Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

[ Home | Aktuelles | Sekretariat | Studiengänge | Bereiche | Lehrveranstaltungen | Lehrpersonen   | Prüfungen ]

Schart, Aaron, Stand: 2007-04-05

Holger Delkurt, Erziehung im Alten Testament[1]

Glaube und Lernen 16, 2001, 26-39

Winfried Thiel zum 60. Geburtstag

                                   

»Mein Sohn, verwirf nicht die Züchtigung des Herrn und sei nicht unmutig ob seiner Strafe;

denn wen der Herr liebhat, den züchtigt er wie ein Vater den Sohn, dem er wohlwill.«

 

Keine andere Aussage hat wohl das Verständnis von Erziehung im Alten Testament so geprägt wie dieser Spruch aus Spr 3,11, hier in der Übersetzung der Zürcher Bibel. Danach setzt der liebende Vater die Rute ein, um seinen Sohn auf den rechten Weg zu bringen. Und auch wenn von der Erziehung durch Gott die Rede ist, stehe der Aspekt der schmerzhaften Strafe im Vordergrund. Nach einem bekannten und oft zitierten Votum des Alttestamentlers Lorenz Dürr aus dem Jahr 1932 wird »in den Weisheitstexten immer und immer wieder Strenge und Zucht bis aufs äußerste gefordert«[2]. Unsere Gegenwart sieht zu Recht in der körperlichen Bestrafung kein angemessenes Erziehungsmittel mehr. Sind die alttestamentlichen Überlegungen zur  Erziehung damit für uns ohne Bedeutung? Ich hoffe im folgenden zeigen zu können, daß die verbreitete Vorstellung von Erziehung im Alten Testament am Kern der Sache vorbeigeht und daß die Aussagen vielfach aufgeschlossener sind, als man das von fast 3000 Jahre alten Texten vielleicht erwarten würde. Um die Eigenheiten der alttestamentlichen Aussagen schärfer erfassen zu können, werde ich zunächst einen Blick auf Texte aus Ägypten werfen. Ägypten ist das Land, dessen Weisheitslehre berühmt ist wie kaum eine andere. Sein Einfluß auf Israel ist belegt durch die fast wörtliche Aufnahme von Ausschnitten aus der Lehre des Amenemope im alttestamentlichen Sprüchebuch (22,17 - 23,11).

 I. Erziehung in Ägypten

 

Informationen über die Erziehung in Ägypten finden sich insbesondere in den „Lehren“ (sb3jjt).[3]

 Die vorliegenden Quellen erstrecken sich über einen Zeitraum von über 2000 Jahren. Dennoch sind sich die Lehren vom Alten Reich, etwa der Lehre des Ptahhotep aus dem Jahr 2350 v.Chr., bis hin zur demotischen Lehre des Papyrus Insinger aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert grundsätzlich einig: Der junge Mensch bedarf der Erziehung. Daraus ergibt sich eine Pflicht für Eltern und Lehrer, die jungen Menschen mit dem nötigen Wissen auszustatten - wobei allerdings, wie auch im Alten Testament, nur die männliche Jugend ausdrücklich genannt wird. Etwa Ptahhotep versteht sich selbst

»als einen, der den Unwissenden zum Wissenden erzieht und zu den Regeln vollkommener Rede,
zum Nutzen dessen, der darauf hört, zum Schaden dessen, der dawider handelt.«[4]

Und der Papyrus Insinger hält zweieinviertel Jahrtausende später fest:

»Der Sohn, der nicht unterwiesen worden ist, dessen (Vater) erregt Verwunderung.
Das Herz seines Vaters wünscht ihm kein langes Leben.«[5]

Grundsätzlich gilt in Ägypten fast jeder Mensch als erziehungswürdig. Nur bei einigen wenigen ist die Erziehung sinnlos: Das sind diejenigen, die die Gottheit nicht als ein, wie es bildlich heißt, »prächtiges Holz«, sondern als ein »krummes Holz«[6] geschaffen hat. Ihnen fehlen Vernunft und Wille und damit die Voraussetzung für eine Beeinflußbarkeit zum Guten. Entsprechend warnen die Lebenslehren: »Mache nicht den Krummen gerade: Du kannst tun, was du willst, jedermann wird nach seinem Charakter gezogen, wie nur irgendein Glied von ihm.«[7] Im Normalfall kann ein junger Mensch allerdings von seiner Umwelt zum rechten Weg erzogen werden, und auch er selbst hat die Aufgabe, die Lehren zu beherzigen, um auf den rechten Weg zu kommen. Wesentliches Ziel der Erziehung ist das Erlernen eines „Ethos..., das durch Pflichtbewußtsein, Affektkontrolle und die Fähigkeit zur Einordnung bestimmt ist“[8]. Wer dies erreicht, wird als »rechter Schweiger« bezeichnet, der dem »Heißen« gegenübersteht.[9] Er kann, um einige charakteristische Eigenschaften zu nennen, gut zuhören, schreitet gegen Unrecht ein und ist von seinen Mitmenschen hochgeachtet. Er bemüht sich damit, dem Ideal der »Macat« zu entsprechen. Macat, das ist der zentrale, schillernde, nur schwer zu übersetzende Begriff der altägyptischen Weisheit, für den sich die Wiedergabe mit »Weltordnung« eingebürgert hat.[10]

Diese »Ordnung« ist bei der Erschaffung der Welt ein für allemal festgelegt worden[11] und verlangt für alle Zeit ihre Einhaltung. So heißt es bei Ptahhotep:

»Die Macat leuchtet, ihre Wirksamkeit dauert an,
sie ward nie verwirrt seit der Zeit dessen, der sie geschaffen hat.
Immer wird der bestraft, der ihre Gesetze übertritt.«[12]

Eine solche Vorstellung hat Folgen für die Aufgabe einer Erziehung: Ihr Ziel muß es sein, daß die Heranwachsenden die Lehren auswendig lernen und befolgen, ohne lange überlegen oder das Gewissen befragen zu müssen. Die Kinder sollen bald erwachsene Menschen werden. Darum müssen sie sich so früh wie möglich die für Erwachsene gültigen Normen aneignen. Primäres Erziehungsziel ist somit weder die Entwicklung einer individuellen Persönlichkeit, noch die Ausbildung zu einem eigenständigen, kritischen Denken, und ebensowenig die Befähigung zu eigener Urteilsbildung.[13] Vielmehr wird die Einhaltung der seit alters her gültigen Wahrheit und die Einfügung in die Tradition von den Jugendlichen erwartet.

