Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

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Schart, Aaron, Stand: 2007-04-05

Schulz                                                                                                        Grund- und Hauptstudium, P/SI,WP

Seminar:          Grundlagen der christlichen Anthropologie: Luther und Erasmus über die Freiheit des menschlichen Willens  (C.1-2/PwU A.4)

Zeit:                     Mi 12 -14

Raum:                  R12 R05 A93

Beginn:               23.04.2003

Im September 1524 veröffentlicht Erasmus von Rotterdam (1466-1536), das gefeierte Haupt der humanistischen Bewegung in Deutschland, eine Abhandlung über die Freiheit des Willens. Mit dieser Schrift will er, der Mann des steten Ausgleichs zwischen katholischer Kirche und reformatorischer Bewegung, einen lange gehegten Plan verwirklichen: Am Leitfaden eines anthropologisch-theologisch zentralen Sachproblems sollen grundlegende Übereinstimmungen, aber auch unüberwindliche Differenzen zur reformatorischen Theologie insgesamt, zu Martin Luther (1483-1546) im besonderen in sachlich grundsätzlicher, formal aber ganz und gar unpolemischer Art erörtert werden. Indes, hier wie so oft „zertrümmert Doctor Martins eiserne Bauernfaust, was die feine, bloß mit der Feder bewehrte Hand des Erasmus zärtlich zu binden sich bemühte“ (S. Zweig): Luthers Antwort an Erasmus, enthalten in seiner im Dezember 1525 publizierten Schrift Über den geknechteten Willen, ist ein Musterbeispiel für jene unbarmherzige Polemik, mit der der große Reformator jeden überzieht, der es wagt, den reformatorischen Grundgedanken in Zweifel zu ziehen oder zu verfälschen.

Dieser polemischen Tendenz zum Trotz ist De servo arbitrio (so der lat. Titel) einer der sachlich gehaltvollsten theologischen Texte Luthers, und er selber hat ihn abgesehen von seinen Katechismen als das einzig Erhaltenswerte seines Riesenwerkes angesehen. Jeder, der die Grundlagen protestantischen Denkens aus nächster Nähe, nämlich im Prozess ihrer Formierung kennen lernen will, ist gut beraten, diese in hermeneutischer (Stichwort Bibelverständnis) wie anthropologischer (Stichwort Willensfreiheit) und eschatologischer Hinsicht (Stichwort Prädestination) gleichermaßen zentrale Schrift aufmerksam zu studieren. Im Seminar werden wir dies am Leitfaden ausgewählter Textpassagen und im Vergleich zu den Kernpunkten der erasmischen Argumentation tun. Die Bereitschaft zur Übernahme eines Sitzungsprotokolls ist die – wohlgemerkt: einzige – Teilnahmevoraussetzung.

Literatur:

·        H.U. Delius: Einführung in De servo arbitrio. In: Ders. (Hg.), Martin Luther. Studienausgabe, Bd. 3. Berlin 1983, 170-176.

·        S. Zweig: Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam. Frankfurt a.M. 1981 (Fischer TB 2279), S. 102-131.