Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

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Ritter, Adolf Martin. Alte Kirche. Vol. 1 of Kirchen- Und Theologiegeschichte in Quellen. Ed. Heiko A. Oberman. 4 vols. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 1977, 20-21.

13. Der Bar-Kochba-Aufstand von 132-135/136 (Cassius Dio, Römische Geschichte 69,12 ff.; Justin, Apologie 1,31)

Über Ursachen und Verlauf der 2. jüdischen Revolte gegen Rom sind wir ungleich schlechter informiert als über den Krieg von 66-70, obwohl seit 1951 in der judäischen Wüste zahlreiche Originalfunde gemacht wurden, die von so wichtigen Details wie der Persönlichkeit und dem Wollen des Führers in diesem antirömischen Aufstand ein deutlicheres Bild vermittelten, als man es bis dahin besaß, und auch zum ersten Mal seinen eigentlichen Namen belegten: Simon ben Kosiba, genannt Bar Kochba (>Sternensohn< [nach dem messianisch gedeuteten und von Rabbi Akkiba auf Simon bezogenen Wort Num. 24,17]). Fest steht jedenfalls, daß es ein ernstzunehmender Krieg war, der sich längere Zeit hinzog, und sein Ausgang (bis 1948!) das Ende der nationalen Selbständigkeit Israels besiegelte. - in den Augen des griechischen Historikers Cassius Dio (um 200) in seiner »Römischen Geschichte« (69, 12 ff.) nimmt sich dieser Krieg so aus:

(12,1) Daß er [Hadrian] an Stelle der zerstörten Stadt Jerusalem eine andere aufbauen ließ, die er Aelia Capitolina nannte, und an der Stelle, wo der [70 n. Chr. niedergebrannte] Tempel des [jüdischen] Gottes stand, einen Tempel für Jupiter aufführen, beschwor einen ebenso gefährlichen wie langwierigen Krieg herauf. (2) Denn die Juden hielten es für einen Greuel, daß Ausländer ihre Stadt bewohnen und ein fremder Gottesdienst daselbst eingeführt werden sollte . . .

(13,1) Zunächst nahmen die Römer gar keine Notiz von ihnen [sc. den jüdischen Rebellen]; als aber ganz Judäa in Aufruhr war und die Juden überall auf Erden Unruhen anstifteten und zusammenströmten, auch den Römern teils geheim, teils offen vielfältigen Schaden zufügten und viele andere, auch Fremdstämmige, sich ihnen in Hoffnung auf Gewinn anschlossen /1/ . . ., (2) da schickte Hadrian seine besten Feldherrn ihnen entgegen und übertrug den Oberbefehl Julius Severus, den er von Britannien zum Feldzug gegen die Juden beordert hatte. (3) Dieser wagte es nun nicht, sich mit den Feinden auf eine förmliche Schlacht einzulassen, da er ihre Menge und ihren verzweifelten Mut erkannte, ließ aber einzelne ihrer Haufen durch seine Unterbefehlshaber angreifen, schnitt sie von der Lebensmittelzufuhr ab und schloß sie ein. Auf diese Weise gelang es ihm endlich, zwar langsam, aber desto sicherer, sie zu schwächen [und] aufzureiben

(14,1) Nur wenige kamen davon, 50 ihrer festesten Plätze, 985 ihrer bedeutendsten Ortschaften wurden zerstört, 580 000 kamen bei den Ausfällen und in den Schlachten um (die Zahl der durch Hunger, Seuche und Feuer Umgekommenen läßt sich nicht ausmachen), (2) so daß fast ganz Judäa zur Einöde wurde . . . (3) Aber auch die Römer hatten in diesem Kriege bedeutende Verluste, weshalb auch Hadrian in seinem Bericht an den Senat nicht, wie sonst bei Selbstherrschern (autokratores) üblich, die Worte vorausschickte: »Wenn ihr und eure Kinder euch wohlbefindet, so freut es mich; ich befinde mich mit dem Heer in gutem Zustand. «

Unter den Auswirkungen dieses Krieges hatten auch die Christen in Palästina zu leiden, wie Justin in seiner Apologie (1,31,6) berichtet:

Während des zu unserer Zeit tobenden jüdischen Krieges befahl nämlich Bar Kochba, der Anführer der jüdischen Abfallsbewegung, nur gegen die Christen vorzugehen, welchen er schwere Strafen auferlegte, wenn sie nicht Christus verleugneten und schmähten.

1. Wahrscheinlich Sklaven; bis zum Ende der Antike versuchten diese immer wieder, Insurrektionen und Barbareneinfälle dazu zu benutzen, um ihr Joch abzuschütteln.