Dieses Ideal wurde durchaus auch hinterfragt, wie der Epilog der Lehre des Ani[14] belegt. Hier fragt der als »Sohn« bezeichnete Schüler den »Vater«, ob es Sinn mache, die traditionellen Lehrschriften auswendig zu lernen, wenn man den Sinn nicht erfassen könne. Von sich selbst sagt der Schüler in dritter Person:

»Der Sohn ... versteht nur wenig und sagt bloß Sprüche aus den Büchern auf.
Wenn deine Worte von innen heraus gefällig sind, dann ist dein Herz bereit, sie froh anzunehmen...
Die Ausführung hängt von der Bereitschaft ab.«[15]

Der Lehrer weist das Ansinnen seines Schülers scharf zurück: 

»Der Kampfstier, der im Stall getötet hat, der vergißt und verläßt die Arena.
Er bezwingt seine Natur und befestigt, was ihm gelehrt worden ist. Er benimmt sich wie ein Mastochse.
Der grimmige Löwe legt seine Wildheit ab und gleicht einem klagenden Esel...
Der Hund gehorcht aufs Wort und geht hinter seinem Herrn her...
Sage du dir: ‚Ich kann das auch, was die Tiere können‘, sei gehorsam; du kannst doch auch, was sie tun...
Wende dich ab von diesem Geschwätz...
Bist du nun bereit, dich unterweisen zu lassen, oder bist du mißlungen?«[16]

Der Lehrer geht auf die Argumente seines Schülers nicht ein. Statt dessen führt er, wie dies auch andere Texte gerne tun, die Dressur von Tieren als Vorbild an: So wie die soll der Junge einfach gehorsam sein und das Grübeln über die Erziehung bleiben lassen.[17] Ein hoher Stellenwert wird hingegen der Weitergabe der Tradition eingeräumt.

Der Inhalt der Lehren wirkt sich auch auf die Methoden der Erziehung aus: Sie können den Schülern im Notfall »eingeprügelt« werden.[18] So droht Papyrus Anastasi V, eine Schulhandschrift aus dem Neuen Reich, einem Schüler an, der sich mit seinen Freunden in den Straßen der Stadt vergnügt:

    »Ich werde deine Beine schon lehren, durch die Gassen zu strolchen, wenn du mit der Nilpferdpeitsche geschlagen wirst.«[19]

Und Papyrus Anastasi III hält die süffisante Erkenntnis fest:

    »Das Ohr eines Jungen sitzt auf seinem Rücken; er hört, wenn man ihn schlägt.«[20]

Die Androhung von Schlägen hängt wohl mit dem Inhalt der Lehre zusammen: Der Heranwachsende soll unter allen Umständen zu einem nützlichen Menschen erzogen werden.

Das strikte Festhalten an der Tradition hat zwei Seiten: Zum einen wird der Heranwachsende wohl nur in Ausnahmefällen von Selbstzweifeln geplagt. Die auswendig gelernten Lebensregeln begleiten ihn durch sein gesamtes Leben und bieten für fast alle Situationen eine Anweisung, wie man sich zu verhalten hat. Das vermittelt natürlich ein starkes Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit.[21] Andererseits wird eine Weiterentwicklung und Anpassung an veränderte Voraussetzungen behindert oder sogar verhindert. So verwundert es nicht, daß die klassischen ägyptischen Lebenslehren bald ihre Bedeutung verloren haben, als sich die äußeren Bedingungen durch die Herrschaft fremder Mächte, d.h. vor allem der Griechen und Römer, änderten.

Außer dem inhaltlichen gibt es aber noch einen zweiten Grund, warum die ägyptische Weisheit für die Frage nach der Erziehung in Israel von Interesse ist: Wird im Alten Testament nicht recht deutlich, wo denn nun die Erziehung der Heranwachsenden stattfindet, kann ein Vergleich mit Ägypten weiterführen. Hier werden zwei Modelle erkennbar: Im Alten Reich nimmt ein alter, erfahrener Mann sich einen Schüler, der bei ihm lernen kann. Damit dominiert in der Frühzeit das sog. Famulus-System. Der bereits mehrfach erwähnte Ptahhotep ist ein Beispiel dafür. Im täglichen Umgang mit seinem Lehrer lernt der Schüler alles, was er für sein Leben - und das heißt vor allem für sein Berufsleben - braucht, vom Schreiben bis hin zum rechten Umgang und Benehmen am Hofe. Dies ist zentraler Inhalt auch späterer Lehren; ab dem Mittleren Reich wird der Lernstoff aber in Schulen vermittelt, in denen mehrere Schüler von einem Lehrer ausgebildet werden.[22] Diese Schulen bilden wohl vor allem den Beamtenapparat für die Verwaltung aus, so daß das richtige Verhalten gegenüber dem König sowie gegenüber Vorgesetzten und Untergebenen eine wichtige Rolle spielt. Werbend wird der Beruf des Beamten angepriesen, der es nach Meinung der Schreiber so viel besser hat als alle anderen Berufsgruppen.[23]

So wie die Intention der älteren Weisheitsschriften stark von einem Thema bestimmt ist, der Ausbildung der Beamtenschaft für den Verwaltungsapparat, so ist auch ihre Darstellung weitgehend einheitlich und handelt wichtige Aspekte der Erziehung in längeren, geschlossenen Abschnitten ab. Erst in der Spätzeit ändert sich dies. In ihrer Geschlossenheit unterscheidet sich die ägyptische Weisheit deutlich von weiten Teilen des alttestamentlichen Sprüchebuchs, dem ich mich nun zuwenden will.

