Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

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Schart, Aaron, Stand: 2007-04-05

Gantzel, Christine, Wolfgang Kimmeskamp and Ralf Ventur: Religiöse Gemeinschaften in Essen. Die religiöse Landschaft neben den großen Kirchen. Marburg: Diagonal-Verlag, 1994. ISBN 3-927165-29-8, [11 IQF1221]

Inhalt

Einleitung          7
1.  Bahá'í   11

2.  Buddhismus  19

3.  Christliche Sondergemeinschaften          37

4. Freikirchen   84

5. Islam            132

6. Judentum      144

7. Kirchen        155

7.1.      Katholische Kirchengemeinde der Altkatholiken            155

7.2.      Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK)   162

8.         Weitere Gemeinschaften           169

Anmerkungen   189

Adressen          194

Adressen der Gemeinden, Gruppen und Zentren in Essen          194

Adressen der deutschen oder internationalen Zentralen  197

Lesetips            200

Personenregister           203

Sachregister      205

<7:> Einleitung

Die Mehrheit der Bevölkerung unseres Landes gehört auch heute noch einen der beiden großen christlichen Kirchen an. Dennoch wird - insbesondere in städtischen Ballungsräumen - immer deutlicher, daß sich neben diesen großen religiösen Institutionen allmählich ein breites pluralistisches Spektrum an Religionsgemeinschaften ganz unterschiedlicher Prägung etabliert hat: Gemeinschaften mit christlichem Hintergrund, Gemeinschaften anderer Weltreligionen oder neue religiöse Bewegungen. Für viele Menschen wird es immer schwieriger, hier einen Überblick zu gewinnen und in ihrer Einschätzung jenseits aller Pauschalurteile dem Selbstverständnis und dem besonderen Charakter der einzelnen Gemeinschaften gerecht zu werden.

Einschlägige Literatur bietet eine Möglichkeit, sich allgemein über Geschichte und Lehre der einzelnen Gemeinschaften zu informieren./1/ Eine solche Information gibt jedoch nur wenig Aufschluß über die »Situation vor Ort« bzw. den konkreten Lebensalltag der einzelnen Gemeinschaften.

Absicht dieser Dokumentation ist es, diese Lücke ein Stück weit zu schließen. Hierbei verstehen die Autoren ihre Veröffentlichung als Dienstleistung für alle interessierten Essener Bürgert, insbesondere Lehrer, Erwachsenenpädagogen, Mitarbeiter der Kommune und nicht zuletzt die Mitarbeiter und Mitglieder der verschiedenen auf Essener Gebiet beheimateten Religionsgemeinschaften von den großen christlichen Kirchen bis hin zu kleineren Gruppen anderer Weltreligionen. Insgesamt soll dieses Buch letztlich auch dazu dienen, die Offenheit und Lebendigkeit eines urbanen Raumes mit Blick auf den Bereich »Religion« zu illustrieren.

Die Arbeit entstand auf der Basis eines zweijährigen Projekts der Fachgruppe Evangelische Theologie (Prof. Dr. Dieter Baltzer) im Fachbereich 1 der Universität - GHS - Essen. Durchgeführt wurde das Projekt von der Diplompädagogin Christine Gantzel und dem Sek.-I.-Lehrer Wolfgang Kimmeskamp. Ziel des Projekts war es, die »religiöse Landschaft der Ruhrgebietsmetropole Essen« unter besonderer Berücksichtigung des Aspekts »Interreligiöser Dialog« zu beschreiben.

Im Zuge ihrer Arbeit nahmen die Projektmitarbeiter Kontakt zu den einzelnen Religionsgemeinschaften bzw. deren Gemeinden in Essen auf. Die Mehrzahl der angefragten Gemeinschaften erwies sich als sehr kooperationsbereit. Nach einer ersten schriftlichen Kontaktaufnahme und Vorstellung des Projekts kam in der Regel bereits beim nachfolgenden Telefongespräch ein Interviewtermin zustande. Viele der Repräsentanten kleinerer und unbekannterer Gemeinschaften bekundeten ihre Freude über ein öffentliches Interesse an ihrer Arbeit und erwiesen sich als besorgte und freundliche Gastgeber bei unseren Interviews.

Die Grundlage der vorliegenden Artikel bildete die Befragung der Repräsentanten der einzelnen in Essen angesiedelten Religionsgemeinschaften. Ihnen wurde ein Fragebogen u. a. zu den folgenden Themen vorgelegt: Statistische Daten, Arbeitsbereiche, Aktivitätsschwerpunkte der Gemeinschaft, Kontakte und Dialogbereitschaft.

