Frühere Diagnosen und gezieltere Therapien ermöglichen
Autismusrisiko bei Frühgeborenen
- von Martin Rolshoven
- 03.06.2026
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Forschende der Medizinischen Fakultät möchten das Autismusrisiko bei Frühgeborenen früher vorhersagen können und gezieltere Therapien möglich machen. Sie gehören zu der Arbeitsgruppe „perinatale Neurowissenschaften / Frühgeborenennachsorge“ der Klinik für Kinderheilkunde I des Universitätsklinikums Essen und sind Teil des Verbundprojektes MICRO-NEST. Gefördert wird dieses im Zuge des EU-Rahmenprogramms Horizon Europe mit sechs Millionen Euro. Davon fließen 350.000 Euro an den Forschungsstandort Essen. Das Projekt startet am 1. September 2026 und läuft fünf Jahre.
In Europa wird etwa jedes 70. Kind mit Autismus diagnostiziert – mangels wirksamer Früherkennungsindikatoren oft spät. Rund 10 Prozent aller Kinder kommen vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt und kleine Frühgeborene tragen ein mindestens dreifach erhöhtes Risiko. „Menschen mit Autismus weisen Funktionsstörungen in Gehirn, Abwehrsystem und Darm auf, doch die zugrunde liegenden Mechanismen und Zusammenhänge sind bislang nicht verstanden“, sagt Prof. Dr. Ursula Felderhoff-Müser, Direktorin der Klinik für Kinderheilkunde I. Dort setzen sie und ihr Team an; aus Essen werden entscheidende Daten geliefert.
Die Wissenschaftler:innen bündeln Daten aus großen Kohortenstudien mit Fokus auf Autismus und Frühgeburtlichkeit. Ziel ist, ein datengestütztes Abbild zu entwickeln, das individuelle Risiken und Krankheitsverläufe bei Autismus simuliert. Mithilfe dieses digitalen Zwillings sollen frühe Prognosemarker entstehen und neue Ansatzpunkte für gezieltere Therapien. Dadurch verbessern sich die Lebensqualität und Teilhabe für Menschen mit Autismus sowie für ihre Familien.
Eine Stärke des Essener Standorts ist eine außergewöhnlich gut charakterisierte Kohorte von mehr als 1.000 sehr früh geborenen Kindern, die vor der 32. Schwangerschaftswoche und mit weniger als 1.500 Gramm Gewicht auf die Welt gekommen sind. Essen ist Teil eines internationalen Konsortiums, bestehend aus 16 Partnerinstitutionen, unter anderem aus Großbritannien, Sweden und Frankreich.
Projektpartner: Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale (Koordination), Frankreich, Royal Melbourne Institute of Technology – Europe, Spanien, University Medical Center Utrecht – Utrecht University, Niederlande, Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen – Universitätsklinikum Essen, Deutschland, King's College London, England, University of Edinburgh, Schottland, Maastricht University, Niederlande, Universität Rostock, Deutschland, University of Gothenburg, Schweden, Unapei, Frankreich, Global Foundation for the Care of Newborn Infants, Deutschland, Technische Universität Dresden, Deutschland, Genos Ltd, Kroatien, Universität Genf, Schweiz, Inserm Transfer SA, Frankreich, RMIT University, Australien.
Im Bild: Prof. Dr. Ursula Felderhoff-Müser, Direktorin der Klinik für Kinderheilkunde I.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Ursula Felderhoff-Müser, Universitätsklinikum Essen, Direktorin der Klinik für Kinderheilkunde I, Tel. 0201/723-2451,ursula.felderhoff-mueser@uk-essen.de
Redaktion: Martin Rolshoven, Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen, Tel. 0201/723-6274,martin.rolshoven@uk-essen.de

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