 

II. Weisheitliche Erziehung im Alten Testament

Nur in dem jüngsten Teil des Buches, in Spr 1 - 9, finden sich ähnlich ausführliche Lehrreden wie in Ägypten. Diese Lehrreden betrachten ein Thema unter verschiedenen Aspekten und stellen dabei vor allem ganz grundsätzliche Überlegungen zum Wesen der Weisheit und zur Notwendigkeit ihrer Einhaltung an. Ganz anders liest sich hingegen der Kern des Sprüchebuchs, die Kapitel 10 - 29: Ein einzelner zentraler Gedanke wird in kurzer, prägnanter Form dargelegt - meist enthält ein Spruch, ein sogenannter maschal, im Hebräischen nicht mehr als 6 - 8 Wörter. Die Sätze sind in der Regel zweigliedrig aufgebaut und stehen im Parallelismus membrorum. Die Sprüche wollen einen Sachverhalt in aller Kürze festhalten, so daß man sich ihn leicht einprägen kann.[24]

 Indem Wert auf Memorierbarkeit gelegt wird, wird bereits deutlich: Die Aussagen haben eine erzieherische Intention.

Interessant ist die Form der Sprüche, die sich wieder von der der meisten ägyptischen Lebenslehren unterscheidet: Nur 5 Prozent wenden sich in Form eines Mahnworts direkt an ein Gegenüber und raten ihm etwas oder fordern es zu einer bestimmten Handlung auf. Die große Mehrzahl von 95 Prozent hingegen hält Beobachtungen fest und teilt sie in Form einer Aussage mit. So fordert Spr 29,3 eben nicht:

    »Liebe die Weisheit, damit du deinen Vater erfreust,
    und verkehre nicht mit Huren, damit du dein Vermögen nicht vernichtest .«

Vielmehr wird derselbe Inhalt als Erfahrungsaussage formuliert:

    »Wer Weisheit liebt, erfreut seinen Vater,
    wer aber mit Huren verkehrt, vernichtet sein Vermögen.«

Welches mögen die Gründe dafür sein, daß die Erzieher in Israel - anders als die Mehrzahl ihrer ägyptischen wie auch ihrer mesopotamischen Kollegen - nicht vorwiegend im Imperativ ein bestimmtes Verhalten von den Heranwachsenden verlangen, sondern ihnen einen Erfahrungssatz vorlegen? In der Sache besteht sicherlich kein Unterschied![25] Ob nun als Mahnwort oder als Aussagewort formuliert, die Erwartung, die hinter einer solchen Aussage steht, ist deutlich: Daß man sich eben der Weisheit zuwendet und nicht dem Vergnügen der Straße. Dann liegt es aber nahe, die unterschiedliche Form als ein bewußt eingesetztes pädagogisches Mittel zu verstehen: Es wird festgehalten, welche Konsequenzen ein bestimmtes Verhalten nach sich zieht - oder zumindest nach sich ziehen kann. Ein unmittelbar einleuchtendes Beispiel für einen Zusammenhang von Tun und Ergehen[26] findet sich in Spr 10,4(cj):

    »›Arm wird‹, wer mit lässiger Hand arbeitet,
    aber die Hand des Fleißigen macht reich.«

Indem die Einsichten der Sentenz als Aussage und nicht als Forderung an den Heranwachsenden ergehen, wird ihm ein sehr viel größerer Freiraum gelassen. Er wird nicht zu einer unmittelbaren Reaktion herausgefordert, sondern hat Zeit, über die Aussage des Wortes nachzudenken. Die Sprüche wollen überzeugen. Die Hörer oder Leser sollen durch eigene Reflexion dieser kurzen Merksätze dazu gebracht werden, ihren Inhalt anzuerkennen und zu bejahen. Sie sollen eben zur Einsicht geführt werden. Einsicht gewinnt man be­kanntlich nicht einfach dadurch, daß man Forderungen unreflektiert befolgt. Einsicht kann nur da erfolgen, wo die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit einem Ansinnen des Gegenübers besteht. Natürlich stehen keine zwei gleichwertigen Wege zur Auswahl, das zeigt schon die Schwarz-Weiß-Technik, die die Sprüche so lieben. Es ist deutlich: Die Sprüche wollen den Adressaten davon überzeugen, in eine bestimmte Richtung zu gehen. Aber sie sollen diese Richtung nicht aus blindem Gehorsam gegen eine Forderung oder zur Wahrung einer bestimmten Tradition einschlagen, sondern weil sie sie als richtig erkannt haben und für sich bejahen können.

Damit wird auch bereits eine Eigenheit des Alten Testaments im Umgang mit der Tradition deutlich: So wichtig Tradition ist, sie ist nicht von einer Urschöpfung her gültig, sie ist nicht vor allen Zeiten angelegt worden und darum unhinterfragt zu befolgen. Tradition ist kein Wert für sich. Gewiß haben sich über Generationen hinweg bestimmte Grundhaltungen und Verhaltensweisen bewährt und sind darum weitergegeben worden. Aber der Gedanke einer Weltordnung von Urzeiten an findet sich im Alten Testament so nicht. Die Proverbien beziehen ihren Anspruch vielmehr aus der Anerkennung durch die, für die sie geschaffen wurden. Entsprechend wird die Erziehung im Alten Testament auch nie als eine Dressur von Tieren beschrieben, wie sich dies in den ägyptischen Texten gelegentlich findet. Zwar begegnet auch im Alten Testament mehrfach ein Tiervergleich, nun aber eben in ganz anderer Form. Hier wird etwa der Tor als der Mensch ohne Einsicht mit einem Tier verglichen; etwa in Spr 26,3 heißt es in spöttisch-sarkastischem Ton:

