so dass auf eine eigene Stromerzeugung verzichtet wurde. Allgemein üblich
war zur Bauzeit noch die Erzeugung des Stroms mit Dampfturbinen, die aus
dem Kesselhaus gespeist wurden. Das Kesselhaus von Zollverein speiste
ausschließlich die Kompressoren zur Drucklufterzeugung. Die Turbokompressoren
waren damals Spitzenleitungen des Maschinenbaus.
Bedeutung
für die Wirtschaftsgeschichte
Bei einer
auf Schacht 12 begrenzten Betrachtung bildet sich die Rationalisierung
als ökonomisches Programm durch die gesamte Konzeption der Anlage
heraus. Die Übernahme durch die kapitalkräftige Vereinigte Stahlwerke
AG schuf den nötigen finanziellen Rahmen für die Realisierung.
Derweil stellte schon die Organisation der Vereinigte Stahlwerke AG den
Inbegriff der Rationalisierung an sich dar. Als größter Montankonzern
des Kontinents kontrollierten die Vereinigte Stahlwerke AG 41 Schachtanlagen
im Ruhrgebiet. Die Rationalisierungsbestrebungen ließen die Zahl
innerhalb von vier Jahren auf 32 schrumpfen.
Die Verbundförderung
unter Tage und die Konzentration der Förderung auf nur einen Schacht
war ein Schritt in eine Richtung, der die weitere Organisation des Bergbaus
bis heute bestimmt hat. Das Bestreben eine maximale Wirtschaftlichkeit
zu erzielen war an sämtlichen Tagesanlagen auf Schacht 12 und deren
technischer Ausstattung, sowie der Organisation der Funktionsabläufe
deutlich geworden. Auch
die Namensgebung "Zollverein" durch Franz Haniel bei Gründung
der Zeche 1848 ist eine - wenn auch nur gedankliche - Anlehnung an einen
bedeutenden Schritt in der wirtschaftsgeschichtlichen Entwicklung.
Die Gründung
einer Freihandelszone unter dieser Bezeichnung im Jahre 1836 war der Grundstein
einer blühenden Entwicklung, die industrielle Größenordnungen
erst tragfähig machte. Für
eine weitere Diskussion ist eine Erweiterung auf die gesamte Entwicklung
von Zollverein erforderlich, die hier nicht ausführlich behandelt
werden soll. Angemerkt sei aber, dass hier die ausgedehnte Zeitspanne
der geschichtlichen Entwicklung und auch die Nebengewinnung durch den
Neubau der Kokerei Zollverein wesentliche Argumente liefern, die zum Teil
den Erhalt der weiteren Zollvereinsanlagen begründen.
Die sozial-
und ortsgeschichtliche Bedeutung
Bei
der Untersuchung sozial- oder ortsgeschichtlicher Aspekte bleibt bei der
isolierten Betrachtung der Zeche eine deutliche Lücke. Das Merkmal
der Orientierung ist sicherlich erfüllt. Weitere Merkmale liegen
zwar vor, können aber nicht in größeren Zusammenhang gebracht
werden. Da es sich bei Schacht 12 ausschließlich um technische Anlagen
handelt, fehlen dort wesentliche bergbautypische Einrichtungen. Erst bei
einer Erweiterung auf die "Kulturlandschaft Zollverein" können
alle Belange der Denkmalpflege genügend dokumentiert werden.
Die "Kulturlandschaft
Zollverein" die alle (noch vorhandenen) Schachtanlagen, die Kokerei,
die Bergehalden, die Zechensiedlungen und alle durch den Bergbau errichteten
Profanbauten. Der bedeutende Einfluss auf die siedlungsstrukturelle und
soziokulturelle Entwicklung von Katernberg bleibt damit nachvollziehbar.
Erst durch diese eigentlich zwingende Erweiterung erhebt Zollverein über
den Rang eines nationalen Denkmals hinaus. Der Erhaltungszustand und die
relative Vollständigkeit der Bauten ist wahrscheinlich einmalig.
Der Erhalt dieser Kulturlandschaft, mit dem Wissen das sie trägt,
liegt im objektiven öffentlichen Interesse.
Bauhütte
Zeche Zollverein Schacht XII GmbH
Mit der
Stilllegung der Zeche Zollverein Schacht XII am 23. Dezember 1986 kaufte
die LandesEntwicklungsGesellschaft (LEG) im Treuhandauftrag des Landes
Nordrhein-Westfalen das Grundstück und Grundstücksteilflächen
mit einer ungefähren Gesamtgröße von 258 730 m¾ von der
Ruhrkohle für 1 Millionen DM. Da die Zeche jedoch am 17. Dezember
1986 unter Denkmalschutz gestellt worden war, konnte die LEG mit dem Gelände
nicht so verfahren, wie es bis dahin der Fall gewesen war.
