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UA Ruhr-Studie zu öffentlichem Nahverkehr

Nicht ohne mein Auto!

von Isabell Hilpert | 06.03.2019 | Forschung

86 Prozent  der Menschen im Ruhrgebiet sorgen sich um ihre Gesundheit, sollte der Verkehr weiter zunehmen. Doch für Autofahrer sind Bus und Bahn immer noch keine Alternative – nicht weil die Tickets zu teuer sind, sondern wegen des unzureichenden Angebots. Das zeigt eine aktuelle Umfrage, die von der Arbeitsgruppe „Metropole in Bewegung“ der Global Young Faculty (GYF) in Auftrag gegeben wurde.

Warum steigen nicht mehr Menschen vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr um? Das wollte die Gruppe aus Nachwuchswissenschaftlern der Universitätsallianz Ruhr und jungen Wirtschaftsvertretern wissen.

Danach sagten 78 Prozent der Befragten, aus Bequemlichkeit nicht auf ihr Auto verzichten zu wollen. Viele entscheiden sich gegen den öffentlichen Nahverkehr, wenn direkte Verbindungen fehlen und sie mehr als einmal umsteigen müssen. 60 Prozentgaben an, dass ihnen darüber hinaus Fahrten mit Bus und Bahn häufig zu lange dauern. Dagegen ist ein zu hoher Ticketpreis nur für 42 Prozent ein Grund, lieber den eigenen Wagen zu nehmen.

Mobilitätsexperiment

Schneller, besser, zuverlässiger: Für eine Verkehrswende müsste der Nahverkehr erheblich ausgebaut werden. Diese altbekannte Forderung stützt auch die Umfrage. Manche Autofahrer lassen sich jedoch zum Umdenken bewegen, wie ein zusätzliches Mobilitätsexperiment der GYF-Arbeitsgruppe zeigte:

Knapp 70 Berufspendler aus verschiedenen Unternehmen im Ruhrgebiet, die vorher überwiegend mit dem Auto zur Arbeit gefahren waren, erhielten für vier Wochen ein kostenloses ÖPNV-Ticket. Dies nutzten nach und nach immer mehr von ihnen. Am Ende des Experiments gab die Hälfte der Pendler an, öfter auf Bus und Bahn umsteigen zu wollen – der Umwelt zuliebe, trotz höheren Aufwands und weniger Flexibilität. Sieben Prozent kauften sich gar ein weiteres Monatsticket. Dagegen ließ sich die andere Hälfte der Teilnehmer nicht überzeugen: Sie sah Zeit und Kosten weiterhin als größtes Hindernis für einen Wechsel an.

In der repräsentativen Umfrage wurden 1.007 Einwohner der neun größten Ruhrgebietsstädten telefonisch befragt. 86 Prozent machen sich „große oder einige Sorgen“ über den Klimawandel, die Luftqualität und ihre davon beeinflusste Gesundheit.

Über die Global Young Faculty

In der Global Young Faculty treffen sich herausragende Nachwuchswissenschaftler*innen der Metropole Ruhr, um in interdisziplinären Arbeitsgruppen Themen zu bearbeiten. Das Netzwerk ist eine Initiative der Stiftung Mercator in Zusammenarbeit mit der Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr) und wird vom Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) in Essen koordiniert.

In der aktuell fünften Runde der Global Young Faculty vernetzen sich die Nachwuchswissenschaftler erstmals auch mit jungen Vertretern aus der Wirtschaft. Diese Kooperation wird vom Initiativkreis Ruhr unterstützt.

 

Weitere Informationen:
www.global-young-faculty.de

Redaktion: Isabell Hilpert, Mercator Research Center Ruhr, Tel. 0201/616 965 1, isabell.hilpert@mercur-research.de