    »Die Peitsche ist für das Pferd, der Zaum für den Esel,
    und der Stock für den Rücken des Toren.«
 

Und nur wenige Verse später:

    »Wie ein Hund, der zu seinem Kot zurückkehrt,
    so ist der Tor, der seine Torheit wiederholt.« (26,11)

Statt zu „dressieren“ wirbt die Weisheit regelrecht um die Einsicht der Heranwachsenden in das Richtige. Sie gebraucht dazu verschiedene Methoden vom dringlichen Einreden bis hin zum Stilmittel der Satire, das überraschend viele Sentenzen prägt.[27] Der überzogene Spott wird viele Jugendliche sicher eher ansprechen als jede noch so gutgemeinte Mahnung zu richtigem Verhalten. Man vergleiche nur einige Sprüche zu dem Faulen. Da heißt es einmal in einem Mahnwort:

    »Liebe nicht den Schlaf, damit du nicht arm wirst!
    Mach deine Augen früh auf und hab so satt zu essen!« (20,13)

Und zum anderen in zwei Spottworten:

    »Es spricht der Faule: Eine Löwe ist draußen! Mitten auf der Straße könnte ich getötet werden.« (22,13)
    »Die Tür dreht sich in ihrer Angel und der Faule auf seinem Bett.« (26,14)

Auf jeden Fall zeigt sich eine gewisse Methodenvielfalt, um die Adressaten zu erreichen und zur rechten Einsicht zu bewegen.

Neben den Sätzen, die unmittelbar einleuchten, finden sich andere, denen zuzustimmen schwerer fällt. Das gilt etwa für einen Satz, der auch heute noch Gemeingut ist:

    »Wer (anderen) eine Grube gräbt, fällt (selbst) hinein,
    und wer einen Stein wälzt, auf den rollt er zurück.« (26,27)

Nach gängiger Erfahrung wird zunächst erst einmal der in die Grube fallen, für den sie auch gegraben worden ist, damals sicher nicht anders als heute. So hält dieser Spruch eher fest, was sein soll, nicht, was ist. Ähnliches gilt für den nächsten Spruch:

    »Wer den Geringen bedrückt, um für sich zu vermehren,
    (und) wer dem Reichen gibt - nur zum Mangel (führt beides).« (22,16)

Auch dieser Satz ist kaum durch Erfahrung gedeckt. Zu bereichern versucht man sich im allgemeinen eher bei denen, die sich am wenigsten dagegen wehren können, während man sich bei den Einflußreichen durch kleine Geschenke oder Bestechungen Vorteile zu verschaffen erhofft. Auch hier hält die Sentenz fest, was sein soll: Eben couragiertes Eintreten für Arme und Bedürftige, statt Anbiedern an Mächtige in der Hoffnung auf schnellen Gewinn. Insofern wird in diesen Sprüchen ein Ethos formuliert, das Anspruch auf Gültigkeit auch gegen die Wirklichkeit beansprucht, die vor Augen liegt. Wenn die Erwartung dessen, was eigentlich sein soll, in die Form einer Tatsachenfeststellung gekleidet wird, dann kommt die Zuversicht zum Ausdruck, daß das »Soll« noch zum »Sein« wird. Ihr Vertrauen beziehen diese Sprüche wohl einerseits aus der Überzeugung, daß einer schlechten Tat ein schlechtes Ergehen bereits innewohnt. Andererseits besteht aber auch Zuversicht auf ein Eingreifen Jhwhs selbst, der, wie zahlreiche Sprüche zeigen, zur Durchsetzung seines Willens persönlich intervenieren kann. So begegnet gerade in diesen Kontexten, die ein bestimmtes Ethos einfordern, gehäuft der Jhwhname:

    »Eine Anleihe an Jhwh gibt, wer sich des Geringen erbarmt,
    und seine Tat vergilt er ihm.« (19,17)

Es ist ein entscheidendes Anliegen der Sprüche, den Heranwachsenden deutlich zu machen: Auch auf Situationen des Alltags kann Gott einwirken, auch sie hat er im Blick. Er hat sich nicht nach der Schöpfung aus der Welt zurückgezogen, sondern nimmt weiterhin Einfluß auf ihr Geschehen. So lernen die Jugendlichen früh, den Willen Jhwhs und sein mögliches Eingreifen in den Alltag mitzubedenken. Nur an wenigen Stellen fordert die alttestamentliche Weisheit die Heranwachsenden zu einer bestimmten, konkreten Handlung auf. Zumeist formuliert sie eher allgemein und grundsätzlich. Etwa gegenüber dem Armen wird »Erbarmen« gefordert. Worin das Erbarmen im einzelnen besteht, welche konkrete Tat in einer bestimmten Situation gefordert ist, muß sich der Angesprochene dann selbst überlegen. Die Weisheit zielt darauf ab, daß die Heranwachsenden eine Grundhal­tung entwickeln. Sie sollen eine solide Grundlage für ihr zukünftiges Leben ausbilden, die ihnen in der jeweiligen Situation eine angemessene Handlung erlaubt. So zeigt sich auch wieder das Interesse der alttestamentlichen Erziehung, den Jugendlichen nicht einfach einen Kanon von vorgefertigten Verhaltensweisen für bestimmte Situationen vorzulegen, die sie dann nur noch befolgen müssen. Vielmehr sollen sie dazu befähigt werden, eigene Persönlichkeiten auszubilden, die zu aktuellen Entscheidungen fähig sind. Damit genießen diese Heranwachsenden eine große Freiheit, die zugleich eine große Eigenverantwortlichkeit für den einzelnen mit sich bringt.