Bis zu diesem
Zeitpunkt war der Abriss der Gebäude, die Sanierung / Abtragung der
verseuchten Bodenfläche, Aufbereitung des Geländes für
spätere Bebauung und der Verkauf üblich. Im Fall der Zeche Zollverein
Schacht XII musste man nun von Seiten der LEG ein neues Konzept für
die Nutzung des Areals vorlegen. Dies geschah in Zusammenarbeit mit der
Stadt Essen.
Bei den Überlegungen
zur Nutzungsplanung spielte die räumlichen Nähe zur bereits
stillgelegten und als Jugend- und Kulturzentrum umgenutzten Zeche Carl
in Altenessen insofern eine Rolle, als dass eine Nutzung in diesem Bereich
ausschied. Man entschied sich, auch auf dem Hintergrund der Ausstellung
von Ulrich Rückriem zur documenta IX , die große Beachtung
fand, für ein Zentrum für Kultur, Design & Industriegeschichte.
Am 22. September
1989 gründeten die LEG und die Stadt Essen die Bauhütte Zeche
Zollverein Schacht XII GmbH. Diese wurde mit der Erhaltung der Anlagen
sowie der Planung und Organisation der Neunutzung beauftragt. Bei der
Restaurierung ging es neben dem Erhalt der Gebäude auch um Teile
des Maschinenparks, die in die umgenutzten Hallen integriert werden mussten.
Von Beginn an stand fest, dass mit dem Ende der Internationalen Bauausstellung
(IBA) Emscher Park auch die Bauhütte zum 31.12.1999 aufgelöst
würde.
Stiftung
Zeche Zollverein Schacht XII
Um
weiterhin eine kontinuierliche Arbeit zu gewährleisten, wurde schon
frühzeitig über die Zeit nach der Auflösung der Bauhütte
nachgedacht. Nach
einer ungefähr 5jährigen Vorbereitungszeit erfolgte am 12. November
1998 die Gründung der Stiftung Zollverein Schacht XII (im folgenden
verkürzt Stiftung Zollverein genannt) durch die Stadt Essen und das
Land Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur
und Sport). Die Stiftung Zollverein wurde mit einem Stiftungskapital in
Höhe von 2 Millionen DM ausgestattet, zu dem Land und Stadt je 1
Million DM beisteuerten.
Die Stiftung
Zollverein besteht aus zwei Organen, dem Kuratorium und dem Vorstand.
Das Kuratorium setzt sich aus 15 Persönlichkeiten der Bereiche Politik,
Kultur und Wirtschaft zusammen, die von der Stadt Essen und dem Land NRW
ausgewählt wurden. Im vierköpfigen Vorstand, dem sogenannten
Arbeitsgremium, treffen jeweils zwei Vertreter der Stifter zu fünf
bis sechs Sitzungen im Jahr zusammen. Die Mitglieder der Stiftungsorgane
arbeiten ehrenamtlich,
für die Umsetzung ihrer Beschlüsse ist die hauptamtliche Geschäftsführung
zuständig. Zur Zeit sind bei der Stiftung 5 Personen mit befristeten
Verträgen beschäftigt. Wenn das Stiftungskapital durch Zustiftungen
auf 20 Millionen DM angewachsen ist, wird die Zeche Zollverein Schacht
XII von der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) an die Stiftung Zollverein
übereignet.
Gemäß
dem Stiftungsgesetz des Landes NRW muss die Stiftung Zollverein einen
Stiftungszweck aufweisen. Dieser ist in der Stiftungssatzung zusammen
mit den Maßnahmen festgehalten, durch welche der Stiftungszweck
verwirklicht werden soll und durch die sich die Aufgaben der Stiftung
für die Zeche Zollverein ergeben:
- Errichtung
und Unterhaltung eines Denkmalpfades und Veranstaltung industriegeschichtlicher
Führungen, um die industrielle und architektonische Bedeutung
des ehemals größten Bergwerks des Ruhrgebiets zu veranschaulichen
- Förderung
und Durchführung z.B. von kulturellen und anderen Veranstaltungen,
welche die neue Nutzung der ehemaligen Zeche öffentlich bekannt
machen
- Förderung
der Lehre und Forschung einschließlich der Vergabe von Stipendien
- Um ihrer
Aufgabe gerecht zu werden, auf Dauer für den Erhalt des Denkmals
zu sorgen, muss die Stiftung Zollverein aktiv um Zustiftungen werben.
Bis zur Übereignung hat die LEG einen Dienstleistungsvertrag mit
der Stiftung Zollverein abgeschlossen. In diesem Rahmen ist die Stiftung
Zollverein für die temporäre Vermietung der Veranstaltungshallen
5 und 2 zuständig, für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
(z.B. die Erstellung des Programmheftes) sowie die Moderation der Nutzer,
d.h. die Einberufung und Leitung der Nutzerkonferenz, welche im Rhythmus
von 4-6 Wochen stattfindet.
