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Mombasa - Nairobi und zurück, 1992


Ich kann Ihnen hier den Reisebericht von Jörg Wurmisch über seine Fahrt von Mombasa am Indischen Ozean bis Kisumu am Victoriasee empfehlen.

Sein Bericht zeigt, dass wir nicht die Einzigen waren bzw. sind, die mal auf andere Ideen kommen, als im normalen Reiseprospekt angegeben. Unsere Reise war allerdings mehr als ein Jahrzehnt früher und nicht nur die politische Situation war vollkommen anders. !992 wollten wir nach mehreren Aufenthalten in Südafrika, Namibia und auch Kenia einmal eine Tour ganz auf eigene Faust unternehmen.
Mit African Safari Club hatten wir für 4 Wochen ein Hotel für uns und unsere beiden Töchter gebucht. Vor Ort wollten wir dann irgendwie eine Tour organisieren, die uns mit dem Zug ins Landesinnere bringen sollte und dann sollte sich eine Safari in die Massai Mara mit einer Bollonfahrt über die Mara anschließen. Man sieht, alles absolut offen gehalten mit dem Moment der Überraschung, was und wie es sich organisieren ließe. Und diese neuen Erfahrungen, um nicht zu sagen Überraschungen, stellten sich dann auch erwartungsgemäß ein.


Organisation der Tour

In den Vor-Internetzeiten -1992- waren wir voll auf unsere eigenen Kenntnisse, Bücher und natürlich auch auf Hilfe von Ortskundigen angewiesen. Ohne wirkliche Kenntnis der örtlichen Gepflogenheiten, des Tourismussystems und den Gefahren in Kenia waren wir unabdingbar auf professionelle Hilfe angewiesen.
Wir hatten aus dem Telefonbuch ein kleines Tourismusunternehmen in Mombasa ausgesucht und uns dann von unserem Hotel im Norden von Mombasa mit den Taxi dorthin fahren lassen. Das allein war schon ie erste Überraschung; unser Fahrer teilte uns mit, dass man leider seinen Ventildeckel vom Kühler geklaut hätte und deshalb mußte er alle Augenblicke mit einer Wasserflasche das verdunstete Wasser ausgleichen. Er hatte allerdings genügend Nachscub im Kofferraum.
Über dieses Tourismusunternehmen haben wir dann versucht alle Buchungen zu erledigen. Wir haben dort einen VW-Bully mit Fahrer gemietet, der uns bis in die Mara und auch wieder zurückbringen sollte. Als  Fixpunkte unserer Safari -was in Shaheli nicht anderes als Reise bedeutet- hatten unsere Töchter den Nakurusee und seine Umgebung ausgesucht, da kurz vorher mal so ein Disney-Kinderfilm im deutschen Fernsehen gezeigt wurde, der in dieser Gegend spielte. Wir Erwachsenen wollten in die Massai Mara und dort auch eine Ballonfahrt unternehmen. Der Plan war, mit der Eisenbahn von Mombasa bis Nakuru oder Naivasha zu fahren und dort sollte dann unser Fahrer mit dem Bully auf uns warten und uns nach dem Besuch des lokalen Reservates anschließend in die Mara zur Figtree Lodge fahren, wo die Ballonfahrt angeboten wurde.
Leider bekamen wir die Buchungen mit der Eisenbahn so nicht hin, wie wir wollten, da alle Personenzüge stets Nachtzüge waren. In Nairobi hätten wir also tagsüber einen Aufenthalt gehabt, den wir gerne zu einem Besuch des dortigen Eisenbahnmuseums genutzt hätten. An unserem ausgesuchten Zielbahnhof wären wir allerdings erst mitten in der Nacht angekommen und alle Reservate haben dann die Tore geschlossen und wir hätten keine Unterkunft gehabt. Deshalb wurde Nairobi zum Endpunkt der Eisenbahnfahrt und von dort mußte nach Nakuru ins Reservat bereits mit dem Bus gefahren werden.

Der erste eigenständige Schritt: Fahrkarten kaufen

Ok, Eisenbahnfahrkarten zu kaufen trauten wir uns ohne weiteres zu, aber wir waren hinterher heilfroh, dass wir per Zufall an die richtige Person am Fahrkartenschalter in Mombasa geraten waren, die Mitleid mit uns hatte und uns freiwillig und ungefragt sehr geholfen hat.
Es war nämlich doch nicht so einfach.
An den Schalter gehen, bestellen, bezahlen, Karten entgegennehmen
und dann nach Hause gehen, klappt ja noch nicht einmal so einfach in Deutschland.
Es fing im Bahnhof von Mombasa schon damit an, dass man den Fahrkartenschalter erst einmal finden mußte. Hinweisschilder? Nee, so was gab es nicht. Die Bestellung der 4 Schlafwagenbetten in einem Doppelabteil für einen bestimmten Zug ging sowohl für die Hinfahrt wie auch für die Rückfahrt noch recht einfach, wobei uns allerdings unklar war und blieb, warum wir so viele Informationen über uns in irgendwelche Formulare eintragen mußten und weshalb so viele Unterschriften zu leisten waren. Bei unseren vielen weiteren Reisen in Afrika haben wir dann allerdings gelernt, dass das nichts besonderes war.
Wir glaubten, dann alles erledigt zu haben, als mit einem sehr freundlichen Lächeln die Frage kam, ob wir in unserem gebuchten Schlafabteil eventuell auch Bettwäsche haben wollten und die dann später noch zusätzlich kommende Frage nach Kopfkissen und Decken ließ uns sehr stutzig werden und dass wir die Plätze im Speisewagen auch hier schon buchen mußten, gab uns beinahe den Rest. Versteht sich, dass dafür wieder noch jede Menge Unterschriften, Formulare und auch Geld abgegeben werden mußte. Die Frage, welches Abteil bzw. Abteile für uns denn nun reserviert seien, wurde beantwortet, dass das erst am Abreisetag bekanntgegeben werden könne, da man jetzt noch nicht wisse, wie viele und welche Wagen dann zur Verfügung stünden. Der Bahnhofsvorstand würde das erst kurz vor Ankunft des Zuges in Mombasa bekannt geben. Und bei der Rückfahrt wäre in Nairobo noch einmal die gleiche Prozedur zu durchlaufen.