Das Organ, mit dem die weisheitliche Erziehung aufgenommen werden soll, ist dann auch in der Regel das Ohr, weniger der Rücken. Die Begriffe, die in den deutschen Übersetzungen zumeist mit »Zucht« oder »Züchtigung« wiedergegeben sind und an den ungehemmten Einsatz des Rohrstocks denken lassen, haben im hebräischen wie auch in Israels Umwelt schlicht die Bedeutung »Unterweisung«.[28] Unterweisung nun geschieht durch das Wort und wird durch Hören aufgenommen; vgl. 19,20:

    »Höre auf Ratschlag und nimm Erziehung an,
    damit du weise bist in Zukunft.«

Ziel der Unterweisung sind Weisheit und Einsicht, und die lassen sich nicht mit Schlägen erzielen. Nur an einigen wenigen Stellen dient die Rute als Erziehungsmittel. Dann ist sie kein der mündlichen Erziehung gleichberechtigtes, sondern ein ihr untergeordnetes Mittel. Sie darf eingesetzt werden, um den Sohn, bei dem die mündliche Erziehung zu keinem Ergebnis geführt hat, vor dem Abgleiten in die Unterwelt, wie es in 23,13f heißt, also vor dem Tod, zu bewahren. Die Schläge sollen in diesem Fall dem Sohn einen Vorgeschmack auf das geben, was ihn erwartet, wenn er die Regeln des Miteinanders weiterhin verletzt.

Damit komme ich zu dem eingangs erwähnten Vers aus dem Kapitel 3. Die Übersetzung der Zürcher Bibel sei nochmals in Erinnerung gerufen:

    »Mein Sohn, verwirf nicht die Züchtigung des Herrn und sei nicht unmutig ob seiner Strafe;
    denn wen der Herr liebhat, den züchtigt er wie ein Vater den Sohn, dem er wohlwill.«

Ersetzt man den Begriff des Züchtigens durch den der Erziehung, bekommt die Sentenz einen ganz anderen Klang:

    »Mein Sohn, verwirf nicht die Unterweisung Jhwhs, und sei nicht unmutig über seine Erziehung;
    denn wen er liebt, den erzieht Jhwh wie ein Vater den Sohn, an dem er Gefallen hat.«

Hier wird ein Bild gezeichnet von Jhwh als Erzieher, der dem Heranwachsenden die Lebensgrundlagen vermittelt. Damit fügt sich die Aussage gut in den Kontext des Lehrgedichts Spr 3,1-12 ein. Nach diesem Gedicht kommt Einsicht allein durch ein Vertrauen auf Jhwhs Belehrung und durch Jhwhfurcht zustande. Nur wer auf Jhwhs Weisung hört und seine Gebote beachtet, wird ein gelingendes Leben führen können. Darum wird die Vermittlung von Jhwhs Tora und seines Willens als eine Tat seiner Liebe gepriesen. Gott wird als väterlicher Pädagoge verstanden, der den Weg zum Leben aufzeigt. Der Theodizeegedanke, den bereits die Übertragung der Septuaginta und in ihrem Gefolge der Hebräerbrief (12,5f) aus der Stelle herauslesen,[29] ist diesem Text denkbar fern.

III. Der Ort der Erziehung

Auf wen gehen die alttestamentlichen Sprüche zurück, und von wem wurden sie tradiert? Kaum ein Thema ist in der alttestamentlichen Weisheitsforschung so umstritten.[30] Im Gegensatz zu Israels Umwelt gibt es weder für eine Schuleinrichtung noch für ein Famulussystem ausreichende Hinweise. Nur wenige Texte wurden bei Ausgrabungen gefunden, die allgemein als Schreib­übungen anerkannt sind und damit als Schülertexte qualifiziert werden können.[31] Eine Notwendigkeit, das Schreiben zu erlernen, besteht wohl zum einen für Angehörige des Militärs, zum anderen für die Beamten in Jerusalem und die Priesterschaft. Wie groß die Zahl derer ist, die eine Schreibausbildung benötigten, und ob sie entsprechend in kleineren Lerngruppen bei einem »Lehrherrn« oder doch in Schulen ausgebildet wurden, läßt sich bislang nicht sicher erkennen.

Zusammengestellt wurden Spr 10 - 29 so, wie sie jetzt vorliegen, wohl redaktionell am Königshof. Die Einleitung des Abschnitts Kap. 25 - 29 bemerkt dies ausdrücklich:

    »Auch dies sind Salomosprüche,
    die die Männer des Hiskia, des Königs von Juda, zusammengestellt haben.« (25,1)

Allerdings sagt diese Sammlertätigkeit noch wenig über die Entstehung der einzelnen Sprüche[32] und den Gebrauch der Sprüchesammlung aus. Anders als in vielen vordemotischen Texten Ägyptens, steht nicht die Befähigung zu einem einzelnen Beruf im Vordergrund. Zudem fällt die Vielzahl der Themen und ihre Variationsbreite auf. Vermutlich sind viele der Sprüche im Volk entstanden, wie auch die Mehrheit der Vertreter der Schulhypothese einräumt. Etwa Sprüche, die sich mit dem Ackerbau befassen, wird man nur schlecht mit den besonderen Erfordernissen einer Beamtenschule in Verbindung bringen lassen. Die meisten anderen Sprüche sind so allgemein gehalten, daß sie weit über die Schulen hinaus von Bedeutung sind - warum sollte man bei der Ausbildung zu einem bestimmten Beruf solche allgemeinen Regeln verfassen? Schließlich spricht vor allem die Rede von Vater und Mutter als den Erziehern des Heranwachsenden für die Familie als Ursprungsort der Sprüche:

    »Höre, mein Sohn, auf die Erziehung deines Vaters,
    und verwirf nicht die Weisung deiner Mutter!« (1,8)[33]

Die Anrede des Lehrers als Vater und des Schülers als Sohn analog zu vielen ägyptischen Weisheitstexten wäre nicht denkbar, wenn dieser Situation nicht die Erziehung in der Familie als primäre Situation vorausgehen würde. Nähe zum Hof legen hingegen einige Königssprüche nahe (etwa 16,14). Sind diese Sprüche möglicherweise bei der Zusammenstellung und Überarbeitung älterer Sammlungen am Hof in den bestehenden Text eingefügt worden? Die exponierte Stellung der Königssprüche unterstützt jedenfalls diese Vermutung. Die meisten Sprüche sind jedoch so weit formuliert, daß sie für zahlreiche Situationen Geltung beanspruchen können und für verschiedenste Hintergründe denkbar sind. Eben diese Allgemeinheit sowie eine Ermangelung von Aussagen über ihre Entstehung erschwert eine Zuweisung der Sprüche zu einem einheitlichen »Sitz im Leben«.[34]