- Mit der
Auflösung der Bauhütte Zollverein hat die Stiftung die weitere
Sanierung und Restaurierung der Fassade des Förderturms sowie der
Halle 4 und Halle 8 übernommen. Des
weiteren richtet die Stiftung Zollverein selber Konzerte und Ausstelllungen
aus und akquiriert Kulturveranstaltungen. Darüber
hinaus ist sie in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband und dem
Rheinischen Industriemuseum Betreiberin des Museums Zollverein. Um den
Tourismus weiter zu entwickeln unterhält sie das Besucherzentrum
als Ankerpunkt der Route der Industriekultur in Kooperation mit dem
Kommunalverband Ruhr (KVR).
Einmal
im Jahr veranstaltet die Stiftung Zollverein vor allem für die
Nachbarn und ehemaligen Bergleute das Zechenfest mit kostenlosen Museumsführungen.
Letztes Jahr kamen dazu ca. 40000 Besucher, nicht nur aus Essen, sondern
aus dem ganzen Revier. In Zukunft, bei entsprechendem Kapital, ist zur
Förderung der Lehre und Forschung die Vergabe von Stipendien im
Bereich Industriegeschichte, Marketing und Kommunikation geplant.

-
Die
Nutzung heute
Das neue
Nutzungskonzept der Zeche Zollverein Schacht XII
1991 wurde
eine Projektgruppe, bestehend aus Mitgliedern der Stadtverwaltung der
Stadt Essen, der Bauhütte Zeche Zollverein, der Essener Wirtschaftsförderung
und der LEG damit beauftragt, ein Entwicklungskonzept zu erstellen. Diese
Gruppe entwickelte innerhalb eines Jahres ein vielschichtiges Nutzungskonzept
für die Zeche Zollverein. Unter den Umnutzungsprojekten nahm es aufgrund
seiner Größe eine Vorreiterrolle unter den Projekten der Region
ein.
Das Projekt
Zollverein wurde als Vorzeigeprojekt in das IBA-Programm aufgenommen.
Zum einen könnte, laut IBA, diese Umwandlung eines Industriekolosses
und der Brachen zur Entwicklung eines Modells für derartige Umnutzungen
beitragen. Zum anderen könnten anhand dieses Projekts neuartige Planungs-
und Organisationsverfahren erprobt werden. Die Arbeit an der Umnutzung
sollte auch sozialpolitisch wirksam sein.
Die Idee
war es, Langzeitarbeitslose umzuschulen und sie anschließend in
den Arbeitsprozess der Sanierungsarbeiten zu integrieren Die Projektgruppe
erstellt ein Entwicklungsleitbild für Zollverein, bei dem man sich
an den Leitzielen der IBA Emscher-Park orientierte. Den
Kern des Entwicklungsleitbildes bildete das Design Zentrum, das als Mittler
zwischen Industrie, Designern und der Öffentlichkeit fungieren sollte.
Die internationalen Wettweberbe und Kongresse von internationaler Bedeutung
sollen eine Fachwelt auf Zollverein zusammenbringen. Dieses Umfeld sollte
dann zukunftsträchtige gewerbliche Betriebe aus dem Bereich Design
veranlassen sich ebenfalls hier anzusiedeln und damit neue Arbeitsplätze
entstehen zu lassen.
Die
geschichtliche Dimension des Industriebauwerks sollte mit der Einrichtung
eines Denkmalpfades berücksichtigt werden. Zur Integration von der
Zeche Zollverein in die Stadtteile sollte ein sozio-kulturelles Bürgerzentrum
beitragen. Das
von der Projektgruppe vorgelegte "Entwicklungskonzept Zeche Zollverein
Schacht XII" wurde am 30.06.1993 vom Rat der Stadt Essen verabschiedet.
Das
neue Nutzungskonzept sah für die Zeche Zollverein dabei drei Stufen
der Erhaltung vor:
- das Grundprinzip,
nichts ohne Notwendigkeit abzureißen
- das Grundprinzip
des sinnvollen Umbaus
- die Stufe
des Indianerreservats
Umbau und
Sanierung der Zeche Zollverein Schacht XII
Seit 1989
sind die Essener Architekten Heinrich Böll und Hans Krabel mit der
Sanierung und Umnutzung der Schachtanlage Zollverein Schacht XII beauftragt.
In dem noch andauernden Prozess wurden bisher die Elektrowerkstatt, die
mechanische Werkstatt, das Kesselhaus, die Kompressoren, das Lager, die
Wipper- und Lesebandhalle und das Schalthaus einer neuen Nutzung zugeführt.
