© Privat/Karsten Andreas

Sportler Andreas Niedrig bei UDE-Gesundheitstagen

„Wer sagt, dass das Leben immer leicht sein muss?!“

In seiner Jugend war Andreas Niedrig drogenabhängig. Eine Therapie wurde zum Wendepunkt: Er holte seinen Schulabschluss nach, ließ sich zum Orthopädiemechaniker ausbilden und fand zum Sport. Sein Buch „Vom Junkie zum Ironman“ schildert seinen Lebensweg. Nach mehr als einem Jahrzehnt in der internationalen Triathlon-Elite beendete er 2023 seine aktive Karriere. Heute arbeitet er als Motivationscoach, Referent und Buchautor.

Am 14. September ist Niedrig zu Gast bei den Gesundheitstagen der UDE. Von 10 bis 11.30 Uhr spricht er im Glaspavillon am Campus Essen zum Thema „Wer sagt, dass das Leben immer leicht sein muss?!“ Wir haben vorab mit ihm gesprochen.

Herr Niedrig, Sport spielt in Ihrem bewegten Leben eine wichtige Rolle. Was bedeutet er Ihnen?

Irgendwann erkannte ich, dass ich Talent hatte. Ich wollte herausfinden, was daraus werden kann, wenn ich wirklich alles dafür tue. Daraus wurde eine mehr als 20-jährige Profisportkarriere. Wenn ich heute zurückblicke, ist eine Erkenntnis für mich besonders wichtig: Veränderung passiert selten auf einmal. Sie ist ein Prozess. Der Sport war deshalb nicht der Beginn meiner Veränderung, sondern ein späterer Teil meiner Entwicklung und eine Möglichkeit, aus meinen Fähigkeiten etwas Besonderes zu machen.

Resilienz ist ein häufig genannter Begriff. Was bedeutet mentale Stärke für Sie konkret?

Resilienz bedeutet nicht nur, nach einer Krise wieder aufzustehen, sondern beginnt mit Prävention. Es geht darum, Stress frühzeitig wahrzunehmen, eigene Grenzen zu kennen, für Regeneration zu sorgen, gute Beziehungen zu pflegen und den Umgang mit Gedanken und Emotionen zu lernen. Resilienz heißt, vor einer Krise ein Fundament aufzubauen, um besser mit Krisen umgehen zu können. Mentale Stärke bedeutet nicht, immer stark zu sein, sondern sich selbst und die eigenen Ressourcen zu kennen und rechtzeitig Unterstützung, Erholung oder Veränderung zu erkennen. Resilienz ist für mich keine Notfallstrategie, sondern eine Lebenskompetenz, die wir jeden Tag entwickeln können.

Wie gelingt es Ihnen, auch nach Rückschlägen motiviert zu bleiben?

Wenn ich weiß, warum ich etwas erreichen möchte, kann ich auch schwierige Phasen überstehen. Mein eigenes Leben hat mir gezeigt, dass Entwicklung nicht linear verläuft. Es gibt Fortschritte und Rückschritte, Erfolge und Niederlagen. Aus meiner Zeit als Profisportler weiß ich: Es gibt Trainingstage, an denen alles funktioniert, und es gibt Trainingstage, an denen man sich jeden Kilometer erarbeiten muss.

Die Gesundheitstage richten sich an Beschäftigte der UDE. Welche Botschaft möchten Sie ihnen mit auf den Weg geben?

Meine wichtigste Botschaft lautet: Vergesst euch selbst nicht! Wir kümmern uns um unsere Aufgaben, unsere Familien, unsere Kollegen und um die Erwartungen, die an uns gestellt werden. Dabei vergessen wir manchmal den wichtigsten Menschen in unserem Leben: uns selbst.

Gerade in einer Arbeitswelt, in der Leistung und Verfügbarkeit häufig selbstverständlich geworden sind, sollten wir uns immer wieder fragen: Was brauche ich eigentlich, damit es mir langfristig gut geht? Selbstfürsorge ist kein Egoismus. Sie ist die Voraussetzung dafür, langfristig für andere Menschen da sein zu können.

Worauf freuen Sie sich bei Ihrem Besuch an der UDE am meisten?

Ganz ehrlich: auf die Menschen. Ich werde oft gefragt: „Was möchtest du den Menschen mitgeben?“ Meine Antwort ist: Eigentlich gar nicht so viel. Ich möchte Menschen vielmehr an sich selbst erinnern und sie neugierig machen auf das, was in unserem Leben vielleicht am wichtigsten ist: wir selbst.

Ich möchte Menschen ermutigen, sich selbst immer wieder kennenzulernen, sich zu hinterfragen und die eigene Entwicklung bewusst in die Hand zu nehmen. Dazu gehört für mich auch, das eigene Selbstbewusstsein, den Selbstwert und das Selbstvertrauen immer wieder neu zu aktivieren und zu stärken.

Weitere Informationen:
https://www.uni-due.de/2026-09-03-gesundheitstage-und-messe-an-der-ude
https://www.uni-due.de/pe/bgm-news.php?id=53

Zurück