© Museum Folkwang/Jens Nober

Studierende und UB an Folkwang-Ausstellung beteiligt

Fotografin Germaine Krull kennenlernen

  • von Cathrin Becker
  • 02.12.2025

Fotografin, Autorin, Kriegsberichterstatterin, Hotelmanagerin, Weltbürgerin: Germaine Krull (1897-1985) ist eine feste Größe der Fotografie-Avantgarde der 1920er und 30er Jahre. Sie hat in ihrem Leben viel erlebt – und der Nachwelt viel hinterlassen. Das Museum Folkwang zeigt bis zum 15. März 2026 die Ausstellung „GERMAINE KRULL: CHIEN FOU. Autorin und Fotografin“. Das Besondere: Kunst- und Kunstwissenschaftsstudierende der Universität Duisburg-Essen sind mit einem selbstgestalteten Raum Teil der Ausstellung. Zudem macht die Universitätsbibliothek Krulls schriftlichen Nachlass digital für alle frei zugänglich.

„Eine Künstlerin, die schreibt oder eine Autorin, die fotografiert? Germaine Krull bewegt sich für uns im Dazwischen: zwischen Text und Bild, Heimat und Flucht, Spiritualität und Politik, zwischen Momenten“, sagen Katharina Beek und Lisa Büche, zwei der insgesamt 40 Studierenden, die in den begleitenden Lehrveranstaltungen von Kerstin Meincke (Kunstwissenschaft) und Silke Wittig (Didaktik der Kunst) vom Institut für Kunst und Kunstwissenschaft den Nachlass aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet und ein Ausstellungs- und Vermittlungskonzept entwickelt haben.

So beschäftigten sich die Studierenden mit Germaine Krulls Verständnis von Fotografie und ihrem Weg ins Exil sowie den damit verbundenen Erfahrungen der Fotografin und Autorin. Auch ihre zahlreichen (Foto-)Bücher waren Teil der Diskussionen. Zudem konnten sich die Studierenden im Museum mit original historischen Fotobüchern Krulls beschäftigen und dabei direkt die museale Handhabe von Kunstwerken lernen.

Fast das ganze in der Ausstellung verwendete Material stammt aus dem Nachlass der Fotografin, der sich seit 1995 im Folkwang Museum befindet. Krulls Fotobücher oder Bücher, die von ihr fotografisch illustriert wurden, werden digital gezeigt. „Auf unserer Ausstellungsfläche setzen wir einen starken Fokus auf ihre künstlerischen und politischen Netzwerke, zeigen aber auch Tätigkeitsfelder, auf denen sie erst aktiv wurde, nachdem sie Europa nach 1941 dauerhaft verlassen hat. Dies wurde bisher in der Rezeption Germaine Krulls wenig berücksichtigt“, erklärt Meincke.

Im eigens gestalteten Ausstellungsraum können die Besucher:innen nun tiefer in die verschiedenen Lebensabschnitte, Arbeitsfelder und Erfahrungen Krulls eintauchen. Hier befinden sich zwei mit Impulsen, Zitaten und Gedanken gestaltete Wände, die sich sowohl auf Texte von Krull selbst als auch auf Schriften anderer Autor:innen beziehen. Zudem gibt es eine im Kontext der Lehrveranstaltungen zusammengestellte Ausstellungsbibliothek, die auf Leihgaben der Universitätsbibliothek basiert. Hier können Besucher:innen in wissenschaftlichen Publikationen mehr zu den Themen Exil und Flucht nachlesen oder in Manifesten der Avantgarde blättern.

Doch nicht nur hier unterstützt die Universitätsbibliothek die Ausstellung und die Forschung: Sie veröffentlicht auch Krulls für die Ausstellung digitalisierten schriftlichen Nachlass für die Öffentlichkeit. Frei zugänglich sind die Dokumente ab sofort auf der Publikationsplattform DuEPublico der UDE abzurufen. Zu den Texten gehören z. B. politische Essays, Kurztexte, Erzählungen und autobiografische und autofiktionale Schriften in französischer Originalsprache inklusive einiger Übersetzungen ins Deutsche und Englische.

Im Bild (v.l.n.r.): Sujon Lee, Studierende im MA LA Kunst und Seminarteilnehmerin; Silke Wittig, Institut für Kunst und Kunstwissenschaft UDE; Kerstin Meincke, Institut für Kunst und Kunstwissenschaft UDE; Petra Steinhardt, Fotografische Sammlung des Museum Folkwang 

Weitere Informationen:

Krulls schriftlicher Nachlass
Ausstellung im Museum Folkwang

Kerstin Meincke, Institut für Kunst und Kunstwissenschaft, Tel. 0201/183-3306, kerstin.meincke@uni-due.de

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