 

IV. Religiöse Erziehung im Alten Testament

Ist mit den Proverbien immerhin ein ganzes Buch überliefert, das sich mit der Erziehung im Alltag befaßt, finden sich nur wenige Hinweise auf die religiöse Erziehung der Heranwachsenden.[35] Der Schwerpunkt liegt vor allem in der sog. Nachkommenbelehrung, die auch Katechese genannt wird. Sie ist erst in Texten aus deuteronomisch-deuteronomistischen Kreisen, also in exilisch-nachexilischer Zeit, belegt und spiegelt so eine bestimmte Problemlage wider. Ein typisches Beispiel ist Dtn 6,20-24:

»Wenn dich künftig dein Sohn fragt: ‚Was hat es mit den Zeugnissen und Satzungen und Rechten, die Jhwh, unser Gott, euch geboten hat, für eine Bewandtnis?‘, so sollst du deinem Sohn sagen: ‚Knechte des Pharao sind wir in Ägypten gewesen, aber Jhwh führte uns mit starker Hand aus Ägypten heraus, und Jhwh brachte vor unseren Augen große und schlimme Zeichen und Wunder über Ägypten, über den Pharao und sein ganzes Haus. Uns aber führte er von dort heraus, um uns hineinzubringen und uns zu geben das Land, das er unseren Vätern verheißen hat. Und Jhwh gebot uns, alle diese Satzungen zu befolgen, Jhwh, unseren Gott zu fürchten, daß es uns allezeit wohl gehe, uns am Leben zu erhalten, wie es heute der Fall ist.«

Nicht Kinder selbst werden hier belehrt, sondern vielmehr der Vater, damit er auf die künftigen Fragen seines Sohns eine Antwort geben kann. Ihm wird hier die Kompetenz zur religiösen Unterrichtung erteilt, und zwar vermutlich von Priestern. Diese didaktische Tendenz half zweifelsohne mit, den Glauben auch nach der Zerstörung des ersten und zweiten Tempels zu bewahren. Es fällt auf, daß die Begründungen in allen fünf sog. Katechesen[36] in die ferne Vergangenheit zurückgehen, wenn insbesondere auf die Ereignisse des Auszugs aus Ägypten verwiesen wird.

Hier zeigt sich nun ein von der Weisheit deutlich unterschiedenes Erziehungsziel: Es geht nicht darum, sich durch kritische Reflexion eine Grundhaltung zu erarbeiten, die ein erfolgreiches und gemeinschaftsgemäßes Handeln in der Zukunft ermöglicht. Es geht jetzt vielmehr um Anknüpfung an eine ferne Vergangenheit, in der wesentliche Grundlagen für das Heute gelegt wurden. Dabei wird an Gottes heilvolles Handeln als der Basis gegenwärtiger Existenz erinnert. Aufgabe der Israeliten ist es, sich diese Grundlage in ihre Erinnerung zu rufen. Erinnerung wird aber nicht nur als ein distanziertes Bedenken vergangener Ereignisse verstanden, sondern als ein Geschehen, dessen Wirkung in die Gegenwart und in die Zukunft reicht. Die Berufung auf Ereignisse der Geschichte ist »nur möglich auf der Basis der Glaubensüberzeugung, daß auch vergangene Heilstaten Zukunftwirkung haben, daß sich in der Errettung ‚meines Vaters, des umherirrenden Aramäers‘ jeder Israelit je schon gerettet wissen kann«[37]. Diese Rückbindung gilt auch in Zeiten, die dieser Einsicht des Heils und der Rettung zu widersprechen scheinen, in diesem Falle unter den Bedingungen der Zerstörung des Südreichs im Jahre 587. Insofern besteht ein wesentliches Ziel religiöser Erziehung - im Unterschied zur weisheitlichen Erziehung - darin, angesichts der Vergänglichkeit, die die gegenwärtige Erfahrung bestimmt, das Bleibende, die Verläßlichkeit der Zusagen wie auch des Handelns Gottes zu betonen, die bleibende Gültigkeit von Tradition in Erinnerung zu rufen und damit in Zeiten der Infragestellung Sicherheit zu vermitteln.

 

V. Ausblick

Die Israeliten können im Alten Testament an verschiedenen Stellen auf das angesprochen werden, was sie in früheren Tagen gelernt haben. Damit ist in Ansätzen eine inneralttestamentliche Wirkungsgeschichte der Erziehung erkennbar, auf die ich abschließend allerdings nur einen kurzen Ausblick geben möchte. Die Propheten haben zum einen die Aufgabe, den Israeliten das kommende Unheil anzusagen, zum anderen müssen sie das Unheil durch Vergehen des Volks in Vergangenheit und Gegenwart begründen. Das Volk ist - vereinfacht ausgedrückt - aber nur dann auf seine Schuld ansprechbar, wenn ihm zuvor aufgezeigt worden ist, was es darf und was es nicht darf. Eine dieser Quellen ist die alttestamentliche Spruchweisheit, die ein bestimmtes Ethos von den Israeliten erwartet und es gelegentlich als »Willen Jhwhs« deklarieren kann. So spielt die Prophetie im Rahmen ihrer Unheilsbegründungen häufig auf Weisheitssentenzen an und hält den Israeliten damit entgegen: »Ihr hättet wissen können oder sogar müssen, welches Verhalten Gott von euch erwartet, weil ihr es gelernt habt.« Bereits der älteste der sogenannten Schriftpropheten, Amos, bezieht sich im Rahmen seiner Schuldaufweise auf Einsichten des Sprüchebuchs.[38] Wenn verschiedene Propheten auf die Sprüche zurückgreifen, machen sie deutlich: Die Israeliten hätten den rechten Weg kennen können. Indem sie sich gegen den rechten Weg entschieden haben, müssen sie nunmehr die Verantwortung tragen.