Für die entsprechenden Umgestaltung erhielten sie den Constructec-Preis
1998. Dieser Preis wurde damit erstmalig für die Umnutzung einer
Industriebrache vergeben. Eine
ausführliche Begutachtung diente der Feststellung der Bauschäden
und der Abwägung neuer Nutzungsmöglichkeiten. Die von Schupp/Kremmer
weitsichtig geplante Gebäudestruktur, mit einer großen Neutralität
der tragenden Konstruktion, bewies eine "hohe Anpassungsfähigkeit
an nahezu jede Nutzung".
Architektur
Die
neu hinzugefügten Elemente sind der Erweiterungsbau auf der Ostseite
des Kesselhauses, die Heizzentrale an das Medienzentrum an der Position
der ehemaligen Kühltürme, sowie außenliegende Treppen
und Aufzüge. Die
Erweiterungsbauten östlich des Kesselhauses sind durchweg modern
und ästhetisch gestaltet. Für die Fassaden kamen die Materialien
Glas und Aluminium zur Verwendung. Durch die Alupaneele und die längsrechteckig
unterteilten Fensterbänder wird die Horizontale betont. Die drei
dort errichteten Baukörper wirken untereinander nicht so zusammengebunden
wie die Gebäude des historischen Bestands.
Das
von Böll/Krabel angewandte Konzept verfolgte die Absicht, "mit
der vorgefunden Architektur behutsam umzugehen, nicht mit ihr zu konkurrieren,
sondern einfache Lösungen zu suchen". Die Erhaltung der wichtigsten
maschinellen Einrichtung sollte bei der Umgestaltung für Nutzungen
Berücksichtigung finden. Des weiteren sollten alte Standorte mit
neuen Funktionen besetzt werden. Ebenfalls galt das allgemein Anerkannte
Prinzip, dass jede bauliche Erweiterung sollte stets als Element ihrer
ablesbar sein.
Der Grundsatz
"Nichts ohne Notwendigkeit abzureißen" wurde während
der gesamten Bauphase vorbildlich befolgt. Bei der maschinellen Ausstattung
einigte man sich auf den Kompromiss, bei mehrfach vorhandenen ähnlichen
Maschinen jeweils ein Stück als Zeuge der Technikgeschichte zu erhalten.
Die Ablesbarkeit der Erweiterungen ist schon durch die Materialwahl gewährleistet,
so dass auch der zweite Grundsatz genügende Berücksichtigung
fand. Eine Ausnahme bildet hier aber das neugebaute Treppenhaus an der
Nordseite der Lesebandhalle. Seine äußere Hülle besteht
aus in Stahlrahmen eingesetztes Drahtglas. Die Teilung ist identisch mit
dem historischem Bestand und auch die Farbe der Rahmen lehnt sich an das
Original an. "Auf den ersten Blick könnte man es dem Bestand
zuordnen", schrieb Böll darüber. Auf den zweiten Blick
stellt man fest, dass die Fenstersprossen um 90 Grad gedreht sind. Ob
dieser kleine Unterschied die Ablesbarkeit für den Betrachter genügend
gewährleistet ist fraglich.
Bei anderen
Treppen haben Böll/Krabel diese Bauweise nicht wiederholt. Die Verwendung
von verzinkten Stahlprofilen und freiliegenden Treppenläufen sind
ein geeigneteres Mittel. Die Profile und die Konstruktion greifen das
Erscheinungsbild der auf dem Gelände vorhandenen Rohrstützen
auf. Durch die Verzinkung unterscheiden sie sich dennoch deutlich sichtbar,
und sind so direkt als Erweiterung zu erkennen.
Bautechnik
Für
die Erhaltung der historischen Fassaden mussten bautechnische Lösungen
entwickelt werden. Dazu wird innenseitig ein System aus horizontalen Hilfsriegeln
zwischen den Portalrahmen montiert. In vertikaler Richtung werden gelochte
Flacheisen über die Riegel gespannt, die mit der Fassade verschraubt
werden. Die Pfosten und Riegel an den Fenster- und Türöffnungen
werden vollständig saniert, da sie ihre statische Funktion beibehalten.
Alle anderen Fassadenprofile werden nur an den Sichtflächen entrostet
und neu beschichtet. Die zur Sicherung der Fassade entwickelte Bauweise
erinnert in etwa an ein zweischaliges Mauerwerk - mit dem Unterschied,
dass es hier quasi rückwirkend konstruiert wird. Diese Methode ermöglicht
nun eine freie Gestaltung der raumseitigen Wand, die somit an die neuen
Anforderungen (z.B. Wärmedämmung) angepasst werden kann.
Die
Wärmedämmung und Abdichtung der Dächer wird außenseitig
bewerkstelligt. Da es in den Dächern der Gebäude keine Lichtöffnungen
gab, war dies konstruktiv gut möglich. Die tragende, stählerne
Konstruktion des Daches bleibt dadurch von innen weiterhin sichtbar.
