Organisation der Tour
In den Vor-Internetzeiten
-1992- waren wir voll auf unsere eigenen Kenntnisse, Bücher und
natürlich auch
auf Hilfe von Ortskundigen angewiesen. Ohne wirkliche Kenntnis der
örtlichen Gepflogenheiten, des Tourismussystems und den Gefahren in
Kenia waren wir
unabdingbar auf professionelle Hilfe angewiesen.
Wir hatten aus dem Telefonbuch ein kleines Tourismusunternehmen in
Mombasa ausgesucht und
uns dann von unserem Hotel im Norden von Mombasa mit den Taxi dorthin
fahren lassen. Das allein war schon ie erste Überraschung; unser Fahrer
teilte uns mit, dass man leider seinen Ventildeckel vom Kühler geklaut
hätte und deshalb mußte er alle Augenblicke mit einer Wasserflasche das
verdunstete Wasser ausgleichen. Er hatte allerdings genügend Nachscub
im Kofferraum.
Über dieses Tourismusunternehmen haben wir dann versucht alle Buchungen
zu erledigen. Wir haben dort einen VW-Bully mit Fahrer gemietet, der
uns bis in die Mara und
auch wieder zurückbringen sollte. Als Fixpunkte unserer Safari
-was in Shaheli nicht anderes als Reise bedeutet- hatten unsere
Töchter den Nakurusee und seine Umgebung ausgesucht, da kurz vorher mal
so ein Disney-Kinderfilm im deutschen Fernsehen gezeigt wurde, der in
dieser
Gegend spielte. Wir Erwachsenen wollten in die Massai Mara und dort
auch eine Ballonfahrt unternehmen. Der Plan war, mit der Eisenbahn von
Mombasa bis Nakuru oder Naivasha zu fahren und dort sollte dann unser
Fahrer mit dem Bully auf uns warten und uns nach dem Besuch des lokalen
Reservates anschließend in die Mara zur Figtree Lodge fahren, wo die
Ballonfahrt angeboten wurde.
Leider
bekamen wir die Buchungen mit der Eisenbahn so nicht hin, wie wir
wollten, da alle
Personenzüge stets Nachtzüge waren. In Nairobi hätten wir also tagsüber
einen Aufenthalt gehabt, den wir gerne zu einem Besuch des dortigen
Eisenbahnmuseums genutzt hätten. An unserem ausgesuchten Zielbahnhof
wären
wir allerdings erst mitten in der Nacht angekommen und alle Reservate
haben dann
die Tore geschlossen und wir hätten keine Unterkunft gehabt. Deshalb
wurde Nairobi zum Endpunkt der
Eisenbahnfahrt und von
dort mußte nach Nakuru ins Reservat bereits mit dem Bus gefahren werden.
Der erste eigenständige Schritt: Fahrkarten kaufen
Ok, Eisenbahnfahrkarten zu kaufen
trauten wir uns ohne weiteres zu, aber wir waren hinterher heilfroh,
dass wir per Zufall an die richtige Person
am Fahrkartenschalter in Mombasa geraten waren, die Mitleid mit uns
hatte und uns freiwillig und ungefragt sehr geholfen hat.
Es war nämlich doch
nicht so einfach.
An den Schalter gehen,
bestellen, bezahlen, Karten
entgegennehmen
und dann nach Hause gehen, klappt ja noch nicht einmal so
einfach in Deutschland.
Es fing im Bahnhof von Mombasa schon damit an, dass man den
Fahrkartenschalter erst einmal finden mußte. Hinweisschilder? Nee, so
was gab es nicht. Die Bestellung der 4 Schlafwagenbetten in einem
Doppelabteil für einen bestimmten Zug ging sowohl für die Hinfahrt wie
auch für die Rückfahrt noch recht einfach, wobei
uns allerdings unklar war und blieb, warum wir so viele Informationen
über uns in irgendwelche Formulare eintragen mußten und weshalb so
viele Unterschriften zu leisten waren. Bei unseren vielen weiteren
Reisen in Afrika haben wir dann allerdings gelernt, dass das nichts
besonderes war.
Wir glaubten, dann alles
erledigt
zu haben, als mit einem sehr freundlichen Lächeln die Frage kam, ob wir
in unserem gebuchten Schlafabteil eventuell auch Bettwäsche haben
wollten und die
dann später noch zusätzlich kommende Frage nach Kopfkissen und Decken
ließ uns
sehr stutzig werden und dass wir die Plätze im Speisewagen auch hier
schon buchen mußten, gab uns beinahe den Rest. Versteht sich, dass
dafür wieder noch jede Menge Unterschriften, Formulare und auch Geld
abgegeben werden mußte. Die Frage, welches Abteil bzw. Abteile für uns
denn nun reserviert seien, wurde beantwortet, dass das erst am
Abreisetag bekanntgegeben werden könne, da man jetzt noch nicht wisse,
wie viele und welche Wagen dann zur Verfügung stünden. Der
Bahnhofsvorstand würde das erst kurz vor Ankunft des Zuges in Mombasa
bekannt
geben. Und bei der Rückfahrt wäre in Nairobo noch einmal die gleiche
Prozedur zu durchlaufen.