<8:> Ausgehend von den einzelnen konkreten Fragen entwickelten sich zum Teil längere Gespräche mit Berichten über den Gemeindealltag und inhaltlichen Stellungnahmen, die protokolliert wurden. Zahlreiche der befragten Gemeinschaften /3/ stellten zum Teil bereits im Vorfeld der Befragung Informationsmaterialien zur Verfügung. Einige nahmen das Projekt in ihren regelmäßigen Verteiler auf und schickten Zeitschriften, Gemeindebriefe, Veranstaltungsprogramme etc. Die Auswertung dieser Materialien ist zum Teil mit in die Artikel über die einzelnen Gemeinschaften eingeflossen. In fast allen Fällen konnten im Zuge der Interviews die Räumlichkeiten der Gemeinschaft besichtigt werden, zum Teil folgten die Projektmitarbeiter der Einladung, Veranstaltungen der Gemeinschaften zu besuchen.

Im folgenden sind einige Worte zu Konzeption und Reichweite des vorliegenden Überblickes über Religionsgemeinschaften in Essen angebracht.

Ziel dieses Buches ist es, dem interessierten Leser eine erste Informationsmöglichkeit über die Religionsgemeinschaften jenseits der großen Kirchen mit besonderer Betonung ihrer Arbeit in der Ruhrgelbietsgroßstadt Essen zu bieten. Dabei wird zum einen auf eine knappe und möglichst übersichtliche Darstellung Wert gelegt, zum anderen sollen, statt Vollständigkeit der Darstellung anzustreben, besonders die prägenden Charakteristika der einzelnen Gemeinschaften herausgearbeitet werden - im Hinblick auf ihre Geschichte und Lehre als auch auf ihre konkrete Gemeindearbeit in Essen. Hierzu muß einschränkend gesagt werden, daß sich die Angaben über die konkrete Situation der Gemeinden auf den Befragungszeitraum 1991/92 beziehen. Trotz dieser nicht zu umgehenden Einschränkungen vermitteln die entsprechenden Passagen einen lebendigen Eindruck der jeweiligen Gemeindeaktivitäten. Insgesamt soll der Text für den Leser einen Anreiz bieten, sich selbständig intensiver über die einzelnen Gemeinschaften zu informieren.

Die Gliederung des Buches erfolgte in alphabetischer Reihenfolge; einige Übersichtsartikel dienen zur besseren Orientierung. Die einzelnen Texte sind gegliedert in Passagen über die Geschichte der Gemeinschaft, ihre Lehre und Organisation sowie die Arbeit der Gemeinde/Gruppe vor Ort. Im Zuge der Kontakte wurden die einzelnen Gemeinschaften gebeten, jeweils einen aussagekräftigen Text aus ihrer Iradilion zuzusenden? Diese Texte haben wir zur Illustration hinter die Artikel gefügt.

Die Kapitel über Buddhismus und buddhistische Gruppen, christliche Sondergemeinschaften, Judentum und jüdische Kultusgemeinde, Kirchen sowie weitere Gemeinschaften wurden von Christine Gantzel, die Artikel über Bahá'í i, Freikirchen, Islam und islamische Vereine von Wolfgang Kimmeskamp verfaßt. Für die redaktionelle Bearbeitung und deren Vorbereitung für den Druck ist Dr. Ralf Ventur verantwortlich gewesen.

Ein abschließender Index und Verzeichnisse der örtlichen und überregionalen Adressen sollen zur leichteren Orientierung beitragen.

<9:> Dies ist also kein Handbuch der Religionsgemeinschaften, das sich zur Aufgabe macht, Geschichte, Lehre und gegenwärtige Ausbreitung der einzelnen Religionsgemeinschaften im einzelnen genau darzustellen. Für eine solche Detaildarstellung kann mit Einschränkungen auf die bereits vorhandenen Handbücher und Lexika sowie Monographien über einzelne Gemeinschaften verwiesen werden. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, daß die überwiegende Anzahl der Handbuch- und Lexikonartikel über religiöse Gemeinschaften jenseits der beiden großen Kirchen aus einer kirchlich-christlichen Perspektive geschrieben sind.