Für
Gebäude, die Vollwärmeschutz erfordern, wurde unter anderem
eine Kastenfensterkonstruktion entworfen. Die Rahmen der inneren Fensterebene
entsprechen den gleichen Profilmaßen, wie bei der historischen äußeren
Kastenfensterebene. Für die Verglasung der inneren Ebene wird Isolierglas
verwendet. Bewegliche Fensterflügel wurden mit unauffälligen
Magnetverschlüssen versehen. Bei Gebäuden mit geringeren Anforderungen
an die Beheizbarkeit, wurde auf eine zweite Kastenfensterebene verzichtet.
Gebäude
der Zeche Zollverein Schacht XII
Halle 1:
Schachthalle, Fördergerüst; Halle 11: Fördermaschine Nord
Restnutzung durch die RAG
Die
auf Zollverein verbliebene und auch langfristig noch betriebene Wasserhaltung
nimmt den vorderen Teil der Schachthalle, das Fördergerüst und
das nördliche Fördermaschinenhaus in Anspruch. Das Gelände
unmittelbar um das Gerüst ist umzäuntes Betriebsgelände
der RAG. Von der ehemals "verbotenen Stadt" ist inmitten des
Areals eine kleine "verbotene Insel" geblieben. Es wäre
wünschenswert zumindest die Fläche südlich der Schachthalle
für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Halle 2:
Schalthaus
Die
Sanierung der Halle 2 wurde im Rahmen der ersten Renovierungsphase 1993
abgeschlossen. Das ehemalige Schalthaus wurde zu einem Bürogebäude
umfunktioniert. Damit bekam auch die mit der Realisierung der Umnutzung
beauftragte Bauhütte Zeche Zollverein ihre Büroräume im
vom Ehrenhof abgewandten Teil des Gebäudes. Im Erdgeschoss unter
den Stahlbetonböcken der Umformer findet man Arbeitsplätze und
einen gläsernen Besprechungsraum vor. Mit der Auflösung werden
die Räumlichkeiten demnächst zur erneuten Vermietung zur Verfügung
stehen.
In weiteren
Räumlichkeiten wurden das Archiv und die Geschichtswerkstatt untergebracht.
Mit der Eröffnung der Route der Industriekultur und der Festlegung
als Ankerpunkt der Route der Industriekultur wurde im Obergeschoss ein
Besucherzentrum eingerichtet. Neben Informationsmaterialien und Prospekten
finden sich hier eine Ausstellung zur Geschichte der Industriekultur.
Halle 5:
Zentralwerkstatt
Diese
Halle beherbergte früher die zentrale Schlosserei, in der die Geräte
repariert wurden. Sie war die erste fertiggestellte Halle auf Zollverein.
Diese, nach ihrer heutigen Funktion benannte, Skulpturenhalle wurde als
erstes von Ulrich Rückriem für einen Zeitraum von 5 Jahren als
Atelier angemietet. Auf große Resonanz stießen seine Arbeiten
im Rahmen der DOCUMENTA IX die er hier zeigte. Es war das erstemal, dass
ein Teil der DOKUMENTA ausgelagert wurde . Die große Zahl der Besucher
zeigte sich auch von dem alten Zechengelände fasziniert. Durch den
denkmalgeschützten, aber noch nutzbaren Lastenkran im Inneren und
den für schwere Lasten ausgelegten Boden ist diese Halle ideal für
schwere, unhandliche Skulpturen.
In
Zusammenarbeit mit der Bauhütte organisiert seitdem die Ausstellunggesellschaft
für zeitgenössische Kunst das Ausstellungsprogramm. Dabei wurde
der Ausstellungszeitraum von 100 Tagen von der Dokumenta übernommen.
An
der Stirnseite der Ausstellungshalle befinden sich Büroräume
über zwei Stockwerke verteilt.
Halle
6: Elektrowerkstatt
Die
ehemalige Elektrowerkstatt wurde zur Ausstellungshalle und zum Depot umgebaut
und erhielt Vollwärmeschutz, der durch obige konstruktive Mittel
gewährleistet wurde. Bei dieser Halle steht nicht nur die Fassade
sondern auch der Grundriss unter Denkmalschutz.Genau
wie in der gegenüberliegenden Halle 5 ist der vordere Teil zweigeschossig
gehalten. Hier befinden sich im Erdgeschoss Büroräume, Toiletten
und Ausstellungsflächen. Das obere Stockwerk beherbergt die Waschkaue
der Steiger und Besucher / Ehrengäste des Schachtes XII. Sie waren
auf dem Gelände die einzigen, die originaltreu erhalten blieben und
deswegen unter Denkmalschutz gestellt wurden. Diese Räumlichkeiten
wurden mit einer Klanginstallation von Rolf Julius ausgestatte.