Es geht los
Am Abreisetag waren wir nun also am Bahnhof in Mombasa und versuchten
herauszubekommen, was denn unsere Abteile seien. Erst nach sehr
intensivem Suchen fanden wir eine Liste, die Waggonbezeichnungen und
Namen enthielt. Leider war alles handgeschrieben und nicht nur für uns
sondern auch für alle anderen, die herumstanden, so gut wie nicht
lesbar. Da mein Nachname nur aus 4 Buchstaben besteht, gingen wir
einfach von der Theorie aus, dass der kürzeste Name wohl uns meinen
würde. Als der Zug dann später einlief, konnten wir zu unserer
Erleichterung außen unter jedem
Abteilfenster ein Schild mit Namen erkennen und die waren alle sehr gut
zu
lesen und bestätigten unsere Vermutung.
Leider war es damals unter Strafe gestellt, Eisenbahnen und andere
kriegswichtigen Gebäude und Einrichtungen zu fotographieren und unser
erster Versuch, ein Foto zu machen, rief auch prompt bewaffnete Wächter
auf den Plan, deren Auftreten uns davon überzeugte, dass das Verbot
ernst gemeint war.
Die Inneneinrichtung der Abteile
war durchaus OK, die Gänge in den Wagen allerdings brachten schon beim
Einsteigen die Frage auf, wie wohl etwas beleibtere Europäer hier
durchkommen würden, ohne stecken zu bleiben. Gegenverkehr brachte immer
Probleme und ohne Gequetsche und "solly, solly" und "pole, pole"
als Entschuldigung und Aufforderung nicht so schnell zu sein, war kaum
ein Vorbeikommen möglich.
Als wir in den Speisewagen wollten,
stellten wir allerdings fest, dass
die Abteile nur von innen verriegelbar waren. Außen gab es keine
Möglichkeit dazu. Das Problem wurde dann durch den Waggonbegleiter
gelöst, der sich für ein entsprechendes Trinkgeld einfach auf den Boden
im Gang vor die Tür setzte und seinen Knüppel - sein Rundu- als Waffe
über die Kniee legte und so auch bei unserer Rückkehr noch dort Wache
hielt. Der Speisewagen war voll klimatisiert oder besser gesagt unter
der Decke hingen in der Mitte des Wagens große Ventilatoren, die
ununterbrochen in höchster Drehzahl arbeiteten.
Das Besteck war noch von der alten Ugandabahn und aus Sterlingsilber.
Am Essen gab es nichts auszusetzen und auch aller Getränke wurden
eiskalt serviert.
Die Strecke
Da wir am späten Nachmittag losfuhren, hatten wir die ersten Stunden
wunderbare Ausblicke auf Land und auch auf sehr viele Leute. Die
Eisenbahntrasse wurde über weite Strecken in der Nähe von Ortschaften
als Hauptverkehrsweg für Fußgänger. Radfahrer und auch zum Viehtreiben
genutzt. Erst nach einiger Zeit fiel uns eine recht verwunderliche
Tatsache au; der Schotter der Strecke war zu beiden Seiten des Gleises
-die Strecke ist fast vollständig eingleisig- merkwürdig regelmäßig mit
den aüßersten Steinen wie mit dem Lineal gezogen angeordnet. Wir haben
viele Personen gefragt, aber bis heute noch keine plausible Antwort
erhalten können.
Über viele Kilometer läuft die Strecke in der Nähe der Hauptstraße nach
Nairobi, aber um wirklich Höhe auf die Tsavoebene zu gewinnen, gibt es
auch eine enge Gleiskehre und viele Kurven, also wirklich sehens- und
erfahrenswert. Spät in der Nacht kamen wir dann in Voi an. Dort wurde
der Zug mehrere Stunden abgestellt, um den Reisenden einen ungestörten
Schlaf zu ermöglichen.
In den frühen Morgenstunden erfolgte dann die Weiterfahrt durch den
Tsavo Nationalpark auf einer Ebene mit nur geringen Höhenunterschieden
und mit diversen Sichtungen von Wild unmittelbar neben der Strecke.
Mehrfach wurde auch angehalten, um entgegenkommende Züge passieren zu
lassen. In der Nähe von Nairobi kam dann der für mich als Eisenbahnfan
absolut traurig stimmen Anblick sehr vieler Garrat- und
Malletlokomotiven in allen Phasen des Verfalls bzw. der Ausschlachtung.
Kilometerweit zogen sich diese Schrottplätze an der Strecke lang.
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