Zur Ergänzung und als Gegengewicht zu diesen Werken sei daher auf die erwähnten Informationsschriften und größeren Publikationen der einzelnen Gemeinschaften verwiesen, die, soweit nicht im Buchhandel erhältlich, in der Regel von den jeweiligen Zentralen oder Stellen für Öffentlichkeitsarbeit bereitwillig zugesandt werden (was bei einigen stark missionierenden Gemeinschaften allerdings bedeuten kann, daß ein solches Interesse als Aufforderung zum Hausbesuch oder zur regelmäßigen Zusendung von Schrifttum verstanden wird). Die - keineswegs auf Vollständigkeit hin angelegten - Lesetips sollen einen ersten Zugang erleichtern.

Derjenige, der sich nach unserem Überblick genauer über eine einzelne Religionsgemeinschaft informieren möchte, wird letztlich nicht umhin können, sich nach kritischer Durchsicht von Materialien der einzelnen Gemeinschaften und ebenso kritischer Lektüre der Literatur über einzelne Gemeinschaften ein eigenes vorläufiges und durch neues Material veränderbares Urteil zu bilden.

Im folgenden soll versucht werden, der Arbeit der einzelnen Gemeinschaften zunächst ohne vorgefaßtes Urteil zu begegnen und sie so wenig wertend wie eben möglich, zum Teil illustriert durch Zitate aus Gesprächen und Materialien der Gemeinschaften, darzustellen. Letztlich bedeutet dies allerdings auch, sie nicht vom Standpunkt eines bestimmten Bekenntnisses und unter der Perspektive ihrer »Abweichung« von einer traditionellen, z. B. kirchlichen »Richtschnur« zu beurteilen. Es ist im Zusammenhang dieses Überblicks daher nicht beabsichtigt, die Arbeit zu leisten, die zum Beispiel die Sektenbeauftragten der Kirchen oder das Essener Sekteninfo leisten, nämlich aufbauend auf einer Vielzahl von Gesprächen mit ehemaligen Mitgliedern einzelner Gemeinschaften, lncognito-Teilnahme an Veranstaltungen, Sichtung interner Materialien etc. eine Beurteilung der Gemeinschaften abzugeben.

Für all diejenigen, die sich mit den problematischen psychologischen Aspekten einzelner Gemeinschaften bzw. mit deren Bewertung aus der Sicht der christlichen Kirchen beschäftigen wollen, sei hier einerseits auf die Arbeit des Sekteninfo Essens, andererseits auf die Tätigkeit der Sektenbeauftragten der evangelischen Kirche im Rheinland /6/ und von Westfalen /7/ verwiesen.

Mit einigen wenigen Gemeinschaften kam trotz anfänglicher Kontaktaufnahme kein Gespräch zustande. An dieser Stelle sind die »Zeugen Jehovas« zu nennen. Trotz Briefwechsel mit der Zentrale in Selters/Taunus und Zusendung von Materia- <10:> lien kam es letztlich doch nicht zu einem Termin vor Ort. Andere Gemeinschaften waren explizit nicht bereit, sich befragen zu lassen oder reagierten auch auf mehrfache Anschreiben nicht. So bekundeten Mitarbeiter der »Internationalen Schule des Rosenkreuzes«, für sie sei eine solche Befragung und Darstellung »nicht von Interesse«. Die Gemeinschaft »Universelles Leben« und die »Gemeinde der Christen - Ekklesia« sowie der islamische Verband »Avrupa Milli Görusch Teskilatlari« (AMGT) reagierten gar nicht auf wiederholte Anfragen. Einige weitere (nichttürkische) islamische Gemeinden und die Christliche Versammlung wurden nicht erreicht. Andere Gemeinschaften, wie z. B. der Verband islamischer Kulturzentren, waren kooperationsbereit und sandten Material zu, teilten aber ansonsten mit, daß in Essen kein Verein bzw. keine Gemeinde ihrer Gemeinschaft bestehe. Trotz sorgfältiger Arbeit wird es zudem sicher nicht gelungen sein, alle in Essen ansässigen Gemeinschaften mitzuberücksichtigen.

Im Zuge der vielfältigen Aktivitäten im Rahmen des Projekts und nicht zuletzt der Kontakte zu den Mitgliedern der Verschiedenen Essener Religionsgemeinschaften lernten wir trotzdem ein großes Spektrum ernsthaft gelebter Religiosität kennen.

Wir möchten abschließend all denjenigen Mitgliedern und Mitarbeitern der Essener Religionsgemeinschaften danken, deren Entgegenkommen, lebhaftes Interesse und Unterstützung das Zustandekommen dieses Buches ermöglichten. Des weiteren danken wir Herrn Prof. Dr. D. Baltzer für seine Beratung und Unterstützung.

Essen, im Dezember 1993

Christine Gantzel

Wolfgang Kimmeskamp

Dr. Ralf Ventur