Wie alles begann - Eine Reise in die Vergangenheit
Die Industrialisierung begann zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die
Chemie entwickelte sich zum führenden Industriezweig. Durch
neue Verfahrenstechniken zur Herstellung von Roheisen, holten in
der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Bergbau, Stahl- und Eisenindustrie
auf und bis zum ersten Weltkrieg domininierte im Ruhrgebiet die
Schwerindustriep
August Thyssen war der erste, der in diesem Zusammenhang die vorteilhafte
Lage für Hüttenwerke in Duisburg erkannte. Kohle war hier
reichlich vorhanden und Eisenerz konnte von hier aus günstig
bezogen werden. Rhein und Ruhr waren ausgezeichnete Transportwege.
Außerdem gab es Eisenbahnverbindungen ins Ruhrgebiet, die
ausbaufähig waren
Thyssens Ziel war es, innerhalb einer Verbundswirtschaft Zulieferung
und Absatz der Produktion zu sichern. Es gab auf seinem Gelände
in Meiderich außer dem Hüttenwerk eine Schachtanlage,
eine Sinterei, eine Kokerei und eine Gießerei. Die ersten
Hochöfen wurden 1903 in Betrieb genommen. 1911 wurde die Kraftzentrale
errichtet, was die Inbetriebnahme von fünf Hochöfen gleichzeitig
erlaubte.
Das Meidericher Hüttenwerk entwickelte sich bald zu einem
sehr bedeutsamen in seiner Branche, weil es eine besonders große
Vielfalt an Spezialroheisensorten herstellte. So kam es, dass man
auch weit über das Ruhrgebiet hinaus von der "Apotheke
des Ruhrgebiets" sprach.
Mitte der 70er Jahre erreichte die Produktion ihren absoluten
Höhepunkt in der Werksgeschichte. 1974 wurden 948000 t Rohstahl
hergestellt. Nur ein Jahr zuvor entstand der Hochofen 5.
1983 wurden Hochöfen und der Gasometer renoviert. Immer noch
galt das Werk mit seiner Technologie als besonders fortschrittlich
und modern. Um so überraschter waren die noch 300 Mitarbeiter,
als es 1985 zur Schließung kam. Der Grund dafür war die
von der EG eingeführte Stahlquote. Diese legte fest, das nur
noch 900000 t Stahl im Jahr hergestellt werden. So entschloss sich
der Thyssen-Konzern zur Stillegung des Werkes.
Nennenswerte Proteste gab es allerdings nicht. Vermutlich lag
dies an dem Sozialplan der nun in Kraft trat. Arbeiter, die um 1930
geboren wurden, konnten in den Frühruhestand gehen, mussten
aber nicht. 107 Menschen nahmen das Angebot an. Der Rest der Belegschaft
wurde auf die umliegenden Werke in Ruhrort und Hamborn verlegt.
Der Sozialplan sah auch Ausgleichszahlungen bei Verdienstausfall
vor.
Am 4. April 1985 folgte der letzte Abstrich. Das Werk wurde "anblasfähig"
verlassen, d. h. bei Bedarf hätte es wieder benutzt werden
können.
In 82 Jahren wurde in Meiderich insgesamt 37 Millionen Tonnen
Roheisen produziert. Nach der Schließung hat man versucht,
den modernen und nicht besonders alten Hochofen 5, so wie die Maschinen
der Kokerei Zollverein, nach China zu verkaufen. Aber auch hier
gelang es nicht. Für die Industriekultur eine großartige
Sache, denn wenn man den Funktionszusammenhang des heutigen Industriedenkmals
in Duisburg begreifen möchte, ist es nicht vorstellbar, dabei
auf den Hochofen zu verzichten.
|