Weisheitlicher Hintergrund schimmert auch in zahlreichen rhetorischen Fragen der Propheten durch. Die Antworten auf die Fragen sind allgemein einsichtig. Es wird vorausgesetzt, daß die Angesprochenen diese Antworten von ihrer Erziehung her eigentlich wissen müßten.[39] In den Disputationsworten nehmen die Propheten die rhetorische Frage auf und lassen sie in eine Folgerung münden. Im Disputationswort geht der Prophet »auf Einwände gegen seine Botschaft ein, stellt sich mit seinen Hörern insofern auf einen Boden, als er sie von dem Recht oder gar der Notwendigkeit seiner Verkündigung zu überzeugen, seine Zeitgenossen zur rechten Einsicht zu führen sucht«[40]. Die Form der rhetorischen Frage und der Vergleich mit Regeln vor allem aus dem Bereich der Natur will den Hörern ihr unnatürliches Verhalten vorhalten. Auch hier gilt: Eigentlich hätten sie es besser wissen müssen.

Der Exilsprophet Deuterojesaja erinnert wie kein anderer an das, was die Israeliten einmal gelernt haben. Auf deren Zweifel am Handeln Gottes reagiert er mit einer Reihe von bedrängenden Fragen:

    »Wißt ihr es denn nicht? Hört ihr denn nicht? Ist es euch nicht kundgetan von Anfang an?
    Habt ihr es nicht verstanden, seit die Erde gegründet wurde?« (Jes 40,21; vgl. V 27f)

Durch Rückbesinnung auf das, was es gehört und gelernt hat, soll Israel nach dem Ende des Exils wieder zu neuen Kräften kommen. Die Erinnerung und Anknüpfung an die Grundlagen der religiösen Erziehung soll den Müden Kraft geben. So dient der Verweis auf die Inhalte der Tradition zugleich der Neubesinnung auf Gottes zukünftiges Heilshandeln; das früher einmal Gelernte kann zur Grundlage für das Kommende werden:

    »Die auf Jhwh harren, erneuern die Kraft, sie treiben Schwingen wie die Adler.
    Sie laufen und werden nicht matt, sie wandern und werden nicht müde.« (40,31)  


 

[1]Diesem Beitrag liegt meine öffentliche Antrittsvorlesung an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn, gehalten am 31.5.2000, zugrunde, die allerdings wesentlich gekürzt wurde (v.a. in Kap. III).

[2]Lorenz Dürr, Das Erziehungswesen im Alten Testament und im Antiken Orient (MVÄG 36/2), Leipzig 1932, 114.

[3]Für Hinweise zu diesem Abschnitt danke ich Herrn Bernd U. Schipper.

[4]Hellmut Brunner, Die Weisheitsbücher der Ägypter, Zürich/München 1991, 111 Z. 41-44.

[5]A.a.O., 313, Z. 191f.

[6]Vgl. Hellmut Brunner, Art. Erziehung, in: LdÄ II (1977), 22-27, hier 24f; ders., Zentralbegriffe ägyptischer und israelitischer Weisheitslehren (1984), in: ders., Das hörende Herz (OBO 80), Freiburg (CH)/Göttingen 1988, 402-416, hier 414f.

[7]H. Brunner, Art. Erziehung, 24f. Vgl. auch die Aufnahme des Motivs in Koh 1,15; 7,13.

[8]Aleida Assmann, Was ist Weisheit?, in: dies. (Hg.), Weisheit, München 1991, 15-44, hier 21.

[9]Vgl. zusammenfassend H. Brunner, Zentralbegriffe, 408.

[10]Vgl. Hans Heinrich Schmid, Gerechtigkeit als Weltordnung (BHTh 40), Tübingen 1968; zur Kritik an dieser Wiedergabe vgl. Jan Assmann, Macat, München 1990, bes. 31ff: Er sei zum einen zu statisch, zum anderen berücksichtige er zu wenig die sozialen und ethischen Aspekte der Vorstellung.

[11]Hellmut Brunner, Altägyptische Erziehung, Wiesbaden 1957, 142.

[12]H. Brunner, Weisheitsbücher, 113 Z. 80-82.

[13]H. Brunner, Altägyptische Erziehung, 146f

[14]Sie stammt wohl aus dem 15. oder 14. Jahrhundert.

[15]H. Brunner, Weisheitsbücher, 212, Z 357ff; 213, Z. 402.

[16]Ebd., Weisheitsbücher, 212ff, Z 372ff.

[17]H. Brunner, Altägyptische Erziehung, 137.

[18]Vgl. James L. Crenshaw, Education in Ancient Israel, New York 1998, 148ff.

[19]H. Brunner, Altägyptische Erziehung, 173.

[20]A.a.O., 171.

[21]A.a.O., 149f.

[22]A.a.O., 13f.

[23]Etwa die Lehre des Cheti (aus der 12. Dynastie, also ca. 19. Jhdt. v. Chr.) versucht den Schülern die Mühen des Lernens zu erleichtern, indem sie einerseits die Anstrengungen der anderen Berufe in überzogener Form darstellt und andererseits das sorgenfreie Leben der Beamten preist.

[24]Allerdings gestalten die Redaktionen durch ihre Anordnung der - ursprünglich mehrheitlich wohl selbständig tradierten - Sprüche einen Deutungsrahmen, innerhalb dessen sie diese Aussagen verstanden wissen wollen; vgl. dazu etwa Arndt Meinhold, Die Sprüche (ZBK 16/1+2), Zürich 1991; Ruth Scoralik, Einzelspruch und Sammlung (BZAW 232), Berlin/New York 1995 (Lit.); Andreas Scherer, Das weise Wort und seine Wirkung (WMANT 83), Neukirchen-Vluyn 1999 (Lit.).