Es geht los

Am Abreisetag waren wir nun also am Bahnhof in Mombasa und versuchten herauszubekommen, was denn unsere Abteile seien. Erst nach sehr intensivem Suchen fanden wir eine Liste, die Waggonbezeichnungen und Namen enthielt. Leider war alles handgeschrieben und nicht nur für uns sondern auch für alle anderen, die herumstanden, so gut wie nicht lesbar. Da mein Nachname nur aus 4 Buchstaben besteht, gingen wir einfach von der Theorie aus, dass der kürzeste Name wohl uns meinen würde. Als der Zug dann später einlief, konnten wir zu unserer Erleichterung außen unter jedem Abteilfenster ein Schild mit Namen erkennen und die waren alle sehr gut zu lesen und bestätigten unsere Vermutung.
Leider war es damals unter Strafe gestellt, Eisenbahnen und andere kriegswichtigen Gebäude und Einrichtungen zu fotographieren und unser erster Versuch, ein Foto zu machen, rief auch prompt bewaffnete Wächter auf den Plan, deren Auftreten uns davon überzeugte, dass das Verbot ernst gemeint war.
Die Inneneinrichtung der Abteile war durchaus OK, die Gänge in den Wagen allerdings brachten schon beim Einsteigen die Frage auf, wie wohl etwas beleibtere Europäer hier durchkommen würden, ohne stecken zu bleiben. Gegenverkehr brachte immer Probleme und ohne Gequetsche und  "solly, solly" und "pole, pole" als Entschuldigung und Aufforderung nicht so schnell zu sein, war kaum ein Vorbeikommen möglich.
Als wir in den Speisewagen wollten, stellten wir allerdings fest, dass die Abteile nur von innen verriegelbar waren. Außen gab es keine Möglichkeit dazu. Das Problem wurde dann durch den Waggonbegleiter gelöst, der sich für ein entsprechendes Trinkgeld einfach auf den Boden im Gang vor die Tür setzte und seinen Knüppel - sein Rundu- als Waffe über die Kniee legte und so auch bei unserer Rückkehr noch dort Wache hielt. Der Speisewagen war voll klimatisiert oder besser gesagt unter der Decke hingen in der Mitte des Wagens große Ventilatoren, die ununterbrochen in höchster Drehzahl arbeiteten.
Das Besteck war noch von der alten Ugandabahn und aus Sterlingsilber.
Am Essen gab es nichts auszusetzen und auch aller Getränke wurden eiskalt serviert.

Die Strecke

Da wir am späten Nachmittag losfuhren, hatten wir die ersten Stunden wunderbare Ausblicke auf Land und auch auf sehr viele Leute. Die Eisenbahntrasse wurde über weite Strecken in der Nähe von Ortschaften als Hauptverkehrsweg für Fußgänger. Radfahrer und auch zum Viehtreiben genutzt. Erst nach einiger Zeit fiel uns eine recht verwunderliche Tatsache au; der Schotter der Strecke war zu beiden Seiten des Gleises -die Strecke ist fast vollständig eingleisig- merkwürdig regelmäßig mit den aüßersten Steinen wie mit dem Lineal gezogen angeordnet. Wir haben viele Personen gefragt, aber bis heute noch keine plausible Antwort erhalten können.
Über viele Kilometer läuft die Strecke in der Nähe der Hauptstraße nach Nairobi, aber um wirklich Höhe auf die Tsavoebene zu gewinnen, gibt es auch eine enge Gleiskehre und viele Kurven, also wirklich sehens- und erfahrenswert. Spät in der Nacht kamen wir dann in Voi an. Dort wurde der Zug mehrere Stunden abgestellt, um den Reisenden einen ungestörten Schlaf zu ermöglichen.
In den frühen Morgenstunden erfolgte dann die Weiterfahrt durch den Tsavo Nationalpark auf einer Ebene mit nur geringen Höhenunterschieden und mit diversen Sichtungen von Wild unmittelbar neben der Strecke.
Mehrfach wurde auch angehalten, um entgegenkommende Züge passieren zu lassen. In der Nähe von Nairobi kam dann der für mich als Eisenbahnfan absolut traurig stimmen Anblick sehr vieler Garrat- und Malletlokomotiven in allen Phasen des Verfalls bzw. der Ausschlachtung. Kilometerweit zogen sich diese Schrottplätze an der Strecke lang.


-wird fortgesetzt-

Datei: Eisenbahn/Kenia/index: letzte änderung: 24. Januar 2010 mailto:arno@arno-jene.de

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