Die
Ausstellungsgesellschaft für zeitgenössische Kunst Zollverein
mbH zeichnet sich für die Zusammenstellung der temporären Ausstellungen
verantwortlich. Die Gründer dieser Gesellschaft waren der Essener
Galerist Jochen Krüper, der Sammler und Mitinhaber der Wella AG Ulrich
Ströher und Studierende der Universität-GH Essen. Letztere kümmern
sich um den Ablauf des Ausstellungsbetriebes und erhalten so die Möglichkeit,
Einblicke in die organisatorischen Prozesse zu nehmen.
Halle 7:
Kesselhaus
Das
Kesselhaus ist das ehemalige Energiezentrum der Zeche und bildet damit
neben dem Kern des Entwicklungsleitbildes auch das architektonische Herz
der Anlage.Das
von Norman Foster & Partners umgesetzte Konzept sorgt für einen klaren
Kontrast zwischen dem historischen Bestand und der neuen Konstruktion.
Einen der fünf Kessel hat man als Denkmal der Technik seiner Zeit
erhalten. Die anderen hat man einseitig geöffnet und weitgehend entkernt
und statt dessen Ausstellungsflächen eingefügt, die über
Galerien nach dem "Prinzip der Bedienungsbühnen" erschlossen
werden. Durch die gefundene Form der Innenarchitektur ist im zentralen
Kern des Gebäudes noch ein Eindruck des herben Industriecharakters
ablesbar. Der 106 m hohe Schornstein, auf den die Dreiflügelanlage
(Kesselhaus und die rechts und links vorgelagerten Kompressorenhäusern)
axial bezog, wurde 1979 wegen Einsturzgefahr abgerissen. An seiner ehemaligen
Position ist ein Außenaufzug errichtet worden.
In dem umgebauten
Kesselhaus befindet sich seit April 1997 das Design Zentrum NRW mit einer
Ausstellungsfläche von ungefähr 4000 m2 auf 4 Ebenen. Es beherbergt
die Internationale Designausstellung, eine ständige Ausstellung aktuellen
Produktdesigns aus verschieden Bereichen, die sich aus dem Gewinnerprodukten
des jährlich stattfindenden internationalen Wettbewerbs "Design
Innovationen" zusammensetzt. Daneben finden hier auch Sonderausstellungen,
Symposien, Weiterbildungen und Firmenpräsentationen statt.
Im
umgebauten ehemaligen Kohlebunker auf dem Dach des Gebäudes befinden
sich die Büroräume. Obgleich das Design Zentrum sich erst seit
knapp 3 Jahren auf Zollverein befindet, gibt es bereits Platzprobleme.
Es fehlt an Lagerkapazitäten, so dass rückseitig
vier Container aufgestellt wurden und Lagerräume auf Schacht 1/2
angemietet werden mussten.
Halle
9: Niederdruckkompressorenhalle
Diese
Halle beherbergt das sogenannte Casino. Das Niederdruckkompressorenhaus
erhielt einen Erweiterungsbau, in dem Foyer, Verwaltung und Küche
der Gastronomie untergebracht sind. Im Erdgeschoss sind die kolossalen
Stahlbetonböcke der Druckluftkompressoren erhalten geblieben, um
die herum die Sitzgruppen des Restaurants angeordnet sind. In dem darüberliegenden
Veranstaltungssaal findet man die letzte von ursprünglich 3 Kompressoranlagen
hinter einer Umhüllung aus Glas, beleuchtet unter einer Besuchergalerie.
Halle 10:
Werkstatt Nord
Die
Lagerhalle wurde nach dem Haus-im-Haus-Prinzip umgebaut. Das innenliegende
Gebäude wurde als ausgemauertes Stahlbetonskelett ausgeführt.
Der verbliebene Freiraum hinter der Fassade dient als Umgang und Klimapuffer.
Zu Beginn beherbergte dieses Gebäude die von der Essener Arbeit-
u. Beschäftigungsgesellschaft genutztes Werkstatt- und Verwaltungsgebäude.
Das die Essener Arbeit und Beschäftigungsgesellschaft mbH in das
ehemalige Lager einquartiert wurde, hatte wohl eher pragmatische Gründe.
Im Prinzip
hätte eine Einbindung an den Gewerbe- und Handwerkspark naheliegendere
Vorteile. Es ist denkbar, dass die IBA aus diplomatischen Gründen
hier einen weiteren Punkt vorweisen wollte, als (nur) die Bewahrung eines
Industriedenkmals als Kulturgutträger. Die
Zielsetzung, die Wiederherstellung und Sanierung des Denkmals durch die
Beschäftigung und gleichzeitige Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen
zu erreichen, konnte nicht verwirklicht werden. Die dafür gegründete
Essener Arbeitsbeschäftigungsgesellschaft mbH konnte nicht die schnelle
Sanierung verwirklichen; in diesem Rahmen hätte sich die Sanierung
über einen wesentlich längeren Zeitraum, eventuell sogar über
Jahrzehnte, hingezogen.