[25]So auch J.L. Crenshaw, 124: »The statements of truth were just as authoritative as Instructions despite their different literary form.« Vgl. zur Erziehung im AT auch Jutta Hausmann, Studien zum Menschenbild der älteren Weisheit (FAT 7), Tübingen 1995, 168ff.

[26]Zur Diskussion um den »Tun-Ergehen- Zusammenhang« vgl. zuletzt Bernd Janowski, Die Tat kehrt zum Täter zurück (1994), in: ders., Die rettende Gerechtigkeit, Neukirchen-Vluyn 1999, 167-191; J. Hausmann, 231ff.

[27]Vgl. dazu Alexander B. Ernst, Karikaturen in der alttestamentlichen Spruchweisheit, in: Verbindungslinien (FS W.H. Schmidt), hg. von A. Graupner u.a., Neukirchen-Vluyn 2000, 57-64.

[28]Vgl. Holger Delkurt, Ethische Einsichten in der alttestamentlichen Spruchweisheit (BThSt 21), Neukirchen-Vluyn 1993, 30ff.

[29]Vgl. Erich Grässer, An die Hebräer (10,19-13,25) (EKK XVII/3), Zürich/Neukirchen-Vluyn 1997, 256ff.

[30]Vgl. zur Diskussion Gunther Wanke, Der Lehrer im alten Israel, in: Schreiber, Magister, Lehrer (Schriftenreihe zum Bayerischen Schulmuseum Ichenhausen 8), hg.  v. J.G. Prinz von Hohenzollern/M. Liedtke, Bad Heilbrunn 1989, 51-59 (Lit.); J.L. Crenshaw, 85ff. Einen starken Einfluß des Königshofs auf die Sprüche erkennen vor allem Hans-Jürgen Hermisson, Studien zur israelitischen Spruchweisheit (WMANT 28), Neukirchen-Vluyn 1968, und zuletzt Michael V. Fox, The social location of the Book of Proverbs, in: Texts, Temples, and Traditions (A Tribute to Menahem Haran), hg. v. M.V. Fox u.a., Winona Lake 1996, 227-239. Für eine Herkunft aus dem Volk plädiert im Gefolge von C. Westermann vor allem Friedemann W. Golka, Die israelitische Weisheitsschule oder »Des Kaisers neue Kleider«, in: VT 33 (1983) 257-270; ders., Die Königs- und Hofsprüche und der Ursprung der israelitischen Weisheit, in: VT 36 (1986) 13-36; ferner mehrfach R.Norman Whybray, zuletzt: The Book of Proverbs, 1995, 22ff.

[31]Vgl. v.a. André Lemaire, Les ecoles et la formation de la Bible dans l’Ancien Israël (OBO 39), Freiburg (CH)/Göttingen 1981; zuletzt J.L. Crenshaw, 100ff (Lit.).

[32]Können die Schreiber am Hof auf ältere Sammlungen zurückgreifen, die andernorts, etwa von den Ältesten der Sippen, bereits kompiliert wurden, um diese dann zu überarbeiten? Oder haben sie die Sprüche erstmals zusammengestellt? Lag in ihren Händen die Endredaktion, war ihr Einfluß natürlich entscheidend. Würde man aber für den Fall, daß sie bei diesem Prozeß tiefe Spuren hinterlassen hätten (so M.V. Fox, 236ff), nicht deutlichere Hinweise auf ihre Intentionen erwarten (ähnlich etwa in der Art, wie die Deuteronomisten dem Jeremiabuch ein anderes Gepräge gegeben haben)? James A. Loader, Wisdom by (the) people for (the) people, in: ZAW 111 [1999], 211 - 233, hier 233, hält als Forderung an die zukünftige Forschung zu Recht fest, die bislang eher behaupteten als nachgewiesenen Eingriffe einer Redaktion am Königshof auch am Text festzumachen.

[33]Vgl. ferner 4,3f; 6,20; 31,1ff.26.28 u.a.

[34] Auch der Vergleich von C. Westermann und F.W. Golka (vgl. außer Anm. 30 auch ders., Die Flecken des Leoparden [AzTh 78], Stuttgart 1994) mit afrikanischen Sprichwörtern hat keinen Konsens erbracht, weil die von ihnen postulierte Herkunft aus dem „einfachen“ Volk für die Stammessprüche ebensowenig eindeutig ist wie in Israel (zur Kritik vgl. M.V. Fox, 228ff; J.A. Loader; dazu die Entgegnung von Golka in ZAW 112 [2000] 78f).

[35]Vgl. den Überblick bei Gunther Wanke, Religiöse Erziehung im alten Israel, in: Religiöse Erziehung und Religionsunterricht (Schriftenreihe zum Bayerischen Schulmuseum Ichenhausen 13), hg.  v. M. Liedtke, Bad Heilbrunn 1994, 55-64 (Lit.).

[36]Vgl. außer Dtn 6,20-24 noch Ex 12,26f; 13,14-16; Jos 4,6f; 4,21-24.

[37]Heinz-Josef Fabry, Gott im Gespräch zwischen den Generationen, in: KatBl 107 (1982) 754-760, hier 759.

[38]So spricht Amos sein »Wehe« gegen diejenigen, die »Wein aus Kannen trinken und bestes Öl versalben« (Am 6,1.6). Amos begründet seine Kritik mit einem Verhalten, das mehrfach in den Proverbien thematisiert wird; Spr 21,17 etwa warnt davor, Wein und Öl bei üppigen Gelagen zu verschwenden.

[39]So fragt Am 6,12: »Laufen etwa Rosse auf Felsen, oder pflügt man mit Rindern das Meer?«

[40]Werner H. Schmidt, »Kann ich nicht mit euch verfahren wie dieser Töpfer?« (1994), in: ders., Vielfalt und Einheit alttestamentlichen Glaubens 2, Neukirchen-Vluyn 1995, 140-152, hier 141.