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Prosper III

Bottrop Prosper III
Gewerbe / Dienstleistung
Kindertagesstätte
Nahversorgungszentrum
Wohnungen / Reihenhäuser
- 246 Sozialer Mietwohnungsbau
- 133 Reihenhäuser
bisherige Nutzung Kokerei und Schachtanlage
Projektbeteiligte Stadt Bottrop
RAG und Tochtergesellschaft MGG (Grundstückstochter)
IBA
Bergamt (Sanierung)
VEBA Wohnstätten AG (Wohnungen)
Rhein.Lippe Wohnstätten AG (Reihenhäuser)
Soziale Dienste e.V. (Kindertagesstätte)
Arbeiterwohlfahrt (Sozialzentrum)
erste überlegungen / Planungsphase 1987/88 städtebaulicher Realisierungs-wettbewerb
1990 Verena und Klaus Trojan, Darmstadt
Sanierungs- / Baubeginn 1990/91
erste Neunutzungen Dezember 1992: Eröffnung des Möbelhauses
Dezember 1994: Einzug Mietwohnungen
1995: Einzug erste Reihenhäuser

Investitionssumme gesamt: 200 Mio.DM
Probleme ursprüngliche Mieter nicht eingezogen (Aachener Bergleute)
Supermarkt / Nahversorgungszentrum bis heute wegen zu hoher Mietforderungen der MGG nicht realisiert

 

Darstellung des Bürgerbeteiligungsverfahrens

Da sowohl die Grundkonzeption der Verfahren, die Projektabläufe, die planerischen Voraussetzungen sowie die Sozialstrukturen und Anforderungen der betroffenen Bürger sehr unterschiedlich waren, wird im folgenden zwischen dem Wohnungsbauprojekt und der Reihenhaussiedlung unterschieden. Bei der Planung der Gartensiedlung Beckheide wurde besonderer Wert auf flexible Gestaltung der Wohntypen und Wohnformen gelegt. So war sowohl die klassische Nutzung als Reihenhaus, das Familienhaus mit weniger Flächenbedarf und der Integration einer Einliegerwohnung, als auch die Großwohnung für kinderreiche Familien innerhalb des Konzeptes angelegt.


Die Bewohner hatten zudem die Möglichkeit, entsprechend Ihrer individuellen Bedürfnisse Einfluss auf die Grundrissgestaltung und Raumnutzungen (Küche, Bad) zu nehmen. Bei der Unterzeichnung des Kaufvertrages verpflichteten sich die Bewohner der Siedlung zur Pflege und Gestaltung der gemeinschaftlich genutzten Freiflächen. Die Aufgabenverteilung erfolgt in Bewohnerversammlungen, die Bewohner der Siedlung haben für organisatorische Aufgaben zudem ein Gremium gebildet, welches Investitions- und Planungsentscheidungen vorbereitet und koordiniert.

Für die Mietwohnungen an der Rheintalstraße war ursprünglich die Belegung durch Bergleute aus der Region Aachen vorgesehen, die im Rahmen von Restrukturierungsmaßnahmen der Ruhrkohle AG im Ruhrgebiet einen neuen Arbeitsplatz und Wohnort finden sollten. Zu Beginn der Planung war deshalb bereits in Kooperation von Ruhrkohle AG und der VEBA Wohnstätten AG eine Bedarfsermittlung der Wohnungsgrößen mit den Bergleuten organisiert worden. Zudem wurden eine Reihe von Gemeinschaftswohnungen und Gästewohnungen geplant, vorgesehen für Freunde und Verwandte der Mieter, sowie eine Reihe von Gemeinschaftseinrichtungen wie Spielwohnungen, Hobbywerkstätten, Bewohnertreff. Diese sollten nach dem Einzug unter intensiver Nutzerbeteiligung betrieben werden.


Während der Bauphase in der ersten Hälfte des Jahres 1992 wurde dann allerdings bekannt, dass die ursprünglich angedachten Mieter doch nicht nach Bottrop kommen würden. Stattdessen ergab sich aber zu dieser Zeit ein großer Bedarf an Sozialwohnungen für nach Deutschland kommende Aussiedlerfamilien aus osteuropäischen Ländern. Diese Gruppe stellt deshalb den größten Teil der Bewohner in der neuen Siedlung.