Halle 12:
Lesebandhalle
Die
Wipper- und Lesebandhalle war ursprünglich im Erdgeschoss offen,
da unter ihr Gleise verliefen, auf denen Güterwaggons von oben mit
Kohle beschickt werden konnten. Nachträglich wurden zweiseitig Wandschürzen
eingefügt, um die Kohlestaubentwicklung bei der Verladung einzudämmen.
Um zusätzliche Flächen für die neuen Nutzungen zu gewinnen
wurden im Erdgeschoss die restlichen Flächen mit Klarglasscheiben
geschlossen. Das Gebäude wird von einer mittig angelegten Erschließungsstraße
durchzogen. Diese Halle lässt sich am besten als multifunktionaler
Raum beschreiben. Hier befinden sich vier Ateliers, die Bürgerbegegnungsstätte
AKRA und die Probebühne der "Theater und Philharmonie GmbH Essen".
Die Halle wurde von der Stadt angemietet um damit eine stadtteilbezogene
Nutzung zu ermöglichen, wie man es bei der Planung der Umnutzung
anstrebte.
Zu
beiden Seiten liegen Werkstätten und Säle, sowie das Empfangsfoyer
für den im Obergeschoss liegenden 900 m2 großen Mehrzwecksaal.
Der Saal ist durch eine Glaswand vom musealen Teil abgetrennt. Ein Mezzaningeschoss
nimmt Künstlergarderoben, Einsingräume und Sanitärräume
auf.
Halle 15:
Kühlturm I, Halle 21: Kühlturm II
Die
Aufbauten der zwei Kühltürme auf Schacht XII der Zeche Zollverein
waren nicht mehr erhalten. Die zwei massiven, achteckigen Kühltassen
waren jedoch noch vorhanden. Die Halle 15 nimmt nun die Heizzentrale für
das gesamte Areal auf.
Museum Zollverein
/ Denkmalpfad
Der
Denkmalpfad ermöglicht es, den Weg der Kohle auf einem Rundgang durch
die Halle 12 (Lesebandhalle), Halle 13 (Bergebunker), Halle 14 (Kohlenwäsche),
Halle 17, (Turm zwischen den Brücken), Halle 18+19 (Wagenumlauf)
nachzuvollziehen.
Nach
der Schließung der Zeche 1986 wurde die Anlage zum ersten mal auch
für die Angehörigen der ehemaligen Bergleute durch Führungen
erlebbar. Dabei konnte man erstmalig sehen und anfassen, worüber
Jahrzehnte lang nur gesprochen wurde. Das große Interesse bestärkte
die Berücksichtigung eines Denkmalpfads bei der Umnutzungsplanung.
Obgleich diese Idee zu einer der ersten über die zukünftige
Nutzung gehörte, scheiterte die Umsetzung lange Jahre an fehlenden
Fördermittel von Seiten der Stadt Essen.
Neben
den technischen Abläufen der Kohleproduktion möchte das Museum
Zollverein den Besucher in diesem Zusammenhang auch die Arbeitsatmosphäre
verdeutlichen, wie z.B. den Lärm, welchem die Arbeiter ausgesetzt
waren.
Die Besichtigung
des Museums sowie die Begehung des Denkmalpfades ist aufgrund der derzeitigen
baulichen Gegebenheiten nur mit Führung möglich. Im Jahre 1999
wurden dazu 27000
Karten verkauft, die Stiftung rechnet aber mit dem 3-5fachen an Besuchern
auf dem Gelände Zeche Zollverein.
Außenanlage,
Industriewald und Skulpturenpark
Um den Besucher
die Orientierung auf dem Gelände zu erleichtern wurde ein Leit- und
Orientierungssystem installiert. Die Hallen der Zeche Zollverein sind
dabei auf den Übersichtstafel auf zweifache Weise gekennzeichnet.
Zum einen werden die Hallen nach ihrer früheren Funktion bezeichnet,
zum anderen sind sie durchnummeriert. Dies erschwert jedoch dem Besucher,
der mit dem Ablauf der Kohleförderung nicht vertraut ist, die Orientierung
auf dem großen Gelände.
Das Gelände
der Zeche Zollverein Schacht XII erstreckt sich auf über 24 Hektar,
rechnet man die angrenzenden Gelände der Schachtanlage 1/2 und der
benachbarten Kokerei Zollverein dazu, steht ein ca. 100 ha großes
Areal für einen neuen Ansatz der Industriekultur und Industrienatur
zur Verfügung.
Im Rahmen
des Emscher Landschaftparks wurden die bisher unzugänglichen Restflächen
der Zeche Zollverein (Essen Katernberg), der ehemaligen Zeche Rheinelbe
in Gelsenkirchen-Ückendorf
mit ca. 50 ha und der ehemaligen Zeche und Kokerei Alma, ebenfalls in
Gelsenkirchen, mit 20 ha für die Menschen der Umgebung geöffnet.
