Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

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Der große Sonnen-Hymnus des Echnaton

Assmann, Jan, (1938-). "Der "Große Hymnus" des Echnaton von Amarna (Amarnazeit, um 1340 v.Chr.)." TUAT 2,6. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 1991, 848-853.

(2) Schön erscheinst du
im Lichtland des Himmels,
du lebende Sonne, Ursprung des Lebens /1/.
Du bist aufgegangen im östlichen Lichtland,
und du hast jedes Land mit deiner Schönheit erfüllt.

Du bist schön, gewaltig und funkelnd,
du bist hoch über jedem Land.
Deine Strahlen, sie umfassen die Länder bis ans Ende deiner ganzen Schöpfung,
(3) als Re dringst du an ihre Grenzen
und unterwirfst sie deinem geliebten Sohn.
Du bist fern, aber deine Strahlen sind auf Erden,
du bist in ihrem Angesicht, aber man kann deinen Gang nicht erkennen.

Gehst du unter im westlichen Lichtland,
ist die Erde in Finsternis,
in der Verfassung des Todes.
Die Schläfer in der Kammer, verhüllt sind ihre Köpfe,
kein Auge sieht das andere.
Ihre Habe wird ihnen unter den Köpfen weg gestohlen, und sie merken es nicht.
(4) jedes Raubtier ist aus seiner Höhle herausgekommen,
alles Gewürm sticht.
Die Finsternis ist ein Grab,
die Erde liegt in Schweigen:
ihr Schöpfer ist untergegangen in seinem Lichtland.
Am Morgen bist du aufgegangen im Lichtland
und bist strahlend als Sonne des Tages.
Du vertreibst die Finsternis, du gibst deine Strahlen,
die beiden Länder sind im Fest täglich.

Was auf Füßen steht, erwacht: du hast sie aufgerichtet,
sie reinigen ihre Körper und ziehen (5) Leinengewänder an;
ihre Arme sind in Lobgebärden bei deinem Erscheinen,
das ganze Land tut seine Arbeit.

Alles Vieh befriedigt sich an seinen Kräutern,
Bäume und Pflanzen grünen.
Die Vögel fliegen auf aus ihren Nestern,
ihre Flügel in Lobgebärden für deinen Ka.
Alles Wild hüpft auf seinen Füßen,
alles, was auffliegt und niederschwebt,
(6) sie leben, wenn du für sie aufgehst.

Die Schiffe fahren stromab
und stromauf in gleicher Weise.
Jeder Weg ist offen durch dein Erscheinen.
Die Fische im Fluß springen vor deinem Angesicht;
deine Strahlen sind im Innern des Ozeans.

Der den Samen sich entwickeln läßt in den Frauen,
der Wasser zu Menschen macht;
der den Sohn am Leben erhält im Leib seiner Mutter
und ihn beruhigt, indem er seine Tränen stillt;
Amme (7) im Mutterleib, der Luft gibt, um alles zu beleben, was er geschaffen hat.

Wenn (das Kind) herabkommt aus dem Leib,
um zu atmen (?) am Tag seiner Geburt,
dann öffnest du seinen Mund zum Sprechen (?) und sorgst für seinen Bedarf.

Wenn das Küken im Ei
redet in der Schale,
dann gibst du ihm Luft darinnen, um es zu beleben;
du hast ihm seine Frist gesetzt,
um (die Schale) zu zerbrechen im Ei;
es kommt heraus aus dem Ei,
um zu sprechen zu seiner Frist;
es läuft auf seinen Füßen, wenn es aus ihm herauskommt.

Wie zahlreich sind deine Werke,
die dem Angesicht verborgen sind,
(8) Du einer Gott, dessengleichen nicht ist!
Du hast die Erde erschaffen nach deinem Herzen, der du allein warst,
mit Menschen, Herden und jeglichem Wild,
allem, was auf Erden ist und auf (seinen) Füßen läuft,
(allem,) was in der Luft ist und mit seinen Flügeln auffliegt.

Die Fremdländer von Syrien und Nubien
und das Land von Ägypten:
du stellst jedermann an seinen Platz und sorgst für ihren Bedarf,
jeder Einzelne hat zu essen, seine Lebenszeit ist festgesetzt.
Die Zungen sind verschieden im Sprechen,
ihre Eigenschaften (9) desgleichen;
ihre Hautfarbe ist unterschieden, (denn) du unterscheidest die Völker.

Du schaffst den Nil in der Unterwelt
und bringst ihn (herauf) nach deinem Willen,
um die Menschheit am Leben zu erhalten, wie du sie geschaffen hast;
du bist ihrer aller Herr, der sich abmüht mit ihnen.

Du Herr eines jeden Landes, der aufgeht für sie,
du Sonne des Tages, gewaltig an Hoheit!
Alle fernen Länder, du schaffst ihren Lebensunterhalt:
du hast einen Nil an den Himmel gesetzt, daß er herabsteige zu ihnen
(10) er schlägt Wellen auf den Bergen wie der Ozean,
um ihre Äcker zu befeuchten durch seine Berührung.

Wie wirksam sind deine Pläne, du Herr der unendlichen Zeit!
Der Nil am Himmel, du (gibst) ihn den Fremdvölkern
und den Wildtieren eines jeden Berglandes, die auf ihren Füßen laufen.
Der (eigentliche) Nil, er kommt
aus der Unterwelt nach Ägypten.

Deine Strahlen säugen alle Wiesen;
wenn du aufgehst, leben sie und wachsen um deinetwillen.
Du erschaffst die Jahreszeiten, um alle deine Geschöpfe sich entwickeln zu lassen,
(11) den Winter, sie zu kühlen,
die Sommerglut, damit sie dich spüren.

Du hast den Himmel fern gemacht, um an ihm aufzugehen,
um alles zu sehen, was du erschaffst, indem du allein bist.
Du bist aufgegangen in deiner Verkörperung als lebende Sonne,
du bist erschienen und strahlend,
du bist fern und nah (zugleich).

Du erschaffst Millionen Verkörperungen aus dir, dem Einen,
Städte und Dörfer,
Äcker, Weg und Fluß.
Alle Augen sehen dich ihnen gegenüber,
indem du als Sonne des Tages über (12) der Erde /2/ bist.

Wenn du gegangen bist, ist kein Auge mehr da, dessen Sehkraft du geschaffen hast,
damit du nicht (deinen) Leib (als) einziges deiner Geschöpfe sehen müßtest(?) /3/;
(aber auch dann) bist du in meinem Herzen, denn es gibt keinen, der dich kennte,
außer deinem Sohn (vollkommen an Gestalten ist Re, Einziger des Re)
Du läßt ihn kundig sein deiner Pläne und deiner Macht.

Die Erde entsteht auf deinen Wink, wie du sie geschaffen hast:
du gehst auf für sie - sie leben,
du gehst unter, sie sterben.
Du bist die Lebenszeit selbst, man lebt durch dich.

Die Augen ruhen (13) auf Schönheit, bis du untergehst,
alle Arbeit wird niedergelegt, wenn du untergehst im Westen.
Der Aufgehende, er läßt [alles Seiende] wachsen für den König;
Eile ist in jedem Fuß, seit du die Erde gegründet hast,

Du richtest sie auf für deinen Sohn, der aus deinem Leibe kam,
den König von Ober- und Unterägypten, der von der Wahrheit lebt,
den Herrn der beiden Länder (vollkommen an Gestalten ist Re, Einziger des Re),
den Sohn des Re, der von der Wahrheit lebt,
den Herrn der Kronen (Achanjati) mit langer Lebenszeit.

(…)


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Last modified: April 05, 2007