Die Projektbeteiligten (Stadt, VEBA Wohnstätten AG) waren sich bewusst, dass diese Nutzer eine intensive Begleitung als Eingewöhnungshilfe bedurften. Mit Hilfe von Mieterversammlungen wurden erste Kontakte zu den Mietern geknüpft, wobei die Beratung der Mieter im Sinne einer "Quartiersberatung" im Mittelpunkt stand. Es wurde sehr schnell deutlich, dass eine Beratung der Einzelmieter von außen durch kulturelle und sprachliche Barrieren nicht tragfähig war. Deshalb wurden Mieter angesprochen, die Aufgaben als ‚Nachbarschaftshelfer' übernehmen sollten und dafür durch einen finanziellen Ausgleich entlohnt werden sollten. Zunächst war lediglich an einen Ansprechpartner aus dem Kreis der Bewohner gedacht. Es bildete sich dann allerdings ein vierköpfiges Gremium. Diese dienten als Ansprechpartner für Mieter, Stadt und Wohnungsbaugesellschaft und übernahmen die Koordination der Aufgaben in den Gemeinschaftsräumen. Dieses Gremium hat über einen Zeitraum von 2 ½ bis 3 Jahren sehr gut funktioniert. Die Nachbarschaftshelfer hatten als "Mieter der ersten Stunde" eine enge Bindung zum Projekt, ergänzten sich durch unterschiedliche Kompetenzen und Qualitäten und genossen bei allen Beteiligten großes Ansehen.

 

Besondere Schwierigkeiten dieses Projektes

Speziell das Wohnprojekt an der Rheintalstraße hat in der öffentlichen Diskussion in Bottrop ein sehr schlechtes Image. In der zunächst sehr positiven Medien-Berichterstattung gab es nach der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts einen gravierenden Umschwung. Die blockförmige Architektur der Siedlung wurde sehr kritisch bewertet. Im Zusammenhang mit der veränderten Sozialstruktur der Mieter (Aussiedler- statt Bergarbeiterfamilien) gab es auch in der direkten Nachbarschaft, einer alten Zechensiedlung, Irritationen. Pensionierte Bergarbeiter oder ihre Kinder, die die ursprünglichen Mietwohnungen gekauft und renoviert hatten, befürchteten einen Wertverlust Ihrer Häuser. Es gab zudem unterschwellig starke Vorurteile gegenüber den neuen Nachbarn.

Bei der Bewertung des Verfahrens muss kritisiert werden, dass es zwar für die Mieter der Wohnungen zahlreiche Maßnahmen zur Beteiligung gab, die direkte Nachbarschaft aber lediglich über die Medien (und deren negative Berichterstattung) informiert wurde. Eine offensivere Informationspolitik über das Projekt und der Initiierung eines offenen Dialoges zwischen den neuen und alten Bewohnern des Stadtteiles hätte hier sicherlich positive Auswirkungen gehabt. So war das Klima geprägt von Misstrauen und auch das große Engagement der Stadtverwaltung und der anderen Projektteilnehmer wurde von der Öffentlichkeit sehr kritisch, sogar ‚neidisch' zur Kenntnis genommen. Das schlechte Image führte innerhalb der Siedlung zu einer großen Fluktuation der Mieter und einer zunehmenden Anonymisierung. Die Nachbarschaftshelfer, gestartet mit Aufgaben im sozialen Bereich, wurden zunehmend für Instandhaltungsmaßnahmen und kleinere Reparaturen herangezogen, welches eine demotivierende Wirkung auf die zunächst sehr engagierten Helfer hatte. Heute ist keiner der vier Nachbarschaftshelfer mehr Mieter in der Siedlung. Das Gremium wurde zugunsten eines hauptamtlichen Hausmeisters aufgegeben, was eine klare Abkehr von ursprünglich angedachten ‚sozialen Qualitäten' dieser Mieterbeteiligung bedeutet.

Besondere Qualitäten dieses Projektes

Die generelle Kooperationsbereitschaft und der intensive Austausch der Projektbeteiligten ermöglichte die Umsetzung eines sehr komplexen Planungsprozesses in einer dafür sehr kurzen Zeitspanne zwischen der ersten Idee und Umsetzung der einzelnen Baumaßnahmen. Für die Verwaltung war durch die Einbindung des Projektes in das IBA Programm besonders der Kontakt zu anderen Planern im Ruhrgebiet, der Dialog über gemeinsame Probleme und die Anregungen der Kollegen sehr positiv.