"Mit einer behutsamen Pflege und Hilfe der natürlichen Sukzession"
soll hier auf den Restflächen wilde Industriewälder wachsen.
Diese bieten bedrohten Tier und Pflanzenarten ein Rückzugsgebiet.
Dabei hat
man für die drei verschiedenen Testflächen unterschiedliche
Leitbilder entworfen.
Für
die Zeche Zollverein geht es dabei vor allem um die Integration künstlerischer
Aspekte. Dabei handelt es sich um einen Skulpturenpark mit sechs Skulpturen
des Bildhauers Ulrich Rückriem, der auf der Halde zwischen Schacht
XII und der Kokerei angelegt wurde. Neben den Wegebaumaßnahmen wird
der Natur hier Raum gelassen sich frei und ungestört zu entwickeln.
Der Träger
des Projektes ist der Gründstücksfond in Zusammenarbeit mit
der Landesforstverwaltung NRW/ Forstamt Recklinghausen. Die Forststation
für diese drei Restflächen wurde im umgebauten Schalthaus der
Zeche Rheinelbe einschließlich einer Ausstellungshalle errichtet.
Die Kosten für die Maßnahmen auf den Testflächen beliefen
sich (ohne Kunst) in den Jahren 196 und 1997 auf durchschnittlich 20.000
DM.
Zu
Beginn diesen Jahres wurde der Verbindungsgang zu Schacht 1/2 über
das ehemalige Förderband fertiggestellt.
Geplante
Nutzung
Wie
schon erwähnt sind die Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen
auf Zeche Zollverein mit der Auflösung der Bauhütte bei weitem
noch nicht abgeschlossen. Zur Zeit wird die Fassade der Schachtanlage
saniert. Danach werden im Laufe des Jahres 2000 die Hallen 4 und 8 saniert
und umgebaut. Die weitaus schwieriger umzunutzende Kohlenwäsche haben
die Bauhütte und die IBA Emscher-Park an die Stiftung Zollverein
weitergereicht, da alle innovativen Ideen bislang gescheitert sind oder
zurückgestellt wurden. Nach abgeschlossener Sanierung werden in der
Halle 4 (Fördermaschine Süd) eine private Kunstsammlung und
die Fotosammlung des Museums Folkwang einziehen.
Nachdem in
den letzten Jahren die noch nicht renovierte Hochdruckkompressorenhalle
(Halle 8) bereits als Ausstellungsräumlichkeit genutzt wurde, wird
in diesem Jahr mit dem Umbau dieser Halle zu Ateliers und Büros begonnen.
Halle 14: Kohlenwäsche; Halle 16: Kokskohlenbunker
Mit
einem Grundriss von 34 x 91 m ist die Kohlewäsche das größte
Gebäude auf Zollverein. Über die zukünftige Nutzung, neben
dem Museum und dem Denkmalpfad, gibt es verschiedene Auffassungen. Ein
wichtiger Faktor hierbei spielt vor allem die Finanzierung. Von der Europäischen
Union stehen 100 Millionen DM offen, aber die Stadt Essen müsste
sich mit weitern 20%, also 20 Millionen DM, daran beteiligen. Mit einer
Entscheidung seitens der Stadt hierüber ist frühestens im Frühjahr
2000 zu rechnen.
Lange Zeit
war eine Zusammenlegung und Übersiedlung des Fachbereichs Design
der Universität-Gesamthochschulen Wuppertal und Essen im Gespräch,
zumal der Fachbereich 4 in Essen sich stark in den bisherigen Projekten
auf Zollverein engagiert hat, wie bereits im Kapitel über die heutige
Nutzung angesprochen wurde. Diese Idee scheint aufgrund der hohen Kosten
allerdings nicht verwirklicht zu werden.
Am 23. Dezember
1999 brachte Karl Ganser zusammen mit Peter Zec (DZ NRW) und Bosdorf (Ruhrlandmuseum)
eine Denkschrift über die weitere Entwicklung auf Zollverein Schacht
XII heraus, die in eine andere Richtung zielt. Die weitere Nutzung soll
sich danach an drei Eckpfeilern orientieren, deren Ausgangspunkt die Kohlewäsche
bildet: Anstelle
des Fachbereichs Design soll eine "Plattform design" entstehen,
eine private Ausbildungs- und Forschungseinrichtung, die neue Kooperationsformen
zwischen Wirtschaft und Wissenschaft erproben soll. Daneben soll alle
fünf Jahre die "Interform" stattfinden, eine 100tägige
Ausstellung aktuellsten Designs in Pavillons auf dem Gelände, in
denen sich verschieden Länder und auch einzelne Konzerne präsentieren.
Den dritten Eckpfeiler würde ein "Ruhr-Museum" bilden,
das die Natur- und Kulturgeschichte der ehemaligen Industrieregion darstellt.
zurück
zum Seitenanfang
|